Liebe DICG Community,
Bevor ich mich vorstelle, möchte ich allen Forum Teilnehmern meine Hochachtung für eure Arbeit in diesem Forum ausdrücken. Meine Anerkennung für den freundlichen und einfühlsamen Umgangston bei Fragen, Problemen oder auch Ängsten, die jedem bekannt sein sollten.
Chapeau!
@Admin und Moderatoren:
Danke für eure Arbeit.
Nachdem ich seit 6 Monaten hier heimlich mitlese und und ihr mir bestimmt 100.000 Fragen beantwortet habt, wird es Zeit, dass ich mich vorstelle:
Mein Name ist Steffen, ich bin 60 Jahre alt und ich wohne in Sachsen in ländlicher Idylle ca. 10km nördlich von Dresden.
Ich bin seit 6 Monaten einseitig und seit 1 Monat beidseitig ertaubt. Grund: Meningitis.
Übermorgen ist die CI OP im Uni Klinikum Dresden geplant. Jetzt wird es ernst...
Bis vor einem halben Jahr wusste ich nicht, was ein CI ist, wie sich Schwerhörigkeit und Taubheit anfühlt und was das nicht nur körperlich, sondern auch psychisch und seelisch mit einem Menschen macht.
Meine Hörwelt war bis Ostern 2025 noch "normal". Ich habe auf beiden Ohren gut gehört. Der letzte akustische Höhepunkt war ein Besuch in der Semper Oper Dresden Anfang April diesen Jahres. "Schwanensee" in einer modernen Inszenierung. Einfach nur schön. Ich träume ab und an davon.
Mitte April bin ich quasi über Nacht auf dem linken Ohr ertaubt. Hörsturz, sagte der HNO Arzt. Nach vielen Arztbesuchen beim ambulanten HNO, anschließend auch im Uni Klinikum Dresden und den euch bekannten Therapien mit Prednisolon Tabletten, später Kortison Spritzen ins Mittelohr, wurde nach ein paar Wochen eine Meningitis diagnostiziert. Es folgte ein 3 wöchiger stationärer Aufenthalt im Uni Klinikum Dresden.
Die Meningitis war bei mir im Kleinhirn (Hinterkopf) und hat den Hörnerv links komplett beschädigt. So haben mir das die Ärzte erklärt. Das linke Ohr dadurch ertaubt und das rechte Ohr war durch die Infektion schwerhörig geworden. Die Ärzte sagten mir bei der Entlassung, dass ich froh sein kann, dass "nur" die Ohren betroffen sind. Da kann man mit einem Stück Technik helfen. Meningitis in meinem Alter kann viel schmlimmere Schäden anrichten.
Der HNO Arzt am Uni Klinikum hat mir gesagt, dass links nur ein CI helfen kann. Das war der Zeitpunkt, als ich erstmalig von einem CI hörte. Ich musste googeln was ein CI ist. Ab diesem Zeitpunkt bin ich heimlicher Mitleser hier im Forum.
Noch im Krankenhaus bin ich in ein schlimmes psychisches Tief gefallen. Mir hat es den Boden unter den Füßen weggerissen. Sowas hatte ich noch nie in meinem Leben erlebt. Ich habe mir deshalb professionelle Hilfe eines Psychologen gesucht.
Ein Satz, den ich im Internet gefunden habe, hat mir dann wieder Mut gemacht: "Willst du ewig heulen oder wieder hören".
Nach Entlassung aus dem Krankenhaus konnte mir ein Hörgeräte Akustiker das rechte Ohr mit einem Resound HG versorgen. Ich konnte somit mit HG wieder an der Kommunikation teilnehmen. Nach der HG Aktivierung war ich von einer Minute auf die andere ein anderer Mensch - hat meine Frau zu mir gesagt. Und genau so fühlte ich mich auch. Danke an die große Optiker Firma "F" für die Geduld mit mir.
Mitte Oktober ist dann innerhalb weniger Wochen auch das rechte Ohr komplett ertaubt. Die HNO Spezialisten am Uni Klinikum hatten das schon im Frühjahr vorausgesagt. Leider sollten sie Recht behalten. Aktuell läuft die Kommunikation mit meiner Frau, meiner Familie oder auch mit den Ärzten über Transkription am Handy. Die Gespräche eines Tages passen auf eine A4 Seite. Ist auch für meine Frau eine extrem anstrengende Zeit.
Mir ist die Entscheidung für einen der 3 CI Hersteller verdammt schwer gefallen. Das Uni Klinikum hat mir kommentarlos 3 Mappen in die Hand gedrückt und gesagt, dass ich mich selbst entscheiden muss. Eigentlich eine unmögliche Entscheidung frü den Laien. Erst nach dem Kontakt mit der CI Selbsthilfegruppe Dresden habe ich mich für Medel entschieden. Trotz aller hier so oft und heftig kritisierten Probleme mit der Software und Konnektivität zur Apple Welt.
Würde ich noch das Resound HG benutzen können, hätte ich mich sehr wahrscheinlich für Cochlear entschieden.
Übermorgen ist es soweit. Die CI OP am linken Ohr ist am Uni Klinikum Dresden geplant. Alle Voruntersuchungen habe ich hinter mir. Im Moment bin ich noch nicht aufgeregt. Früh morgens soll ich mich auf der Station melden. Aber das sieht morgen Abend sicher anders aus... Das wird in meinem Leben die erste richtige OP unter Narkose.
Die Erstanpassung in Form einer 5-tägigen ambulanten Reha im CI Zentrum vom Uni Klinikum Dresden ist für Mitte Dezember geplant. Die Woche vor Weihnachten. Wenn ich Glück habe, kann ich zu Weihnachten wieder ein bisschen hören.
Ich melde mich nach der OP wieder.
Schönen Abend,
Steffen