Clara - CI ja oder nein und wann?

  • Ich habe auf meinem Weg vom Minihörsturz bis zur einseitigen Ertaubung mehrere gravierende Fehler gemacht. Der Hörsturz hatte sich nach 2 Wochen vollständig erholt. Aber nur einen Abend lang. Am nächsten Morgen war die Hörminderung wieder da. Anstatt nun Hoffnung zu haben, dass es ggf am Abend wiederkommt, bin ich in totale Panik verfallen und habe mich dauergestresst. Dann kam das Gehör zwei Monate später nochmal zurück. Nicht für lange. Hatte dann privaten Stress, den ich nicht ablegen konnte. Dann musste ich unbedingt sofort ein Hörgerät haben, obwohl der HNO sagte, ich solle noch abwarten. Mit dem HG kam ich überhaupt nicht klar. Aber anstatt andere HGs auszuprobieren, war ich einfach nur täglich gestresst. Ich dachte, ich müsse mich unbedingt an das Teil gewöhnen. Ich war mittlerweile leicht bis mittelgradig schwerhörig. Durch den selbstgemachten Stress und die Dauerangst und Anspannung bin ich dann 9 Monate nach dem Minihörsturz rechts komplett ertaubt.

    Mein Körper wollte und konnte sich heilen, aber ich habe ihn dabei boykottiert.:(;(

  • Mein Körper wollte und konnte sich heilen, aber ich habe ihn dabei boykottiert.:(;(

    Kann natürlich sein, dass der zusätzliche Stress eine Rolle spielte. Aber sicher ist es nicht. Vielleicht hatte es auch ganz andere physiologische Gründe. Das sind alles sehr komplexe Dinge. Ich würde mir da nicht allzu viele Selbstvorwürfe machen. Nützt ja auch nichts mehr.

    Ich hatte mir auch nach meinem Hörsturz Vorwürfe gemacht - zu viel Stress, Besuch beim Arzt aufgeschoben usw. Aber letztendlich ist es so wie es ist, und man muss damit leben, und ob es anders gewesen wäre, wenn man anders gehandelt hätte, ist noch sehr fraglich.

  • Ich habe bei meinen Hörstützen alles getan, was möglich war, aber ohne Effekt. Ich habe Abstand genommen von dem Gedanken, da was ändern zu können und noch mehr, irgendwie Schuld zu sein, dass ein Hörsturz kam. Der Körper und alles ist sehr komplex, man hat das nicht in der Hand. Wenn man sich Vorwürfe macht, trampelt man unnötig lange auf der Stelle.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

    Edited once, last by AnniB (January 19, 2026 at 3:07 PM).

  • Ich habe bei meinen Hörstützen alles getan, was möglich war, aber ohne Effekt. Ich habe Abstand genommen von dem Gedanken, da was ändern zu können und mich mehr, irgendwie Schuld zu sein, dass ein Hörsturz kam. Der Körper und alles ist sehr komplex, man hat das nicht in der Hand. Wenn man sich Vorwürfe macht, trampelt man unnötig lange auf der Stelle.

    Leider ist die Ursache bzw. die Ursachen für einen Hörsturz noch nicht komplett bekannt bzw. erforscht. Daher wird ja immer noch gesagt, dass man innerhalb von 24 - 72 h nach einem Hörsturz handeln soll, um eventuelle Hörschäden zum Beispiel durch eine Infusionstherapie noch abwenden zu können. Eine Garantie ist hier aber nicht gegeben.

    Edited once, last by Marathone (January 19, 2026 at 10:54 AM).

  • Wenn man sich Vorwürfe macht, trampelt man unnötig lange auf der Stelle.

    Letztens schönen Satz dazu gelesen:

    Grübeln (Vorwürfe machen) ist wie im Schaukelstuhl sitzen. Man ist beschäftigt aber man kommt nicht voran.

    Links: AB implantiert im Februar 2025 - EA am 18.03.2025

    Rechts: HG von Phonak Naida Link M

  • Wie kommst du mit CI zurecht?

    Hatte jahrelang auf einem Ohr nur noch "halb" gehört, dann gar nicht mehr. Ich hatte auch mit den 1,5 Ohren schon Probleme, mit 1 Ohr wurde es dann noch problematischer. Dazu kam ein ständiger, nerviger Tinnitus.

    Mit dem CI wurde das Hör-Problem gelöst und der Tinnitus stört nun fast auch nicht mehr. Insgesamt bin ich daher sehr zufrieden. Es ist schon sehr viel angenehmer, wenn man wieder mit beiden Ohren etwas hört, und der Tinnitus nicht mehr so sehr nervt.

  • Infusionen bei Hörsturz bringen nichts, man hat sogar Zweifel, dass Medikamente überhaupt etwas bringen. https://hodokort-studie.hno.org/presse.html

    Aus persönlicher Erfahrung kann ich das bestätigen. Weder das obligatorische Prednisolon das man bei jedem Hörsturz bekommt hat je etwas geholfen, noch Sauerstoff und Infusion als Igel-Leistung. Hatte die gleiche Prednisolon-Stoßtherapie auch mal vom Orthopäden bekommen, hat da aber ebenso wenig geholfen. Könnte ich auch gleich Globuli nehmen. In den meisten Fällen gehen die Beschwerden von selbst weg, und deshalb wird dann geglaubt, die Globuli oder das Prednisolon oder Betahistin hätten es bewirkt. Bin da inzwischen sehr skeptisch geworden.

    Will aber natürlich niemandem davon abraten. Wenn der Arzt es verschreibt, nehmt es. Internetforen und persönliche Erfahrung ersetzen keine evidenzbasierten Studien.

    Edited once, last by Cito (January 20, 2026 at 5:19 PM).

  • Eine Schulkameradin von mir war über Nacht auf einem Ohr ertaubt, morgens gleich zum Arzt, nichts hat geholfen.

    Für mich war sie die Inspiration für ein CI. Sie hat sich kurzentschlossen eines einsetzen lassen und war sehr zufrieden damit.

    Med-El Sonnet 3 seit November 2025, bisher einseitig. Anderes Ohr mit minimal Restgehör im Tieftonbereich, kein Hörgerät.

  • … Könnte ich auch gleich Globuli nehmen. …

    wäre möglicherweise das beste gewesen. ;)

    btw: der placeboeffekt ist extrem wirksam, ebenso wie sein gegenspieler. ;)

    hörbehindert seit Geburt, HG mit Anfang 20 (Phonak), seit ca. 3-4 Jahren massive Verschlechterung des Wortverständnisses, Okt. 2025 CI-Implantation (AB), EA Nov. 2025

  • Kennt jemand Brain Fog aufgrund von Hörverlust/Taubheit? Laufe rum wie betrunken.

    Nein, kenne ich nicht. Habe „nur“ Tinnitus.

    Vielleicht hast du eher CE/MSF?

    Aber alles was wir hier schreiben ist vollkommen spekulativ. Ein Arzt sollte da besser helfen können.

    Links: AB implantiert im Februar 2025 - EA am 18.03.2025

    Rechts: HG von Phonak Naida Link M

  • Kennt jemand Brain Fog aufgrund von Hörverlust/Taubheit? Laufe rum wie betrunken.

    Beim Hörverlust ist oft das Gleichgewichtsorgan mit gestört oder geschädigt, insbesondere bei einem "endolymphatischen Hydrops" oder "Morbus Menière". Dann kann man auch dauerhaften leichten Schwank- oder Drehschwindel haben, oder das Gefühl, das alles in Watte gepackt ist. Bei Morbus Menière hatte ich das oft nach den Schwindelattacken, aber phasenweise auch mal ohne eine echte Attacke. Die Symptome können denen von Brain Fog sehr stark ähneln. Aber wie amBr3tt sagt - am besten mit dem Arzt abklären.

    Edited once, last by Cito (January 21, 2026 at 10:48 AM).

  • Als ich noch HG tragen konnte, hatte ich beim Sprechen oft ein Klopfen im guten Ohr. Meine Stimme klang furchtbar und ich hatte pulsatilen Tinnitus auf dem schlechten Ohr.

    Kommen diese Symptome ggf bei einem CI wieder? Wer kennt Klopfen "auf der guten Seite" beim Sprechen?

  • Kommen diese Symptome ggf bei einem CI wieder? Wer kennt Klopfen "auf der guten Seite" beim Sprechen?

    Eine pauschale Antwort kann man hierzu nicht geben Clara. Denn es gibt Fälle, bei denen der Tinnitus mit einem HG zunächst lauter wahrgenommen wird. Auch bei einem CI kann es vorkommen, dass nach der Anpassung wieder ein lauter Tinnitus ensteht. Dies liegt dann daran, dass sich das Gehirn wieder an neue Reize gewöhnen muss und die Einstellungen zunächst zu ungewohnt oder zu laut waren.

    Die meisten CI Träger, die ich kenne sagen aber, dass sich der Tinntus deutlich gebessert hatte

  • Ich hatte vor der OP einen sehr schwachen Tinntus. Der ist mit dem Implantat verschwunden.

    In den Tagen nach der OP gab es manchmal minutenweise Tinnitus in verschiedenen Tonlagen. Verschwand aber jedesmal wieder.

    Jetzt habe ich mit CI gar keinen Tinnitus. Nur das nicht operierte Ohr noch ein bißchen.

    Nach dem, was ich gelesen habe, können alle Varianten passieren:

    - Tinnitus verschwindet

    - Tinnitus bleibt

    - Tinnitus verändert sich

    - Tinnitus entsteht, wo vorher keiner war.

    Med-El Sonnet 3 seit November 2025, bisher einseitig. Anderes Ohr mit minimal Restgehör im Tieftonbereich, kein Hörgerät.

  • Wie hält man es aus, wenn die eigene Stimme klingt wie Micky Mouse und die des Partners wie ein Monster? Wie hält man das aus?

    Am besten mit Humor nehmen.

    Das Leben kann schön und schrecklich sein. Humor ist meistens eine gute Antwort darauf und kann gelassener machen. Wenn man sich zu viel sehr zu Herzen nimmt, ist das zu belastend. Versuche doch, das Leben leichter zu nehmen, ohne Dich an unperfekten Details festzubeissen.

    Auch Micky Maus und ein Monster können sich zusammen an einem schönen Spaziergang im Grünen erfreuen.

    Med-El Sonnet 3 seit November 2025, bisher einseitig. Anderes Ohr mit minimal Restgehör im Tieftonbereich, kein Hörgerät.