Tipps/Erfahrungen gesucht für Arbeit in der Schule

  • Ich möchte gerne die hier anwesenden Lehrer*innen fragen, was sie im Arbeitsalltag tun oder vermeiden, um gut durch den Tag zu kommen.


    Meine Gedanken bisher bzw. meine Fragen:
    - Ich glaube, sinnvoll ist es, die großen Pausen nicht immer im Lehrerzimmer zu verbringen, sondern sich Ruhe zu gönnen, Wichtiges muss dann per Mail festgehalten werden.
    - eher ältere Schüler mit mehr Sprechdisziplin

    - eher kleinere Lerngruppen

    - wie ist es mit Gruppenarbeit? Entlastet die, weil man nicht direkter Ansprechpartner ist oder belastet die eher durch höheren Lautstärkepegel?

    - eigenen Raum mit Pflanzen und geräuschdämmendem Material an der Wand

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

  • Hallo Anni,


    ich bin zwar keine Lehrerin, aber dennoch kann ich aus meiner eigenen Erfahrung sprechen:


    - Pausen im Lehrerzimmer: wenn es nicht zwingend notwendig ist, jede Pause im Lehrerzimmer verbringen zu müssen, dann mache Hörpausen: lege den SP ab und verlasse die Schule, gehe füreinander paar Minuten spazieren. Das mache ich auch manchmal in der Mittagspause, wenn ich das Gefühl habe, nicht mehr „zuhören“ zu können. Diese kurzen Auszeiten tun richtig gut, man bekommt auch den Kopf von anderen Dingen frei😉


    - Sprechdisziplin: es ist immer gut, wenn die Menschen nacheinander sprechen. Ohne Illusionen zu zerstören: das klappt selbst bei Erwachsenen nicht. Diese Erfahrung darf ich regelmäßig bei sämtlichen Dienstbesprechungen machen. Man kann gleichzeitig singen, aber nicht gleichzeitig quatschen😇


    - Schallschlucker sind immer gut. Hast du einen eigenen Klassenraum oder tingelst du jede Stunde woanders hin? Hier kann dir der IFD konkrete Hilfestellung geben. Zuständig ist der IFD, wo deine Schule (Dienststelle) ist.


    Ich glaube, das eine oder andere ergibt sich aus dem Alltag. Versuche offen da ran zu gehen. Viel Glück bei dem Start.


    LG SaSel

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017 Uni Köln, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

  • Hallo SaSel,

    ich habe um einen eigenen Raum gebeten, das ist noch „in der Mache“. Den IFD habe ich bereits kontaktiert und mich mit einer Fachstelle für behinderte Menschen im Arbeitsleben in Verbindung gesetzt. Es ist jetzt alles angeleiert, aber da Dienstwege eingehalten werden müssen, wird das alles dauern, bis der technische Dienst kommen kann.
    Was die Sprechdisziplin angeht, können die Größeren da besser, sie rascheln nicht ständig und werfen nicht ständig unabsichtlich Bücher und Hefte vom Tisch und keine Stühle um 😃

    Die Pausen sind immer laut, weil Tischkicker gespielt, geredet und z.T. etwas angekündigt wird oder Mini-Besprechungen sind. Das schaffe ich aber nicht mehr, ich brauche auch mal Ruhe bzw. kann nicht in dem Lärm noch Dinge besprechen. Wichtige Mitteilungen können ja auch für alle schriftlich abgesichert werden.

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  • Eventuell wäre eine kleine "Umschulung" auch eine Option?

    Du bleibst dann in Deinem Beruf, aber dann für Hörgeschädigte Kids.

    Vorteil: kleinere Klassen, Teppiche in den Räumen - käme auch Dir zu Gute!

  • Das ist nicht so einfach. Das wäre noch mal eine Art Referendariat. Ich habe nach 10 Jahren an der Uni und mehreren „Abschlüssen“ sowie dem Referendariat jetzt genug davon 😄. Zudem werden die Sonderpädagogen auch immer herumgeschickt an die Regelschulen.
    Wenn es alles nicht klappt, muss ich schauen, wo ich im „System“ sonst hinkann.
    Man versucht aber glaube ich auch in der Schule, etwas für mich zu „sorgen“.

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  • Ich glaube, mein Schulalltag ist, da ich an einer Förderschule arbeite, nicht wirklich mit der Regelschule zu vergleichen, aber ich erzähle einfach mal von meinem Alltag. Als erstes habe ich meine Stunden reduziert, so dass ich einen Tag in der Woche frei habe. Zusätzlich habe ich durch den GdB weitere Ermäßigungsstunden. Wir haben zwar nur 8 Schüler (ja nur Jungs ;-) ), die aber ganz schön laut sein können. Hinzu kommt, dass nicht alle deutlich sprechen können, so dass das Verstehen oft eine ganz schöne Herausforderung ist. Meinen Jungs und Kollegen habe ich recht schnell Hörbeispiele vorgespielt, damit sie eine Ahnung haben, wie ich höre. Sie sind meistens im Rahmen ihrer Möglichkeiten bemüht, meine Ohren nicht zu sehr zu quälen, z.B. beim Tischdecken, welches ja bei uns zum pädagogischen Konzept dazu gehört.

    Wir haben nur eine 25-minütige Pause am Tag, die meistens mit Orgakram draufgeht. Immerhin hat meine Schulleitung mich von der Aufsicht befreit, die mir aufgrund meiner Sehbehinderung sowieso schon genug Schwierigkeiten bereitet hat.

    Ja, die Arbeit ist anstrengend, und ich habe Tage, an denen ich den Job hinschmeissen möchte. Aber auf der anderen Seite habe ich ein gutes Sprachverstehen erlangt, was auf das permanente Verstehen im Störlärm zurückzuführen ist^^. Und ich habe wundervolle Kolleg*innen, die Rücksicht nehmen, wenn ich mal schnell eine Ohrenpause brauche und den Raum verlassen muss, um eine Panikattacke zu vermeiden. Wir sind ja in der Regel immer zu zwei Erwachsenen im Raum, da geht das. Auch die Schulleitung hat mich gut im Blick und verschafft mir z.B. Möglichkeiten der Einzelförderung.

    Ich möchte meine Arbeit nicht missen und hoffe, sie noch bis zur Rente machen zu können (sofern meine Augen mitspielen, die sich mittlerweile zum größeren Problem herausstellen)

    rechts: CI N6 von Cochlear seit 3/2016, reimplantiert 3/2019

    links: HG Enya 4 von Resound

  • Was die Aufsicht angeht, hoffe ich, dass ich Aufsicht im Haus bekomme, wo ich nur versprengt sich versteckende Schüler aus dem Gebäude jagen muss, und dass ich nicht auf dem Hof Aufsicht führen muss. Aber das müsste machbar sein.

    Als weitere Maßnahme hat es sich schon vor der OP als sinnvoll erwiesen, in den betreffenden Raum zu gehen, bevor die Schüler aus der Pause kommen und in den Gängen herumstürmen. Das schont die Ohren auch.


    Ich habe in den letzten Tagen mind. zweimal meine Hör-Grenze überschritten. Einmal war ich bei einem Stressmanagment-Seminar und war mittags schon nach dem vielen Zuhören und einem Mittagessen in einem sehr lauten Restaurant, bei dem mich mein ebenfalls hörgeschädigtes Gegenüber ohne Pause zugetextet hat, absolut leer im Kopf, ich konnte gar nicht mehr denken. Am Wochenende war ich bei einer großen Familienfeier mit Trillionen von gleichzeitigen Gesprächen (an denen ich nicht teilgenommen habe) und krähendem Kindern, bei ich nach einer gewissen Zeit gehen musste, weil mir regelrecht schlecht vor Anstrengung war. Ich muss also zusehen, dass ich mich regelmäßig oder bei Bedarf aus den Situationen herausziehen kann.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

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  • Ich arbeite seit mehr als 20 Jahren einseitig taub in den verschiedensten Schulseetings.

    Zuerst in der Regelschule Oberstufe, dann auf der Mittelstufe und am Schluss auf der Unterstufe. Die jüngeren Schüler waren weniger anstrengend als die grösseren, sie verstehen eher wenn man ihnen erklärt worum es geht und wollen einem nicht noch das Leben schwerer machen, sondern helfen.

    Ich habe nach 5 Jahren in der Regelschule aufgehört, habe Sonderpädagogik studiert und dazu 8 Jahre lang an zwei Sonderschulen mit kleinen Klassen (6-9 SuS) unterrichtet, das war meine ruhigste Zeit gewesen und am erholsamsten. Ich hatte meine Klasse, meinen Raum, meine Rituale und alles gut im Griff.

    Seit gut 8 Jahren arbeite ich integrativ in der Regelschule. Ich habe mein Unterrichtspensum nach stark reduziert und studiere Bildungsmanagement und habe eine Leitungsfunktion an der Schule übernommen. Dies ist viel einfacher als der Unterricht den ich vorher erteilt hatte, ich bin weniger müde und habe weniger Hörstress als vorher, selbst wenn ich im Moment teilweise 6 Tage Woche habe wegen dem Studium, aber das habe ich im Griff mit Roger Mics.

    Im Moment klappt das mit Leitung und wenig Unterricht gut, in Zukunft werde ich allerdings entweder nur noch in der Leitung arbeiten oder wechsle an die Hörgeschädigtenschule in der nächsten grösseren Stadt oder deren ambulanten Dienst welcher hörgeschädigte Kinder am Wohnort unterstützt. In ganzen Klassen arbeite ich eigentlich nicht gerne, das ist sehr anstrengend und macht mich müde.


    Ehrlich gesagt würde ich eher eine neue Ausbildung machen als mich jahrelang quälen in einem Setting wo es einem nicht wohl ist. Die Schule ist in erster Linie für die SuS da und nicht für die Lehrpersonen, man kann nicht alles so anpassen, dass es dann für die SuS und die LP passt. Einzelförderung oder Kleingruppenförderung wird hier in der Regel nur von Sonderpädagogen erteilt oder Lehrpersonen mit einem CAS Kurs in de speziellen Bereich, z.B. DaZ oder Begabtenförderung.
    10 Jahre Ausbildung habe ich auch schon überschritten, habe aber ausser in den ersten 3 Jahren immer nebenher unterrichtet, viele dieser Zusatzausbildungen kann man Teilzeit machen, ich nehme an dass ist in D nicht viel anders als in der CH. Ohne Kinder ist es auch einfacher zu bewerkstelligen als wenn man noch Kinder und Familie hat.


    Wie Informationen aus der Pause zu dir gelangen hängt von der Schulleitung ab, hier wird oft in der Pause was besprochen oder erklärt welches dann als verbindlich angeschaut wird, weil halt alle Betroffenen anwesend waren, alles andere wird schriftlich per Mail kommuniziert oder hängt am weissen Brett im Lehrerzimmer. ich schreibe keine Mails nach solchen Besprechungen vor allem wenn es nur den aktuellen Tag betrifft, was ja meistens so ist. Mails werden oft leider nicht gelesen und mündlich klappt einiges besser und direkter.


    Pausensituation:
    Ich bin lieber draussen in den Pausen und mache Aufsicht auf dem Pausenplatz als im Lehrerzimmer. Es ist ruhiger draussen. Im Lehrerzimmer schwatzen alle durcheinander, die Kaffeemaschinen, der Kopierer, das Telefon usw. Ich müsste keine Pausenaufsicht mehr machen seit ich in der Leitung tätig bin, mache dies aber freiwillig einfach weil erholsamer. Und wir sind ein kleines Kollegium mit max 10 bis 12 Leuten im Lehrerzimmer in der Pause.


    Sonst eine Berufs- und Laufbahnberatung aufsuchen und schauen was für Möglichkeiten dass sich ergeben.

    li normal hörend

    re taub nach chronischen MOE im Kindesalter, nun Cochlear N6 OP 8.2.18 EA am 8.3.18

  • SuS = Schüler und Schülerinnen

    DaZ = Deutsch als Zweitsprache

    CAS = Certificate of Advanced Studies

    LP = Lehrpersonal

    Da muss man auch erst mal draufkommen ;). Aber Anni ist ja vom Fach und weiß das eh.

  • Ja, für mich ist das verständlich, Dani! 😄

    Ich werde in der Tat zukünftig mit einer höheren Stundenzahl in DaZ eingesetzt.


    ansonsten scheint mir in der Schweiz einiges doch deutlich unterschiedlich zu sein. Bei uns kommt man nicht über ein zusätzliches Studium in Leitungsfunktionen, sondern über weitere Qualifikationen im Rahmen der Schule beziehungsweise, in dem man immer höher befördert wird durch zusätzliche Aufgaben und sich dann auf Stellen bewirbt.

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  • AnniB

    Das mit der Leitungsfunktion ist hier auch so, man übernimmt in der Schule zuerst Ämter, z.B. Steuergruppenleitung oder Leitung eines Projektes und kann sich dann für eine andere Funktion qualifizieren und bewerben, damit man aber den entsprechenden Lohn erhält muss man ein zusätzliches Studium absolvieren. ich hab vorher schon bei Projekten und Gruppen mitgearbeitet und dann kam die Anfrage der Gesamtleitung ob ich mich bewerben möchte für die offene Leitungsfunktion.
    In meinem Wohnkanton kann man das Studium gar nicht beginnen und beenden wenn man keine Leitungsfunktion inne hat, es hätte viel mehr Bewerber als Plätze.


    DaZ ist sicher schon mal gut, das soll man bei uns aber auch nach einem CAS unterrichten den man dazu macht.

    Einfach alles in nicht zu grossen Gruppen ist gut finde ich oder Fächer in grossen Gruppen welche nicht mit zu viel Gruppenarbeiten korrespondieren, aber das ist heutzutage halt schwierig da viel Unterricht offen stattfindet.

    li normal hörend

    re taub nach chronischen MOE im Kindesalter, nun Cochlear N6 OP 8.2.18 EA am 8.3.18

  • So etwas wie CAS für DaZ kenne ich hier nicht. Ich habe im Studium bereits das mehrjährige Schwerpunktstudium DaZ mit Erlernen einer nicht-indoeuropäischen Fremdsprache in ihren Grundzügen und allem drum herum gemacht, mehr gibt es hier glaube ich dazu nicht. Ansonsten reicht mir meine Uni-Zeit nach Master-Studium, Lehramtsstudium und Promotion. Ich möchte so schnell mehr in keine Uni 😄

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

  • Nein, sowas gibt es meines Wissens an Gymnasien nicht. Ich habe mich da aber ehrlich gesagt auch noch nicht schlau gemacht. An meiner Schule sind die DaZ-Gruppen nie so besonders groß, die Schüler werden in eine Regelklasse gesteckt und verlassen diese dann zwischendurch für ihren gesonderten Unterricht. Bisher gefällt mir das so, wie es ist, nicht so richtig gut, ich muss dann da noch mal überlegen, was man verändern könnte.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

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