Diskussion über das Thema Krankenhausreform und der Aussage von Dr Zeh das in Deutschland ca 1 Millionen Menschen eigentlich ein Ci bräuchten?

  • Hallo

    War ja am letzten Freitag beim Ci Symposium in St Wendel. Da fandt auch ein Podiumsdiskussion statt über das Thema Versorgung von Hörgeschädigten mit einem Ci. Dort wurde folgende Kernaussagen getroffen : in Deutschland gäbe ca 1 Millionen Menschen die eigentlich mit einem Ci versorgt werden müssten. Und 2 est die die Aussage das durch die geplante Krankenhausreform zb. In NRW wahrscheinlich 3 bis 4 Klinik nicht mehr Ci's operieren und Nachsorgen dürfen.

    Frage: was haltet ihr von den Aussagen und welche folgen können das auf uns jetzt schon versorgte Ci Nutzer bedeuteten??

    Natürlich Kontroverse Diskussion erwünscht!!!

    Gruß Joachim

  • Tja, was soll man sagen?

    Mir drängt sich die Frage auf, wie Dr. Zeh auf die 1 Mio. potentieller CI Kandidaten kommt.

    Zweitens: die Krankenhausreform bedeutet das Aus für spezielle Versorgungen in vielen Kliniken. Hier in Bremen trifft es das Klinikum Links der Weser, dessen renommiertes Herzzentrum in das Zentralkrankenhaus St. Jürgens-Str. verlegt werden soll. Das bedeutet längere Wege für die Patienten aus dem Umland und vorallem für die Fachkräfte, die ebenfalls zur Hälfte aus dem Umland kommen.

    Aber: grundsätzlich macht das Zusammenfassen von spezialisierten Fachrichtungen in Kompetenzzentren schon Sinn. Theoretisch sollte sich ein Einspareffekt ergeben. In der Praxis werden andere Probleme auftauchen.

    Diejenigen, die eine gute CI Klinik hatten, werden sich eine andere suchen müssen. Schön ist das nicht, da u.U. längere Wege in Kauf genommen werden müssen und gewachsene Strukturen zerschlagen werden. Wahrscheinlich bekommt man neues Fachpersonal vorgesetzt. Das ist immer schwierig, nicht nur für uns CI Träger. Aber was soll man als Patient schon machen, außer sich damit zu arrangieren und zu hoffen, dass man am neuen Ort eine ebenso gute Versorgung erhält wie am gewohnten Ort. Soll man sich deshalb schon über ungelegte Eier den Kopf zerbrechen? Meine Art ist das jedenfalls nicht.

    Advanced Bionics HiRes Ultra 3D am 01.09.2022 implantiert.

    EA: erfolgt am 29.09.2022

  • Hallo Acki

    Das habe ich mich auch gefragt und dann muss man aber hinterher sicken, wer will das bezahlen. Man nimmt 1 Ci OP kostet zur Zeit ca. 40000 Euro das mal einer Million ergibt es 40 Milliarden Euro für die Krankenkassen mehr kosten!!!! Aber nur für die Erstversorgung.


    Gruß Joachim

  • Ich habe versucht herauszufinden wieviele CI Träger es in Deutschland gibt. Da es immer noch kein Zentralregister gibt, kann man nur schätzen. Im Jahre 2013 sollen es 25.000 gewesen sein und im Jahr 2018 40.000. Man kann aber davon ausgehen, dass es in Deutschland zur Zeit weniger als 100.000 Menschen sind.

    Wenn eine Millionen Menschen ein CI brauchen würde, dann wären es deutlich über 1% der Menschen, die in Deutschland leben. Das ist hanebüchend!!!

    Diese Beobachtung kann ich in meinem persönlichen Umfeld auch nicht bestätigen. Es gibt eine entfernt Verwandte, die jetzt 99 Jahre alt ist und seit ca. 20 Jahren ertaubt ist. Die hat sich vor 20-25 Jahren nicht getraut und ist nun zu alt. Sie sagte damals, in meinem Alter lohnt sich das nicht. Dann habe ich eine ehemalige Kollegin, bei der es nun langsam auch Zeit für ein CI wird. Aber auch bei ihr ist es so, dass Hörgeräte ihr noch lange zu einem recht hohen Verstehen verholfen haben. Alle anderen Menschen, die ich so kenne, brauchen kein CI oder haben schon eines. Da ist eher das Problem, dass noch immer nicht alle Menschen Hörgeräte tragen, die welche bräuchten.

    Mir scheint, dass Dr. Zeh vergisst, dass moderne Hörgeräte sehr leistungsfähig sind, selbst die so genannten Kassengeräte. Eine Hörgeräteversorgung ist mit Abstand risikoärmer und billiger als ein CI. Mir scheint eher, dass einige Kliniken eher zu früh als zu spät implantieren. Man sagt, ab 50 % Einsilber macht ein CI Sinn, einige sagen schon ab 60%. Ich kenne doch so einige CI Träger, die diese Werte auch mit zwei CIs nicht erreichen!

    Ich hoffe auch,,dass die Zahl der Kliniken unter Qualitätsgesichtspunkten reduziert wird. Es gibt da wirklich Kliniken, die haben keine Ingenieure und der Chefarzt ist der Einzige, der sich überhaupt mit CIs auskennt. So etwas gehört abgeschafft!

  • Hallo Andrea

    Ich finde auch das die Zahl etwas hoch gegriffen ist. Vielleicht gibt es 100000 oder 200000 aber mehr nicht.

    Das mit den Kliniken ist halt auch so eine Sache, man muss auch abwarten ob das auch so kommt, wie das sich unser Bundesgesundheitsminister so vorgestellt.

    Gruß Joachim

  • Beim letzten Kongress in Hannover wurde ja auch schon klar verdeutlicht, dass auch die Nachsorge der CI-Patienten anders gestaltet werden sollte, Auch werden jetzt schon immer weniger Blockwochen (Rehaklinik WND) bewilligt seitens der KK, da es zu kostenintensiv sei und es solle mehr auf die niedergelassenen Akustiker abgewälzt werden. An für sich gute Idee, Aber ich habe mein Zweifel, aufgrund der selbstgemachten Erfahrungen, des know hows der Techniker, so dass für CI Probleme vermutlich weniger Zeit verbleiben wird.
    Und ja es ist erschreckend welche Kliniken nur der Chefarzt höchstenfalls Ahnung von CI -OP's hat und nicht mal ein Nachsorgekonzept parat hat. Unverantwortlich sowas!

  • das die Akustiker, eigentlich nicht die nötige Grundausbildung haben

    Und selbst wenn es eine Akustiker-Kette ist: im Laden vor Ort haben die dann EINEN CI Träger als Kunden, und für den muss dann die Einstellsoftware beschafft werden und der Akustiker geschult werden. Das machen viele Betriebe aus genau dem Grund nicht.

    Advanced Bionics HiRes Ultra 3D am 01.09.2022 implantiert.

    EA: erfolgt am 29.09.2022

  • Ich denke, die Nachsorge muss mehr bei speziellen Akustiker erfolgen. Nicht jeder Wald und Wiesenakustiker sollte das machen, sondern solche mit speziellen Schulungen. Ich habe beispielsweise gute Erfahrungen mit meiner CI Akustikerin gemacht.

    Die Kliniken sind super beim Einsteller der T und C Level. Ich habe aber schon den Eindruck, dass den Ingenieuren in den Kliniken wichtige Kompetenzen fehlen, z.B. wie wirkt die Signalvorverarbeitung z.B. bei den Zoom und Scanprogrammen, aber auch wie spreche mit schwerhörigen Kunden. Beim Akustiker ist man Kunde, beim Ingenieur Patient. Allein diese Haltung macht schon einen Unterschied aus.

  • Nun ja: Die „angekündigte“ Krankenhausreform des Herrn Professor Lauterbach ist meiner Meinung nach nicht das Papier wert, auf dem der Entwurf gedruckt wurde. Dazu muss man wissen, wie der Herr Professor tickt:

    Quelle: Artikel von Christian Schwager in der Berliner Zeitung vom 31.10.2023 mit dem Titel „Karl Lauterbach macht sein eigenes Ding und irgendwer muss die Folgen ausbügeln“

    Soviel zur Realtiät ....

  • Sorry muggel, habe ich nachgetragen. Ich wollte eigentlich den kompletten Artikel als PDF hochladen, doch das wären 6,8 MB gewesen und komprimieren ließ es sich nicht. So entschloss ich mich, das Wichtigste im Zusammenhang zu zitieren.

    Ich weiß, dass Politik hier eigentlich unerwünscht ist. Das Thema „Krankenhaus-Reform“ ist jedoch so hochkomplex; sodass der gewöhnliche Mensch auch nie richtig über Hintergründe und weitere Umstände informiert wird.

  • Gerade weil die Krankenhaus-Reform hochkomplex ist, wird dieser eine Artikel in der Berliner Zeitung dem Thema nicht gerecht. Gleich mehrere, große Krisen führten und führen zu knappen Kassen und politisch umkämpften Haushalten, nicht nur in Deutschland. Hinzu kommt ein Reformstau, den Lauterbach klar benennt: "Die Krankenhausreform sei 'mindestens zehn Jahre überfällig'."

    Jetzt kann man sich fragen, warum er den schwarzen Peter bekommen sollte und nicht einer seiner Vorgänger, die da wären laut Wikipedia: Philipp Rösler 2009-2011 und Daniel Bahr 2011-2013 (beide FDP), Hermann Gröhe 2013-2018 und Jens Spahn 2018-2021 (beide CDU). Sind diese Herren besser qualifiziert als Lauterbach und würden sie die aktuellen Probleme (an denen Sie mitgewirkt haben) besser lösen können?

  • Hallo Audi

    Man muss ja noch etwas dazu sagen, wenn über die Krankenhaus reform spricht, die Vorgängerin der aufgezählten Gesundheitsminister war Frau Schmidt und die mit dem Berater (Karl Lauterbach) das Fallpauschalen system ein geführt.

    Gruß Joachim

  • Sind diese Herren besser qualifiziert als Lauterbach und würden sie die aktuellen Probleme (an denen Sie mitgewirkt haben) besser lösen können?

    Nein, die natürlich auch nicht!

    Hinzu kommt ein Reformstau, den Lauterbach klar benennt:

    Ist mir bekannt, aber was nützt das; so wie der „Kalle“ aktuell vor den Problemen „untertaucht“? Und unser Bundeskanzler verhält sich im Prinzip genauso.

    Glaubt noch jemand im gewöhnlichen Volk ernsthaft daran, dass die jetzige Koalition die Versäumnisse der Vorgängerregierungen in den Griff bekommt? Dazu müssten sie uns erst mal „reinen Wein“ einschenken und das Gros der Bevölkerung in dieser Phase von gravierenden Veränderungen und sozialen Umwälzungen zu einem machbaren Ziel mitzunehmen.

  • ci_joe

    Das muss nicht viel heißen. Das System der Fallpauschalen ist ein Instrument, das der jeweils machthabende Politiker in seinem Sinne gestalten kann. D.h., wenn etwas neu eingeführt wird, dann ist nichts in Stein gemeißelt.

    JochenPankow

    Die Politiker der Ampel haben vielleicht so viele Probleme, dass sie anderes zu tun haben, als den kleinen Leuten immer zu erzählen, was sie da gerade machen. Ohne Vertrauen geht das nicht gut aus und die Politiker in den Oppositionsparteien freuen sich schon auf die nächsten Wahlen. In unserem politischen System sind Reformen einfach nicht schnell umsetzbar, zumal die Bundesländer ein Wörtchen mitzureden haben.

    Edited once, last by Audi (November 9, 2023 at 8:02 PM).

  • Ja Audi, da stimme ich absolut zu! Wie ich heute im Radio hörte, versuchen FDP-Politiker aus Kommunen und Ländern einen Mitgliederentscheid zur Beendigung der Ampel imitieren; auch hier zu lesen: 150 Unterschriften gesammelt : FDP-Mitgliederentscheid soll Ampel beenden .... Nachtigall, icke hör dir trapsen. O-Ton Lindner beim Scheitern von Jamaika: „Es ist besser, nicht zu regieren; als schlecht zu regieren!“ :saint: