Hörtraining ohne Vertäuben des normal hörenden Ohr

  • Hallo zusammen! Ich frage mich immer wieder oder es sinnlos ist wenn ein einseitig Ertaubter mit beiden "Ohren" hört. Wenn also das gesunde Ohr beim Hörtraining nicht vertäubt wird. Ich mache mein Hörtraining immer mit dem Minimikrofon, gehe also direkt in das CI. Meine Logopädin sagte mir, dass ich sozusagen nichts lerne wenn das gesunde "mithört". Könnt ihr etwas dazu sagen?


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  • Sinnlos ist es ganz sicher nicht, Dein Hirn muss auch lernen die doch sehr unterschiedliche Wahrnehmung in Deckung zu bringen.
    Ich bin zwar nicht "nur" einseitig taub, kann Deine Situation aber ein klein wenig nachvollziehen, weil zwischen meinem ersten und zweiten CI gut 12 Jahre liegen. Nach der ersten OP habe ich das Hörgerät auf der Gegenseite sehr schnell weg gelassen, weil es einfach nichts mehr zum Hören beitrug. Nach der zweiten OP habe ich zwar noch in der ersten Woche soviel Sprachverständnis erreicht, dass ich mit dem "neuen" Ohr telefonieren konnte, aber die beiden Ohren in Deckung zu bringen, hat schon eine Weile gebraucht. Heute ist das erstversorgte Ohr immer noch mein "Lieblingsohr", aber ich habe heute eine gute räumliche Wahrnehmung und bemerke mit beiden CI keinen Unterschied mehr.
    Hörtraining über den Audiozugang allein ist für das implantierte Ohr ganz sicher wichtig. Das Zusammenspiel kommt mit der Zeit und im Alltag

  • also ich hab seit 1 Jahr rechts win CI und links ein HG.
    Wenn ich zur Logo gehe mache ich das HG raus damit mein Hirn wieder lernt dass von der rechten CI Seite wieder gehört und sprach verstehen da ist...also hat deine LOGO schon recht. Im CI Centrum wurde letztens bei mir mit HG und CI mit der Logo gelernt an
    aber ich habs ja scho 1 Jahr...also alles gut. ich denk dass man im Alltag genug lernt wenn man beide Geräte dran hat..also macht das schon Sinn sich auch nur mit dem CI zu hören .

  • Ich schließe beim Üben auch immer direkt mein CI übers Audiokabel ans Handy an. Wenn das gute Ohr mithört, macht das einfach keinen Sinn...ab und zu "verstöpsele" ich mir auch das hörende Ohr, aber da kommt meist ein bisschen was durch.

    Linksseitig durch Hörsturz 2016 ertaubt, rechts normales Gehör


    operiert in Bielefeld am 08.06.2017; MedEL Sonnet links

  • Bei mir läuft das Training auch suboptimal. Wenn das gute Ohr mithört "übernimmt" es ständig die Hörarbeit, um das gute Ohr zu vertäuben genügt aber im Alltag kein Gehörschutz - also könnte ich nur direkt über die Spüle üben; aber da bekomme ich immer recht rasch das Gefühl, dass dies den Hörnerv überfordert- ich lass das CI Ohr jetzt einfach im Alltag mitlaufen.

  • Mir wurde das Problem in der Reha in Bad Salzuflen recht gut erklärt, wie ich finde: Das Gehirn ist ein Gewohnheitstier und greift so lange auf die gewohnten Signale (natürliches Hören) zurück, wie es möglich ist. Dabei ist es dem blöden Ding leider auch egal, welche Qualität diese Signale aufweisen. Es wird erst einmal alles da raus geholt, was geht und erst wenn darüber hinaus noch Informationen benötigt werden, prüft das Hirn, ob man aus den komischen neuen Signalen (CI-Hören) etwas Brauchbares herausfiltern kann. Je besser also das nicht versorgte Ohr hört, desto schwerer tut sich das Gehirn damit, im Alltag das CI-Hören zu lernen.


    Wenn ich mein Blechohr gezielt trainieren will, mache ich das deswegen auch immer über den Direktzugang vom SP, damit ich sicher sein kann, dass es auch etwas bewirkt. Während der Reha habe ich 5 Wochen lang das linke Ohr mit Wachs verstopft um die Konzentration auch im Alltag zu verbessern, aber wirklich abdichten kann man das Ohr nicht. Ein bisschen kommt immer durch, selbst bei einem Ohr, das ebenfalls versorgt werden soll... in dem Sinne freue ich mich schon darauf, wenn das zweite Ohr irgendwann auch operiert ist und ich konzentriertes Training jederzeit einfach dadurch erreichen kann, dass ich auf einer Seite den SP ablege.


    Liebe Grüße
    Sunny

    ab 15. Lebensjahr progressiver Hörverlust ohne Befund
    Mi1200 SYNCHRONY von MED-EL SP Sonnet
    links: OP am 20.10.2017, EA 14.11.2017
    rechts: OP 02.02.2016 EA 21.03.2016

  • Hallo


    Ich war 2005 der erste Patient der mit SSD mit einem CI versorgt wurde.
    Das Hörtraining habe ich immer nur mit dem CI gemacht. Also das CI immer
    direkt mit dem Kabel an die Hörquelle angeschlossen. Erst wenn ich etwas,
    nach mehrfacher wiederholung, nicht verstanden habe. haben wir es über
    den Lautsprecher abgespielt, damit das gesunde Ohr "mithören" konnte.
    So hat das Gehirn erfahren was da zu hören ist. Dadurch setzte ein Lerneffekt ein.


    Wenn man das CI verstehen mit Lautsprecher testen will, ist das sehr schwierig.
    Eine Vertäubung eines gesunden oder resthörenden Ohres kann man nicht zu 100% erreichen.
    Die Schallübertragung per Knochenleiter erreicht immer ein gewisses Mithören der nicht CI Seite.
    Bei der Vertäubung mit Kopfhörer und zusätzlichen Rauschen, ist eine Irritation
    beim Test immer vorhanden. Das zuhören mit dem CI erfährt eine gewisse Ablenkung,
    und ist somit nicht gänzlich unbeeinflusst.


    Also bleibt zum überprüfen, der tatsächlichen Hörleistung, mit dem CI, nur die direkte
    Koppelung mit der Hörquelle.


    Ein Hörtraining für das CI Ohr macht also nur Sinn wenn das andere Ohr vom Training ausgeschlossen wird.
    Das Hörtraining, um sich an das beidseitige Hören zu gewöhnen, ist der normale Alltag.
    Hier lernt das Gehirn wie sich Geräusche anhören, und gleicht gewisse Unterschiede aus.
    Dieses Training findet fortlaufend statt, und gleicht im Laufe der Zeit vieles aus.


    Ein Hörtraining per Lautsprecher erachte ich als wenig zielführend.
    Trainiert werden soll das Hören mit dem CI, also sollte beim Training auch nur das CI hören.


    Herzliche Grüße
    Detlef Fischer


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  • Danke für die Antworten. Nun so werde ich es halten. Mein ElektroPiano schließe ich auch ab und zu direkt an das CI an und spiele ein paar Tonleitern. Ich höre dann auch so was ähnliches wie eine Tonleiter aber oft stimmen die gehörten Töne nicht. Sind also ganz andere.


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