Welche Klinik

  • Hallo in die Runde.

    Seit 23 Jahren bin ich nach einem Hörsturz einseitig ertaubt und plane nun eine CI-Implantation vornehmen zu lassen. Ein zunehmender Tinnitus sowie eine Hyperakusis auf meinem gesunden Ohr hat bei mir den Entschluss reifen lassen, mir ein 2. Ohr zu gönnen um hoffentlich etwas Entlastung zu erfahren.

    Hat jemand aus dem Forum Erfahrung mit der UNI Klink in Essen? Frau Prof. Arweiler-Harbeck ist mir empfohlen worden.

    Ich komme aus NRW und könnte natürlich auch nach Köln, Düsseldorf oder auch Frankfurt. Hannover war mir bei der 1. Vorstellung zu unpersönlich.

    Wenn jemand eine gute Empfehlung für eine Klinik hat bzw. etwas über Essen weiss, bitte ich um ein kurzes feedback.

    Vielen Dank und beste Grüsse

    Jan

  • Hallo Jan,

    ich selbst komme aus dem Raum Köln/Bonn und habe mich für die Uni Klinik Köln entschieden. Ausschlaggebend für die Uni war für mich, dass meine beste Freundin, gleichzeitig auch Akustikermeisterin, im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit schon oft und gut mit der Uni bzw. dem dortigen CI-Zentrum zusammen gearbeitet hat.

    Die VUs und die Beratung waren gut, die Nachsorge nach der EA ist sehr engmaschig (1x/Woche Einstellung und Hörtraining in den ersten drei Monaten, dann 6-Monatskontrolle, danach 12-Monatskontrolle und zwischendurch bei Bedarf, je nach Einzelfall). Ich wurde auch gut zum Thema technische Hilfsmittel und berufliche Wiedereingliederung beraten. Wenn zwischendurch Probleme auftauchen, kann man dort immer anrufen und es wird versucht, das Problem aus der Welt zu schaffen.

    CI-Träger von Cochlear haben den weiteren Vorteil, dass keine 2 km von der Uni entfernt ein Laden von Cochlear eröffnet hat, wo einem auch technisch, auch mit CI -Einstellungen (!) sehr gut weiter geholfen wird (eine spontane neue CI-Einstellung bzw. Austausch des SP habe ich vor vier Wochen selbst dort vorgenommenen; ein kurzer Anruf und schon am nächsten Tag hatte ich den Termin dort:thumbup:).


    Letztendlich musst du dich auf dein Bauchgefühl verlassen und dich in der Klinik, bzw. Nachsorge gut aufgehoben fühlen. Die OP selbst ist nur ein kleiner Bestandteil des ganzen Procedere.


    Ich wünsche dir eine gute Entscheidungsfindung.


    Viele Grüße

    SaSel

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

  • Hallo SaSel,

    herzlichen Dank für Deine Ausführungen. Werde mir noch Düsseldorf anschauen und dann in der Tat auf mein Bauchgefühl vertrauen. Vielleicht lass ich auch alles so wie es ist, schließlich höre ich auf einem Ohr ja noch gut. Neben möglichen Komplikationen habe ich am meisten Respekt vor der Kombi eines normalen Höreindruckes auf der einen Seite gegenüber dem artifiziellen Klang auf der operierten Seite. Habe einfach Angst, daß mich das kirre macht.


    Etwas Zeit lass ich mir noch,

    Viele Grüsse

    Jan

  • Hallo Jan,

    ich bin rechts mit Cochlear implantiert und trage den Kanso. Links (Hörverlust zeit meines Lebens rund 82%) trage ich seit dem 3. Lebensjahr ein HG, bis heute.

    Inzwischen, nach knapp 9 Monaten nach EA im Juli 2017, merke ich kaum einen Unterschied, ob ich das HG am Ohr habe oder nicht, das CI ist sehr stark geworden. Rechts hatte ich bis zur OP einen Hörverlust von 85%.

    Ich persönlich empfinde das Hören links und rechts nicht als gravierend unterschiedlich.

    Ich profitiere insoweit vom CI, als dass ich Unterhaltungen, insbesondere im Störlärm, nun wesentlich entspannter folgen kann und wenn es zu laut und zu unangenehm wird, wechsel ich einfach das Programm mit der Fernbedienung ;). Ein Luxus, den die anderen nicht haben und ich manchmal sogar von den Freunden beneidet werde:saint:.


    Viele Grüße

    SaSel

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

  • Hi,


    ich komme auch aus NRW und habe mich in Bochum operieren lassen.

    Einfach deshalb, weil meine Freundin dort war. Sie war so zufrieden, daß sie sich ein zweites CI hat machen lassen, und ich habe mich ihr dann mal direkt angeschlossen, nachdem der Entschluß fest stand, daß ich nach 10 Jahren doch endlich mal wieder gerne hören möchte. ^^


    Inzwischen habe ich auch ein zweites CI (nachdem mein HG Ohr so plötzlich schlapp gemacht hatte X( ) und bin dann wieder nach Bochum gegangen. Einfach, weil ich die Einrichtung dort schon kannte, und auch beim ersten Mal recht zufrieden war, und auch wußte, was mich nach der OP so alles erwarten wird.



    Was mir wichtig war, ist die Nachsorge nach der OP, und die Reha Möglichkeit vor Ort. Ich fahre "nur" eine Stunde dahin.

    In Bochum haben sie ein eigenes CI Zentrum, und sie bieten ambulante Reha an. Anfangs noch wöchentlich, weil ja erst einmal die Einstellungen gemacht werden müssen, dann kommt die Logopädie dazu, und danach wird das individuell geregelt.

    Und ich kann mich immer an die Leute vom CI Zentrum wenden, wenn es vielleicht mal Probleme mit den CIs geben sollte, bzw. wenn etwas mit der Krankenkasse, oder so, sein sollte. Die helfen einem.





    Was ich persönlich machen würde:

    Wenn ich mich für eine Klinik entscheide, dazu wird es ja unterschiedliche Gründe geben, dann würde ich mir alles vor Ort anschauen wollen. Mit den Leuten reden, was man ja bei einer VU eh macht, "doofe" Fragen stellen, und auch schauen, wie es mit der Nachsorge nach der OP aussieht. Bzw. wie es generell nach der EA weiter gehen wird.


    Habe ich ein gutes Gefühl dabei, wird dies schon die richtige Klinik sein.

    Meldet sich mein Bauchgefühl mit einem "Hinweis", daß da was nicht in Ordnung ist, würde ich darauf "hören" wollen, und entsprechend handeln.




    Alles Gute! :thumbup:



    Schönen Gruß

    Sheltie

  • Hallo Sheltie,

    vielen Dank für Deine Tipps. Werde mir abschliessend noch Düsseldorf anschauen (nur 30 min Fahrzeit) und dann auf meinen Bauch hören. Hattest Dueigentlixh Probleme mit Tinnitus und wie hat sich das nach der OP entwickelt?


    Viele Grüße

    Jan

  • Ich hatte vorher, zur reinen Hörgerätenzeit zwischendurch schon mal Tinnitus gehabt, wenn ich mal gestreßt war.

    Das war sonst eher moderat gewesen, daß ich praktisch schon beschwerdefrei war.

    Es hatte mich nie gestört, oder genervt.

    Und ich wußte ja, wie ich es "auschalten" konnte.



    Als ich dann den Hörsturz hatte, und 10 Jahre lang nichts mehr auf meinem sonst so guten Ohr gehört hatte, wurde dort der Tinnitus auch stärker. Nicht nur, wenn ich Streß hatte, sondern wohl auch, wenn sich mein Ohr anscheinend "gelangweilt" hatte. Es hatte ja nichts mehr zu tun gehabt, denn ich hatte ja kaum noch was gehört.


    Kurz vor meinem Hörsturz auf der linken Seite trat dann, für mich sehr seltsam, zum ersten Mal auch Tinnitus auf der linken Seite auf.

    Und es hatte in der kurzen Zeit bis zur OP schon etwas zugenommen. Für mich auch ein Zeichen, daß ich schlechter gehört hatte, und es keine Einbildung gewesen war, daß ich die Sprache nicht mehr so gut verstand.



    Direkt nach den jeweiligen OPs, wo ich ja auf die Ohren noch nicht hören "durfte", bzw. die vier Wochen bis zur EA warten mußte, war dieser nervige Ton natürlich schon zu hören gewesen. Aber ich hatte ja schon gelernt, wie ich damit umzugehen habe. Da ging es ganz gut.


    Jetzt, wo ich den ganzen Tag lang über meine SPs trage, und diese nur Nachts ablege, höre ich nichts mehr von meinem Tinnitus.

    Außer natürlich, mich beschäftigt noch was extrem, und ich kann nicht abschalten. Dann macht der Tinnitus sich schon mal bemerkbar.

    Aber, da habe ich mir schon was angeeignet. Ich muß einfach sehen, daß ich selbst zur Ruhe komme.




    Schönen Gruß

    Sheltie