Tinnitus und Hören mit CI

  • ich möchte hier eine Beobachtung schildern, die ich persönlich gemacht habe und die dem einen oder anderen vielleicht hilft sein Erlebnis einzuordnen:

    Ich trage mein CI etwas über ein Jahr (anderes Ohr das passende Gegenstück als HG). Wie hier auch viele berichten, ist das Hören damit ein Auf und ein Ab.

    Ich habe quasi immer Tinnitus, hört sich an wie in einer Maschinenhalle…

    Vor ca. 2 Monaten hatte ich das Gefühl „Yeaaah!“ jetzt ist das Teil richtig gut eingestellt, ich kann den Gesprächen rundum gut folgen. 3 Wochen später zurück auf Null und ich hörte quasi alles breiig und plärrig, wie ein kaputter Lautsprecher.

    Und dann beobachtete ich etwas zufällig: ich saß abends mit einer Freundin draußen an einer Straße in einem Restaurant. Verkehr, rundum Gequake der anderen Gäste und wir beide mussten auch recht laut reden… War schon sehr viel Input auf die Ohren. Es hörte sich weiterhin alles etwas breiig an… Zur späteren Stunde saßen wir dann noch bei mir auf der Terrasse und tranken ein Glas Wein. Plötzlich war mein Tinnitus sehr, sehr leise. Von jetzt auf gleich. Und dann hörte ich alles plötzlich wieder glasklar. Kein Brei, kein Geplärre.

    Heißt für mich, dass das breiige Hören gar nicht mit dem CI zu tun hat, sondern mit meiner persönlichen Anatomie und meinem Tinnitus. Ist der Kollege da, dann nicht nur als Krach im Ohr, sondern verzerrt die ankommende Geräusche. Ist er sehr leise, dann kommt alles „richtig“ an.

    Jetzt gerade während ich es schreibe, habe ich einen recht leisen Tinnitus und Geräusche sind klar und deutlich. Jetzt muss ich nur noch rausfinden, wie ich meinen persönlichen Tinnitus down bekomme.

    Links: AB implantiert im Februar 2025 - EA am 18.03.2025

    Rechts: HG von Phonak Naida Link M

  • Wie ist es denn bei dir genau mit dem Tinnitus? Kommt dieser vom CI-Ohr oder vom HG-Ohr?

    Und wenn du alles breiig hörst: Auf welchem Ohr ist das dann so?

    Ich frage deshalb, da auch das HG-Ohr das CI-Ohr beeinträchtigen kann. Wenn z. B. dein HG-Ohr gerade Probleme macht, der Tinnitus von dieser Seite kommt und das Hören verzerrt wird, dann ist der gesamte Höreindruck nicht so gut.

    Deswegen: Wenn das Hören sich wie ein kaputter Lautsprecher anhört und plärrig ist, wie ist es dann, wenn du das HG herausnimmst und nur mit dem CI lauscht?

  • ich kann meinen Tinnitus eigentlich gar nicht genau lokalisieren. Der ist „in der Mitte“. Immer.

    Ich bin ohne Hörhilfen quasi taub. Vor der OP war mein HG Ohr das dominante, daher lies ich das noch schlechtere Ohr operieren. Das ist jetzt mein CI Ohr. Wenn ich nur CI anhabe, dann merke ich oft gar nicht, dass ich einseitig hörend unterwegs bin. Mittlerweile kann ich eher nur mit CI unterwegs sein als nur mit HG. Interessanterweise höre ich nur mit CI dann auch gar nicht so klar nur links, sondern auch eher zur Mitte hin. Wenn ich nur HG anhätte, dann würde ich mich unwohl fühlen, zu leise, zu sehr nur rechts.

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    Rechts: HG von Phonak Naida Link M

  • Deswegen: Wenn das Hören sich wie ein kaputter Lautsprecher anhört und plärrig ist, wie ist es dann, wenn du das HG herausnimmst und nur mit dem CI lauscht?

    DAS müsste ich mal beobachten, ob das dann besser wäre.

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  • Dann ist das HG-Ohr das leisere Ohr. Das CI ist bei dir wohl jetzt "lauter" und dominanter geworden.

    Mir geht es ähnlich: rechts das CI und links das HG. Das HG-Ohr ist viel schwächer als das CI-Ohr.

    Und ich hatte folgendes erlebt: Als das HG-Ohr nicht so gut lief, hörte ich insgesamt nicht gut. Es war nicht mehr klar. Beide Ohren zusammen liefern den allgemeinen Höreindruck und wenn ein Ohr aus der Reihe tanzt, dann merkt man das.

    Es kann bei dir sein, dass der Alkohol am Abend zur Entspannung beigetragen hat. Und dass tatsächlich dein HG-Ohr nicht ganz gut war. Vieles beim Hören läuft über die Durchblutung und die Elektrolyte im Innenohr. Da habe ich auch mal die Erfahrung gemacht, dass Kalium das Hören verbessert hat. Vielleicht ist Ähnliches bei dir auch hilfreich?

  • Das mit dem Alkohol hatte ich auch schon mal beobachtet. Zu einem anderen Zeitpunkt VOR dem CI.

    Einen Abend Wein getrunken und der Tinnitus war fast weg… das war eine solche Wohltat. Ich merkte erst dann wie belastend so ein Tinnitus sein kann. Sonst blende ich diesen aus.

    Daher dachte ich, okay, jetzt mal Abends Wein trinken. Gesagt, am nächsten Abend getan. Siehe da: kein Unterschied, Tinnitus, trotz Alkohol voll da.

    Deine Beobachtung mit Kalium probiere ich mal…

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  • Hattest du den Tinnitus schon vor dem CI? Und immer zentral und schwankend?
    Vielleicht kannst du deinen Tinnitus mal beim HNO untersuchen lassen und über das HG versuchen, den zu maskieren. Keine Ahnung, ob dein HG so eine Funktion hat oder ob das ggf auch über das CI möglich wäre.

  • Hattest du den Tinnitus schon vor dem CI? Und immer zentral und schwankend?

    Vor ca. 34 HG erhalten. Seit ca. 18 Jahren habe ich Tinnitus. Eigentlich immer wie in einer Maschinenhalle, die volles Rohr laufen und relativ zentral. Der Tinnitus ist mal laut, mal leise. Manchmal eher links, manchmal eher rechts… Hat seine persönliche Tagesform. Ist er laut, verstehe ich natürlich weniger, was gesagt wird. Ist er leise, höre ich mit meinen Hör-Hilfen echt gut.
    Es ist mir nur letztens erst aufgefallen wie abhängig ich vom Tinnitus Sprache verstehe oder ob sich alles breiig anhört.

    Natürlich hatte ich dann den Impuls zum Audiologen zu rennen und es einstellen zu lassen. Aber ist nicht zielführend, denn am nächsten Tag, wenn Tinnitus eher leise ist, ist die Einstellung perfekt.

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  • Danke für die zeitliche Einordnung. Da begleitet der dich ja schon sehr lange.
    Ich meinte nicht, die Einstellungen am CI zu ändern, wenn du zufrieden bist.
    Einige HG haben die Möglichkeit einen Ton/Geräusch abzugeben und so den Tinnitus zu übertönen bzw. zu maskieren. Es wird aber nichts an den normalen Einstellungen geändert, sondern das Geräusch kommt (ggf. über ein Extra-Programm) dazu. Das war bei uns in der Reha kurz Thema. Ich hatte das aber nicht weiter vertieft.

    Einen passenden Termin mit Tinnitus zur Diagnose zu bekommen, ist natürlich trotzdem ein Problem…

  • Ich möchte etwas aus meiner Erfahrung anmerken….

    Ich bin der festen Überzeugung das der tinitus bei mir vom schlechten hören kommt. Also wenn nicht genügend Input im hörzentrum des Gehirns ankommt macht es sich seine eigene Musik und zwar tinitus!

    Wenn ich zb Hörgerät ablege wird Kollege Tinnitus lauter und umgekehrt leiser.

    Könnte es bei Dir nicht auch so sein das nicht der tinitus das Hören verschlechtert sondern wenn Du schlechter hörst der tinitus eben deshalb lauter wird? Mit dem hören ist es ja leider mal besser und dann auch wieder schlechter..

    Lg

    Rechts Chochlea Implantat AB

    Links Hörgerät Phonak Naida, ohne Hörgerät noch 10% Sprachverstehen

    Erstanpassung am 19.01.2026

  • ich habe seit meiner Kindheit Tinnitus, und damals habe ich noch wie ein Luchs gehört. Dachte lange das wäre so normal, dass man Geräusche hört.

    Ich kann den zum Glück im Alltag gut ignorieren. Ist so ein seichtes Wasserkesselpfeifen in zwei hohen Tonlagen,mittig zwischen beiden Ohren. Das Tragen des CI ändert nicht viel daran.

    Bei mir hatte sich der Tinnitus jeweils mit den Hörstürzen massiv verstärkt. Ist aber zum Glück auf Normalpegel zurück gegangen. Er wird lauter nach hohen Lärmpegeln oder bei stressigem Alltag. So isser halt der kleine Schelm…

    Advanced Bionics HiRes Ultra 3D am 01.09.2022 implantiert.

    EA: erfolgt am 29.09.2022

    Seit 03.2024 HG Links: Phonak Naida Link

  • Könnte es bei Dir nicht auch so sein das nicht der tinitus das Hören verschlechtert sondern wenn Du schlechter hörst der tinitus eben deshalb lauter wird?

    Ich kann mit meiner Erfahrung darauf antworten.

    Ich habe 4 Kollegen die permanent. Die haben keinerlei Einfluss auf meine Hörwahrnehmung . Dann kommt aber Kollege Nr.5 vorbei, aktuell so alle 4-5 Tage. Wenn er da ist, kann ich kein gespräch führen, muss sogar meine Arbeit unterbrechen.

  • Könnte es bei Dir nicht auch so sein das nicht der tinitus das Hören verschlechtert sondern wenn Du schlechter hörst der tinitus eben deshalb lauter wird?

    Da stelle ich bei mir keinen Zusammenhang her. Unabhängig ob ich CI/HG trage oder nicht, ist der Tinnitus mal laut, mal leise.

    Mittlerweile glaube ich, dass es unterschiedliche Ursachen für Tinnitus gibt.

    Die einen haben im Innenohr Phantom“schmerzen“ (hören diese) nach Hörstürzen oder sonstigen Verlust der Hörzellen und dann gibt es „die anderen“, bei denen hängt es vielleicht von Durchblutung, Stress, Phantom“schmerzen“ im Gehirn.

    Ich glaube ich gehöre zu der zweiten/dritten/vierten Gruppe. Denn ich höre seit meiner Kindheit schlecht, erhielt mit 18 J. meine ersten Hörgeräte und der Tinnitus kam kurz nach der Geburt meines ersten Kindes. Vielleicht Hormone? Nach einer Geburt ist der Hormonhaushalt ja komplett durcheinander…

    Und meinen Tinnitus kann ich nicht klar einem Ohr zuordnen, daher glaube ich, dass mein Tinnitus eher im Gehirn rumgeistert…

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    Rechts: HG von Phonak Naida Link M

  • Dann kommt aber Kollege Nr.5 vorbei, aktuell so alle 4-5 Tage. Wenn er da ist, kann ich kein gespräch führen, muss sogar meine Arbeit unterbrechen.

    Das ist ja sehr fies! Als hätte man mit den kaputten Ohren nicht schon genug Ärger…

    Links: AB implantiert im Februar 2025 - EA am 18.03.2025

    Rechts: HG von Phonak Naida Link M

  • Zur Konstellation "Durchblutungsstörung als Ursache für den Tinnitus" kann ich etwas beisteuern.

    Aufgrund stressbedingter Durchblutungsstörung im Kopfbereich, knapp am Schlaganfall vorbei, hörte ich auf einem Ohr ca. 1-2 Wochen vor dem Hörsturz ein penetrantes Klingeln. Die Durchblutungsstörung beeinflusste das Kapillarsystem im Kopfbereich, weil es sich laut ärztlicher Aussage stressbedingt "zusammenzog".

    rechts und links: AdvancedBionics (AB) Naída CI-M 90

  • Wie gesagt ists so: bei mir korreliert der Tinnitus komplett mit meinem Hörvermögen. Als ich einen hörsturz hatte wurde der tinitus gleichzeitig auch richtig aggressiv. Mit Hörgerät oder CI wird er leiser. Ob er genau von links oder recht kommt kann ich jedoch auch nicht zuordnen.

    Mir wurde damals gesagt das unser Gehirn Stille nicht akzeptiert und stattdessen den Tinnitus abspielt. Das Gehirn würde sich also selbst Geräusche machen.

    Es gibt aber sicherlich auch andere Arten von Tinitus.

    Rechts Chochlea Implantat AB

    Links Hörgerät Phonak Naida, ohne Hörgerät noch 10% Sprachverstehen

    Erstanpassung am 19.01.2026

  • Noch ein Gedanke zur Blutversorgung. Das wäre ein Hebel wo man ansetzen und testen kann.

    Einerseits gibt es sicher Medikamente, z. B. Blutverdünner oder ähnliches, um unterversorgte Bereiche besser zu durchbluten.

    Womit ich gute Erfahrung gemacht habe, ist Reishi. Das ist ein Pilz, der weltweit vorkommt, aber besonders in China verbreitet und bekannt ist. Den kann man z. B. als Tee trinken. Er hat viele gute Eigenschaften. Eine davon ist verbesserte Feindurchblutung, eine andere ist bessere Sauerstoffsättigung des Blutes.

    Es könnte einen Versuch wert sein, eine Pilzteekur zu machen. Nach etwa 3 Wochen mit täglich 1 bis 3 Tassen Tee sollte man einen Unterschied merken. Regelmäßigkeit ist wichtiger als Menge.

    Ich nehme immer den hier: https://www.hawlik-vitalpilze.de/products/hawlik-bio-reishi-pulver
    Den trinke ich manchmal im Herbst für ein paar Wochen, dann friere ich im Winter nicht.
    Ich empfehle, 1 Teelöffel Pulver in einer Tasse mit kochendem Wasser aufzugießen, öfter mal umrühren. Beim Trinken auch immer vorher umrühren, um das Pulver mitzutrinken. Es dauert eine Weile, bis die Wirkung sich bemerkbar macht, etwa 2 bis 3 Wochen. Sie hält dann ein paar Monate an. Nach 3 bis 4 Wochen mag ich den Tee nicht mehr, aber dann ist es auch erstmal genug. Ich habe es auch mal mit Extraktkapseln versucht, aber die habe ich als weniger effektiv empfunden.

    Feindurchblutung und Sauerstoffversorgung könnte durchaus ein Tinnitusfaktor sein. Und könnte auch unterschiedliche Phasen von Tinnitus erklären, je nach Essen, Wetter, genug Wasser getrunken, etc., was alles die Durchblutung beeinflussen könnte.

    Med-El Sonnet 3 seit November 2025, bisher einseitig. Anderes Ohr mit minimal Restgehör im Tieftonbereich, kein Hörgerät.

    Edited 3 times, last by MartinV (May 29, 2026 at 7:01 AM).

  • Vielleicht könnte man auch einfach mal versuchen wie es ist eine Aspirin zu nehmen da hierdurch auch das Blut sehr verdünnt wird.

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    Erstanpassung am 19.01.2026

  • Vielleicht könnte man auch einfach mal versuchen wie es ist eine Aspirin zu nehmen da hierdurch auch das Blut sehr verdünnt wird.

    Hallo Timmi,

    dann aber besser nur in kleinen Dosen.
    10 mg am Tag sollen auch gegen Mikro-Entzündungen im Körper helfen. Dazu gibt es wohl ernstzunehmende Studien.
    Zu viel Aspirin kann allerdings sehr schädlich werden. Die Blutverdünnung ist dann erheblich und hält auch noch lange nach der Einnahme an.
    Eine Kautablette Aspirin direkt hat ja schon 500 mg.

    Herzerkrankte und erst recht Leute, die schon Blutverdünner nehmen müssen, dürfen da gar nicht ran.

    Ich habe ein wenig damit experimentiert, nicht wegen eines Tinnitus, der blieb mir wenigstens erspart, aber in Richtung morbus menière. Dachte, wenn Durchblutung und/oder Entzündungen eine Rolle spielen könnten, würde das vielleicht helfen. Hat es aber leider nicht.

    Aber einen Versuch bei einem Tinnitus ist es vielleicht wert?

    Schlecht hören konnte ich schon immer gut - sagt meine Frau 😇

    • CI-Träger MED EL Mi 1250 Synchrony 2 flex 28 mit Rondo 3 seit März 2026 (links nach vollständigem Hörverlust)
    • rechts (noch) Starkey HG Evolv AI iO mit Otoplastik (deutlich unter 10 % Rest)
    • beidseitiger Morbus Menière seit 2013/2016 mit allen Schikanen, die er so drauf hat