Da ich mein CI jetzt ein Jahr habe, möchte ich einfach eine Zusammenfassung von Gedanken, Erlebnissen, etc, die ich in meinem Hörtagebuch aufgeschrieben habe, hier ins Forum schreiben. Warnung: es wird wahrscheinlich lang... ![]()
Ich möchte dies v.a. für jene tun:
- die unsicher sind: CI ja oder nein?
- die ihren Hörverlust noch nicht verarbeiten und annehmen konnten,
- die wissen, dass sie vll irgendwann aufgrund einer Erkrankung ertauben
- die Eltern sind und Kinder haben, die nicht hörend auf die Welt gekommen sind oder als Kinder ertauben
- die, die bereits ein CI haben und vll manchmal am Klang, Nichtverstehen, etc verzweifeln
- und viele mehr.
Im Juni 2012 wurde ich am rechten Ohr wegen Otosklerose operiert. Mir wurde eine Stapesplastik eingesetzt, die zu einer Gehörverbesserung führen sollte. Statt dessen ertaubte ich bei dieser OP. Desweiteren hatte ich wochenlang mit Schwindel und Gleichgewichtsproblemen zu kämpfen. Nach 12-tägigem stationärem Aufenthalt gaben die Ärzte die Hoffnung auf, dass sich mein Ohr wieder erholen würde.
Mir wurde dann von der Möglichkeit eines CI erzählt. Dieses wollte ich absolut nicht. Eine gescheiterte OP reichte mir. Als Alternative bot man mir die BiCross Versorgung an, da ich links auch schon schlechter hörte. Ich entschied mich dafür.
Am Anfang war alles besser, als noch eine Operation. Dieser Gedanke überwog mehr als der Gedanke, warum ich ertaubte. Also wollte ich es mit BiCross schaffen. Mehr als 12 Jahre kam ich mit BiCross relativ gut klar. Ich erlernte sogar Richtungshören und kam damit auch auf der Arbeit klar. Was mir alles gefehlt hat, wurde mir erst mit CI später so richtig bewusst...
Im Sommer 2024 fiel mir auf, dass das Hören bzw Verstehen schwieriger geworden war. Ich verdrängte es vorerst, bis dann irgendwann mehrfach Situationen auf der Arbeit waren, wo ich bei Elterngesprächen Kollegen dazu holen musste, weil ich nichts verstand..
Ein Termin beim HNO ergab, dass ich links auch Otosklerose habe und sich das Gehör weiter verschlechtert hat. Eine Neueinstellung des Hörgeräts brachte keine Verbesserung im Verstehen. Mir wurde empfohlen mich bzgl. eines CI im KH zu informieren. Mein HNO, der meine Einstellung zur CI-OP kannte, sagte, ein CI hat aber nur Sinn, wenn Sie dies wollen.
Der Gedanke, eines Tages auf der zweiten Seite auch zu ertauben, bewog mich dann einen Termin in der Hörstörungsambulanz zu machen. Ich ging mit sehr gemischten Gefühlen zu dem Informations- und Untersuchungstermin.
Und traf dort auf eine Ärztin, wie man sie sich nur wünschen kann. Sie ging auf alle Fragen ein, erklärte mir den Ablauf einer CI- OP und des nachfolgenden Programms. Sie betonte jedoch auch, dass nach der Aktivierung die Arbeit bei mir liegt, da das Gehirn alles neu lernen und einordnen muss.
Ich entschied mich dann fĂĽr die OP am ertaubten Ohr, mit dem Gedanken: Taub bin ich schon, da kann ich nichts verlieren...
Am 15.1 wurde ich in St Pölten implantiert. Zu meiner großen Freude hatte ich nach der OP keinerlei Schwindel, etc... mir ging es neben der Übelkeit wirklich gut.
Die Ärztin versicherte mir, dass alles gut gelaufen ist und das ich hören können werde, da die Elektroden während der OP bereits getestet wurden. Alle funktionieren.
Am 29.1 war meine Erstanpassung. Und ich hörte jede einzelne Elektrode, jedoch klang alles gleich. Egal ob Sprache, Geräusche, Musik, alles war gleich. Ich verstand kein Wort. Aber das störte mich nicht. Ich war so glücklich zu hören. In den nächsten Wochen fühlte ich mich oft wie ein Kind, dass ein Geräusch entdeckt und nach der Ursache sucht.
Die ersten Wochen hab ich extrem viel Schlaf gebraucht. Und ich hatte nachts fürchterlichen Tinnitus. Wie wenn mein Gehirn sämtliche gehörten Geräusche wieder verarbeitete.
Nach drei Tagen begann ich mit dem Hörtraining von Wörtern. Verstand dabei nichts. Ca 1 1/2 Wochen dauerte es, bis ich Wörter erahnen konnte, aber auch nur, weil da 3 Wörter zur Auswahl standen.
Als ich dann schon mehr Wörter verstand versuchte ich es mit einer anderen App. Andere Stimme, Verstehen = Null. Somit begann das Üben neu. Auch als das Verstehen schon gut klappte, hat es angehalten, dass ich bei jedem neuen Sprecher mich erst einhören musste.
Das CI brachte immer neue Ăśberraschungen und Fragezeichen:
- Plötzlich hatte ich Schwindel: Auslöser war der Magnet, der zu stark war. Zum Glück wurde die Ursache schnell gefunden.
- dann kamen auf einmal Zuckungen in der rechten Gesichtshälfte... dies konnte durch Veränderung der Einstellungen behoben werden.
- Plötzlich änderte sich der Klang. Das Hören war anstrengend. 2 oder 3 Tage oder auch Wochen später war der Klang auf einmal schöner als vorher. Und das passierte meistens vor positiven Fortschritten.
- irgendwann fiel mir auf, dass ich nachts weniger Tinnitus hatte, wenn ich vor dem Schlafen Sprache ĂĽbte.
Auf einmal fiel mir ein Geräusch auf, dass ich nicht zuordnen konnte. Gut hörende Mitmenschen sagten, da ist kein Geräusch... Aber ich hörte etwas. Ein prasselndes Geräusch, dass plötzlich da war und wieder verging. Während dessen wirkte die Sprache wie weit weg. Schaltete ich das CI aus, war das Geräusch weg... also kein Tinnitus. Dann hatte ich in den folgenden Wochen 4x das sich das CI selbst ausschaltete und das Fehlersignal leuchtete. Ein Fehler konnte nie gefunden werden und das CI problemlos - nach Ausschalten durch entfernen der Akkus - wieder eingeschaltet werden. Dazwischen immer wieder dieses prasselnde Geräusch. Ich merkte, dass das Verstehen schwieriger wurde und der Klang auch mühsamer. Mehrfach wurde versucht das zu beheben durch Veränderung der Einstellungen. Aber das Geräusch kam und ging und das Hören war anstrengend... Sämtliche Ersatzteile wurden zur Probe gewechselt. Keine Veränderung. Daraufhin bekam ich zur Probe einen Prozessor geliehen. Das Geräusch war und blieb weg. Ich bekam dann einen neuen Prozessor und das Hören konnte sich weiter entwickeln. Es war wieder entspannter.
Etwas, was den meisten CI Trägern große Schwierigkeiten bereitet, ist das Telefonieren. Das hat mir - ab dem Zeitpunkt, wo ich Sprache verstand - keinerlei Probleme bereitet. Das geht alles - zur Verwunderung meines Audiologen - am Besten ohne Bluetooth.
Seitdem ich sämtliche automatische Umfelderkennung hab ausschalten lassen, ist das Verstehen auch deutlich besser geworden.
Musik hörte sich am Anfang wirklich furchtbar an. Mittlerweile ist es schon besser, aber noch weit weg von schön. Da bleibt mir noch viel Hörtraining und Geduld.
Nun nach einem Jahr habe ich noch große Schwierigkeiten beim Verstehen in Störlärm. Auch da heißt es weiter üben.
Was ich aus allem gelernt habe:
Jede Hörreise ist individuell. Man sollte sein Hören nie mit anderen vergleichen. Keiner ist deshalb besser oder schlechter. Sich selber sollte man deshalb auch keinen Druck aufbauen. Das bringt sowieso nichts. Das Gehirn verarbeitet es zu seiner Zeit. ![]()
Ich bin froh und dankbar für das CI. Die Arbeit hat sich gelohnt und lohnt sich immer noch. Irgendwan folg dan wahrscheinlic das 2. CI, wenn sich das Ohr weiter verschlechtert. Das beidseitige Hören ist ein Geschenk, dass ich nicht missen möchte. ![]()
So wünsche ich jedem Vertrauen, Zuversicht, Geduld und Ausdauer für den je eigenen Weg und vor allem Menschen an der Seite, die stützen, stärken und in Geduld begleiten. Das ist auch ein Grund dieses Forums. ![]()
Nun ist es sehr lang geworden, ich mache Schluss ![]()