Liebe Forums-Gemeinde,
ich bin hier schon ein paar Tage "schnüffelnd" unterwegs und wurde - trotz der Feiertage - gerade freigeschaltet (vielen Dank dafür - hätte natürlich auch gern bis Dienstag gewartet).
Ich bin frischer CI-Träger, wurde vor 16 Tagen operiert und bin nun ganz ungeduldig.
Das passt nicht so ganz zu meiner doch langen Reise in die fast Gehörlosigkeit.
Es begann mit einem dumpfen Gefühl auf dem linken Ohr. Wie durch Watte hörte ich. Das war irgendwann 2008. Vielleicht der Rest eines Katarrhs, meinte die HNO-Ärztin. Ich hatte aber nie in meinem Leben irgendwelche Probleme mit den Ohren. Ganz im Gegenteil. Ich hörte sehr gut, hatte niemals Ohrenschmerzen. Nach ein paar Wochen war das wieder weg und vergessen.
Vier Jahre später ereilten mich immer häufiger sonderbare Zustände. Immer wieder ein dumpfes Gefühl auf dem linken Ohr, beim Gehen unerklärliche Unsicherheiten. Ich war körperlich gut drauf, trainiert, alles andere als kränklich. Dazu gesellte sich ein immer empfindlicher reagierender Kopf, mit so etwas wie Hirn-Nebel. Wenn ich viel, z. B. in Besprechungen, den Kopf drehen musste, wurde es intensiver.
Ich war dann noch in einem "HNO-Kompetenzzentrum" und wurde dort mit allen Standards untersucht. Der Arzt meinte schließlich, ich hätte soweit nichts und müsste dann wohl mit dem dumpfen Hören leben. Kaum zwei Monate später hatte ich nächtliche, schwere Schwindelanfälle und wusste nicht, wie mir geschieht. Die unschönen Details lasse ich mal weg. Weitere vier Monate später, mein Allgemeinzustand wurde immer sonderbarer, erlitt ich auf der Arbeit einen Anfall, der mich zunächst glauben ließ, ich bekäme einen Schlaganfall. Es riss mich um. Im Sitzen. Als ob ich durch die Luft fliegen würde. Ich hatte keine Orientierung mehr, mir war speiübel.
Mit dem Notarzt ins Krankenhaus gebracht, diagnostizierte man in zwei Tagen durch Ausschlussverfahren morbus menière. Davon hatte ich noch nie gehört. Hätte ich auch lieber nie. Aber diese seltene Erkrankung hat mich ausgesucht. Und im weiteren Verlauf auch beidseitig. Neben über 10 Jahren Drehschwindel-Anfällen und einem durchaus schweren Kampf gegen diesen Feind, der einem das Leben einfach mal auf links dreht, verlor ich nach und nach zunächst nur links, dann aber nach den ersten drei Jahren auch rechts die Hörfähigkeit.
Links bin ich nun seit rund vier Jahren ertaubt, rechts ging alles langsamer und mit vielen Schwankungen, aber doch immer nur bergab mit dem Verstehen. Es hat viel Kraft gekostet, das Ganze bei voller und recht verantwortungsvoller beruflicher Tätigkeit. Zum Schluss ging es aber nicht mehr und das soziale Leben, der selbstverständliche Austausch mit anderen, war so gut wie nicht mehr möglich.
Ich habe mich lange gesträubt, ein CI setzen zu lassen. War immer wieder noch ein wenig der Hoffnung, rechts wird es vielleicht nicht so schlimm und ich komme mit einem Ohr aus. Das war aber spätestens seit den letzen gut drei Jahren Selbstbetrug, weil ich einfach noch nicht bereit für den "Knopf am Kopf" war. Nun höre ich rechts nur noch unterhalb von 10 % und das, erkrankungstypisch, mit argen Verzerrungen und sehr unzuverlässig, da die Hörfähigkeit auch stark schwankt, auf niedrigstem Niveau.
Neue Zeit: Drei Tage nach der Implantation (20.03.26) gab es den "Probeton". Nachdem ich mir vier Jahre Zeit gelassen und die OP immer etwas weggeschoben hatte, habe ich mir dann für diesen Moment einfach mal "fest vorgenommen", dass ich mit dem Einschalten hören werde. Natürlich ist das keine Frage des eigenen Willens, sondern von vielen Faktoren abhängig.
Aber was soll ich sagen: ich konnte auf Anhieb mein Gegenüber Wort für Wort über das CI verstehen (ohne rechts das HG zu nutzen). Hohl im Ton und recht weit weg, aber verstehen. Und nun will ich unbedingt mehr und scharre mit den Füßen, darauf wartend, dass die Erstanpassung stattfindet! 😉
Ich freue mich auf einen guten Austausch mit Euch! Ganz nach dem Motto: vorne ist, wo wir besser hören können 😁 (man lernt ja nie aus)