Wann habt ihr eure „große“ Reha gemacht?

  • Eigentlich wollte ich die „große“ Reha erst dann machen, wenn mein Hören auf einem guten Level ist und ich das Gefühl habe, dass es nicht mehr so richtig vorangeht. Und genau dieses Gefühl hab ich gerade etwas.

    Allerdings habe ich mich wegen der Aussage meines CI‑Technikers, dass jetzt ein guter Zeitpunkt für das zweite CI wäre und man nicht unbedingt warten müsse, ziemlich spontan entschieden, nach nur 10 Monaten schon das zweite CI (Anfang März) machen zu lassen.

    Natürlich muss ich jetzt erst mal abwarten, wie es dann mit CI Nummer zwei läuft. Meine Gedanken dazu sind einfach, dass ich mich beim ersten CI zu 100 % darauf konzentrieren konnte, weil mein anderes Ohr ja komplett taub war. Beim zweiten CI wird der Fokus beim Lernen dann wieder eher auf dem neuen liegen, und da frage ich mich natürlich, ob das erste dadurch vielleicht ein bisschen auf der Strecke bleibt. Oder ob es im Gegenteil sogar automatisch mitgepusht wird, weil beide Ohren zusammenarbeiten.

    Wie war das bei euch mit zwei „Blechohren“?

    Auch was die Reha angeht: Habt ihr eher gewartet oder ziemlich gleich am Anfang eine Reha gemacht?
    Und habt ihr das Gefühl, euch rückblickend richtig entschieden zu haben?

    Rechts Taub | Implantation Ende April 2025 | Sonnet 3
    Links Taub | Implantation März 2026 :love:

  • Ich hatte durch das eigene Klinik Konzept jeweils eine Ambulante Reha - das wird ja praktisch gleich "zu Anfang" gemacht, direkt nach der EA. Diese dauerte jeweils 2 Jahre, mit 20 Einheiten, auf diese Zeit verteilt.

    Im Prinzip lief es dann so ab, wie mit dem ersten CI alleine auch. Es wurde sich bei der Logopädie anfangs nur auf "die neue Seite" konzentriert. Später sogar kombiniert, und je nach Stand der Dinge sogar spezielle Dinge probiert, wie zwei Lautsprecher links und rechts von mir, es wird jeder Lautsprecher alleine mit einem Wort angesteuert, aber das geschieht dann gleichzeitig.
    Also, Beispiel aus Lautsprecherbox 1 kommt "Affe" und bei Lautsprecherbox 2 wird "Igel" zeitgleich abgespielt. Was wird verstanden? Wird überhaupt ein Wort klar verstanden? Oder wird es zu einem "Affgel" vermischt?


    Da meine erste CI Seite ja anfangs noch zwischendurch mit HG Seite durch den Alltag gegangen ist, änderte sich dies natürlich auch schlagartig. Schon direkt vor der OP sollte ich das HG nicht mehr anziehen. Das hatte ja trotz allem mich ja echt prima unterstützt.
    Ich merkte schon den Unterschied von der ersten OP zur zweiten. Hatte ich nach der ersten OP ja nur das HG Ohr gehabt, um überhaupt noch was hören zu können, war es beim zweiten Mal direkt das CI alleine. Und da habe ich deutlich mehr mitbekommen. TV schauen ging einfach, die Schwestern oder Ärzte verstehen sowieso. Auch bei Dingen, die mich nichts angingen, weil es den Zimmergenossen betraf. Hatte ich das früher mit HG nie was verstanden, so klappte das mit dem CI unfreiwillig, auch wenn ich gar nicht zuhören wollte.
    Das war schon an sich eine interessante Erfahrung gewesen.

    Beim 2. "neuen" Hören lernen ging es bei mir nur deshalb schneller, weil ich direkt nach dem Hörsturz links mich sofort habe operieren lassen, und durch die 10 Jahre Zeit überhaupt Hörverstehen auf die HG Seite zu bekommen, war links ohnehin noch im Trainingsmodus gewesen, auch wenn in den zwei Jahren CI rechts das wieder mein dominanteres Ohr geworden ist.

    Und in der Logopädie wurde anfangs sich wirklich nur auf die linke Seite konzentriert, und da es prima und vor allem auch deutlich schneller geklappt hatte, wurde halt die Übungen angepaßt, zwischendurch auch mal wieder rechte Seite und linke Seite alleine geübt, und in Kombination die Schwierigkeitsstufe deutlich erhöht.

    Für mich privat habe ich sehr viel mit Musik geübt. Sprache gezielt geübt eigentlich eher weniger, dann doch lieber Hörbücher gehört, unterwegs im Auto und so. Ganz entspannt. Oder halt eher im Alltag.

    Das, was Du "eine große Reha" nennst, habe ich bisher noch nie gehabt.

    Schönen Gruß
    Sheltie

    schon als Kind Hörgeräteträger, bis zum Hörsturz 2005
    rechts: CI422(SRA), N6, Okt 2015; seit 2024 N8

    links: CI522, N6, Nov 2017

    Meine Story: Das Sheltie hat nun auch ein eOhr

  • Sheltie Danke für deine ausführliche Antwort. :) Das hilft mir sehr, weil ich ja keine ambulante Reha habe und deshalb alles „selbst“ machen muss. Beim ersten CI war vieles irgendwie selbsterklärend. Aber mit zwei CIs braucht man einfach mehr Hintergrundwissen, finde ich. Deine Schilderung hilft mir auf jeden Fall, mein eigenes Lernkonzept daran anzupassen.

    Ich dachte eigentlich, dass ich diese Blockwochen in St. Wendel hätte. Dann hätte ich ja eine Reha gehabt. Aber genau zu dem Zeitpunkt meiner Implantation wurden diese leider abgeschafft. Es lief aber auch so sehr gut — vor allem dafür, dass ich auf dem Ohr schon so lange so schlecht gehört habe.

    Ich dachte eigentlich, ich müsste schon etwas vorweisen können, damit in der "großen" Reha überhaupt genug Substanz zum Arbeiten vorhanden ist. Aber scheinbar ist das gar nicht so wichtig, wie ich dachte… :S

    Rechts Taub | Implantation Ende April 2025 | Sonnet 3
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  • damit in der "großen" Reha überhaupt genug Substanz zum Arbeiten vorhanden ist. Aber scheinbar ist das gar nicht so wichtig, wie ich dachte… :S

    Ich denke, es wird immer mit dem gearbeitet, was vorhanden ist.


    Ich gehe jetzt mal grundsätzlich davon aus, daß das SP täglich getragen wird, und man für sich - wie nun auch immer - schon mal geübt hat, egal, ob mit Hilfe von Logopäden, oder per Eigenregie und mit dem normalen Umgang im Alltag.
    Und ab diesem Punkt wird ja während der Reha der Patient quasi "abgeholt" und geschaut, was und wie man das noch etwas verbessern könnte - sollte dies überhaupt möglich sein. Sowohl über die Einstellungen bei einem Techniker, als auch mit gezielten Übungen von Fachkräften.

    Wir wissen ja, daß viele Menschen anders sind. Es gibt ja immer wieder, die quasi eine Art "Senkrechtstarter" in Sachen CI sind, und welche, die halt mit einem "Bummelzug" unterwegs sind und gefühlt einfach nicht voran kommen, egal, was sie auch tun. Bei allen wird halt unterschiedlich an die komplette Sache herangegangen. Hauptsache, es paßt zum Patient und man schafft es gemeinsam zum gewünschten Ziel zu gelangen. Und für jeden ist ja das Ziel auch ein anderes.

    Schönen Gruß
    Sheltie

    schon als Kind Hörgeräteträger, bis zum Hörsturz 2005
    rechts: CI422(SRA), N6, Okt 2015; seit 2024 N8

    links: CI522, N6, Nov 2017

    Meine Story: Das Sheltie hat nun auch ein eOhr

  • Ich denke, es wird immer mit dem gearbeitet, was vorhanden ist.

    Ja, ich dachte halt, das Wann sollte gut überlegt sein. Die nächste Möglichkeit besteht ja – außer in Ausnahmefällen – erst wieder in vier Jahren. :)

    Rechts Taub | Implantation Ende April 2025 | Sonnet 3
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  • Ich war kürzlich in St. Wendel. 3 Wochen am Stück waren bewilligt, Verlängerung hätte beantragt werden können. Möglich sind später 1-wöchige Aufenthalte, die meines Wissens "Blockwochen" genannt werden.

    Ich habe die Reha nach 1 Woche abgebrochen, aus psychischen Gründen.

    Med-El Sonnet 3 seit November 2025, bisher einseitig. Anderes Ohr mit minimal Restgehör im Tieftonbereich, kein Hörgerät.

  • Möglich sind später 1-wöchige Aufenthalte, die meines Wissens "Blockwochen" genannt werden.

    Oh, das ist mir neu. Wenn ich mein zweites CI bekommen habe und wieder im Odenwald auf meiner ‚Hörreise‘ bin, kommt jemand aus St. Wendel vorbei, um über die Reha zu informieren. Dann werde ich direkt nachfragen, wie das inzwischen gehandhabt wird.

    Rechts Taub | Implantation Ende April 2025 | Sonnet 3
    Links Taub | Implantation März 2026 :love:

  • Ich bin nicht sicher, ob ich St. Wendel empfehlen soll.

    Viele Programmangebote waren wirklich gut. Insbesondere das Hörtraining für Fortgeschrittene fand ich gut. Gut waren auch die Rückenübungen, die ich ungefragt bekam. Tatsächlich habe ich Rückenprobleme, war mir also willkommen. Es gibt viele engagierte Mitarbeiter.

    Die Absprache, welche Anwendungen sinnvoll sind, läuft schlecht. Änderungen werden intern schlecht kommuniziert. Gefragt wird man gar nicht.

    Insgesamt ist die Reha spürbar profitorientiert. Die Zeitplanung von An- und Abreise kostet schon mehrere Tage, die der bewilligten Rehazeit verlorengehen. In den ersten Tagen bekam ich unpassende Anwendungen, die man mit Absprache hätte vermeiden können. So landete ich in zu leichten Hörübungen, und bekam z. B. Übungen für's Gleichgewicht, die ich nicht brauchte. Beim ersten Audiologentermin wurde ich direkt wieder vor die Tür gesetzt, weil kein Hörtest vorlag.

    Von Anfang an ist die Reha darauf ausgelegt, Verlängerung zu beantragen.

    So verging die erste Woche, ohne daß ich irgend etwas sinnvolles erreicht hätte. Anreise Dienstag, Mittwoch bis Freitag nichts brauchbares bzw. passendes. Am Wochenende ist tote Hose.

    Mit dem Audiologen kam ich nicht zurecht, bis ich einen anderen bekam, war schon Mittwoch der 2. Woche.

    Am Donnerstag der 2. Woche brach ich wegen psychischer Überlastung ab, ich bin nur begrenzt belastbar.

    Am ersten Tag schon hatte ich angesprochen, daß ich nur begrenzt belastbar bin, und angefragt, ob zugleich eine Beurteilung zur Arbeitsfähigkeit gemacht werden kann. In der Hinsicht wurde nichts unternommen.

    Nach meinem Abbruch wegen Überlastung, kurz vorm Kollaps, wurde ich mit der Bescheinigung "arbeitsfähig" entlassen, und der Empfehlung, die Reha zu wiederholen. Ich war alles andere als arbeitfähig bei der Entlassung, und ich werde das ganz sicher nicht wiederholen. Für meinen geplanten Antrag auf Anerkennung von Berufsunfähigkeit ist diese Bescheinigung eine Katastrophe. Ich habe einen Brief mit Bitte um Korrektur geschrieben und warte noch auf Antwort.

    In der Summe war die Reha in St. Wendel für mich ein Fiasko.

    Med-El Sonnet 3 seit November 2025, bisher einseitig. Anderes Ohr mit minimal Restgehör im Tieftonbereich, kein Hörgerät.

    Edited 2 times, last by MartinV (February 17, 2026 at 2:58 PM).

  • MartinV gab es in ST Wendel keinen Stationsarzt, dem du deine Anwendungswünsche bzw. Abwahlen mitteilen konntest?

    Doch, den gab es. Es gab ein Gespräch am ersten Tag, wo ich noch nicht wußte, was mich in den Anwendungen erwartet. Da hätte man beim Erstgespräch eigentlich schon abfragen können, welche Anwendungen für mich sinnvoll sein könnten. Das Konzept ist da aber eher, daß man erstmal zu leicht und in allerlei eingeteilt wird, und die Therapeuten der jeweiligen Anwendungen dann intern absprechen, wohin man in der folgenden Woche kommt und was nach deren Einschätzung passend ist.

    Nur als Beispiel, ob ich Gleichgewichtsstörungen habe, hätte man mich auch einfach fragen können. Und welchen Grad an Schwierigkeit ich mir im Hörtraining zutraue.

    Am folgenden Montag gab es noch ein Gespräch. Er stellte mir zur Entlastung frei, welche Anwendungen ich nicht besuchen will. Dazu sollte ich nur bei den jeweiligen Therapeuten Bescheid geben. Auf meinen Wunsch hin wurde ich dann auch in Hörtraining für Fortgeschrittene eingeteilt. Die Therapeuten hatten das aber wohl auch intern schon empfohlen, nach Ende der ersten Woche.

    Bei einem Gespräch mit der Chefärztin, auch am Montag, bat ich um einen anderen Audiologen. Wurde mir zugesagt und im Computer vermerkt. Mir wurde trotzdem kein anderer Audiologe zugeteilt. Also bin ich losgelaufen und habe andere Audiologen angesprochen und das Büro für Terminplanung aufgesucht, bis ich ab Mittwoch der 2. Woche doch noch jemand anderen zugeteilt bekam.

    Am Dienstag hat ein dritter Audiologe, den ich gern dauerhaft gehabt hätte, außer der Reihe einen Termin für mich gemacht. Den hätte ich laut Chefärztin auch dauerhaft bekommen sollen. Wurde aber dann doch ein anderer. So war ich bei drei Audiologen, jeder hat irgendwas verändert. Nachdem die halbe Rehazeit schon vorbei war, hatte ich erst einen, bei dem ich dauerhaft hätte bleiben können, um auch konzeptionell an einer Verbesserung zu arbeiten. Vielleicht hätte ich jetzt verbesserte CI Einstellungen, wenn ich den Rest der Reha noch durchgehalten hätte. So aber bin ich mit konfus veränderten Einstellungen nach Hause gefahren.

    Med-El Sonnet 3 seit November 2025, bisher einseitig. Anderes Ohr mit minimal Restgehör im Tieftonbereich, kein Hörgerät.

  • drei Monate nach der EA, und dort habe ich den radikalsten Fortschritt gemacht.

    Es wird bei mir ca. 3 Monate nach der EA sein. Als SSD in Bad Nauheim. Bin gespannt. Magst und kannst Du den Fortschritt beschreiben? Bin interessiert was passiert ist....im Moment bin ich etwas unzufrieden...scheine sogar Rückschritte zu machen.