Eigentlich hatte ich mich schon vor 4 Wochen vorstellen wollen, aber dann ging es bei mir mit dem OP-Termin so schnell, dass ich zu nichts mehr gekommen bin. Das möchte ich jetzt nachholen:
Mein Name ist Simone, ich bin 59 Jahre alt und hatte am Dienstag, 09.12., in Dortmund meine OP. Seit Freitag bin ich wieder zu Hause und freue mich, dass ich die ansonsten stressigen zwei Wochen vor Weihnachten gemütlich auf dem Sofa verbringen darf.
Meine Innenohr-Schwerhörigkeit wurde erstmals 2004 offiziell festgestellt und ich bekam beidseitig Hörgeräte. Schon damals war das linke Ohr das Schwächere. Über die Jahre verschlechterten sich beide Ohren, vor allem das Linke schneller als das Rechte. Anfang des Jahres war dann klar, dass ich links, von ein paar wenigen tiefen Frequenzen abgesehen, quasi taub bin. Beim rechten Ohr liege ich mit HG bei einer Hörleistung von 60-70 % je nach Umgebungsgeräuschen.
Ich hatte immer das Gefühl, dass ich mich eigentlich wacker schlage, dafür, dass ich so schlecht höre. Aber besonders in den letzten Monaten wurde mir immer mehr bewusst, wie anstrengend ich das Leben inzwischen finde. Aus größeren Gruppen im privaten Bereich zog ich mich meist schnell zurück; Fernsehen machte eigentlich nur mit Untertiteln Sinn; Gesprächen mit mehreren Personen konnte ich schlecht folgen. Auch im beruflichen Umfeld wurde es immer problematischer. Ich arbeite als Assistenz der Geschäftsführung und seitdem wir vor einem Jahr mit der Firma umgezogen sind, habe ich kein eigenes Büro mehr, sondern sitze mit auf der offenen Fläche, wenn auch etwas abgetrennt in einer Ecke. Bürotage waren inzwischen der Horror für mich, ich war fix und alle, wenn ich nach Hause kam.
Als mein HNO Anfang des Jahres meinte, ob ich nicht über ein CI nachdenken wollte, habe ich angefangen, alles an Informationen zu sammeln, was ich bekommen konnte. Technik, Erfahrungsberichte von Betroffenen, Möglichkeiten, Risiken. Den letztlichen Ausschlag gab dann ein zufälliges Treffen und langes Gespräch mit einer Frau in ähnlichem Alter, die vor einem Jahr ihr Implantat bekommen hatte. Damit stand mein Entschluss im August fest, Ende Oktober hatte ich mein Erstgespräch in der Klinik und jetzt ist meine OP schon 6 Tage her.
Die OP ist gut gelaufen, das CT hat gezeigt, dass alles da sitzt, wo es sein soll, und am Donnerstag sollen die Fäden gezogen werden. Ich habe soweit alles gut überstanden, werde aber noch sehr schnell müde. Ein 15-Minuten-Spaziergang gestern, der mich im Anschluss direkt wieder aufs Sofa befördert hat, hat mir gezeigt, dass das mit dem Bäume-Ausreißen noch nicht so ganz wieder klappt. Ich habe noch ganz leichte Kopfschmerzen, aber nicht der Rede wert. Das Ohr selbst fühlt sich oben am Rand irgendwie leicht taub an und ich bin etwas verwundert, dass ich die Außenränder des Implantats fühlen kann, ich hatte erwartet, dass das alles plan ist. Das Implantat selbst drückt irgendwie noch ein wenig, schlafen kann ich auf der linken Seite derzeit gar nicht, was doof ist, da das meine übliche Schlafposition ist. Meine Nächte sind derzeit deshalb leider nicht ganz so erholsam. Aber weder habe ich Gleichgewichtsprobleme noch Geschmacksverlust und auch die Gesichtsnerven funktionieren einwandfrei.
Meine EA ist für den 19.01. geplant. Ich hoffe, dass ich im Laufe des Frühjahrs in eine stationäre Reha kann, das würde mir angesichts meines stressigen beruflichen Umfelds besser passen als laufende Termine im Krankenhaus.
Ich freue mich auf den Austausch hier, liebe Grüße, Simone