Würde ich mich wieder für ein TICI von MED EL entscheiden?
(Eine kleine Alltagsbilanz zwischen Technik, Freiheit und einem inneren Wiesel, das zufrieden vor sich hin schnurrt.)
Es gibt Fragen, die tauchen immer wieder auf.
Nicht aus Höflichkeit. Nicht aus Smalltalk. Sondern aus echtem Interesse.
Eine davon höre ich besonders häufig.
„Würdest du dich wieder für ein TICI entscheiden?“
Und meine Antwort darauf ist bemerkenswert unspektakulär.
Denn sie braucht keine lange Erklärung, keine ausufernde Pro-und-Contra-Analyse, kein akademisches Abwägen.
Sie lautet schlicht:
Ja.
Ohne Zögern.
Ohne dramatische Denkpause.
Ohne das Bedürfnis, noch einmal eine Nacht darüber zu schlafen.
Ein klares, aufrichtiges, beinahe unverschämt überzeugtes Ja.
Die erstaunliche Qualität des Vergessens
Was viele Menschen zunächst irritiert:
Der größte Gewinn meines TICI besteht nicht darin, dass ich ständig daran denke.
Ganz im Gegenteil.
Der größte Gewinn besteht darin, dass ich es vergessen kann.
Vergessen, dass ich ein Cochlea-Implantat habe.
Vergessen, dass mein Hören auf einer hochkomplexen medizintechnischen Innovation beruht.
Vergessen, dass ich eine Hörbehinderung habe.
Im Alltag tritt das Implantat erstaunlich diskret zurück – fast so, als hätte es eine philosophische Grundhaltung entwickelt: Ich bin da, aber ich dränge mich nicht auf.
Und genau darin liegt eine Form von Freiheit.
Denn wer jemals mit externer Hörtechnik gelebt hat, kennt diese kleinen, alltäglichen Rituale:
Akkus dazwischen laden oder wechseln.
Batterien wechseln.
Ersatzteile einpacken.
Vor dem Schwimmen überlegen, wie man das Ganze möglichst elegant abmontiert, oder das Verhüterli drauf bastelt
Vor der Sauna prüfen, ob man gleich für eine Stunde in kommunikative Einsamkeit verschwindet.
Technik kann helfen – und gleichzeitig permanent an sich selbst erinnern.
Mein TICI hingegen ist… einfach da.
Still, zuverlässig, funktional.
Ein bisschen wie eine sehr diskrete Butler-Figur im Hintergrund des Lebens.
Der Luxus der Spontaneität
Und plötzlich passieren Dinge, die früher Planung erfordert hätten.
Ich kann schwimmen gehen.
Einfach so.
Ohne vorherige Technik-Logistik.
Ohne Umbauten am Prozessor.
Ohne Zubehörtasche, die aussieht, als würde ich einen kleinen Elektromarkt mit ins Freibad nehmen.
Ich kann in die Sauna gehen und trotzdem hören, wenn meine Freundin mit mir spricht.
Ich kann ins Meer gehen, untertauchen, auftauchen, reden, lachen, weitergehen.
Nichts muss abgelegt werden.
Nichts muss geschützt werden.
Nichts muss umständlich wieder angebracht werden.
Es klingt banal.
Aber diese Form von Unkompliziertheit hat eine erstaunlich große Wirkung auf das Lebensgefühl.
Das Leben wird wieder… leicht.
Technik, die sich zurücknimmt
Vielleicht ist genau das der eigentliche Clou des TICI.
Es drängt sich nicht in den Vordergrund.
Es fordert keine permanente Aufmerksamkeit.
Es verlangt keine tägliche technische Choreografie.
Es funktioniert – und lässt mich ansonsten in Ruhe mein Leben leben.
Also, würde ich es wieder tun?
Ja.
Ohne jede Einschränkung.
Nicht, weil das TICI ein Wunder ist.
Nicht, weil es das Leben magisch perfekt macht.
Sondern weil es mir etwas sehr Kostbares zurückgegeben hat:
Alltag.
Unkomplizierten Alltag.
Spontaneität.
Bewegungsfreiheit.
Und manchmal – ganz still, fast unmerklich – sogar ein kleines Stück Vergessen.
Vergessen, dass ich überhaupt auf Technik angewiesen bin.
Und genau deshalb lautet meine Antwort auf diese häufig gestellte Frage weiterhin so klar wie am ersten Tag:
Ja.
Ich würde mich jederzeit wieder dafür entscheiden.