Reha in Bad Salzuflen

  • Hallo,


    jetzt, fast am Ende meiner dann fünfwöchigen Reha hier in Bad Salzuflen möchte ich gerne meine Erfahrungen mitteilen:


    Ich war zuerst zugegebenermaßen sehr skeptisch, was mich bei einer Reha das CI betreffend erwartet und wie das so abläuft.


    Sehr schnell war ich positiv überrascht, wie gut hier alles organisiert ist und auch das Konzept gefällt mir sehr gut.


    Wir haben jeden Tag ein Gruppenhörtraining. Damit die Gruppe nicht zu groß ist, wurden wir (wir waren mit insgesamt maximal 9 CI -Trägern, interessanterweise war ich mit einer jungen Frau das einzige weibliche Wesen unter den CI-Trägern:D) in zwei Gruppen aufgeteilt. In der Gruppe wird in lockerer Atmosphäre im Rahmen von Fragespielen das Hören und Verstehen in Gesprächen untereinander geübt. Wir waren eine tolle Truppe und dabei auch sehr viel Spaß, so dass wir meistens länger als die geplanten 30 Minuten gemacht haben.

    Daneben gab es täglich Einzelhörtraining. Auch hier wird sehr gut auf den einzelnen Patienten eingegangen und die Hörübungen finden dann auch gerne mitten in der Cafeteria bei Hochbetrieb im massiven Störlärm statt. Realitätsnäher kann man fast nicht trainieren.


    In den ersten drei Wochen „durften“ wir uns interessante Vorträge über Hören allgemein, Hörstress, CI allgemein, Technische Hilfsmittel usw. anhören. Die PowerPoint Präsentationen können auch in Papierform bei der Technikausleihe abgeholt werden.


    Einmal in der Woche findet die „Kommunikationsgruppe CI“ statt; hier habe ich viele gute Tipps und Denkanregungen mitgenommen. Das eine oder andere Verhalten in der Kommunikation erscheint in einem anderen Licht.


    Wöchentlich findet ein Termin zur Einstellung des CI statt. Wenn man jedoch zwischendurch mal Probleme hatte, bekam man auch kurzfristig einen Termin beim Techniker.


    Aufgrund meines nach der CI-OP verlorenem Gleichgewichts habe ich Gleichgewichtstraining verordnet bekommen sowie Aquarobic und Aquagymnastik. Der Sport hat sehr gut getan und auch (meistens ;)) viel Spaß gemacht.


    Wenn es mal Probleme, egal in welcher Hinsicht, gab, waren die Therapeuten, die Ärzte und das ganze HTS Team für die Patienten da und hatten immer ein offenes Ohr.

    Zusätzlich hatte ich das Glück tolle „Mitpatienten“ (egal ob mit oder ohne CI) gehabt zu haben, so dass für uns alle die Zeit wie im Fluge verging und wir auch super viel Spaß miteinander hatten.


    Ich kann den Aufenthalt hier in Bad Salzuflen nur empfehlen und werde in gut zwei Jahren aufgrund der Gleichgewichtsprobleme sowie der jahrzehntelangen (beruflich bedingten) Hörüberlastung versuchen, nochmals für wenigstens drei Wochen hier eine Reha durchführen zu können.


    Ich möchte mit meinem Bericht einfach Mut für die Durchführung einer CI Reha machen und kann hier die Klinik wärmstens empfehlen.


    Euch allen ein schönes Fastelovend (rheinisch: Karneval)!:D


    Liebe Grüße

    SaSel

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

  • Hallo SaSel,


    danke für dem interessanten Bericht. Bad Salzuflen kenne ich noch aus meinen Kinder- und Jugendjahren, weil ich da öfters mit meinen Eltern auf Reisen zu Verwandten Zwischenstation machte...


    Bei mir wiehert der "Berliner Amtsschimmel" zu sehr, wenn ich dort ne Kur machen möchte: Vom Land Berlin erhalte ich "Gehörlosen-Pflegegeld", das jedoch bei voll-stationärer Unterbringung ganz entfällt. Aufgrund des Bezuges von Rente wegen EU und Grundsicherung fehlen dann etliche "Euronen" im niedrigen dreistelligen Bereich bei einer Kur von 4 Wochen... Tja, das geht so nicht und so muss ich halt darauf verzichten.

  • Hallo SaSel,


    genau so habe ich die Reha 2016 dort empfunden. Habe mich auch total wohl gefühlt dort.


    LG Manuela

    linkes Ohr Cochlear Implantat Nukleus 6 CP 910 seit dem 14.02.2017
    rechtes Ohr Cochlear Implantat Nukleus 6 CP 910 seit dem 28.07.2014


    Blindheit trennt von den Dingen, Taubheit von den Menschen! (Immanuel Kant)

  • Hallo zusammen,


    seit gestern bin ich nun wieder zu Hause und die fünfwöchige Reha ist wie im Flug vergangen.


    Ich habe beim Hören mit dem CI für mich zufriedenstellend Fortschritte gemacht (natürlich ist immer noch Luft nach oben;)):

    Zahlenverstehen war schon zu Beginn 100%, daher keine Verbesserung möglich,

    Einsilber 20% auf 60%,

    Satz Ruhe 70% auf 75%,

    Satz im Störlärm 30% auf 75%,

    Speech-Tracking mit Ansehen 70 auf 81 Wörzer/Minute,

    Ohne Absehen 50 auf 79 Wörter/Minute.

    Das sind Werte, mit denen ich wirklich gut leben und weiter ausbauen kann.


    Ich habe auch sehr viel über mich selbst, meinem Umgang mit der Hörbehinderung und einer Hörbehinderung an sich gelernt. Ich hoffe sehr, dass ich das eine oder andere dann im Alltag tatsächlich umsetzen kann, damit es bei mir nicht wieder zu einer solchen Hörüberlastung kommt und ich somit auch wieder dauerhaft mehr Lebensqualität habe. Mit einer ganzen Portion Optimismus und dem rheinischen Humor wird’s was werden ;).


    Ich wünsche euch allen weiterhin tolle Hörerlebnisse und alles Gute.


    Liebe Grüße aus dem Rheinland,

    SaSel :)

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

  • Ich bin zwar nicht Sasel, aber da ich auch in Salzuflen war, erkläre ich es mal ;-) Beim Speech Tracking bekommt man ein paar (ich glaube 5) Minuten lang einen Text stückchenweise vorgelesen und muss das Gehörte nachsprechen. Das Ganze wird je einmal mit und ohne Mundbild gemacht und je einmal am Anfang und am Ende um festzustellen, wie viel von dem Verstandenen vom Mundbild abhängig ist und wie sich das Verständnis während der Reha entwickelt hat.


    LG

    Sunny

    ab 15. Lebensjahr progressiver Hörverlust ohne Befund
    Mi1200 SYNCHRONY von MED-EL SP Sonnet
    links: OP am 20.10.2017, EA 14.11.2017
    rechts: OP 02.02.2016 EA 21.03.2016

  • Je schneller vorgesprochen werden kann bei entsprechendem Verständnis und je schneller das richtig wiedergegeben wird, umso besser fällt die Messung des speech Tracking aus. Das kann auch weit mehr werden als 5 min vorlesen...

  • Perfekt erklärt:thumbup:!

    Man glaubt gar nicht, wie schnell diese fünf Minuten vorbei sind :D.

    Ich persönlich finde, dass dies ein sehr realistischer Test ist, da im alltäglichen Leben wir selten mit Einsilbern konfrontiert werden (es sei denn, man hat pubertierende Kids, die oft mundfaul sind;)). Die Therapeutin hat mir auch erklärt, dass die Sprechgeschwindigkeit im Ermessen des Therapeuten liegt, es soll ja ein relativ realistisches Bild vom Sprachverstehen entstehen.


    Ich konnte auf jeden Fall sehr viele Anregungen und Denkanstöße mitnehmen- ich hoffe, dass ich auch einiges davon im Alltag umsetzen kann.

    Schon heute habe ich ganz spontan ein Gespräch mit dem Integrationsfachdienst und der Bürgermeisterin wegen der Wiedereingliederung und der Einrichtung meines Arbeitsplatzes. Ich bin gespannt, was mich da erwartet...


    LG SaSel

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear