Wenn das Gehör immer schlechter wird und die Entscheidung zum CI ansteht

  • Hallo,

    ich bin auf beiden Ohren an Taubheit grenzend schwerhörig, teilte mir der HNO-Arzt mit. Es ist möglich auf beiden Seiten ein Cochlea Implantat zu implantieren (Voruntersuchungen sind gemacht). Bei mir ist etwas die Angst da, dass nach der CI-Operation das Sprachverständnis noch schlechter wird. Zur Zeit kommuniziere ich mit Power-Hörgeräten und durch Lippenablesen. Ich merke aber, dass es immer schwerer wird.

    Ich habe mir gedacht, ich lasse erst einmal ein Ohr operieren und werde schauen, wie es mit dem Implantat von Cochlea läuft. Ich kenne jemanden, der ein ganz tolles Sprachverständnis entwickelt hat mit zwei Cochlea-Implantaten. Ist dafür eine lange Sprachtherapie mit Hörtraining notwendig? Macht es Sinn nach der Operation eine Reha zu machen?

    Viele Grüße und danke für Eure Erfahrungen, die ihr mir mitteilt.

  • Ich habe mir gedacht, ich lasse erst einmal ein Ohr operieren und werde schauen, wie es mit dem Implantat von Cochlea läuft.

    Ja, das ist sinnvoll. Nur zur Klarstellung: Das Gerät heißt Cochlea-Implantat, und es gibt die drei Hersteller Cochlear (mit r am Ende), MED-EL und Advanced Bionics. Man muss sich für einen der Hersteller entscheiden - im Forum findest du viele Diskussionen über die Vor- und Nachteile der Hersteller. Durch die Implantierung bindet man sich ja an einen Hersteller, deswegen sollte man sich die Auswahl genau überlegen. Auch wenn man letztlich nicht viel falsch machen kann - alle funktionieren ziemlich gut, sonst würde man nicht alle drei implantieren.

    Ich kenne jemanden, der ein ganz tolles Sprachverständnis entwickelt hat mit zwei Cochlea-Implantaten. Ist dafür eine lange Sprachtherapie mit Hörtraining notwendig? Macht es Sinn nach der Operation eine Reha zu machen?

    Auch mit einem Implantat kannst du schon ein sehr gutes Sprachverständnis entwickeln. Reha macht man eigentlich immer, die Frage ist nur ob ambulant (meist über 2-3 Jahre gestreckt immer mal wieder ein Tag, am Anfang häufiger, am Ende seltener) oder stationär (eine Art Kur, wo man 4 Wochen lang mehr oder weniger intensiv trainiert). Es hängt sehr vom Typ ab, und von der Situation mit Beruf und Familie, welche Art der Reha besser passt. Das eigentlich Hörtraining macht man selber, zuerst mit speziellen Apps und später einfach und viel unterhaltsamer z.B. durch das Hören von Audiobüchern oder Filmen mit Untertitel. Wie lange es dauert, ist sehr unterschiedlich. Manche verstehen schon nach der Erstanpassung, die meisten brauchen einige Wochen, andere Monate. Hängt von vielen Faktoren ab - u.a. wie lange man vorher nur schlecht oder gar nicht gehört hat, und wie viel man trainiert.

    Hoffe das hilft erstmal. Ansonsten stöbere mal durch das Forum, da gibt es viele Antworten zu deinen Fragen.

  • Ist dafür eine lange Sprachtherapie mit Hörtraining notwendig? Macht es Sinn nach der Operation eine Reha zu machen?

    Hallo Evchen, bei jeder Person ist der Prozess anders. Man kann vorher nie sagen wie man nach der OP versteht. Daher einfach machen und schauen wie es wird. Eine Reha ist aus meiner Sicht unbedingt erforderlich. Dann kommst du schneller ins Verstehen. Alles Gute dir und viel Mut. Wage es....

  • Hallo Evchen,

    wenn Du auf beiden Seiten an Taubheit grenzend schwerhörig bist, hast Du schon heute so gut wie kein Sprachverständnis mehr, oder?

    Ich habe bis fast zum Schluss gewartet, mich implantieren zu lassen, obwohl ich erkrankungsbedingt auf dem linken Ohr schon länger taub war und auf dem rechten trotz des sehr individuell einstellbaren Hörgeräts nur noch extrem rudimentär und schwankend verstehen konnte.
    Es war die Hölle. Kommunikation, besonders draußen, mal eben auf der Straße, im Auto, mit dem Telefon, in Restaurants, in hallenden Räumen, in Gruppen… nicht möglich.
    Ich war immer mehr abgekoppelt.
    Das war der Status bei der Diagnose: links ertaubt und rechts an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit.
    So, wie Du deine Situation schilderst, bist Du kurz vor dieser Situation.
    Alles, was Dir zu mehr Verständigung mit deiner Umwelt verhilft - auch wenn Du Dich daran gewöhnen musst - ist besser, als der erreichte Zustand.
    Niemand kann Dir im Vorhinein zusichern, wie zu Anfang dein Hörergebnis sein wird. Aber spätestens mit etwas Übung wird es besser sein, als das, was Du zzt. gewohnt bist.

    Ich hatte sofort eine deutliche Erleichterung und bin erst gut zwei Monate nach der Implantation (erst nur links, rechts wird aber irgendwann folgen) wieder deutlich mehr teilnehmend in meinem Umfeld. Nicht alles ist schon toll. Und nein, es ist nicht wie das natürliche Hören, aber das haben wir ja schon lange nicht mehr.
    Aber es ist um ein Vielfaches besser als zuvor.

    Ob Du Glück hast wie ich (konnte gleich nach dem ersten Anschalten mein Gegenüber verstehen, wenn auch weiter weg und wie in einer Röhre) oder vielleicht auch etwas brauchst, ins klarere Verstehen zu kommen: ich bin sicher, es wird ein Gewinn gegenüber dem Status quo.

    Und zu viel Respekt vor der Sache verbaut eventuell den flotteren Weg zum besseren Hören, da man sich dann u. U. zu viel auf eventuelle, vielleicht nie auftretende Probleme konzentriert und nicht auf die positive Hörerwartung.

    Schlecht hören konnte ich schon immer gut - sagt meine Frau 😇

    • CI-Träger MED EL Mi 1250 Synchrony 2 flex 28 mit Rondo 3 seit März 2026 (links nach vollständigem Hörverlust)
    • rechts (noch) Starkey HG Evolv AI iO mit Otoplastik (deutlich unter 10 % Rest)
    • beidseitiger Morbus Menière seit 2013/2016 mit allen Schikanen, die er so drauf hat
  • Du solltest ohne große Erwartungen dran gehen. Schlimmer kann das Hören ja kaum werden. Aber eine Garantie kann dir keiner geben. Bei jedem verläuft es anders.

    Ich war 12 Jahre taub... heute frag ich mich, warum ich mit dem CI sooo lange gewartet habe. :)

    Das Sprachverstehen war bei mir bei Aktivierung gar nicht da. Nichts zuordbar oder verständlich. Nun: 1 Jahr und 4 Monate später verstehe ich wirklich gut. ^^ Mit meinem neuen HG am anderen Ohr konnte ich dieses Sprachverständnis noch nicht erreichen.

    Viel Erfolg bei der Entscheidungsfindung!

  • Hallo

    Die Hörschäden sind ja wohl sehr verschieden aber ich in froh das ich noch das eine Ohr habe was noch wenigstens die tiefen Töne hören kann. Chochlea Implantat ist wirklich sehr gut und nützlich aber reicht an das natürliche hören trotzdem bei mir nicht heran.
    Ich würde erst mal nur das schlechtere Ohr machen lassen und es mir dann auch gut überlegen.

    nach der OP sind die Hörreste zumeist anschließend komplett wech. Meist sind das die tiefen Töne welche noch einigermaßen gehört werden können. Zum sprachverstehen helfen diese Bereiche zwar kaum aber man wundert sich wie sehr sie trotzdem fehlen können.

    Ich werde aus diesem Grund so schnell das andere Ohr nicht operieren lassen.

    Rechts Chochlea Implantat AB

    Links Hörgerät Phonak Naida, ohne Hörgerät noch 10% Sprachverstehen

    Erstanpassung am 19.01.2026

  • nach der OP sind die Hörreste zumeist anschließend komplett wech.

    Meine Hörreste sind tatsächlich nicht ganz weg. Ich war überrascht „wie viel“ ich noch beim Hörtest noch an Töne gehört habe.
    Ich fragte auch vor der OP ob mir meine mickrigen Hörreste noch erhalten bleiben werden. Der Prof meinte, dass es ja wirklich nur Reste wäre und es klang so, als ob diese nicht erhaltenswert wären. Ich wies darauf hin, dass ich vielleicht mit genau diesen Resten eben dann noch den Rauchmelder hören würde, der mir dann in Zweifel das Leben retten würde.
    Nun, nach der OP habe ich tatsächlich noch meine Hörreste vorgefunden. :)

    Links: AB implantiert im Februar 2025 - EA am 18.03.2025

    Rechts: HG von Phonak Naida Link M

  • Ich bin leider rechts nach der op komplett ertaubt! Anfangs meinte man das etwas zu retten wäre und irgendwie eine Kombination aus CI und Hörgerät möglich aber der op Arzt sagte dann vorher schon lapidar nachher ist alles weg und so war es auch.
    Trotzdem habe ich den Schritt keine Minute bereut aber am anderen Ohr möchte ich solange es geht noch auch etwas natürlich hören.

    Rechts Chochlea Implantat AB

    Links Hörgerät Phonak Naida, ohne Hörgerät noch 10% Sprachverstehen

    Erstanpassung am 19.01.2026

  • Ich bin leider rechts nach der op komplett ertaubt

    Ich hatte zwar kein Hörvermögen mehr auf der implantierten Seite, aber bei entsprechend naher und kräftiger Stimulation noch gewisse Reaktionen. Nach der OP war und ist da auch gar nichts mehr.

    …aber am anderen Ohr möchte ich solange es geht noch auch etwas natürlich hören.

    Das kann ich gut nachvollziehen.
    Ich habe auch bis zum Schluss an den letzten „Fitzeln“ meines Restgehörs festgehalten. Erst links, nun auch rechts. Aber irgendwann bringt es nichts mehr. Sogar im Gegenteil. Es kann je nach Art der Hörschädigung sogar kontraproduktiv sein, weil die Verzerrungen über das „Rest-Ohr“ den gesamten Höreindruck verfälschen.
    Mich stört mittlerweile mein HG-verstärktes Restgehör mehr, als das es noch nutzt.

    Aber alles ist dabei sehr individuell und wohl nie 1 zu 1 auf andere Hörgeschädigte übertragbar.

    Schlecht hören konnte ich schon immer gut - sagt meine Frau 😇

    • CI-Träger MED EL Mi 1250 Synchrony 2 flex 28 mit Rondo 3 seit März 2026 (links nach vollständigem Hörverlust)
    • rechts (noch) Starkey HG Evolv AI iO mit Otoplastik (deutlich unter 10 % Rest)
    • beidseitiger Morbus Menière seit 2013/2016 mit allen Schikanen, die er so drauf hat
  • Ich bin nach der op relativ taub rechts. Irgendwie ganz leise höre ich aber mit irrer Lautstärke wohl immer noch ein bisschen was aber kaum der Rede wert. Links höre ich zb die tiefen Grundtöne von Musik noch wohl etwas und mit Hörgerät sogar ganz gut. Da ist es genau umgekehrt wie bei dem CI . Das CI Ohr kann Tiefton nur schlecht. Und das hörgeräte Ohr kann kaum noch hochton.

    Rechts war es genau wie Kosakenzipfel schreibt. Mit zu viel Lautstärke beim Hörgerät verzerrte das Ohr und es war kontraproduktiv. Wenn man auch schon in ruhiger Umgebung wie zb beim Arzt nichts mehr versteht ist man echt ein armer Tropf. Das ist wirklich ein Elend

    Das ist bei mir nun zum Glück dank dem CI bedeutend besser geworden

    Rechts Chochlea Implantat AB

    Links Hörgerät Phonak Naida, ohne Hörgerät noch 10% Sprachverstehen

    Erstanpassung am 19.01.2026

  • Hallo,

    danke für die vielen interessanten Beiträge.

    Ich glaube man muss sich am Ende einfach trauen den Weg zum Cochlea Implantat zu gehen. Ich würde mich auch freuen, wenn ich manche Dinge wieder hören könnte. Ich versuche jedoch meine Hörschädigung nicht nur negativ zu sehen. Abends sitze ich oft vor einem Buch ohne meine Hörgeräte und lese. Das ist sehr entspannend. Meine Eltern schauen Fernsehen und ich ruhe mich aus mit einem schönen Buch.

    Viele Grüße