CI - jetzt oder später?

  • Hallo zusammen,

    ich möchte mich kurz bei Euch vorstellen.
    Ich bin 53 Jahre alt, männlich und komme aus dem Ruhrgebiet.

    Da ich mich aktuell intensiv mit dem Thema Cochlea-Implantat beschäftige, habe ich den Weg in dieses Forum gefunden und hoffe auf einen offenen Austausch sowie Erfahrungen aus der Praxis.

    Meine „Hörgeschichte“ in Zahlen:

    • Tinnitus seit 2005
    • Erstes Hörgerät 2010
    • Reha Bad Nauheim 2016

    Hörverlust: rechts 55 %, links 65 % → neues Hörgerät

    • Reha Bad Nauheim 2025

    Hörverlust: rechts 85 %, links 90 % → Indikation CI (zunächst rechts)

    Während meines letzten Aufenthalts in der HTS-Reha in Bad Nauheim fiel der direkt am zweiten Tag durchgeführte Hörtest so schlecht aus, dass mir die Indikation für ein Cochlea-Implantat auf der rechten Seite gestellt wurde. Diese Diagnose kam für mich völlig unerwartet und war zunächst ein ziemlicher Schock.

    Ich habe die anschließenden drei Wochen Reha bewusst genutzt, um mich intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen. Dazu gehörten umfangreiche Recherchen sowie der direkte Kontakt zu CI-Trägerinnen und -Trägern, um aus erster Hand zu erfahren, wie der Alltag mit einem Cochlea-Implantat tatsächlich aussieht.

    Mir ist bewusst, dass man am Kaiserberg kein vollständig objektives Bild bekommt, da sich viele Patientinnen und Patienten dort noch in der Lernphase befinden oder kurz nach der OP sind. Eine abschließende Bewertung ist daher schwierig.

    Aktuell liege ich laut Befund zwar „an Taubheit grenzend“, erreiche mit Hörgeräten aber noch ein Sprachverstehen von etwa 70 %. Genau dieser Umstand macht die endgültige Entscheidung für ein CI für mich nicht einfacher.

    Ich freue mich auf den Austausch mit Euch, auf Erfahrungsberichte – insbesondere von Menschen, die sich in einer ähnlichen Ausgangssituation befanden – und auf hilfreiche Hinweise, die mir bei meiner Entscheidungsfindung helfen können.

    Viele Grüße

    Jack

  • Ich bin zeitlebens schwerhörig gewesen, mit zunehmender Verschlechterung. Jetzt, mit 49, habe ich mich für ein CI entschieden. Es wurde vor einem Monat aktiviert. Das zweite kommt nächstes jahr.

    Ich bin begeistert, wie viel besser ich schon jetzt damit höre, und denke mir, ich hätte die OP schon früher machen sollen. Ich verstehe mit nur 1 CI schon jetzt besser als vorher mit 2 Hörgeräten. (Das andere Hörgerät trage ich nicht mehr.)

    Ich kam mit Hörgeräten noch leidlich zurecht. Doch waren Gesellschaft und selbst Gespräche zu zweit irgendwann so anstrengend, daß ich Gespräche ganz gemieden habe.

    Als der Punkt erreicht war, daß ich nach 1 Stunde Gespräch zu zweit in ruhiger Umgebung erschöpft war, kam die Entscheidung für das CI.

    Du schreibst, Du hast laut Test ein Wortverstehen von 70%. Das ist nicht schlecht, aber auch nicht gut. Für mich ist eher die Frage, wie anstrengend ist Zuhören für Dich?

    Du bist jetzt noch in einem Alter, in dem Dein Gehirn noch gut lernen und sich auf ein neues Hörerlebnis einstellen kann. Je länger Du wartest, um so schwieriger wird die Umstellung sein.

    Ich kann Dir nur dazu raten, das CI lieber früher als später zu nehmen. Nach der OP solltest Du mehrere Monate für Erholung und Hörtraining einplanen.

    Was bleibt, sind die Risiken der Operation. Es gibt auch Berichte von Fehlschlägen, die beunruhigend sind. Bei mir lief einfach alles super. Doch nicht jeder hat so viel Glück. Ich lerne schnell, mit dem CI zu hören. Andere brauchen viel länger.

    Med-El Sonnet 3 seit November 2025, bisher einseitig.

  • Meine OP war im Klinikum Kassel. Es hat Erfahrung mit Cochlear und Med-El, die mir beide als gut empfohlen wurden. Ich habe mich für Med-El entschieden, weil ich subtil den Eindruck hatte, daß der Audiologe es etwas besser fand, auch wenn er bei Nachfrage keinen Vorzug nennen wollte.

    Selbst informiert habe ich mich nur wenig im Voraus. Kassel habe ich gewählt, weil ich in der Nähe wohne.

    Ein Punkt, der mir einen Ausschlag Richtung Med-El gab, ist die unterschiedliche Länge der Elektrodenträger, so daß bis zu 2 Windungen der Cochlea erreicht werden können. Bei mir wurden es dennoch nur 1,5 Windungen. Das ist guter Standard, aber noch nicht das Bestmögliche. Bestmöglich sind wohl 2 Windungen, noch mehr bringt wohl nichts mehr.

    Mit der OP, der Fürsorge im Krankenhaus und der Nachsorge bin ich sehr zufrieden.

    Vor der zweiten OP werde ich nachfragen, ob 2 Windungen möglich sind. Falls das in Kassel nicht gehen sollte, warum auch immer, wäre das evtl. ein Grund, für das 2. Ohr nach einer anderen Klinik zu schauen.

    Ansonsten kann ich über die Städtischen Klinken Kassel nur Gutes sagen.

    Med-El Sonnet 3 seit November 2025, bisher einseitig.

  • Danke für deinen Beitrag. Das mit den Windungen ist mir tatsächlich neu. Interessant zu hören, dass bei dir 1,5 Windungen erreicht wurden und das bereits guter Standard ist. Deine Überlegungen zur zweiten OP und die Idee, gezielt nachzufragen, ob 2 Windungen möglich sind, finde ich sehr sinnvoll. Schön zu hören, dass du mit der OP, der Fürsorge im Krankenhaus und der Nachsorge insgesamt sehr zufrieden bist.

  • Ein wichtiger Punkt noch, auf dem CI Ohr bin ich infolge der OP jetzt völlig taub. Das Restgehör ist weg. Auf das Risiko, und daß das wahrscheinlich der Fall sein wird, wurde ich vorher deutlich hingewiesen. Mit dem CI Ohr höre ich jetzt ausschließlich über CI noch etwas.

    Den Verlust des Restgehörs habe ich in Kauf genommen.

    Med-El Sonnet 3 seit November 2025, bisher einseitig.

  • Mich hat dieser Punkt auch lange zögern lassen. Jetzt denke ich mir, ich hätte es schon viel früher viel einfacher haben können. Die schwierige Gesprächsführung mit Hörgeräten war eine große Belastung.

    Ich vermisse das Restgehör jetzt gar nicht. Beunruhigend ist eher, daß ich nun für den Rest des Lebens auf funktionierende Technik und Stromversorgung angewiesen bin, um hören zu können.

    Dennoch keine Reue auf meiner Seite. Auch für das andere Ohr mit Restgehör nehme ich in Kauf, daß es mit hoher Wahrscheinlichkeit verschwindet.

    Ein interessanter Punkt: Mit Hörgeräten hören fand ich zuletzt sehr anstrengend für die Ohren. Ich war immer dankbar für die Ruhe, sobald ich sie rausnahm. Mit CI ist alles viel lauter, lauter als ich mit Hörgerät mir jemals eingestellt hätte. Dennoch ist die Lautsärke nicht belastend.

    Med-El Sonnet 3 seit November 2025, bisher einseitig.

  • Hallo Jack,

    die Entscheidung kann dir leider keiner abnehmen. Ich hatte es einfach: kein Resthörvermögen. Daher ist das CI für mich ein Wunder und ich bin sehr glücklich damit.

    Entscheidend ist wie es dir aktuell geht? Kämpfst du mit Höranstrengung? Wie erlebst du dein Alltag? Wie geht es dir in Gesellschaft oder nach einem langen Arbeitstag? Meidest du Situationen mit vielen Menschen oder Lärm?

    Es gibt hier kein objektive Antwort. Jeder wird dir die Frage ob jetzt CI oder nicht anders beantworten. Je nach dem was diese Person erlebt hat.

    Ich dachte auch: es muss die perfekte Entscheidung sein.... bzgl. Hersteller... jeder sagt da was anderes....letztlich habe ich dann beschlossen ich muss schauen was zu meinen Bedürfnissen am besten passt und einfach eine Entscheidung treffen.

    Wünsche dir alles Gute für deinen ÜBerlegungen

    Liebe Grüsse von Uta

    Einseitig ertaubt seit Februar 2023 / Kanso 2 seit September 2023 - dankbar <3

  • Bei mir ist das Restgehör noch vorhanden, was mir an dieser Stelle die Entscheidung nicht unbedingt erleichtert

    Das ist nur zu verständlich!

    Ich hatte auch ein bisschen Restgehör gehabt. Auch wenn das Verstehen mit HG praktisch nicht mehr gegeben war, so war der Verlust nach der OP doch so ziemlich heftig gewesen. So praktisch von jetzt auf gleich komplett taub, wo sonst zumindest laute Geräusche noch angekommen ist, ist wirklich nicht einfach wegzustecken.

    Ein CI kann helfen, ist allerdings keine Garantie, daß es auch wirklich dem so sein wird! Man sollte selbst die OP unbedingt wollen und die Arbeit danach bereitwillig annehmen. Dafür muß der eigene Leidensdruck sehr hoch sein.

    Was Dir jetzt im Augenblick wichtiger ist, wirst nur Du selbst am besten wissen!


    Wegen der Marke, auch dabei wird Dir niemand so genau helfen können. Da hilft es nur, sich die Dummy Geräte vor Ort anzuschauen, diese in den Händen, hinterm Ohr, am Kopf zu halten, nachlesen, welche Philosophie die Hersteller dabei haben und welche Idee einem selbst am ehesten zusagt.

    Überlege, was Dir wichtig ist, so von Handhabung und Handling her, was das Gerät "können soll" und suche Dir danach den Hersteller aus.

    Schönen Gruß

    Sheltie

    schon als Kind Hörgeräteträger, bis zum Hörsturz 2005
    rechts: CI422(SRA), N6, Okt 2015

    links: CI522, N6, Nov 2017

    Meine Story: Das Sheltie hat nun auch ein eOhr

  • Genau, das ist halt der umgekehrte Punkt.

    Bei mir ist das Restgehör noch vorhanden, was mir an dieser Stelle die Entscheidung nicht unbedingt erleichtert.

    Hallo erstmal!

    Die Beschäftigung mit dem CI als Option ist auf jeden Fall sehr sinnvoll.

    Ich bin kein Experte aber imo bist Du mir den zuletzt gemessenen Werten noch kein Kandidat für ein CI, die KK wird nein sagen.

    Evtl eher andere, bessere Hörgeräte?

    Andere User hier können da sicher fundierter antworten aber nach meiner Kenntnis musst Du per Hörtest schon nachweisen, dass ein Hörgerät nicht mehr ausreicht.

    Und das sind wir auch beim Thema Restgehör. Niemand kann und wird Dir garantieren dass Dein Restgehör nach der CI OP noch da ist. Darum ist es eine schwierige Abwägung, je mehr Restgehör um so schwieriger.

    Ich habe bei meiner Reha etliche Leute getroffen mit CI von allen drei Herstellern. Generell sind die alle zufrieden und machen schnell Fortschritte, solange es sich nicht um Menschen handelt, die bereits seit Jahrzehnten taub waren. Diese brauchen meistens viel länger um Fortschritte zu erzielen und bei ihnen ist auch insgesamt die Prognose schlechter. Das ist so denke ich verständlich. Dennoch gibt's auch da viele Menschen, die eine fantastische Sprachverständlichkeit erreichen.

  • Ich bin kein Experte aber imo bist Du mir den zuletzt gemessenen Werten noch kein Kandidat für ein CI, die KK wird nein sagen.

    Evtl eher andere, bessere Hörgeräte?

    Ich habe in der Reha (11/2025) die eindeutige Indikation für ein CI (rechts) erhalten. Habe mir bzgl. der Kostenbewilligung durch die KK noch keine Gedanken gemacht, da die Fachärztliche Diagnose für mich erstmal im Vordergrund stand. Wird die Kostenerstattungszusage bei der KK von der implantierenden Klinik eingeholt oder muss man sich selbst darum kümmern?

  • Ich habe in der Reha (11/2025) die eindeutige Indikation für ein CI (rechts) erhalten. Habe mir bzgl. der Kostenbewilligung durch die KK noch keine Gedanken gemacht, da die Fachärztliche Diagnose für mich erstmal im Vordergrund stand. Wird die Kostenerstattungszusage bei der KK von der implantierenden Klinik eingeholt oder muss man sich selbst darum kümmern?

    Bei mir hat es die Klinik (UK Essen) gemacht. Ich hatte keinerlei Kontakt mit der Krankenkasse. Aber ich glaube, dass es in den Kliniken unterschiedlich gehandhabt wird.

  • Ich habe in der Reha (11/2025) die eindeutige Indikation für ein CI (rechts) erhalten. Habe mir bzgl. der Kostenbewilligung durch die KK noch keine Gedanken gemacht, da die Fachärztliche Diagnose für mich erstmal im Vordergrund stand. Wird die Kostenerstattungszusage bei der KK von der implantierenden Klinik eingeholt oder muss man sich selbst darum kümmern?

    Hallo

    Das machen in der Regel die Kliniken selbst!

    Gruß Joachim

  • Ich hatte nur noch 5% Restgehör rechts. Aber selbst das hatte man wahrgenommen. Das war nach der OP weg.

    Zuerst war es komisch. Aber bereits am zweiten Tag ganz normal.


    Zum Thema Krankenkasse. Meine hatte, nach meiner Anfrage, abgelehnt. Ganz komischer Brief. Im letzten Satz stand aber, das, wenn der Arzt es indiziert, dann muss man gar nicht anfragen. Dann wird es einfach gezahlt.

    Stefan aus 49457 Drebber

    MedEl Sonnet 3 rechts

    Normalhörend links

  • Wird die Kostenerstattungszusage bei der KK von der implantierenden Klinik eingeholt oder muss man sich selbst darum kümmern?

    Ich wurde in Bochum implantiert. Dort hat sich das CI Zentrum darum gekümmert.

    Die machen auch nach der OP die Nachsorge, und die Reha.

    Schönen Gruß

    Sheltie

    schon als Kind Hörgeräteträger, bis zum Hörsturz 2005
    rechts: CI422(SRA), N6, Okt 2015

    links: CI522, N6, Nov 2017

    Meine Story: Das Sheltie hat nun auch ein eOhr

  • Hallo Jack,

    Ich habe mich in den letzten Monaten auch viel mit der Frage, ob und wann CI, beschäftigt. Wie du bin ich seit ca 20 Jahren mit Hörgeräten versorgt bei ständiger Verschlechterung des Hörvermögens. Da ich rechts inzwischen fast taub bin und auf der Seite auch mit Power HG kein Verständnis habe, habe ich mich für ein CI auf dieser Seite entschieden.
    Die Voruntersuchungen hatte ich im Oktober/November, die OP ist im Februar geplant. Die Kostenübernahme regelt die Klinik.

    Wie bist du denn aktuell versorgt? Kommst du im Alltag, Beruf gut zurecht? Ich wundere mich, warum dir für die „bessere“ Seite zu einem CI geraten wurde.