Neu im DCIG Forum

  • Ich bin ebenfalls ganz neu hier und möchte mich einmal vorstellen.

    Ich heiße Cleo und habe seit 05/2022 beidseitig CIs, da ich mehrere Hörstürze hatte und dadurch nicht mehr hören konnte.

    Meine ersten Erfahrungen sind gut, ich mache Fortschritte und kann auf der Arbeit schon telefonieren.

    Zu meiner Frustration machen mir Gespräche in Gruppen, vor allem Restaurantbesuche Schwierigkeiten. Vlt. ist es albern und undankbar von mir, mich darüber zu ärgern aber es stört mich dass mich die Geräuschkulisse nach einiger Zeit zu überfordern beginnt. Dann bin ich erschöpft und kann nicht mehr so gut hören. Meine normalhörenden Mitmenschen raten mIr dann, eine Pause mit den CIs zu machen - dann bekomme ich aber nichts mehr mit und fühle mich fehl am Platz. ☹️

    Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Meine Freunde und Familie sind alle normalhörend und ich habe das Gefühl, sie können nicht immer nachvollziehen wie das für mich ist. Außerdem schäme ich mich oft noch, zusagen dass Situationen mir zu viel sind.


    Liebe Grüße an alle da draußen 😊

  • Hallo Cleo,

    herzlich Willkommen im Forum!

    Meine normalhörenden Mitmenschen raten mIr dann, eine Pause mit den CIs zu machen

    So leid es mir tut, da haben die absolut Recht damit.

    Mach mal langsam! Du hast deine CIs erst sage und schreibe 2-3 Monate und du schreibst, dass du auch telefonieren kannst. Bedenke: Manche können nach Jahren Training erst telefonieren - wenn überhaupt.


    Mit CIs bist du kein Normalhörender (mehr). Das Hören ist weitaus anstrengender als früher. Du BRAUCHST Pausen.

    Euer Dominik.

    rechts OP 20.02.2020 LMU München, EA 11.03.2020 Sonnet 2

    links OP 16.12.2020 LMU München, EA 15.01.2021 Sonnet 2

    Audiogramm | Über mich

    "Nicht sehen und nicht hören trennt den Menschen von den Dingen und vom Menschen" (unbekannt)

  • Hallo Cleo,

    Restaurants sind für mich auch die Hölle ;) . Aber ich schalte dann den ForwardFocus beim Kanso 2 ein und konzentriere mich immer auf meinen Gesprächspartner, oder ich setze zur Kommunikation mein Minnimic2+ ein.

    Rechts Cochlear Kanso 1 CI Modell 512; OP 25.04.2017 Hörschnecke bis auf dem Stumpf entfernt UNI-KLINIK Halle;
    Links HG AMPLI-CONNECT R 5 ON 312 GN seit September 2021.

    Seit dem 25.10.2021 Upgrade auf Kanso 2
    Zubehör: Cochlear™ Wireless Mini Microphone (Minimikrofon 2+); Telefonclip+ von Resound; ReSound TV Streamer 2

  • Hallo Cleo,

    Restaurants sind für mich auch die Hölle ;) . Aber ich schalte dann den ForwardFocus beim Kanso 2 ein und konzentriere mich immer auf meinen Gesprächspartner, oder ich setze zur Kommunikation mein Minnimic2+ ein.

    Gut zu wissen, dass es Leuten genauso geht wie mir. Ich schäme mich nämlich mittlerweile schon, weil Restaurantbesuche mich oft so herausfordern. Das mit dem Forward Focus muss ich mal ausgiebiger probieren, denke ich. Ansonsten benutze ich das Mikrofon auch gern, hat auch neulich im Museum gut geklappt.

  • Du musst dich nicht schämen, das ist halt so.

    Die Normalhörenden können es ja nicht nachvollziehen, wie es einem geht.

    Ich informiere sie immer gleich zum Anfang darüber und bitte sie darum, wenn sie mit mir sprechen, langsam und hochdeutsch zu sprechen. Das klappt dann eigentlich auch immer.

    Rechts Cochlear Kanso 1 CI Modell 512; OP 25.04.2017 Hörschnecke bis auf dem Stumpf entfernt UNI-KLINIK Halle;
    Links HG AMPLI-CONNECT R 5 ON 312 GN seit September 2021.

    Seit dem 25.10.2021 Upgrade auf Kanso 2
    Zubehör: Cochlear™ Wireless Mini Microphone (Minimikrofon 2+); Telefonclip+ von Resound; ReSound TV Streamer 2

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  • Du musst dich nicht schämen, das ist halt so.

    Die Normalhörenden können es ja nicht nachvollziehen, wie es einem geht.

    Ich informiere sie imm gleich zum Anfang darüber und bitte sie darum, wenn sie mit mir sprechen, langsam und hochdeutsch zu sprechen. Das klappt dann eigentlich auch immer.

    Scham ist vermutlich das falsche Gefühl dabei. Ich zeige meine Soundprozessoren offen, meine Familie und Kollegen kennen meine Probleme. Aber da ich erst vor einigen Wochen wieder angefangen hab zu arbeiten, habe ich besonders im Job auch oft noch Hemmungen, vor allem wenn man die Patienten dann nicht so gut versteht.

    Viele Leute wissen auch gar nicht, was ein Cochlea Implantat ist. So richtig negative Erfahrungen, menschlich betrachtet, habe ich bisher aber zum Glück noch nicht gemacht.

  • Patienten??? Boah, und da gehst du schon arbeiten? Respekt! Offenbar hattest du eine sehr steile Erfolgskurve.

    Euer Dominik.

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  • Wieso,


    ich bin damals zwischen OP und Erstanpassung und auch sofort nach der Erstanpassung arbeiten gegangen. Ich hatte auch schon damals einen kommunikativen Job. Wenn man man nebenwirkungsfrei aus der OP geht und keinen körperlich anstregenden job hat, dann ist es meiner Meinung nach möglich, früh wieder arbeiten zu gehen.

  • Naja, wenn ich das richtig interpretiere, dann hat Cleo beide Seiten gleichzeitig gemacht. ich selbst bin in einem nicht kommunikativen Job auch gleich arbeiten gegangen. Trotzdem hatte ich auch das ein oder andere Telefonat. Das allerdings hatte ich auf dem nicht operierten beziehungsweise später auf dem bereits trainierten Ohr gemacht.

    Euer Dominik.

    rechts OP 20.02.2020 LMU München, EA 11.03.2020 Sonnet 2

    links OP 16.12.2020 LMU München, EA 15.01.2021 Sonnet 2

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  • Willkommen im Forum, Cleo!


    Ich vermute, Dir würde eine spezielle CI-Reha gut tun. In diesem Rahmen hast Du die Zeit, um Dich an Dein neues Hören zu gewöhnen, Dich zu erholen von den Strapazen und zugleich ist es dann persönlich möglich festzustellen, dass auch andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben.


    Nebenbei können die Sprachprozessoren dabei auch häufiger und besser eingestellt werden. In der Regel ist es mit den CIs ein längerer Lernprozess, der bei dem Einen schneller und beim Anderen langsamer vonstatten geht.

  • Vlt. ist es albern und undankbar von mir, mich darüber zu ärgern aber es stört mich dass mich die Geräuschkulisse nach einiger Zeit zu überfordern beginnt.

    Verständlich!

    Wenn man bedenkt, daß Du bis zu den Hörstürzen und den CIs ja auch einfach das alles konntest - ohne darüber nachzudenken.

    Das ist erst einmal eine gewaltige Umstellung!


    Für einen Normalhörenden ist Hören einfach so eine leichte Nebensache, worauf man sich nicht konzentrieren mußte, es klappte einfach.


    Jetzt, als Hörgeschädigter ist das "Schwersarbeit", und wenn die Konzentration flöten geht, wird es nur noch schwieriger!

    Hast Du auch schon selbst erkannt!

    Dann bin ich erschöpft und kann nicht mehr so gut hören.

    Das ist für einen Hörgeschädigten schon normal!


    Für Dich wird es jetzt ein Bestandteil in Deinem "neuen Leben" sein.

    Da Deine CIs noch recht neu sind, und Du Dich noch in der Lernphase befindest, kann es gut sein, daß es sich in den nächsten zwei Jahren noch mal deutlich bessert und Du nicht mehr so gewaltige Probleme haben wirst, wie aktuell.

    Aber, es wird seine Zeit brauchen!

    Überfordere Dich bloß nicht!

    Schalte lieber einen Gang zurück, und schalte auch mal Deinen Kopf ab. Nimm Dich aus diesen Situationen mal raus. Damit Du Dich erholen kannst!


    Wenn Du das machst, kann es sein, daß Du wieder ganz nah an dem herankommst, wie es früher mal gewesen war.

    Es wird aber NIE wieder so werden wie früher! Das darfst Du auch nicht vergessen! Da wirst Du Dich darauf einstellen und Kompromisse eingehen müssen!



    Meine normalhörenden Mitmenschen raten mIr dann, eine Pause mit den CIs zu machen -

    So falsch liegen sie wirklich nicht damit.

    Wenn sie kein Problem damit haben, daß Du zwischendurch mal "abgeschaltet" (sprich völlig taub bist), quasi nur körperlich anwesend, solltest Du damit auch kein Problem haben.

    Klar, nichts mehr mitzubekommen, was andere da zu erzählen haben, ist schwierig. Vor allem, weil man dies ja vorher auch ganz gut konnte, ist schwierig!

    Aber denke da lieber an Dich und Deine Gesundheit!

    Es bringt nichts, wenn man auf Biegen und Brechen alles hören will, und dann vor lauter Erschöpfung praktisch zusammenbricht!


    Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Meine Freunde und Familie sind alle normalhörend und ich habe das Gefühl, sie können nicht immer nachvollziehen wie das für mich ist.

    Nein, das können die Normalhörende wirklich nicht!

    Selbst in ihrer Vorstellung, oder wenn sie es mal testen, wie es sein könnte, völlig "taub" zu sein, kriegen sie noch viel zu viel mit, was sie dann unter "schwerhörig" vorstellen.


    Eine Nachbarin von mir hatte nun selbst einen Hörsturz gehabt, und ich meine, sie kann auf der Seite immer noch nichts, oder nicht so gut was hören. Sie sagte mir dann, daß sie erst JETZT verstehen kann, wie ICH mich so auf großen Veranstaltungen fühlen müsse.

    Es ist zu laut, man kann nicht immer alles verstehen, Stimmortung ist schwierig, und man wird schneller erschöpft.

    Und sie hat noch ein gutes Ohr!


    Außerdem schäme ich mich oft noch, zusagen dass Situationen mir zu viel sind.

    Das wirst Du üben müssen!

    Da führt kein Weg drum herum.

    Je besser Du das kommunizierst, desto einfacher wird es werden, Kompromisse einzugehen, oder sich sogar was Neues zu überlegen.

    Für Dich ist die Umstellung am schlimmsten, weil es Dich betrifft. Du kannst daran nichts mehr ändern.

    Für Deine Mitmenschen ist es aber auch eine Umstellung. Da es sie selbst nicht direkt betrifft, fällt es ihnen auch einfacher, das wieder zu "vergessen" und in den alten Trott zu verfallen. Das machen sie noch nicht einmal aus böser Absicht!


    So richtig negative Erfahrungen, menschlich betrachtet, habe ich bisher aber zum Glück noch nicht gemacht.

    Wenn man das offen kommuniziert, hat man oft wenig Probleme.

    Ich erlebe die meisten Menschen als freundliche Personen, die sogar neugierig sind, aufrichtig Anteilnahme zeigen und sogar Fragen zum Thema haben.

    Die wenigen, die wirklich gemein sind, oder mit "solchen Behinderten" nichts zu tun haben wollen und sich einfach von ihnen abwenden, die kann man eh getrost vergessen! Da muß man keine unnötige Energie oder gar Gedanken verschwenden!




    Respekt, daß Du schon wieder arbeiten gehst!

    Ich bin auch recht früh wieder arbeiten gegangen, noch vor meiner EA. Aber ich habe auch praktisch keinen Menschenkontakt auf der Arbeit. Chef und Kollegen wußten ja Bescheid, und zu Not kamen halt alle Anweisungen per Zettel, was ohnehin bei vielen Aufträgen die bessere Idee ist.

    Ansonsten war halt eben Geduld und langsames Sprechen gefragt gewesen. Und wenn ich viel Nachfragen mußte, wurde Geduld aufgebracht. Eben alles, was nette Mitmenschen machen!

    Aber ich habe nicht an Menschen arbeiten müssen, wo der Hauptbestandteil Kommunikation ist.



    Da Deine OP UND EA ja erst kürzlich erfolgt ist, und Du Dich ja noch ganz am Anfang Deiner Hörreise befindest, und JETZT sogar schon telefonieren kannst, ist bestimmt noch sehr, sehr viel Luft nach oben und somit auch noch eine Menge möglich.

    Aber, es braucht halt alles seine Zeit!

    Man kann sich nichts erzwingen!

    Eher sorgt dies dafür, daß alles beim Status Quo bleibt, und das wollen wir ja nicht!

    Laß alles langsam auf Dich einwirken. Nimm Dir die Zeit! Vor allem auch mal die Hörpausen zwischendurch.



    Alles Gute!

  • Wenn ich das höre dann graußt es mir. Ich liebe und vermisse es die Gespräche in der Kneipe oder im Restaurant....

    Oh nein, das war nicht meine Absicht jemandem Angst zu machen oder gar in seiner Entscheidung negativ zu beeinflussen.

    Restaurantbesuche sind für mich nach drei Monaten bereits möglich und in den ersten 1,2 Stunden geht es auch ganz gut. Die Herausforderung sind vor allem Familienfeiern oder Orte mit vielfältiger Geräuschkulisse. Dann wird es anstrengend. Ich lebe auf dem Dorf, da ist es einfacher Restaurant und Cafés zu finden, die eher klein, nicht so furchtbar hellhörig sind.