CI bei geistiger Behinderung

  • Hallo, ich bin auf der Arbeit drauf angesprochen wurden, wie die Erfahrungen mit CI und geistig Behinderten ist. Eltern hatten mich drauf angesprochen, da Ihr Sohn, der bei uns wohnt vor dem Entscheidung steht CI ja oder Nein. Er ist fast Taub auf einem Ohr und auf dem anderen auch sehr schwer Schwerhörig. Gibt es Erfahrungen, Informationen wie Operation, Anpassung, Reha und und von Geistig Behinderten Erlebt wird, wie man den am besten helfen kann und wie gut ist das CI akzeptieren. Hat eventuell jemand auch Informationen welche Klinik da am besten geeignet ist. Am besten im Umkreis von Bremen. Hat eventuell Hamburg, Oldenburg, Bremen, Hannover Erfragungen mit CI Implantation bei Behinderten.

    Gruß Holle

  • Bei meiner Logopädie bin ich mal einem geistig Behinderten mit CI begegnet. Er schien gut damit zurechtzukommen.
    Richtig gut beurteilen kann ich es nicht, weil ich ihn wegen seiner Aussprache kaum verstehen konnte. Er war aber sichtlich guter Dinge, und wir haben uns ansonsten gut verstanden. Auch wenn ich ihn nicht akustisch verstehen konnte, schien er meine Worte zu verstehen.

    Eventuell kann da ein Kontakt hergestellt werden? Ich bin ihm in der Praxis von logoverbund.com in Kassel begegnet. Vielleicht kannst Du da ja mal anfragen.

    Med-El Sonnet 3 seit November 2025, bisher einseitig. Anderes Ohr mit minimal Restgehör im Tieftonbereich, kein Hörgerät.

  • Ich kann mir gut vorstellen, dass man mit dem CI dazu beitragen kann, die kognitiven Fähigkeiten nicht noch mehr verkümmern zu lassen. Unbehandelte Schwerhörigkeit kann ja bekanntlich Demenz verursachen - weil das Gehirn ohne den akustischen Input und soziale Interaktion unterfordert wird. Bei geistiger Behinderung ist es sicher ähnlich. Andererseits kann ich mir vorstellen, dass ein CI je nach Art und Grad der Behinderung auch eine Herausforderung sein kann. Das ist es ja schon für Gesunde. Ich würde auf jeden Fall in der Klinik einen Termin ausmachen - dort kann man besser einschätzen, ob ein CI möglich/sinnvoll wäre und hat sicher auch einige Erfahrungen damit.

  • Ich „kenne“ zwei Leute mit geistigen Behinderungen, die ein CI tragen.

    Die eine Person merkt überhaupt keinen Unterschied, ob sie das CI drin hat oder nicht. Zumindest sagt sie nichts dazu (sie redet generell eher wenig), und auch die Leute um sie herum merken keinen großen Unterschied. Die geistige Behinderung ist ziemlich stark ausgeprägt, deshalb verbringt sie ihren Tag in einem Förder‑ und Betreuungsbereich.

    Die zweite Person ist schon älter, aber ziemlich kommunikativ. Sie trägt ein Hörgerät und ein CI und findet das total super. Auf mich wirkt es auch so, als würde sie mich damit echt gut verstehen.

    Mehr Infos hab ich leider nicht.

    Rechts | Implantation Ende April 2025 | Sonnet 3
    Links | Implantation März 2026 | Sonnet 3

  • Es hängt sicher sehr davon ab, wie groß die Einschräkungen sind. Bei Reha, Anpassungen und Untersuchungen ist ja eine gewisse Mitarbeit und Rückmeldung der Patienten erforderlich.
    Ich habe meine Reha im Cecilienstift in Halberstadt gemacht. Die Einrichtung betreibt auch Wohngruppen für Menschen mit Behinderung. Es gibt dort auch CI Träger, die damit sehr zufrieden sind.

  • Früher war eine geistige Behinderung ein Ausschlusskriterium für ein CI. Heute hat man da eine andere Meinung zu, nämlich dass auch kognitiv beeiträchtigte Menschen ein Recht darauf haben zu hören. Sofern eine lautsprachliche Kompetenz erworben wurde, sollte man diese auch erhalten denke ich. Ansonsten wird es wahrscheinlich bald sehr schwer mit Kommunikation und Ansprechbarkeit. Das was Neela zu Halberstadt geschrieben hat, hört sich interessant an, andernfalls käme vielleicht Hannover in Frage, mit Rehamöglichkeiten im CIC Wilhelm Hirte, welches zur Zeit ins Kinderkrankenhaus auf der Bült umzieht.

  • Hallo,

    ich habe da quasi ganz direkte Erfahrungen, weil mein inzwischen 18jähriger Sohn mehrfach behindert ist und neben der Hörschädigung (und einer körperlichen Behinderung) auch eine mittelgradige geistige Behinderung hat. Er hat mit 1 Jahr sein erstes CI bekommen und mit 4 Jahren sein 2. CI (der große zeitliche Abstand hatte spezielle medizinische Gründe). Allerdings ist die Situation bei uns doch etwas anders als bei dem Bewohner von euch, der ja, so wie es sich liest, schon älter ist?? Bei meinem Sohn hat es damals beim 1. CI 4 bis 5 Monate gedauert, bis er den SP vollständig akzeptiert hat. Allerdings ziehen sich vermutlich auch Kleinkinder ohne zusätzliche Einschränkungen das Gerät mal vom Kopf (sei es aus Langeweile, Trotz, um Aufmerksamkeit zu bekommen..). Ob die Phase bei uns länger war, weiß ich nicht. Er hat dann ziemlich bald angefangen, das "Ohr" einzufordern, wenn es mal abgegangen war, die Batterie leer war o.ä.. Bei meinem Sohn war das Ziel der Implantation damals "nur", dass er mehr von seiner Umwelt wahrnehmen kann und sich im Rahmen seiner Möglichkeiten auch geistig weiterentwickeln kann (man dachte damals, dass er zusätzlich auch nur 5-10 % sieht aufgrund einer Optikusatrophie). Entgegen den Erwartungen hat er aber durchaus Sprechen gelernt und kommuniziert lautsprachlich (wenn auch nicht perfekt, aber auch von Fremden verständlich und in ganzen Sätzen, er stellt Fragen usw.).

    Es wird sich auch nur schwer vorhersagen lassen, wie gut der Junge/der Mann das CI akzeptieren würde. Wie andere schon geschrieben haben, hängt das ja auch von dem Grad der Intelligenzminderung ab (aber nicht nur). Während den CI Rehas habe ich schon mehrere Kinder mit zusätzlichen Einschränkungen getroffen, die 1 CI bekommen haben und auch an E. Schule sind 2 andere Schüler mit CI. Ich kann mich insgesamt aus 17 Jahren nur an 2 erinnern, die das CI gar nicht akzeptiert haben (beides waren vermutlich Autisten), die anderen haben die SPS problemlos getragen und auch unterschiedlich stark davon profitiert. Nicht alle sind in die Sprache gekommen (aber bei einer stärkeren Intelligenzminderung ist ein Lautspracherwerb ja auch bei normalen Gehör nicht selbstverständlich, mein Sohn war lange Zeit in einer Klasse, in der er selbst mit Abstand am besten gesprochen hat, obwohl alle anderen normal gehört haben).

    Ich würde dir ja "unsere Klinik" empfehlen, mit der wir wirklich sehr zufrieden waren und sind, diese liegt aber sehr weit von Bremen entfernt (Freiburg). Mit Kliniken in eurer Umgebung kenne ich mich leider nicht aus. Prinzipiell würde ich eine Klinik mit einem teilstationären Rehakonzept (weiß gerade nicht, wie man das nennt) empfehlen. In Freiburg hat man z.B. 5 Tage Erstaassung (von Mo-Fr mit täglicher Anpassung und täglicher Logo) und fährt danach in zunehmendem zeitlichen Abständen immer wieder für 2 - 3 tägige CI Rehas hin (40 Rehatage auf 5 Jahre verteilt bei Kindern). Mein Sohn zumindest (und ich denke, dass ist bei einer Intelligenzminderung nicht untypisch) hat eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne (die früher noch viel kürzer war), so dass bei ihm mehrere Anpassungen nacheinander sehr hilfreich waren und sind, um die SPs so gut wie möglich einzustellen. Außerdem konnte er sich so immer gut auf alles einstellen (Freiburg war und ist "Hören" ), der Druck war rausgenommen (wenn es an einem Tag mal nicht so geklappt hat, war es nicht so schlimm) etc. Wie wichtig so was bei deinem Bewohner ist, weiß ich natürlich nicht!

    Ich wünsche dem Jungen/Mann und seinen Eltern eine gute Entscheidung!

    Viele Grüße

    Katja

    Sohn (14 Monate alt) ist mehrfach behindert, hochgradig schwerhörig

  • Hallo,

    für geistige Behinderung gilt eigentlich das, was für alle anderen auch gilt. Entscheidend ist die Hörbiographie.

    Ich nehme an, der Betroffene ist ein Jugendlicher oder junger Erwachsener? Wenn er das Hören kennt und die Schwerhörigkeit im Laufe der Zeit immer schlimmer geworden ist, bestehen gute Chancen, dass das CI ein Zugewinn an Lebensqualität ist und es auch getragen wird. Die Gewöhnungszeit ist etwas herausfordernd. Da wäre es wichtig, ihn nicht zu überfordern und ihn schwierigen Hörsituationen auszusetzen. Man könnte beispielsweise immer wieder die Lieblingsmusik spielen und viel mit ihm in ruhiger Umgebung sprechen.

  • Wenn der Kandidat schwerhörig ist und vertraut ist mit Hörgeräten und im Umgang damit, sie regelmäßig getragen werden, dann ist das schon mal ein positives Vorzeichen für eine mögliche CI-Karriere.