Hallo,
Ich bin seit Dienstag bilateral mit CI versorgt.
Ich habe bereits 2002 in der MHH rechts ein CI von AB bekommen und nun mehr als 24 Jahre später links. Viele fragen warum diese extrem lange Zeitspanne zwischen den beiden CIs. Der Grund war, dass ich links noch Restgehör im Tieftonbereich bis ca. 1000 Hz hatte. Die tiefen Töne reichten nicht für ein EAS aber haben das Hören rund gemacht. Viel wichtiger war aber dass das Hörgerät durch viele Messungen belegt noch signifikant beim Verstehen geholfen hatte, auch wenn mit Hörgerät allein nicht viel Verstehen zu holen war. Mir wurde von Prof. Le-Si lange vom zweiten CI abgeraten. Letzten Sommer bemerkte ich, dass ich beim Schwimmen links nicht mehr ohne Hörgerät das Wasser glucksen hörte. Und die Einschaltmelodie vom Hörgerät war auch nicht mehr zu hören. Das hat bei mir jetzt keine große Panik ausgelöst. Zu Weihnachten stellte ich jedoch fest, dass das Sprachverstehen in meiner großen Familienkreis schlechter geworden ist. Ich habe daher Anfang diesen Jahres einen Hörtest gemacht und mich in einer wohnortnahen Klinik, das MHO in Osnabrück, vorgestellt. Die Ärztin im MHO war sehr nett und schien mir auch sehr kompetent zu sein. Aber das Drumherum, z.B. Ausstattung mit Audiologen, hat mir nicht so zugesagt. Also habe ich mich wieder für die MHH entschieden, wohl wissend dass das Krankenhaus ganz extrem in die Jahre gekommen ist und es zum Teil auch Verschiebebahnhofsmäßig zugeht.
Also bin ich am Montag früh in der zentralen Aufnahme eingecheckt. Dann ging es auf Station und mir wurde gleich Blut abgenommen. Dann ein sehr kurzes Gespräch mit der diensthabenden Stationsärztin. Danach würde noch ein Hörtest, nur links und nur Tonaudiogramm gemacht. Es erfolgte ein DVT (MRT geht bei mir wegen meines alten Implantats nicht). Abends war noch das Gespräch mit der Narkoseärztin und relativ spät noch ein Gespräch mit Frau Prof Leichtle, die mich operiert hat. Ich habe mich etwas gewundert, dass nicht mehr untersucht wurde, andererseits bin ich der MHH bekannt und dass mit einem Hörgerät links nichts mehr zu machen ist, ist offensichtlich. Abends habe ich noch ein paar Lieder gestreamt und mich vom natürlichen Gehör verabschiedet.
Nächsten morgen, war um 6:00 Uhr wecken, und ich musste mich mit einem antiseptische Duschgel komplett waschen. Der linken Kopfseite aber ich natürlich besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt. Dann wurde ich um 7 Uhr in den OP Bereich gefahren. Blöderweise hat man vier Patienten um 7 Uhr einbestellt und hatte nur drei OP Sääle. Und ich war diejenigen, die im OP Bereich im OP Hemd bis 9:30 Uhr warten musste. Das war eine sehr lange Zeit, da man ja nichts mithat, um sich die Zeit zu vertreiben. Dann wurde ich in Narkose gelegt. Man hat immer alles erklärt, was man gerade macht. Ich wurde kurz vor 12 Uhr im Aufwachraum wieder wach, und man hatte mir da schon den Sprachprozessor rechts angelegt, dass ich sofort kommunizieren konnte. Mir wurde ein schönes Wassereis angeboten und schon nach kurzer Zeit ging es zurück auf die Station. Zunächst ging es mir super, aber nachmittags wurde mir doch ziemlich übel und ich musste mir das ganze Erlebnis auch zwei Mal durch den Kopf gehen lassen. Mir wurde dann gegen die Schmerzen und Übelkeit Medikamente verabreicht und dann ging es so einigermaßen. Die Nacht war so lala.
Am Mittwoch ging es gleich zum Hörzentrum und ich bekam die Frühanpassung. Der Rest des Tages und auch am Donnerstag waren davon geprägt, dass es 3 Mal täglich Infusionen verabreicht bekommt, und 3 Mal täglich etwas zu essen gab, und man verschiedene andere Termin wie Röntgen, Wundkontrolle etc. absolvieren muss. Zwischen diesen Terminen habe ich versucht, mich durch Spaziergänge in der MHH wieder fit zu machen. Heute konnte ich nach Hause.
Das Krankenhaus wurde 1968 gebaut und ist im Wesentlichen noch im Orginalzustand. Man hat noch nicht mal die Fliesen an den Wänden durchgehend erneuert, sondern nur geflickt. Die Fliesen in unseren Zimmer hatten vier verschiedene Farben und richtig viele Bohrlöcher. Ich war in einem 2 Bett Zimmer und wir mussten uns das WC mit dem 2 Bett-Nachbarzimmer teilen. Es gibt zwei Duschräume auf dem Gang. Die Duschen sind zwar irgendwann mal gemacht worden, waren aber auch alt. Auf der schön großen behindertengerechten Dusche funktioniert der Abfluss nicht richtig. Also da, so finde ich, hätte man hier und da mal mehr in die Bausubstanz investieren müssen. Beim Zufriedenheitsumfrage fragt die MHH nach allem Möglichen, aber nicht danach, ob man mit dem Zimmer zufrieden war. Die wissen wohl selbst, dass das die Note 6 ist.
Das Personal hatte in jeglicher Funktion einen sehr hohen Ausländeranteil, und nicht alle sprachen ein für Schlappohren gut verstehbares Deutsch. Aber alle waren ohne Ausnahme sehr nett und sehr professionell. Wie die AFD sich das vorstellt, wie die Krankenhäuser ohne Ausländer funktionieren kann, ist mir absolut schleierhaft.
Ich fand die Abläufe im Wesentlichen sehr effizient organisiert, und dass man hierhin und dorthin geschickt wird, ist für einige Menschen bestimmt auch schwierig zu managen. Ich muss sagen, es gab immer Wegbeschreibungen, teilweise auch schriftlich, und man konnte auch sagen, dass man vom Krankentransportdienst gebracht und abgeholt werden möchte. Die MHH ist ein riesiges Krankenhaus und die meisten Patienten haben auch weitaus größere gesundheitliche Probleme als wir CI Träger. Das lehrt einen auch immer große Dankbarkeit und Demut.
Nun zum Hören, es piepst. Ich kann den Prozessor auch nicht lange tragen, da das Ohr zu wund ist und das Ohr zusätzlich auch mit einer Brille belastet werden muss. Ich bedaure sehr, dass ich keine Kontaktlinsen vertrage und bei meiner Dioptrienzahl fällt es auch sehr schwer, die Brille einfach weg zu lassen. Ich versuche den Prozessor zwei Mal täglich für zwei Stunden anzulegen und heute habe ich auch schon eine erste Nachanpassung gehabt. Ich habe das Piepsen vom ersten CI her in ähnlicher Erinnerung, das wird besser werden. Das neue CI ist etwas tiefer als das erste CI, aber auch das wird das Gehirn zurecht ruckeln. Die beiden Überträger sind überhaupt nicht symmetrisch, wie das mit dem Fahrradhelm hinhaut, muss ich mal sehen. Ich möchte in die AHB nach Bad Münder, der Sozialdienst hat es beantragt, eigentlich können Beihilfe und PKV auch nicht ablehnen. Wenn es klappt, wie geplant, geht es am 13. Oktober in Bad Münder weiter.