Ein Genuss - die Oper mit TICI und Sonnet

  • Ein Genuss für die Lauscher – Oper mit TICI und SONNET

    Gestern war ich in der Oper und habe Fantasio erlebt. Für mich war es tatsächlich ein Genuss für die Lauscher. Ich liebe diese besondere Klangwelt der Oper: das Orchester, einen fulminanten Chor, einzelne Stimmen, die einmal kraftvoll den Raum füllen und im nächsten Moment sehr fein und beinahe zärtlich werden. Gerade diese enorme Dynamik macht Oper für mich akustisch so faszinierend und gleichzeitig zu einer durchaus anspruchsvollen Hörsituation.

    Mit dabei waren natürlich wieder meine beiden Lauscher: rechts Hörlibert, mein SONNET, und links Hörmine, mein vollimplantierbares TICI. Und diesmal habe ich etwas ausprobiert, was für mich ein weiterer kleiner Meilenstein war. Ich habe während der Aufführung erstmals vollständig auf die T-Spule verzichtet und einfach über meine normalen Einstellungen gehört.

    Und es funktionierte erstaunlich gut.

    Natürlich bedeutet gutes Hören in der Oper für mich nicht, dass jedes Instrument jederzeit analytisch sauber voneinander getrennt vor mir liegt oder jede gesungene Silbe selbstverständlich verstanden wird. Oper ist schon für Normalhörende akustisch komplex. Für mich geht es deshalb ebenso um Klangfülle, Dynamik, räumlichen Eindruck, Stimmen, musikalische Spannung und um dieses besondere Gefühl, wieder wirklich Teil des Geschehens zu sein.

    Was mich dabei besonders beschäftigt: Auch nach Jahren mit Cochlea-Implantaten scheint mein Hören keineswegs an einem Endpunkt angekommen zu sein. Das Gehirn lernt weiter. Klänge werden vertrauter, Musik gewinnt an Struktur und manche Hörsituationen, für die ich früher selbstverständlich Zusatztechnik eingesetzt hätte, funktionieren inzwischen auch ohne sie.

    Gerade das Zusammenspiel von TICI und SONNET finde ich dabei ausgesprochen spannend. Beide Systeme liefern mir ihren Anteil am Höreindruck, und mein Gehirn scheint immer besser darin zu werden, daraus ein gemeinsames akustisches Bild zu formen. Hörmine und Hörlibert haben jedenfalls gestern sehr ordentlich abgeliefert.

    Mich würde deshalb interessieren, wie es euch damit geht:

    Wie erlebt ihr Oper, Konzert, Musical oder Theater mit CI? Nutzt ihr dort T-Spule, Roger, Streamer oder andere Zusatztechnik, oder hört ihr inzwischen ebenfalls häufiger einfach über eure normalen Programme? Ist euch dabei Sprachverständlichkeit wichtiger oder der musikalische Gesamteindruck? Und habt ihr auch erlebt, dass sich euer Musik- und Klangempfinden noch Jahre nach der Implantation weiterentwickelt?

    Vielleicht sammeln wir hier einmal unsere ganz unterschiedlichen „Opern- und Musikerfahrungen“. Denn gerade beim Musikhören zeigt sich sehr schön, wie individuell CI-Hören ist und wie viel Entwicklung manchmal noch möglich ist, obwohl man längst dachte, man sei schon ziemlich weit gekommen.

    Bleibt's xund eure Frau Kruemelkuchen <3

  • Ich war lange nicht mehr in den "Lunch-Konzerten" der Philharmonie hier in Berlin. Auch ich nutze keinerlei Zusatztechnik und laufe auch so absolut ohne Filter durchs alltägliche Leben.

  • Musik ist für mich noch terra incognita.
    Liegt sicherlich auch daran, dass ich rechts mit HG-Versorgung eigentlich nicht mehr wirklich höre, sondern nur ein stark reduziertes und sehr verzerrtes Hörbild habe.
    Der Verlust des Musikgenusses schmerzt mich sehr. Mir wurde erst mit dem Wegbrechen meiner Hörfähigkeit so richtig bewusst, wie sehr ich das geliebt habe. Sie war ja selbstverständlicher Teil meines Lebens. Und offenbar rin sehr wichtiger.
    Dein Bericht macht mir Mut, dass ich doch noch etwas davon zurückholen kann.
    Bisher konzentriere ich mich auf das Sprachverstehen und die Einstellungen des CI sind noch längst nicht optimal.
    Die Tiefen sind viel zu präsent, brummig und überbordend.
    Mit dem Meludia-Programm habe ich schon ein wenig geübt. Scheitere allerdings noch z. B. an der Wahrnehmung von wechselnden Tonhöhen. Da kommt mir ein wieder tieferer Ton dann gern mal als ein höherer an und umgekehrt.
    Noch kann ich Musik nicht genießen. Es ist weitgehend ein Geräusch-Quark. Melodien, die ich schon öfter gehört habe, erkenne ich nun aber schon mal. Ist auch ein Fortschritt. Wenn auch nur ein kleiner.
    Danke für deinen positiven Input.
    Das spornt mich jetzt an.

    Schlecht hören konnte ich schon immer gut - sagt meine Frau 😇

    • CI-Träger MED EL Mi 1250 Synchrony 2 flex 28 mit Rondo 3 seit März 2026 (links nach vollständigem Hörverlust)
    • rechts (noch) Starkey HG Evolv AI iO mit Otoplastik (deutlich unter 10 % Rest)
    • beidseitiger Morbus Menière seit 2013/2016 mit allen Schikanen, die er so drauf hat
  • Ich höre meist ohne zusätzliche Technik mit HG und CI. Für das CI ist mein Musikprogramm noch nicht so optimal, das möchte ich im nächsten Reha-Block verbessern. Filter sind zwar weg, aber gerade bei klassischer Musik fehlt mir noch Dynamik. Außerdem klingen so lang gezogene Töne sehr merkwürdig, die wabbeln irgendwie. Da müssen wir noch mal etwas an der Kompression ändern.
    Trotzdem höre ich gerne Musik.

  • Ich höre meist ohne zusätzliche Technik mit HG und CI. Für das CI ist mein Musikprogramm noch nicht so optimal, das möchte ich im nächsten Reha-Block verbessern. Filter sind zwar weg, aber gerade bei klassischer Musik fehlt mir noch Dynamik. Außerdem klingen so lang gezogene Töne sehr merkwürdig, die wabbeln irgendwie. Da müssen wir noch mal etwas an der Kompression ändern.
    Trotzdem höre ich gerne Musik.

    Oh spannend. Wäre schön, wenn du bissl vom Prozess dazwischen man berichten könntest

  • Ich war in einem Orgelkonzert und das war reinster Horror.

    Ich kann Musik nicht genießen, erkenne Songs nicht. Alles verzerrt.

    In eine Oper zu gehen ist für mich unvorstellbar. Ich gehe nicht zu Konzerten, höre zu Hause keine Musik und gehe nicht ins Theater. Das Alles ist noch lange nicht in Sicht.

  • Ich war in einem Orgelkonzert und das war reinster Horror.

    Ich kann Musik nicht genießen, erkenne Songs nicht. Alles verzerrt.

    In eine Oper zu gehen ist für mich unvorstellbar. Ich gehe nicht zu Konzerten, höre zu Hause keine Musik und gehe nicht ins Theater. Das Alles ist noch lange nicht in Sicht.

    Danke, dass du deine Geschichte mir mir teilst. Ich drücke dir die Daumen, dass du bald einen Zugang hast

  • Ich kann Musik nicht genießen, erkenne Songs nicht. Alles verzerrt.

    Hast Du schon mal mit dem Meludia-Progamm ein paar erste Schritte versucht?

    Schlecht hören konnte ich schon immer gut - sagt meine Frau 😇

    • CI-Träger MED EL Mi 1250 Synchrony 2 flex 28 mit Rondo 3 seit März 2026 (links nach vollständigem Hörverlust)
    • rechts (noch) Starkey HG Evolv AI iO mit Otoplastik (deutlich unter 10 % Rest)
    • beidseitiger Morbus Menière seit 2013/2016 mit allen Schikanen, die er so drauf hat
  • In einer Oper war ich nicht, aber zu meiner Freude gibt es bzgl Musik definitiv Fortschritte.

    Auch was die Klangqualität angeht. Viele Instrumente hören sich endlich so an, wie ich sie in Erinnerung habe. Eine Orgel klingt auch schon voll und vielseitig. :)

    Nur mit CI hörend, kann ich sogar mittlerweile sauber einsetzen, wenn jemand ein Lied anstimmt. Was mich auf die Idee brachte, mit den Kindern in der Schule mal wieder zur Gitarre zu singen. Das will ich diese Woche mal versuchen. Habe seit der CI Implantation mich nicht mehr getraut mit den Kindern zu singen, da ich oft so fürchterlich schräg sang....

    Heute fiel mir das erste Mal auf, dass ich Filmmusik, während jemand spricht wahrnehmen kann.... allerdings war ich dann nach ca 30 Min Höranstrengung ziemlich geschafft...

    Ich kann nur raten, - auch wenn es sich schlimm anhört - Musik regelmäßig zu hören und zu üben. Nichts komplexes, sondern einfaches, bekanntes, ggf auch mit dem Gegenohr, wenn möglich, abgleichen. Es wird besser!

    Bei mir hat es mehr als ein Jahr gebraucht, bis endlich Fortschritte bzgl Musik kamen.

    Geduld und Üben! Aber nicht übertreiben. Manchmal ist es auch gut dem Gehirn Pausen zu gönnen. Plötzlich geht dann etwas, was lange nocht ging. ^^

  • Hallo in d. Runde,

    seit 2 Wochen gehe ich wieder zur Chorprobe naja Lieder die ich noch kenn kann ich auch meistens mitsingen. Wenn ich den Anfangston habe mit viel Geduld meiner Chorleiterin dann schaffe ich es auch wieder im höheren Sopran zu singen. Für mich klingt es einfach nicht real, meine Stimme klingt ja mit 2 CIs auch anders.

    Ansonsten ist Musik noch schwierig . Meistens erkenne ich mir bekannte Lieder am Text nicht an der Melodie. Orgel und klassische Musik ist weit weg von Genuss. Ich habe meine CDs 18 und 11 Monate und hoffe das passiert noch ganz viel.

    Was mir von Anfang an Probleme bereitet sind Männerstimmen im tieferen Bereich und ich bewundere meinen Mann der mein ständiges Nachfragen toleriert.

    Ich gebe nicht auf und bin unendlich dankbar für meine CIs, allein die vielen neuen Höreindrücke die ich erleben darf sind wahnsinn.

    LG Konny :)

  • Ich möchte über einen Aspekt beim Musik-hören-Lernen mit CI berichten, der mich gerade am Anfang sehr beschäftigt hat und den vielleicht auch andere kennen: die Angst.

    Ich habe mein Leben lang Musik gehört und auch selbst Musik gemacht. Als ich zum ersten Mal versucht habe, mit CI Musik zu hören, klang es furchtbar. Darauf war ich vorbereitet – schließlich hört man von vielen Seiten, dass Musik am Anfang erst einmal schrecklich klingen kann.

    Als dieser schreckliche Klang aber auch nach längerer Zeit nicht verschwand, bekam ich Angst. Die Angst, dass ich Musik vielleicht nie wieder so würde hören können wie früher.

    An diesem Punkt war es für mich wichtig, trotzdem weiterzumachen. Und vor allem: ergebnisoffen weiterzumachen. Es klang schrecklich, aber ich hörte trotzdem weiter Musik mit dem CI. Ich hörte alte, vertraute Lieder, mit denen ich Erinnerungen und Emotionen verband. Das half meinem Gehirn, sich zu erinnern und das Gehörte nach und nach neu einzuordnen.

    Irgendwann traf ich außerdem eine Entscheidung: Ich arbeite nicht auf das Ziel hin, dass Musik irgendwann wieder exakt so klingen muss wie früher. Das nahm mir viel Druck. Von da an konnte ich mich beim Musikhören stärker darauf konzentrieren, was ich bereits hörte – und weniger darauf, was ich noch nicht hörte oder wie anders alles im Vergleich zu früher klang.

    Der Schlüssel war für mich, die Angst und den Frust auszuhalten, zu überwinden und trotzdem dranzubleiben. Mit der Zeit konnte ich beobachten, welche Fortschritte ich machte. Und diese Entwicklung ist noch längst nicht abgeschlossen. Ich lerne immer noch dazu und erlebe auch heute noch erstaunlich große Sprünge.

    SSD |CI seit August 2024 | Med-El, HdO-Prozessor SONNET 3 | Elektrode SYNCHRONY 2 FLEX soft

    Im Juni 2023 links von einem Tag auf den anderen (ohne Erkrankung) ertaubt. Vorher normalhörend.

    Rechts normalhörend.

  • Der Schlüssel war für mich, die Angst und den Frust auszuhalten, zu überwinden und trotzdem dranzubleiben. Mit der Zeit konnte ich beobachten, welche Fortschritte ich machte. Und diese Entwicklung ist noch längst nicht abgeschlossen. Ich lerne immer noch dazu und erlebe auch heute noch erstaunlich große Sprünge.

    Danke, das ist imo eine wesentliche Erfahrung und Sache.<3 Ich meide bewusst Musik hören, höre aber natürlich im Alltag das Radio und bei streams auch Audio incl. Musik. Ich bin evtl jetzt so weit es bewusst anzugehen. Ganz langsam.

    Wobei ich Drums und Bass bereits sehr gut höre. Alles Andere aber klingt verzerrt.

    Da sind wohl einfach zu viele Frequenzen und Obertöne auf einmal.

    Acapella, Musik mit nur einem Instrument als Start denke ich.:)