Wie habt ihr gelernt mit der Ertaubung umzugehen? War es bei euch auch ein "langsamer Prozess" oder gab es etwas plötzliches?
Puh. Das war ein sehr langer Prozess bei mir.
Hatte als Kleinkind eine Mittelohrentzündung. Mit 20 dann die ersten HGs erhalten. Diese schrieen mir ins Ohr, aber ich hörte besser damit. Dann ein ständiger Trend nach unten. 5 HG Generationen später kam ich gar nicht mehr mit. War komplett raus bei gemeinsamen Abenden mit Freunden. Bei Kerzenschein und gedimmten Licht zusammen hocken war mir ein Garaus, hatte ich doch über Jahre perfekt Lippenlesen gelernt. Im Dunkeln dann völlig nutzlos.
Habe mir etliche Male die Augen ausgeheult. Welche Chancen mir entgingen… Stattdessen stand ich dann gefühlt dumm daneben, weil ich ja nichts mitbekam. Von CI hatte ich vor ein paar Jahren natürlich gelesen aber eine furchtbare Vorstellung davon gehabt. Vermutlich habe ich mich innerlich gesträubt zu akzeptieren, dass ich hörbehindert bin. Ich spreche ja normal und keiner merkt etwas, der nicht bescheid weißt.
Mein Mann half mir dann auch bei der Entscheidung pro CI. Ich lies mich darauf ein. Informierte mich. Sprach mit einem Professor auf einem Info-Tag darüber. Wurde in der Klinik vorstellig. Resultat war klar CI Kandidat. Eigentlich beide Ohren.
Lies mir dann, mit 53 Jahren, ein CI einpflanzen.
Was soll ich sagen: beste Entscheidung für mich. Das Hören ist nicht perfekt, aber es ist entspannter geworden.
Ich habe es nun akzeptiert. Durch und durch, dachte ich. Bis ich im Frühjahr unvorbereitet in einen Sigh seeing Bus stieg und dort nur solche Kopfhörer gab, die mir nichts nutzten. Fühlte mich massiv ausgeschlossen, war stinkesauer. Aber mit Freundinnen unterwegs, konnte nicht einfach aussteigen und davon stampfen.
Also dauert der Prozess wohl immer noch an 😝