Hallo liebe CI Community,
Ich möchte kurz von meinen ersten 5 Wochen mit CI berichten. Bin jetzt quasi die ersten 100m im Hörreise Marathon gelaufen.
Noch mal zusammengefasst:
Bis Frühjahr 25 auf beiden Ohren normal hörend. Jeder HNO Arzt würde zwar sagen, dass man mit 60 Jahren nicht mehr "normal" hören kann, ich hatte jedoch keine Hörprobleme bemerkt. Dann kam es dick:
- Meningitis im April 25
- Ertaubung links quasi über Nacht
- rechtes Ohr auch stark geschädigt und konnte bis Oktober 25 durch ein Hörgerät versorgt werden, bis es dann im Oktober auch ertaubt ist (die HNO Ärzte hatten das schon im Sommer vorrausgesag).
Die OP links fand Ende November im Uniklinikum Dresden statt. Ich habe mich für Med-EL Sonnet 3 entschieden, da die ein Care Center in Dresden haben. Die OP rechts ist für Mitte Mai geplant.
Die zwei Monate, die ich mit meiner Familie als komplett ertaubter Mensch durchstehen musste, waren extrem herausfordernd. Nicht nur für mich. Es ist unglaublich, wie viel man als Selbständigkeit und natürlich auch an sozialen Kontakten einbüßt oder auf Sparflamme runterfahren muss. Das will ich nicht wieder haben.
In der Woche vor Weihnachten fand dann dann der erste Reha Block (5 Tage) mit der Erstanpassung statt. Die Reha ist am CI Zentrum vom Uni Klinikum Dresden.
Geplant ist, alle Reha Blöcke auf etwa 2 Jahre zu verteilen. Die Klinik hat dafür 40 Reha Tage über 2 Jahre bei der KK beantragt. Ob alle Tage notwendig sind, wird je nach Fortschritt im Hörvermögen entschieden.
Und dann das Wunder:
Direkt nach der Einschalten vom CI konnte ich den Techniker verstehen. Also nicht nur Stimme hören, sondern auch fast alle Worte verstehen, die er gesagt hat. Ich hatte Tränen in den Augen...
Im der ersten Reha Woche ging es in Einzel- und Gruppen-Therapie hauptsächlich um Sprachverstehen plus einer oder zwei Stunden zum Musik-Hören.
Beim Hörtest zum Abschluss der ersten Reha Woche hatte ich bei 65db Lautstärke ein Wort-Verständnis von 85%, bei 80db (?) Lautstärke waren es 100%. Der Audiologe war überrascht, wie gut ich am Tag 4 hören konnte. Ich habe keinen Vergleich, wie gut oder schlecht das ist.
Im ersten Reha Block fand noch eine zweite CI Einstellung beim Techniker statt und an 2 Terminen die Einweisung in die Technik, Sicherheitshinweise und alles rund um das CI.
Fazit der ersten Reha Woche:
Sprachverstehen hat meine Erwartungen übertroffen. Das Erkennen von Geräuschen ist schwieriger als Sprache und klappt in der Reha nur dann, wenn die Geräusche als Bilder zur Auswahl stehen.
Gespräche von Personen-Gruppen sind eine Geräuschkulisse, die ich aktuell noch nicht durchdrungen kann.
Mit diesem vorzeitigen Weihnachtsgeschenk bin ich dann in die Weihnachtszeit gestartet.
Erste Herausforderung war eine Open-Air Party in der Familie. Die Sprachkulisse + Party-Musik war ziemlich undurchdringlich. Jedoch konnte ich mich unterhalten, wenn die Person mir gegenüber stand und mich direkt mit mir gesprochen hat. Das war ein Erfolgserlebnis.
Dann kamen die Weihnachtsfeiertage. Alle Kinder und Enkel kamen zu Besuch. Es waren mehr als 10 Personen im Wohnzimmer, darunter zwei Kinder, die gespielt haben. Auch hier war es so, dass das Stimmengewirr nicht zu durchdringen war. Wenn ich mich unterhalten wollte, musste die Person direkt vor mir sein. Das hat ganz gut geklappt und die Gäste haben sich drauf eingestellt.
Stellenweise kam ich mir jedoch im Sprachgewirr vor, als würde ich alles durch eine Glasscheibe beobachten. Das sind Situationen, an die ich mich noch gewöhnen muss. Ich weiß nicht, ob das in den nächsten Monaten besser wird.
Ein sehr großes Erfolgserlebnis war für mich das Zurückgewinnen der Eigenständigkeit und Selbstsicherheit im Vergleich zu den zwei Monaten, in denen ich ertaubt war.
Ich kann wieder selbständig in Geschäfte, Arzt oder Behörden gehen, ohne dass die Unterstützung meiner Frau oder der Kinder notwendig ist.
Aktuell bin ich im zweiten Reha Block. Der dritte Reha Block ist im März geplant. Zu jedem Reha Block ist mindestens einmal ein Termin beim Techniker geplant, der das CI überprüft, Impedanzmessung durchführt und auch die Hörkurve anpasst.
Ich habe mich für zusätzliche Therapietage zum Schwerpunkt Musikhören angemeldet. Musikhören kappt aktuell noch nicht. Klingt alles schräg und es fehlen Töne. Bei bekannten Musikstücken kann ich zwar die Melodie erkennen, aber ich vermute, das ist eher die Erinnerung im Gehirn als das tatsächliche Hören.
Heute wurde mir ein "Musikprogramm" auf das CI gespielt, bei dem alle Automatikfunktionen zur Geräuschunterdrückung ausgeknipst sind.
Was auch gut klappt, ist das Verstehen von YouTube Videos am Laptop. Ohne Streaming auf das CI und ohne Untertitel. Also nur Laptop Lautsprecher. Am besten klappen Reportagen oder "Erklär"-Videos, in denen deutlich gesprochen wird.
Fernsehen habe ich auch probiert. Ohne Streaming bzw. ohne den Audiolink XT. Ähnlich wie bei beim Laptop geht es bei Reportagen oder Nachrichten Sendungen ganz gut. Ich verstehe nicht jedes Wort, kann aber dem Inhalt folgen. Bei Filmen muss ich aktuell passen. Den Audiolink werde ich mal noch mit dem Fernseher verkabeln. Mal sehen, wie das Hören dann klappt.
Es bleibt spannend auf meiner Hörreise. Ich bin gespannt, wie es wird, wenn im Sommer noch das zweite Ohr mit CI versorgt wird.
Schönen Abend euch, Steffen