Posts by sanne

    Die Höreindrücke sind so individuell wie das Leben selbst.

    Wie individuell die Höreindrücke sind habe ich nach meiner Reimplantation im März erfahren. Nachdem ich 3 Jahre gute Fortschritte mit dem CI gemacht habe und ich zufrieden war mit dem Erreichten war der Höreindruck nach der unfreiwilligen Reimplantation ein ganz anderer als vorher. Vielleicht, weil der Draht anders bzw. tiefer in die Schnecke geführt werden konnte, vielleicht, weil mein Draht nun nicht mehr frei liegt, ich weiß es nicht. Der Klang ist ein anderer, nicht schlechter aber anders und zunächst ungewohnt. Aber ich höre damit, ich kann schon wieder Hörbücher verstehen und es hilft mir im Alltag so ungemein. Das will ich nicht missen. Das Gehirn ist so unglaublich gut in der Lage die Information in eine sinnvolle Einheit zu bringen. Das fasziniert mich immer noch.

    Ich habe im Vorfeld ausführlich mit der Schulleitung über die OP und die AU gesprochen, so das klar war, dass ich länger ausfallen werde.

    Mein Ohrenarzt hat mir mehr oder weniger die Entscheidung selber überlassen, wann ich wieder anfange zu arbeiten. Bis zur Erstanpassung sowieso, weil es wenig Sinn macht im Schullärm irgendwie halbtaub klar zu kommen, anschließend habe ich für mich geschaut, wie es geht. Beim ersten Mal habe ich eine Wiedereingliederung gemacht und bin mit 5 Stunden pro Woche gestartet. Das habe ich von Woche zu Woche gesteigert bis ich wieder meine volle Stundenzahl erreicht habe. Dann kamen die Sommerferien und danach konnte ich erholt und "hörgewöhnt" starten. Nach der Reimplantation war ich insgesamt "nur" 7 Wochen krank geschrieben und habe 5 Wochen bis zu den Sommerferien normal gearbeitet. Danach war ich so am Ende, weil ich mich einfach überfordert habe. Zwar habe ich hörtechnisch nicht mehr bei 0 angefangen, aber da der Höreindruck nach der 2. OP ein anderer ist, ist es trotzdem viel zu anstrengend. Aber als angestellte Lehrerin wollte ich zu langes Krankengeld vermeiden. Aber ehrlich gesagt nützt einem das Geld wenig, wenn man sich überfordert und den nächsten Hörsturz riskiert.

    Aber es ist wahrscheinlich gehüpft wie gesprungen, soviel habe ich inzwischen begriffen.

    So ist es. Nach meiner Reimplantation höre ich anders mit dem gleichen CI als vorher. Wie sagt mein Ohrenarzt so schön: Hören findet zwischen den Ohren statt. Recht hat er. Die Technik hilft, aber das Gehirn ist flexibel und anpassungsfähig und macht das beste aus den Informationen, die es bekommt.

    Ich kann Dani! nur zustimmen. Bei mir ist es ähnlich, dass zu der Hörbehinderung eine schleichende Verschlechterung des Sehens stattfindet. Und genau da liegt das Problem. Man kann langsam aber sicher Situationen nicht mehr alleine bewältigen, die man doch sonst immer konnte. Nach und nach ist man immer mehr auf Hilfe angewiesen, und das fällt dem Umfeld verständlicherweise schwer zu akzeptieren.

    Das CI ist sichtbar und ist ein eindeutiges Zeichen, dass da eine Schwierigkeit vorliegt. Da eine Brille in der Regel das schlechte Sehen gut ausgleicht ist es weitaus schwieriger zu erklären, dass es trotz Sehhilfe nicht möglich ist, angemessen zu sehen. Und wenn dann beide wichtigsten Sinne gleichzeitig betroffen sind ist die Situation nicht mehr damit abgetan, dass, wer schlecht hört ja den Sehsinn besser ausbildet und umgekehrt.


    Dani! hat es gut formuliert:

    Der eigene Wandel ist auch für die engsten Mitmenschen sehr schwer zu ertragen, das dürfen wir nicht vergessen!

    Und manchmal braucht es viel Kraft und Anstrengung, die sich verschlechternden Möglichkeiten anzunehmen und zu akzeptieren. Von beiden Seiten aus.

    Die Menschen um dich herum beruhigen sich auch wieder. Es ist immer eine Verunsicherung, wenn irgendwas anders ist an seinem Gegenüber. Keiner will mit Schwächen konfrontiert werden. Die heile Welt ist ja auch viel schöner. Für dich ist alles neu, anders, blöder. Klar dass das erschöpft. Es dauert, bis man seinen Frieden mit der Situation machen kann. Wenn man das irgendwann schafft kann man auch mit den Reaktionen der anderen gelassener umgehen.

    Ich habe mich für das Cochlear in schwarz entschieden und es bis zu meiner Reimplantation im März unter den Haaren getragen. Schwarz ist zwar sichtbar aber meiner Meinung nach nicht zu auffällig und passt zu allen Klamotten. Und das glänzende Material ist jetzt für mich nicht sehr störend.Nach der Zwangspause von 5 Wochen ohne Blechohr bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass es Sinn macht, den Prozessor und Magneten über den Haaren zu tragen. Als Lehrerin habe ich die Erfahrung gemacht, dass diese "unauffällige" Präsenz zu viel mehr Rücksichtnahme führt als das ganze zu "verstecken". Im Alltag werden die unsichtbaren Behinderungen ohne böse Absicht einfach vergessen und führen zu anstrengenden Situationen. Die Schüler fragen interessiert nach oder erinnern sich einfach daran, leiser zu sein, auch die Kollegen achten viel mehr auf eine angenehmere Hörsituation. So muss ich nicht ständig darauf aufmerksam machen sondern es ist einfach da und gehört zu mir wie meine Brille, die ich auch nicht verstecken kann.

    @H2o7778

    Meine Kollegen beneiden mich auch um die relative Ruhe in meinen Unterrichtsstunden:). Ich arbeite an einer Förderschule für geistige Entwicklung, da könnte man meinen, nur 8 SchülerInnen ist doch ein Klacks ... aber weit gefehlt. Der Geräuschpegel ist mitunter enorm, vor allem, wenn die Möglichkeiten der Kommunikation sich in lautem Schreien äußern.

    Ich habe meinen Schülern und Kollegen Hörbeispiele vorgespielt, damit sie eine Ahnung davon bekommen, wie ich in etwa höre. Sowohl die Kollegen als auch die Kids waren sehr beeindruckt. Die Schüler bemühen sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten wirklich, nicht zu laut zus ein, das schätze ich sehr.

    Hallo Silke,


    lass dir die Zeit, die du brauchst. Was sind ein paar Wochen Pause verglichen mit der Zeit, die du insgesamt noch arbeiten wirst.

    Ich bin vor zwei Jahren in den Osterferien operiert worden weil ich dachte, dann falle ich nicht aus und kann dann direkt wieder anfangen zu arbeiten^^ Mein Ohrenarzt hat mich gnadenlos immer wieder krank geschrieben, bis ich fünf Wochen vor den Sommerferien mit einer Wiedereingliederung eingestiegen bin. Ich muss sagen, ich bin meinem Ohrenarzt heute noch dankbar, dass er so konsequent war. Die Geräusche in der Schule sind nicht zu unterschätzen. Für mich ist es nach sechs Wochen Ferien und Ohrenpause immer eine große Herausforderung, die erste Dienstversammlung zu überstehen, wenn sich alle sooo viel zu erzählen haben.:)

    LG sanne

    Ich habe ebenfalls einen Hochdruckreiniger im Ohr zu bieten;), der je nach Verfassung ziemlich dröhnt und alles andere zu übertönen scheint. Ich habe ihn mir zum Freund gemacht, der mich etwas plump darauf hinweist, wann ich mal wieder mehr auf mich achten sollte:).

    Aber hey, ich glaube, da können hier viele mitreden. Sich aus allem einen Kopf machen bringt einen nicht weiter (außer Tinnitus und schlechte Stimmung). Was ich so lese bist du sehr gut davor, was nach so kurzer bei dir hörtechnisch schon möglich ist. Du könntest also rein theoretisch mit stolz geschwellter Brust durch die Gegend laufen und dich darüber freuen.

    Richte den Blick auf die Dinge, die schon klappen, auf deine süße Tochter, auf deine Eltern, die dich umsorgen, dann ist nicht mehr so viel Platz für die Widrigkeiten, dich sich immer breit machen wollen.

    Gute Besserung

    sanne

    Ich bin lautsprachig aufgewachsen, meine Schwerhörigkeit begann erst, als ich etwa 15 Jahre alt war. Von daher war das nie Thema bei mir.

    Trotzdem finde ich die Gebärdensprache als Unterstützung bzw. als gleichwertige Sprache sehr empfehlenswert für gehörlose Kinder, auch wenn sie ein CI haben. Sie werden sich ansonsten immer zwischen den Stühlen bewegen, denn gehörlos sind sie nun einmal, auch wenn sie eine Hörprothese tragen. Und was für eine Bereicherung, sich in allen Kulturen, die der Gehörlosen und der Hörenden, bewegen zu können.

    Wir benutzen z.B. Gebärden in der Schule, um Kindern, die aus unterschiedlichen Gründen nicht oder nur ansatzweise in die Lautsprache kommen, die Gelegenheit zu geben, sich dennoch auszudrücken. Wir benutzen sie lautsprachbegleitend, also ohne die eigene Grammatik der DGS.

    Zusätzliche Möglichkeiten der Kommunikation zu nutzen ist nie verkehrt.

    Du denkst immer noch zu viel ;-)

    Ich war nach der Operation 8 Wochen krank geschrieben, danach habe ich langsam wieder angefangen zu arbeiten. Zunächst mit wenigen Stunden (5 pro Woche) bis ich auf meine eigentliche Stundenzahl kam. Dieser behutsame Einstieg war gut, um mich an die Geräusche und die neuen Anforderungen zu gewöhnen. Ich bin von Anfang an sehr offen mit meinem neuen Hören umgegangen und habe KollegInnen und SchülerInnen auch Hörbeispiele vorgespielt, damit sie eine Ahnung davon bekommen, wie ich höre. Die Resonanz war positiv, und viele haben verstanden, was ein Arbeitsalltag für mich bedeutet.


    Ich rate dir, nimm dir Zeit. Ich war sehr ungeduldig und wollte möglichst schnell wieder einsteigen. Mein Ohrenarzt hat mich (gottseidank) ausgebremst und mich immer wieder krank geschrieben. Und das war genau richtig so.


    Es ist vieles möglich, es gibt Hilfsmittel, die einem den Höralltag erleichtern und mit der Zeit kommt man immer besser zurecht. Aber das wichtigste ist, auf sich zu hören, geduldig zu sein und sich auch klar zu werden, dass man vielleicht nicht so viel leisten kann wie die Kollegen.


    LG sanne

    Liebe Susi,


    warum sollte dein Kind dir irgendwann mal einen Vorwurf für etwas machen, wofür du nichts kannst? Und ob sie betroffen ist ist reine Spekulation, diese Gedanken solltest du aus deinem Kopf verbannen.

    Hast du je deine Eltern für deine Situation verantwortlich gemacht?

    Die Sache mit dem taub werden hast du erfolgreich abgewendet - das hast du doch schon mal gut entschieden und in die Tat umgesetzt.

    Dass ich den Kiefer nach einer Ohr-OP nicht weit auf bekomme kenne ich, geht wieder weg.

    Ich wünsche dir einen guten Heilungserfolg und eine gute Zeit, in der die Gedanken weniger werden.


    LG sanne

    Hallo Iris


    Die Erstanpassung erfolgte ambulant. In der Anfangszeit hatte ich einmal die Woche einen Termin zum Einstellen. Das wurde ganz behutsam gemacht, jede Woche ein Stückchen mehr, so wie es für mich angenehm war. Dann fing auch das Training an, mittlerweile sind die Termine weiter auseinander und es ist Gruppenhörtraining dazu gekommen. Für mich eine wunderbare Möglichkeit Arbeit und Training unter einen Hut zu bekommen. Alles ist recht familiär, weil das Hörzentrum klein und überschaubar sind. Bei Fragen kann aber immer gleich die betreffende
    Person, wie z.B. der Operateur, zu Rate gezogen werden. Alle kennen sich und ich fühle mich ernst genommen und gut aufgehoben.


    LG sanne