Ich lerne seit einigen Monaten Klavierspielen. Bisher sind meine Fähigkeiten natürlich begrenzt. Es gibt allerdings einen Akkord im Bass-Schlüssel, der für mich zusammen mit der anderen Hand immer wieder falsch klingt, so dass ich kontrolliere, ob ich die richtigen Tasten drücke. Der Klavierlehrer sagt, dass aber alles richtig ist, dass es solche Disharmonien in der Musik gibt und dass es Spannung aufbaut. Ich frage mich nun, ob das einfach eine persönliche Macke von mir ist oder ob das mit dem CI zusammenhängen kann (Ich habe ein CI und ein gut hörendes Ohr).
Geht es jemandem von euch ähnlich?
Manche Akkorde klingen für mich ‚falsch‘ - Zusammenhang mit CI?
-
-
AnniB Es ist "normal" dass im Tieftonbereich durch die Lage des implantierten Elektrodenträgers und dessen Zusammenspiel mit dem Sprachprozessor, dass Tonhöhenempfinden nicht (immer) optimal ausgestaltet werden kann. Bei dir kommt noch dazu, dass du auf einer Seite über ein "gutes Ohr" verfügst. Dein Gehirn hat höchstwahrscheinlich damit zu kämpfen, die Höreindrücke beider Seiten zu "harmonisieren".
Teste doch mal den Akkord nur mit dem CI-Ohr. Das gute Ohr solltest du, so gut wie es machbar ist, vertäuben. Ansonsten versuche es doch mal testweise mit einem Keyboard über Bluetooth oder Kopfhörer.
-
Hallo AnniB,
wie kam es denn, dass Du mit dem Klavierspielen angefangen hast? Aus eigenem Interesse oder hat Dich jemand dazu angeregt?
Zur Fragestellung kann ich Dir nicht viel sagen, sondern nur aus meiner Perspektive berichten. Ich habe seit der Kindheit Klavier gespielt, bis die Ertaubung dazwischen kam und es schien, als ob damit nun Schluss sein würde. Es kam allerdings ganz anders. Die Bindung zur Musik und dem Klavier konnte ich nicht aufgeben. Es hat sich so etwas wie Synästhesie entwickelt, wo also der Anblick von Noten Melodien entstehen lässt und das Spielen weiterhin möglich macht. Das Notenlesen habe ich nun intensiv betrieben und ich könnte es schon als Sezieren bezeichnen. Beim Spielen muss die erarbeitete Melodie immer vorauseilen. Man darf sich das keinesfalls als mechanisches Abgreifen vorstellen, denn wenn das zuträfe, wäre überhaupt nichts möglich.
Ich möchte ein Beispiel angeben: Udo Jürgens Lied "Griechischer Wein" kennst Du bestimmt. Das habe ich nie gehört, aber in der Verarbeitung ist es so, als hätte ich es nie verpasst.
Wenn von Musik und Horschädigung gesprochen wird, ist immer nur von Vibrationen die Rede. Das ist ein bisschen Humbug. Vibrationen ermöglichen zwar ein gewisses Rhythmusgefühl, aber sie reichen nicht aus, um Melodien zu erarbeiten. Dazu gehört schon etwas mehr, falls das Hören so schlecht sein sollte, um sich ein Bild von der Melodie zu machen.
Wir Du sagst, hast Du ein gut hörendes Ohr. Wäre es dann nicht möglich, das CI abzuschalten, um das Problem besser in den Griff zu bekommen?
-
Ich hab angefangen, weil ich es lernen wollte 🤷♀️
Ich höre insgesamt sehr gut, allein schon durch das gut hörende Ohr. Ich habe nur hin und wieder dieses Störgefühl und frage mich, ob das am Zusammenspiel mit dem CI liegt oder ob das einfach auch mein untrainiertes Ohr ist. Aber das Arrangement in diesen Lehrbüchern einfach zum Teil doof ist.
-
Hallo AnniB,
ich nehme es auch so wahr, dass einige Akkorde verstimmt klingen. Meine Vermutung ist, dass es an den Obertönen liegt. Du hörst ja bei Instrumenten nie einen einzigen Ton, sondern es klingen die dazugehörigen Obertöne mit. Wenn du also Akkorde spielst, klingen die Obertöne aller drei Töne mit. Wenn hier in irgendeinem Frequenzbereich durch das CI etwas „verstimmt“ ist, kann es sein, dass sich die Obertöne nicht harmonisch mischen - wie es bei Normalhörenden funktioniert, und es diffus klingt. Das würde auch erklären, warum es sich von Ton zu Ton abrupt verändert.
-
Ich frage mich nun, ob das einfach eine persönliche Macke von mir ist oder ob das mit dem CI zusammenhängen kann (Ich habe ein CI und ein gut hörendes Ohr).
Du könntest die Frequenzwahrnehmung Deines CI mal prüfen, mit CImbel: Tool für Sound Balancing Test
In der Regel wird die Frequenzwahrnehmung mit dem CI nicht zu der des normalen Ohrs passen. Da sind aber Korrekturen möglich.
-
Hallo Anni,
zum Hören von Disharmonien mit CI kann ich dir nichts sagen (ich selbst habe ja keins). Ich selbst lerne aber klassische Gitarre und das
Der Klavierlehrer sagt, dass aber alles richtig ist, dass es solche Disharmonien in der Musik gibt und dass es Spannung aufbaut
höre ich sehr, sehr oft von meiner Gitarrenlehrerin
, weil es mich auch oft stört, dass ein Akkord , eine Stelle im Stück schräg kling (ich diesen aber richtig gespielt habe und das mehrfach kontrolliert habe). Seit ich etwas schwerere Stücke spiele, ist das fast in jedem Stück 1 bis 2x so (wenn ich es oft genug gespielt habe, verliert sich das aber und wenn ich bewusst drauf acht, höre ich dass auch, wie es danach wieder harmonisch wird).Ob das mit dem CI vermehrt auftritt, das verstärkt oder die Disharmonien an "falschen" Stellen auftreten, weiß ich natürlich nicht. Aber solche Disharmonien nehmen auch Normalhörende an manchen Stellen war! Ist ja dann auch Absicht. Ich bin da sehr empfindlich und Jazzstücke o.ä. suchen wir erst gar nicht raus.
Viel Spaß noch beim Klavierspielen!
Viele Grüße
Katja
-
… ich soll bald ein ganzes Heft mit Jazz-Stücken spielen… das wird ein Spaß.
Eigentlich möchte ich gerne Klavier SPIELEN, nicht LERNEN 😆 -
Musikalisch gesehen gibt es Konsonanzen und Dissonanzen. Letzteres sind spannungsvolle Klänge, die sich in der Regel hin zu konsonanten, harmonischen Klängen auflösen. Ein einfaches Beispiel: Wenn du dir „Happy birthday“ vorstellst, gibt es auf die Silbe „birth“ einen spannungsvollen Ton, der sich auf „day“ hin in eine konsonante Quinte auflöst. Wenn man die Melodie weiter verfolgt, merkt man, dass das Lied beim vorletzten Ton „to“ einfach nicht enden kann, weil sich das komisch anhört. Auch hier ist eine Spannung im Spiel, die sich zum Schlussakkord hin auflösen muss. Insofern ist Musik immer eine Abfolge von Spannung und Entspannung. Dissonanzen gehören immer dazu. Wenn ich dich richtig verstanden habe, AnniB, sind das, was du beschreibst, vermutlich nicht normale Dissonanzen, sondern wirklich verstimmte Akkorde, die sich schief anhören.
-
Ja, das Gefühl habe ich auch. Oder aber diese Dissonanzen werden einfach viel zu lange aufrecht erhalten, so dass sie keine (für meine Ohren) gute Spannung aufbauen.
naja, ich bleibe dran. -
… ich soll bald ein ganzes Heft mit Jazz-Stücken spielen… das wird ein Spaß.
Eigentlich möchte ich gerne Klavier SPIELEN, nicht LERNEN 😆am Lernen geht wohl kein Weg vorbei, wünsche dir trotzdem viel Spass! 😉
-
Hallo Anni, beim Problem, das Dich beschäftigt, muss es sich um Obertöne handeln. Es gibt ein Buch von Frank Conroy: "Body & Soul", in dem die Rede davon ist. Ein Musiklehrer hat einen begabten Schüler unter seine Fittiche genommen und bemerkt eines Tages sein Zögern beim Anschlag von Akkorden. "Claude spielte einen zweiten, noch schwierigeren Akkord. Sehen Sie, und dieser wackelt noch mehr. Ich höre erst den Klang, und dann höre ich so was innendrin, als ob verschiedene Töne immer lauter und leiser werden.
Lehrer Weisfeld lässt den Jungen dann neben den Flügel treten und bittet ihn, den Kopf in den Flügel zu stecken und genau hinzuhören. Daraufhin schlägt er, zusammen mit dem Fortepedal einen Akkord an. Anschließend einen anderen Ton an, der gar nicht zum Akkord gehört. Das wird von Claude natürlich überraschend zur Kenntnis genommen. "Obertöne, eigentlich nichts Besonderes. Wir müssen ganz von vorn anfangen" antwortet Weißfeld darauf...
-
Hallo in d. Runde,
ich kann mit 2 CIs ( beide 2025 implantiert ) nicht einmal Klavier und Gitarre unterscheiden. Meine Logopädin meinte ich soll mal wieder Gitarre spiele ( Leienspieler) aber die Akorde klingen so anders. Ich weiß wie bekannte Lieder klingen und finde den Anfangston nicht. Musik ist sehr schwierig für mich.
Lg Konny
-
Hallo Konny, Deine Erfahrung zeigt, wie unvorhersehbar die Versorgung mit CIs sein kann. Wenn Du das Singen im Chor erst mal aufgeben musstest und keine Besserung nachfolgt, musst Du es so annehmen, wie es ist. Erzwingen lässt sich nämlich nichts. Aber Sprache verstehst Du doch mit dem CI? Mir sagte mal ein Klinikarzt: "Das ist kein Musikprozessor, sondern ein Sprachprozessor".
Sei trotzdem nicht ganz so niedergeschlagen. Die Tatsache, dass Du mal im Chor gesungen hast zeigt, dass Du bestimmt nicht unmusikalischer bist als andere. Und es lâsst außerdem vermuten, dass Du die Notensprache beherrscht. Wenn dem so ist, nimm Dir die die Noten alter Lieder vor und erweitere sie auf noch unbekannte. Bei mir war es so, dass dadurch ein sphärisches Hören entstanden ist. Ein sogenanntes inneres Hören, bei dem sich nicht nur ein Stimmchen bemerkbar macht, sondern eben auch der Eindruck, einen Chor bzw. einen Klangkörper wahrzunehmen.
Das hat mir Kraft gegeben in einer Zeit, als es gar nichts gab.
LG - Pollux
-
AnniB ich habe jetzt nicht alle Kommentare gelesen, vielleicht wurde es schon empfohlen:
Nimm doch beim Spielen einfach mal das CI ab, dann müsstest du ja alles so hören, wie es sein soll. Wenn es sich mit CI dann anders/falsch anhört, ohne CI aber nicht, liegts wohl am CI und nicht an dir

-
Ich selbst lerne aber klassische Gitarre
Wie schaffst Du es, die Saiten zu stimmen? Ich hatte ohne große Hörproblemen nicht!
-
Hallo,
Wie schaffst Du es, die Saiten zu stimmen? Ich hatte ohne große Hörproblemen nicht!
ich bin zwar normalhörend, kann meine Gitarre aber trotzdem nicht mit der Stimmgabel und nach Gehör stimmen..Würde zumindest ewig dauern. Ich habe auch nicht das perfekte musikalische Gehör, vieles beim Spielen (wenn etwas nicht weich genug klingt, ein Bogen nicht erkennbar ist) höre ich nur, wenn mich meine Lehrerin darauf hinweist. Ich lerne Gitarre ja auch einfach so für mich selbst, weil es mir Spaß macht und nicht, um damit Konzerte zu geben.
Dafür gibt es aber doch Stimmgeräte, mit denen das sehr schnell und unkompliziert geht? Saite immer wieder anschlagen, auf die Anzeige schauen und so lange drehen , mit der Pfeil ungefähr in der Mitte der Anzeige steht und es grün leuchtet. Selbst meine Gitarrenlehrerin (hat Gitarre studiert) nutzt im Alltag diese, weil sie meint, dass das viel schneller geht.
Momentan nutze ich sogar eine kostenlose App auf dem Smartphone dafür.
Viele Grüße
Katja
-
Ich lerne seit einigen Monaten Klavierspielen. Bisher sind meine Fähigkeiten natürlich begrenzt. Es gibt allerdings einen Akkord im Bass-Schlüssel, der für mich zusammen mit der anderen Hand immer wieder falsch klingt, so dass ich kontrolliere, ob ich die richtigen Tasten drücke. Der Klavierlehrer sagt, dass aber alles richtig ist, dass es solche Disharmonien in der Musik gibt und dass es Spannung aufbaut. Ich frage mich nun, ob das einfach eine persönliche Macke von mir ist oder ob das mit dem CI zusammenhängen kann (Ich habe ein CI und ein gut hörendes Ohr).
Geht es jemandem von euch ähnlich?Ich spiele ebenfalls Klavier. Allerdings trage ich beidseitig CIs und deshalb klingt es für mich – Achtung, Dad-Joke – wie ein verstimmtes Klavier. 😄
Richtig gut klingt es für mich eigentlich nur bei Stücken, die ich noch aus der Zeit vor meiner Ertaubung kenne, zum Beispiel Für Elise. Mein Gehirn ergänzt dann einfach die Höreindrücke, die ich in Wirklichkeit gar nicht höre. Faszinierend, was unser Kopf alles leisten kann.
-
Danke, ich habe früher nach dem Gehör gesungen. Noten sind nicht meins habe es nicht gelernt. Ja Klavier und Gitarre klingen einfach nur stakato kann ich oft nicht mal unterscheiden welches spielt . Aber ich werde auf dem Keyboard der Enkel anfangen rum zu klimpern. Einfache Kinderlieder schaffe ich aber leider zu tief angefangen und es klingt für meine Logopädin nicht ganz so toll. Naja nicht aufgeben, ich muss ja nicht im Orchester spielen.
Lg Konny