Mein normalhörender Ehepartner und ich gebärden sehr viel. Daheim habe ich oft keine Lust (oder keine Energie mehr) nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zu hören. Ich finde es für mich persönlich total entspannend eine Sprache zu haben, die ganz ohne Technik auch funktioniert. Ich fühle mich so wesentlich enspannter und vollständiger irgendwie. Das Wissen, dass ich eine vollständige Sprache zur Verfügung habe, auch wenn diese nicht von vielen Menschen gesprochen wird, hilft mir persönlich. Das kann aber natürlich von jemand anderem anders gesehen werden. Weil ich aber so fühle, habe ich mich mit den Gehörlosen vor Ort in Verbindung gesetzt als ich ertaubte und die Gebärdensprache gelernt - und dabei naturgemäß auch Kontakt (und Freundschaften) geschlossen.
Mein privates Umfeld (hörende Familie und Freunde) können einzelne kleine Gebärden. So wie man es vielleicht vergleichen kann, wenn man in ein fremdes Land in den Urlaub fährt und so Sätze wie "Was kostet das?" oder "Wo geht es nach ..." auf der anderen Sprache vorher lernt. So können sie dann eben so was wie "Möchtest du ..." oder "Guten Morgen" oder so was. Das hilft. Für mehr habe ich mein MiniMik und mein Tablet mit der Sprachapp für Gehörlose, die Sprache in Text umwandelt für total laute Umgebungen (habe ich aber nicht mehr wirklich gebraucht seit ein/zwei Jahren - nur für eine andere, gerade Ertaubte, um ihr zu helfen).
Mein Arbeitsumfeld kann keine Gebärden, aber stellen sich auf mich gern ein. Wichtig ist dabei, dass ich diejenige bin, die sagt, was sie braucht. Das können die sich nicht vorstellen - verstehe ich auch total. Ich sage, was ich brauche und was gerade wichtig ist und bitte höflich und dann geht das auch so weit möglich. Klar, in sehr lauter Umgebung kann auch der verständlichsvollste Mensch nicht dafür sorgen, dass es still wird, aber man kann dann mit wichtigen Infos warten, bis man in anderer Umgebung ist (z. B.).
Ich habe für mich persönlich gelernt, dass MIR die Gebärdensprache total wichtig ist, weil ich auf diese Weise viel entspannter mit meiner Ertaubung umgehe - eine vollständige Sprache ist mir etwas Elementares. Dabei ist es ok, wenn ich darüber "nur" mit meinen gehörlosen Bekannten und Freunden, meinem Ehepartner und über Dolmetscher kommunizieren kann. Diese Sprache fühlt sich für mich persönlich richtig an sie zusätzlich zur Lautsprache zu können und zu nutzen (das ist aber, wie gesagt, vielleicht bei jemand anderem anders). Auch hat sie mein Denken und meine Wahrnehmung von Sprache verändert und das gefällt mir. Ich spreche seit ich gebärden kann auch Lautsprache viel lebendiger und mehr mit den Händen als zuvor.
Und ich habe gelernt das ich die Fachfrau sein sollte, was mein Gehör und mein Verstehen angeht. Klar, es gibt immer ein paar Menschen, die einen gar nicht verstehen wollen und alle außer sich selbst ausblenden. Bei mir war es aber so, dass die allermeisten auf mich eingehen, wenn ich erkläre, was ich warum brauche.
So, das war viel Geschriebenes
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