Posts by sanne

    Da reihe ich mich gleich mal ein, die Rentenversicherung hat mir ebenfalls eine dreiwöchige Reha in Bad Nauheim genehmigt. Ohne dafür kämpfen zu müssen. Das macht mich gerade sehr froh, dass ich mich um mich kümmern kann:).

    Ich glaube, mein Schulalltag ist, da ich an einer Förderschule arbeite, nicht wirklich mit der Regelschule zu vergleichen, aber ich erzähle einfach mal von meinem Alltag. Als erstes habe ich meine Stunden reduziert, so dass ich einen Tag in der Woche frei habe. Zusätzlich habe ich durch den GdB weitere Ermäßigungsstunden. Wir haben zwar nur 8 Schüler (ja nur Jungs ;-) ), die aber ganz schön laut sein können. Hinzu kommt, dass nicht alle deutlich sprechen können, so dass das Verstehen oft eine ganz schöne Herausforderung ist. Meinen Jungs und Kollegen habe ich recht schnell Hörbeispiele vorgespielt, damit sie eine Ahnung haben, wie ich höre. Sie sind meistens im Rahmen ihrer Möglichkeiten bemüht, meine Ohren nicht zu sehr zu quälen, z.B. beim Tischdecken, welches ja bei uns zum pädagogischen Konzept dazu gehört.

    Wir haben nur eine 25-minütige Pause am Tag, die meistens mit Orgakram draufgeht. Immerhin hat meine Schulleitung mich von der Aufsicht befreit, die mir aufgrund meiner Sehbehinderung sowieso schon genug Schwierigkeiten bereitet hat.

    Ja, die Arbeit ist anstrengend, und ich habe Tage, an denen ich den Job hinschmeissen möchte. Aber auf der anderen Seite habe ich ein gutes Sprachverstehen erlangt, was auf das permanente Verstehen im Störlärm zurückzuführen ist^^. Und ich habe wundervolle Kolleg*innen, die Rücksicht nehmen, wenn ich mal schnell eine Ohrenpause brauche und den Raum verlassen muss, um eine Panikattacke zu vermeiden. Wir sind ja in der Regel immer zu zwei Erwachsenen im Raum, da geht das. Auch die Schulleitung hat mich gut im Blick und verschafft mir z.B. Möglichkeiten der Einzelförderung.

    Ich möchte meine Arbeit nicht missen und hoffe, sie noch bis zur Rente machen zu können (sofern meine Augen mitspielen, die sich mittlerweile zum größeren Problem herausstellen)

    Als bei mir nach gut 2 Jahren ein Akku kaputt ging habe ich von der Krankenkasse beim neues Akku-Set bekommen. Normalerweise übernimmt die Krankenkasse ja die Kosten für Batterien, so dass zumindest meine Kasse die Akkus anstandslos erneuert bzw. bezahlt hat.

    Ich bin nach 3 Jahren unverhofft reimplantiert worden. In meinem Fall ist es tatsächlich so, dass der Klang ein anderer ist als vorher, einfach weil diesmal der Draht tiefer in die Schnecke eingeführt werden konnte. Ich habe rückschrittig angefangen zu üben konnte aber sehr schnell an die Erfahrungen anknüpfen. Ich habe also nicht komplett bei 0 angefangen sondern konnte von Anfang an etwas verstehen. Nach 9 Monaten würde ich sagen, dass sich mein Hören gegenüber der ersten Implantation sogar verbessert hat, weil der Klang ein angenehmerer ist und ich das Gefühl habe, langfristig vielleicht noch besser zu hören. Mein CI-Ohr fängt tatsächlich an, die Oberhand zu übernehmen, was mich nach knapp 40 Jahren, die das Ohr ein Schattendasein geführt hat, leicht verwirrt. Die Verwirrung wird mit der Zeit weichen und ich habe dann ein Hören, dass mir keiner mehr nehmen kann solange ich Strom habe;)

    Ich habe mich für Akkus entschieden eben wegen der vielen Batterien. Ein Akku hält bei mir einen Tag, aber das ist kein Problem, der wir einfach aufgeladen und gut ist es. Das Batteriefach ist allerdings praktisch, wenn man im Urlaub mal keinen Strom hat, beim Zelten oder so.

    LG sanne

    Ehrlich gesagt bin ich immer erschrocken, wenn es darum geht, den "intakten" Menschen zu erschaffen, bzw. in die Richtung zu forschen. Wer bestimmt, was ein "normales" Leben ist, was ist überhaupt Normal, wer definiert das?

    Ich glaube nicht daran, dass jemals alle Behinderungen ausgelöscht werden können, weder durch Genmanipulation noch durch das vorzeitige Beenden von Leben, weil es eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Behinderung gibt.

    Jeder kann zur jeder Zeit durch Unfall, Krankheit oder was auch immer in die Lage kommen, nicht mehr der "Norm" zu entsprechen. Und dann sollten wir diese Menschen nicht dazu nötigen, sich der Norm anzupassen sondern wir sollten uns anstrengen, möglichst viele Hindernisse aus dem Weg zu räumen, so dass jeder in unserer Gesellschaft sein kann, wie er/sie nun mal ist.

    Ja auch ich hadere manches mal mit meinem Schicksal, keine Frage, aber es gibt viele Wege trotz allen Widrigkeiten ein erfülltes Leben zu leben, egal wie man ist.

    Wie sieht es mit dem Autofahren aus? Fährst du ? Auch ich habe sehprobleme und beidseitig schwerhörig. ... Trau mich nicht meinen Grad der Behinderung erhöhen zu lassen wegen dem Führerschein.

    Der GdB sagt ja erst einmal nichts über deine Sehfähigkeit aus. Wenn du weniger als 70% Sehleistung mit Brille oder Kontaktlinsen hast hast darfst du nicht mehr Auto fahren. Und das ist auch gut so, denn wenn man schlechter sieht gefährdet man nicht nur sich selbst sondern auch andere.

    Und selbst bei einer Sehbehinderung bekommt man nur einen Bruchteil, in meinem Fall 10% des Gesamtpreises erstattet.

    Gut Sehen und Hören ist eben Luxus ...

    Die Höreindrücke sind so individuell wie das Leben selbst.

    Wie individuell die Höreindrücke sind habe ich nach meiner Reimplantation im März erfahren. Nachdem ich 3 Jahre gute Fortschritte mit dem CI gemacht habe und ich zufrieden war mit dem Erreichten war der Höreindruck nach der unfreiwilligen Reimplantation ein ganz anderer als vorher. Vielleicht, weil der Draht anders bzw. tiefer in die Schnecke geführt werden konnte, vielleicht, weil mein Draht nun nicht mehr frei liegt, ich weiß es nicht. Der Klang ist ein anderer, nicht schlechter aber anders und zunächst ungewohnt. Aber ich höre damit, ich kann schon wieder Hörbücher verstehen und es hilft mir im Alltag so ungemein. Das will ich nicht missen. Das Gehirn ist so unglaublich gut in der Lage die Information in eine sinnvolle Einheit zu bringen. Das fasziniert mich immer noch.

    Ich habe im Vorfeld ausführlich mit der Schulleitung über die OP und die AU gesprochen, so das klar war, dass ich länger ausfallen werde.

    Mein Ohrenarzt hat mir mehr oder weniger die Entscheidung selber überlassen, wann ich wieder anfange zu arbeiten. Bis zur Erstanpassung sowieso, weil es wenig Sinn macht im Schullärm irgendwie halbtaub klar zu kommen, anschließend habe ich für mich geschaut, wie es geht. Beim ersten Mal habe ich eine Wiedereingliederung gemacht und bin mit 5 Stunden pro Woche gestartet. Das habe ich von Woche zu Woche gesteigert bis ich wieder meine volle Stundenzahl erreicht habe. Dann kamen die Sommerferien und danach konnte ich erholt und "hörgewöhnt" starten. Nach der Reimplantation war ich insgesamt "nur" 7 Wochen krank geschrieben und habe 5 Wochen bis zu den Sommerferien normal gearbeitet. Danach war ich so am Ende, weil ich mich einfach überfordert habe. Zwar habe ich hörtechnisch nicht mehr bei 0 angefangen, aber da der Höreindruck nach der 2. OP ein anderer ist, ist es trotzdem viel zu anstrengend. Aber als angestellte Lehrerin wollte ich zu langes Krankengeld vermeiden. Aber ehrlich gesagt nützt einem das Geld wenig, wenn man sich überfordert und den nächsten Hörsturz riskiert.

    Aber es ist wahrscheinlich gehüpft wie gesprungen, soviel habe ich inzwischen begriffen.

    So ist es. Nach meiner Reimplantation höre ich anders mit dem gleichen CI als vorher. Wie sagt mein Ohrenarzt so schön: Hören findet zwischen den Ohren statt. Recht hat er. Die Technik hilft, aber das Gehirn ist flexibel und anpassungsfähig und macht das beste aus den Informationen, die es bekommt.

    Ich kann Dani! nur zustimmen. Bei mir ist es ähnlich, dass zu der Hörbehinderung eine schleichende Verschlechterung des Sehens stattfindet. Und genau da liegt das Problem. Man kann langsam aber sicher Situationen nicht mehr alleine bewältigen, die man doch sonst immer konnte. Nach und nach ist man immer mehr auf Hilfe angewiesen, und das fällt dem Umfeld verständlicherweise schwer zu akzeptieren.

    Das CI ist sichtbar und ist ein eindeutiges Zeichen, dass da eine Schwierigkeit vorliegt. Da eine Brille in der Regel das schlechte Sehen gut ausgleicht ist es weitaus schwieriger zu erklären, dass es trotz Sehhilfe nicht möglich ist, angemessen zu sehen. Und wenn dann beide wichtigsten Sinne gleichzeitig betroffen sind ist die Situation nicht mehr damit abgetan, dass, wer schlecht hört ja den Sehsinn besser ausbildet und umgekehrt.


    Dani! hat es gut formuliert:

    Der eigene Wandel ist auch für die engsten Mitmenschen sehr schwer zu ertragen, das dürfen wir nicht vergessen!

    Und manchmal braucht es viel Kraft und Anstrengung, die sich verschlechternden Möglichkeiten anzunehmen und zu akzeptieren. Von beiden Seiten aus.

    Die Menschen um dich herum beruhigen sich auch wieder. Es ist immer eine Verunsicherung, wenn irgendwas anders ist an seinem Gegenüber. Keiner will mit Schwächen konfrontiert werden. Die heile Welt ist ja auch viel schöner. Für dich ist alles neu, anders, blöder. Klar dass das erschöpft. Es dauert, bis man seinen Frieden mit der Situation machen kann. Wenn man das irgendwann schafft kann man auch mit den Reaktionen der anderen gelassener umgehen.