Ci nach 33 Jahren einseitiger Taubheit (SSD)

  • Ich bin seit dem 8. Lebensjahr einseitig taub, dies nach wiederholten Mittelohrentzündungen welche auch das Innenohr angegriffen hatten.

    Mit knapp 20 hatte ich meine erste Brillen-Cros-Versorgung, diese aber nicht gerne getragen und vor 7 Jahren dann eine Funkcros von Phonak. Seither hab ich mich damit abgefunden, wohl den Rest meines Lebens einseitig durchs Leben zu gehen, immer mal wieder verloren zu gehen, fast überfahren zu werden von Bus oder Tram und meinem Elektroauto wenn mein Mann fährt...


    Vor einem Jahr suchte ich wegen eine Nasennebenhöhlenenzündung einen neuen HNO auf, und dieser schickte mich dann ins Unispital zur CI Abklärung. Nach einigem Hin und Her, weil hier in der Schweiz bei SSD noch nicht so viele Cis implantiert wurden, gab dann die KK grünes Licht und am 8.2.2018 erfolgte dann die OP in Bern. Die OP verlief eigentlich gut, leider blutete es dann eine Weile lang ziemlich stark, so dass ich statt zwei, sechs Tage im Spital war. Danach war ich noch eine Weile ziemlich ko und müde, ging aber nach zwei Wochen wieder meinem Beruf als Sonderpädagogin nach. Weil ich eh nicht der Typ bin, der gerne daheim herumliegt.


    Genau einen Monat nach der OP war am 8.3. 18 die Erstanpassung meines Kanso. Zuerst zum CT um die Lage der Elektroden zu untersuchen und dann zum Ingenieur welcher mir mir die Bilder anschaute. Danach bekam ich den Kanso erklärt und durfte ihn anziehen und die Anpassung begann. Dies war ein ziemlicher Schock für mich, zuerst habe ich lange nichts gehört bei den ersten Tönen und als es dann klappte war mir sofort alles zu laut, vor allem als dann alles zusammen eingeschaltet wurde. Der Ingenieur war aber super und rasch wurde es so angepasst, dass ich mich wieder wohler fühlte. Alles fühlte sich an als sprach jemand mit vollem Mund in eine Blechbüchse mit viel Echo.

    Der Heimweg mit dem Auto war schon ziemlich komisch, keine Ahnung was für Geräusche ich dann alles wahrnahm. Zuhause merkte ich wie laut alles ist um mich herum, gewöhnte mich aber rasch an den Trubel der beiden Kinder und der Umgebung. Dank Minimic2+ habe ich brav angefangen mit dem iPhone zu üben und hörte und las mit Voice Dream ein Buch, verstanden habe ich aber nicht wirklich viel. Schon nach einem Tag habe ich aber mit einer App Zahlen geübt und auch "verstanden" wenn auch nicht wirklich deutlich, aber immerhin. Man hatte mir vor der OP nicht viel Hoffnung gemacht, dass es dann rasch gehen würde, halt weil ich so lange taub gewesen sei.

    Schon nach drei Tagen war ich recht müde und ziemlich dünnhäutig, bin dann aber trotzdem in die Schule gegangen und dort wurde mir immer übler und schwindliger, was sich auch ohne Kanso nicht legte. Also nach zwei Tagen zum HNO und dieser schrieb mich umgehend krank, schickte mich zum Ingenieur und dann versuchte man herauszufinden woran es lag, schlussendlich lag es weder am Implantat noch am Sprachprozessor, sondern einfach dran, dass es für mich zu viel wurde, vor allem mit dem Trubel bei der Arbeit zusammen.

    Was aber bei der Untersuchung, genau eine Woche nach der EA kam heraus, dass ich wirklich schon einige Zahlen verstand und auch die Einsilber gar nicht schlecht abschnitten, cool, wer hätte gedacht dass bereits 80% der Zahlen richtig sind? Die Frage ist einfach wie viel mein gutes Ohr, trotz Ohropax und Gehörschutz, noch mithalf. Aber dafür hatte auch niemand wirklich eine Lösung, ausser einer angepassten Otoplastik samt Gehörschutz?

    Die Lautstärke wurde nur wenig lauter gemacht im Hinblick auf meine Übelkeit und den Schwindel und ich sollte nur lauter machen wenn ich mich wohler fühlte.

    Schon nach drei Tagen ging es aber aufwärts und ich konnte wieder mit üben und auch den Haushalt wieder erledigen und zu den Kids schauen. Nach fast einer Woche war dann die Energie wieder halbwegs da und die neuerliche Einstellung beim Ingenieur lief wiederum gut ab, die Lautstärke konnte erhöht werden, einfach die hohen Töne fallen noch ab, wieso auch immer.


    Nun bin ich gespannt was noch kommt und wie es weitergeht, arbeiten werde ich sicherlich erst nach den Osterferien wieder und geniesse bis dahin die Zeit für mich, übe regelmässig und bin gerne draussen am spazieren.

    li normal hörend

    re taub nach chronischen MOE im Kindesalter, nun Cochlear Kanso OP 8.2.18 EA am 8.3.18

  • Hallo und Herzlich Willkommen hier!



    Wow, was für ein Start, also auf hörtechnischer Sicht gesehen.


    Ich hoffe, der Schwindel gehört nun langsam der Vergangenheit an!

    Aber, er könnte ein Zeichen gewesen sein, daß zu viel in zu kurzer Zeit gemacht wurde.


    Gehe alles schön langsam an!

    Und weiterhin guten Hörerfolg!

    Mit der Zeit und einigen Einstellungen später wird schon alles normaler klingen.



    Schönen Gruß

    Sheltie

  • Danke!
    Ja der Schwindel ist nun weg und die Übelkeit auch, es war ganz sicher zu viel in kurzer Zeit, auch weil ich wohl zu ehrgeizig bin und halt mein Job auch nicht ganz ohne ist.


    Nun habe ich mehr Zeit und dann sollte es schon klappen, bin gespannt wie es weitergeht. Man hat mich ja sehr gewarnt, dass evtl. fast nichts gehen könnte weil ich so lange taub war.

    li normal hörend

    re taub nach chronischen MOE im Kindesalter, nun Cochlear Kanso OP 8.2.18 EA am 8.3.18

  • Hallo Nikita,


    das hört sich ja super an! :thumbup:

    Ja, das denke ich, auch dass der Schwindel und die Übelkeit bei Dir mit Überlastung beim Hören zusammengehängt haben. ;-)

    Ab jetzt gönnst Du Dir einfach öfter mal Hörpausen und dann geht das schon!



    Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute auf Deiner Hörreise! :-)



    Liebe Grüße Janina :-)

    Bilaterale AB-Trägerin! :)^^

    - rechts: Naîda Q70
    - links: Naîda Q90 --> Erstanpassung vom 11.06.-15.06.2018 :S

  • Nun ist schon wieder ein Monat vorbei und langsam geht es wirklich aufwärts. Ich war mit der Familie im Urlaub und das war super und endlich mal kam auch die Energie wieder zurück welche ich in den letzten drei Monaten vermisst hatte.


    Grundsätzlich bin ich enorm erschrocken wie laut alles um mich herum nun ist, bislang war die Welt viel leiser und ruhiger für mich und auch selber habe ich weniger Lärm produziert glaubte ich auf jeden Fall. Dies hat mich ziemlich ins Nachdenken gebracht und mir aufgezeigt wie schlecht ich vorher wohl gehört habe, resp. ich merke es ja dann wenn ich das CI ausziehe.


    Letzten Mittwoch war ich zum 4. Mal in der Einstellung beim Ingenieur, diesmal war es ein anderer und der ging anders vor als sein Kollege. Der Hörtest welchen er machte, machte er nicht mit Ohropax und Gehörschutz, sondern mit dem Vertäubungsgeräusch und der fiel dann nicht ganz so gut aus wie die letzten beiden Male, das gute Ohr hat aber definitiv weniger mithelfen können so und ich denke es passt besser zur Realität.

    Was mich nervte, war dass sie noch ein ganzes Audiogramm wollten wegen dem Restgehör auf der operierten Seite, hahaha, ich war ja vorher schon voll taub, wie soll da nun plötzlich doch was sein? Naja, er hat es kurz und schmerzlos gemacht und es war ja wirklich nichts mehr da.


    Was immer noch sehr schwierig ist, die die Situation am Arbeitsplatz, mir ist alles zu laut und rasch wird mir dann komisch und ich bin voll kaputt und müde nach ein paar Stunden. Ein Schulzimmer ist halt grundsätzlich schon sehr laut und im Moment kann mein CI Ohr halt noch keine Geräusche filtern und nimmt einfach alles auf was rundherum läuft. Wir haben bei den Einstellungen nun Programme gemacht für den Unterricht und solche für die Freizeit, das klappt besser und lässt mich weniger ermüden. Zum Glück habe ich es diesmal rasch gemerkt und reagiert bevor ich wieder total ko war.

    li normal hörend

    re taub nach chronischen MOE im Kindesalter, nun Cochlear Kanso OP 8.2.18 EA am 8.3.18

  • Nun ist nochmals eine Weile vorbei und es läuft immer besser!

    Diese Woche war nochmals eine Einstellung und seither kann ich sogar mit dem CI telefonieren, habs allerdings nur mit meiner Familie getestet :-).

    Im Alltagund selbst im Beruf geht es nun auch relativ gut und ich brauche keine leisen Spezialprogramme mehr für die Arbeit.

    Gut ich übe auch täglich, morgens früh und abends bevor ich ins Bett gehe, falls die Energie noch reicht.


    Wer hätte das vor einem Jahr gedacht oder nach der OP wo es mir nicht wirklich gut ging.

    li normal hörend

    re taub nach chronischen MOE im Kindesalter, nun Cochlear Kanso OP 8.2.18 EA am 8.3.18

  • Super, es wird :):thumbup:

    Wer durch des Argwohn Brille schaut, sieht Raupen selbst im Sauerkraut. (Wilhelm Busch)



    schleichende, an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit seid 40 Jahren, beids.
    rechts:AB High Res Ultra CI HighFokus, Naida CI Q90, OP 04/2017, EA 05/2017
    Links: AB High Res Ultra CI HighFokus, Naida CI Q90, OP 05/2018, EA 06/2018
    BWZK Koblenz.