Wie habt ihr euch vor eurer CI-OP informiert?

  • Hallo zusammen,

    mein Name ist Tim, ich komme aus Hannover und studiere Wirtschaftspsychologie. Aktuell führe ich im Rahmen meines Studiums eine Forschungsarbeit zum Informationsverhalten von Cochlea-Implantat-Nutzer:innen durch.

    Mein Kommilitone Oskar hat vor ein paar Wochen ebenfalls eine Umfrage im Rahmen seiner Studienarbeit hier geteilt und dank eurer Unterstützung bereits sehr gute Ergebnisse erzielt.
    Das zeigt, wie engagiert und hilfsbereit diese Community ist – vielen Dank dafür!

    In meiner eigenen Studie untersuche ich, über welche Informationskanäle sich CI-Träger:innen informieren und wie diese Informationen ihre Erwartungen und Entscheidungen beeinflussen.
    Die Umfrage dauert ca. 5–8 Minuten und ist selbstverständlich vollständig anonym.

    Ich würde mich sehr über eure Unterstützung freuen – vielen Dank!

    Informationsverhalten von Personen mit Cochlea-Implantat – Formular ausfüllen

  • Teilgenommen ....:)

  • Hm... eine gute Umfrage, aber mir fehlt da etwas... ich schreib es einfach mal hier rein:

    Ich bin bei einer Stapesplastik OP ertaubt. Ich wollte damals kein CI, da ich ja gerade erst eine gescheiterte OP hinter mir hatte. 12 Jahre habe ich mit bicros gelebt. Es ging relativ gut... doch dann wurde mein zweites Ohr schlechter: ebenfalls Otosklerose. Somit war klar, irgendwann bin ich ganz taub... also war mein Gedanke: ich probiere es halt mit dem CI jetzt aus. Verlieren kann ich ja nichts...

    hatte also keinerlei Erwartungshaltung.... wollte nicht, dass ich nachher wieder eine Enttäuschung erlebe...

    aber leider muss man da in der Umfrage etwas ankreuzen... vll kann man das erweitern mit dem Punkt: keine Erwartung? ;)

    Heute kann ich nur sagen: CI, super das es es gibt!!! :D

  • Ich habe gerade mitgemacht.

    timt

    Zwei Dinge, erstens eine sehr wichtige Informationsquelle fehlt vollkommen bei Dir: KI! Meine wichtigste Informationsquelle war Gemini! Recherchen mehrfach mit verschiedenen Themen in Auftrag gegeben, viele Fragen mit Gemini durchgegangen.

    Heute ist das für Menschen vollständig normal, insofern hast Du imo ein Problem und einen wichtigen Punkt vollständig vergessen.

    Zweitens würde ich gerne wissen was es mit dem Thema CI zu tun hat wenn nach Prokrastination, also nach verplempern von Zeit bei der Erledigung von Aufgaben gefragt wird? Wo ist da ein Zusammenhang mit einem Cochlea Implantat? Verstehe ich nicht!

  • Ziel ist es zu prüfen, ob individuelle Unterschiede im Umgang mit Entscheidungen (z. B. Aufschieben vs. aktives Informationssuchen) auch im Kontext der CI-bezogenen Informationssuche eine Rolle spielen.

    So habe ich die Frage auch verstanden. Wenn jemand die Entscheidung für ein CI aufgeschoben hat, der normalerweise die Dinge nicht aufschiebt, hat das mehr zu sagen als wenn jemand die Entscheidung für das CI aufgeschoben hat, weil er oder sie sowieso alle Entscheidungen aufschiebt.

    Ich hätte allerdings mehr differenziert zwischen Entscheidungsangst (wo man etwas nicht tut, weil man die damit verbundenen Entscheidungen vermeiden will) und Aufgabenprokrastination (wo man weiß was zu tun ist aber es trotzdem nicht tut).

  • hm, und was folgt daraus, wenn jemand gern u oft prokrastiniert, die entscheidung für ein CI jedoch schnell und zielstrebin trifft?

    hörbehindert seit Geburt, HG mit Anfang 20 (Phonak), seit ca. 3-4 Jahren massive Verschlechterung des Wortverständnisses, Okt. 2025 CI-Implantation (AB), EA Nov. 2025

  • hm, und was folgt daraus, wenn jemand gern u oft prokrastiniert, die entscheidung für ein CI jedoch schnell und zielstrebin trifft?

    Gerade solche Fälle sind interessant: Prokrastination beschreibt eine allgemeine Tendenz, kein festes Handlungsgesetz. Bei hoher Dringlichkeit, klarem Nutzen oder starkem Leidensdruck kann dieses Muster situativ überlagert werden. Deshalb wird Prokrastination in der Studie als Kontextvariable betrachtet, nicht als direkte Erklärung für die CI-Entscheidung.

    hm, und was folgt daraus, wenn jemand gern u oft prokrastiniert, die entscheidung für ein CI jedoch schnell und zielstrebin trifft?

  • Prokastrinieren bei einer Lebensentscheidung wie das CI???

    Zu einem CI entscheidet man sich doch, weil der Leidensdruck zu hoch wird, und weil eine gewisse Hoffnung auf Besserung der aktuellen Lebenssituation besteht. Das hat doch ein andere Qualität als den Hausputzodrr andere lästige dennoch zu erledigende Aufgabe aufzuschieben.

  • Das hat doch ein andere Qualität als den Hausputzodrr andere lästige dennoch zu erledigende Aufgabe aufzuschieben.

    Ja - deswegen meine ich man muss zwischen "Aufgaben prokrastinieren" und "Entscheidungen prokrastinieren" unterscheiden. z.B. die Entscheidung ob man ein neues Auto kaufen soll. Das Problem ist nicht nur der eigentliche Aufwand des Kaufens. Man muss einen Kassensturz machen, aber vielleicht scheut man sich, mit der finanziellen Realität konfrontiert zu werden. Oder man fühlt sich schlecht, weil man eigentlich mehr Fahrrad fahren wollte. Und dann muss man sich noch entscheiden, was für ein Art von Auto usw. Viele Menschen tendieren dazu, solche "schwierigen Entscheidungen" aufzuschieben. Ganz ähnliche Entscheidungsprobleme hat man ja beim CI. Wie man hier im Forum ja auch sieht.

  • Ich glaube aber nicht, dass es eine Entscheidung prokastrinieren ist, sondern es fehlt die Notwendigkeit sich zu entscheiden. Bleiben wir beim Autobeispiel. Wenn das alte Auto noch läuft und auch noch ein Jahr TÜV hat, dann besteht ja keine Notwendigkeit, ein neues Auto zu kaufen. Man weiß zwar, irgendwann muss ich mich kümmern, weil beispielsweise der TÜV abläuft und der Autoschrauber schon beim letzten Mal bedenklich den Kopf gewiegt hat, aber jetzt habe ich noch keine Notwendigkeit. Je näher dann der TÜV Termin näher rückt, umso mehr steigt der Leidensdruck und dann beginnt man sich zu kümmern, schaut auf den einschlägigen Webseiten nach Autos und klappert die Autohändler ab.

    Beim CI ist es ähnlich. Das Hören wird schlechter, der Leidensdruck steigt und irgendwann ist man so weit und schaut auf die einschlägigen Webseiten und sucht eine oder mehrere Kliniken auf. Entscheidungen brauchen Zeit zu reifen. Bei manchen hat man zwar den Eindruck, sie quälen sich unnötig lange mit minimalen Restgehör, bei anderen denkt man, eigentlich hören sie doch noch ziemlich gut. Sie sind aber innerlich einfach noch nicht bereit für ein CI, oder empfinden bereits jetzt einen hohen Leidensdruck. Bei den Leuten mit nennenswerten Restgehör muss man nur aufpassen, dass sie nicht eine Riesenenttäuschung erleben, dass das CI nicht viel besser als die vorherige Hörgeräteversorgung ist.

    Aber mancher fährt ja auch ein Auto, das andere Personen schon vor Jahren in die Schrottpresse gegeben hätten.

  • Die Frage ist, ob man bewusst ein altes Auto fährt, um nicht mehr Schrott zu erzeugen oder weil man es liebt, oder ob man es fährt, weil man sich einfach nicht entscheiden kann, was man stattdessen kaufen soll: neu oder gebraucht, E-Auto oder Hybrid, rot oder blau usw. - so viele Fragen und so viele Unterentscheidungen sind damit verbunden.

    Man sollte nicht unterschätzen, wie viel psychische Kraft Entscheidungen kosten können und wie schwer sie daher für manche (nicht alle!) Menschen sind. Besonders Perfektionisten sind davon betroffen, denn sie wollen immer die 100% richtige Entscheidung treffen. Wenn sie sich nur 90% sicher sind und nicht alle Möglichkeiten recherchiert haben, verschieben sie lieber die Entscheidung. Es hat auch viel mit Angst zu tun - Angst sich unbequemen Fragen zu stellen, endgültige und einschneidende Entscheidungen zu treffen, Angst die falsche Wahl getroffen zu haben, die man schwer zurücknehmen kann. Deswegen auch der Begriff "Decidophobie". Manche Leute sind in der Hinsicht eher ängstlich. Wer weniger ängstlich ist und immer rational denkt oder umgekehrt keinen Wert auf perfekte Pläne und mehr auf Spontaneität legt, kann das vielleicht schwer nachvollziehen.

    Es gibt manchmal auch den "Deadlock", wenn zwei Entscheidungen mehr oder weniger gleichwertig sind. Wie in dem Gleichnis von dem Esel, der vor zwei gleich weit entfernten gleich großen Heuhaufen steht und schließlich verhungert, weil er sich nicht entscheiden kann, zu welchem er gehen soll. So etwas ähnliches haben wir ja auch bei HdO vs FvO und MED-EL vs Cochlear - die Unterschiede sind einfach nicht so gravierend, dass man sich leicht entscheiden könnte.

    Edited once, last by Cito (January 8, 2026 at 3:26 PM).

  • Zur Entscheidung zum CI ist man auch von der Klinik abhängig wann der nächste Termin frei ist.

    Ein halbes Jahr Wartezeit bis zu OP ist nicht ungewöhnlich und bei mir hat d. Klinik 2 Monate vorher nochmal nachgefragt ob es beim OP Termin bleibt.

    Man darf auch den Leidensweg bis zu OP nicht vergessen. Wie auch schon gesagt, es geht nicht um einen neuen Gegenstand sondern um ein neues Lebensgefühl und ein einen völlig neuen Alltag. Die Hörreise wie ich es nenne auch kein Spaziergang sondern harte Arbeit.

    In meiner Familie habe ich auch oft das Feedback bekommen, dass es für Hörende schwierig ist zu verstehen was ich nicht hören kann.