Erstanpassung – noch keine Töne, nur Vibration und jetzt gar nichts mehr – ist das normal?

  • Hallo zusammen,

    ich hatte gestern meine Erstanpassung meines Cochlear-Implantats (neueste Generation von Cochlear).

    Während der OP konnte der Hörnerv sehr gut stimuliert werden.

    Zur Vorgeschichte:

    Ich war auf der rechten Seite über 25 Jahre komplett taub, mit einem Resthörvermögen unter 5 %.

    Das CI war also meine einzige Chance, dort wieder etwas zu hören.


    Bei der Erstanpassung selbst habe ich nur ein leichtes „Blubbern“ oder Vibrieren gespürt – keine Töne, keine Roboterstimme, keine PC-Stimme.

    Inzwischen spüre ich gar nichts mehr, auch nicht, wenn ich Musik abspiele oder an den Prozessor klopfe.

    Die Nucleus-Smart-App zeigt aber an, dass alles verbunden ist und reagiert, also scheint technisch alles zu funktionieren.

    Bei lauteren Geräuschen habe ich manchmal ein kurzes Schwindelgefühl auf der implantierten Seite,aber keine bewusste Klangwahrnehmung.

    Ich trage den Prozessor jeden Tag viele Stunden.

    Jetzt frage ich mich:

    ➡️ Hatte jemand von euch am Anfang gar keine Töne, sondern nur Vibration oder Schwindel?

    ➡️ Wann kam bei euch das erste hörbare Signal oder Sprache?

    ➡️ Ist es normal, dass sich nach der Erstanpassung erstmal nichts tut, obwohl technisch alles okay ist?

    Ich bin im Moment ehrlich gesagt ziemlich verunsichert, ob das CI bei mir überhaupt greift – vielleicht war jemand von euch in einer ähnlichen Situation?

    Liebe Grüße

    ;(;(

  • Hallo Tamara,

    willkommen bei uns "Blechohren"! So ähnlich erging es mir nach der Erstanpassung des rechten "Blechohres". Das kannst Du nachlesen: Klick drauf und folgend .... Ich musste also lernen, dass ich meine beiden Schlappohren nicht vergleichen konnte. Und noch etwas: Jeder von uns tickt ganz anders, so dass man unmöglich vergleichen kann.

    Und bedenke, dass Dein Ohr 25 Jahre komplett taub war. Da kann es denn schon mal dauern, bis es initial "zündet" und es sich im Lauf der weiteren Anpassungen entwickelt.

    Mach Dich bitte nicht verrückter, als Du vielleicht schon bist. Ich wünsche Dir alles Gute!

  • Ich war auf der rechten Seite über 25 Jahre komplett taub, mit einem Resthörvermögen unter 5 %.

    Hallo Tamara,

    nach 25 Jahren nichts hören ist das ganz normal das nicht direkt was ankommt.

    Hab Geduld, trag dein CI häufig und versuch es auch zu stimulieren (tust du beides schon👍)

    Am aller wichtigsten, stress dich nicht und setz dich nicht selbst unter Druck.


    LG Azubi

  • Hallo Tamara95,

    ich habe meine EA morgen Med El sonnet3…..

    ich bin seit 45 Jahren rechts Taub durch eine verschleppte Mittelohrentzündung….

    Ich werde berichten…. Ich drück dir die Daumen das sich alles bei Dir gut entwickelt auf deiner Hörreise🍀

    LG

    rechts hörbehindert seit 1981, CI seit 2025

    links immer schlechter

  • Hallo Tamara. Es könnte sein, dass sich die Widerstände geändert haben, und die Schwellen angepasst werden müssen. Du solltest anfangs in relativ kurzem Abstand weitere Termine zur Anpassung haben. Da werden die Widerstände dann immer überprüft. Es könnte auch sein, dass mit dem Soundprozessor oder der Verbindung zur Spule etwas nicht stimmt. Das wird bei den Terminen auch überprüft. Schildere den AudiologInnen immer möglichst genau was du hörst bzw. nicht (mehr) hörst.

  • Hallo,

    bei einer Freundin von mir war es auch so....die lange Zeit der Ertaubung....die Bahnen im Gehirn müssen ganz neu ausgebildet werden.....

    Vermutlich brauchst du sehr viel Geduld.


    Alles Gute und gib die Hoffnung nicht auf.


    Liebe Grüsse von Uta

    Einseitig ertaubt seit Februar 2023 / Kanso 2 seit September 2023 - dankbar <3

  • Hallo Tamara,

    du hattest erst EA, da kann sich noch ganz viel ändern.

    Ich habe mich nach 50 Jahren Taubheit implantieren lassen und nach 1,5 Jahren mit CI auch so eine ähnliche Erfahrung, dass immer weniger Wahrnehmung auf den einzelnen Elektroden und im Alltag zu spüren oder hören war, siehe hier. Bei mir wurde SP und CI getestet, beides war technisch in Ordnung. Sprich mit deiner/deinem CI-Audiologen. Wenn sich durch Einstellung nichts verändern lässt, dann solltest du die technische Überprüfung auch in Erwägung ziehen. Wann hast du wieder einen Termin?

    Den Schwindel solltest du ernst nehmen, vielleicht ist das CI zu stark eingestellt oder gönne dir Hörpausen und lege zwischendurch das CI ab. Dein Ohr wird trotzdem genügend Stimulation trotz Pausen bekommen. Und es darf und soll sich an die neue Situation und Höreindrücke langsam gewöhnen.

    Übrigens gab es bei mir in der Zwischenzeit wieder eine positive Veränderung und ich höre in der Zwischenzeit auch tiefere Frequenzen, die ich bisher so nicht gehört habe! Also kommt auch was an, selbst wenn man nichts hört oder spürt. Hab also Geduld.

    alles Gute für deine Hörreise und viele Grüße

    Anita

    re: von Geburt an taub, nach 50 Jahren (seit 2023) AdvancedBionics (AB) Naída CI-M 90

    li: im Hochtonbereich hochgradig schwerhörig und mit HG (Widex) versorgt.

  • Hallo Tamara,

    ich wurde am 27.10.2025 in Freiburg linksseitig implantiert. Seit meinem 8. Lebensjahr war ich linksseitig fast vollständig taub, also nunmehr 45 Jahre. Die Erstanpassung war gestern - bisher nehme ich wie Du nur Vibrationen und Schallwellen wahr. Laut den Therapeuten und Logopäden ist das nicht ungewöhnlich nach so langer Taubheit wie bei dir und mir.
    Ich kann jedoch am zweiten Tag bei der Logopädin schon Geräusche unterscheiden anhand der Vibrationsdauer, der Lautstärke und der Frequenz.

    Ich bleibe weiter dran und berichte hier.

  • Also ich bin auch links seid ich klein bin taub über 30 Jahre. Habe seid 4 Jahre ein ci auf der Seite. Anfangs war es auch bei mir so. Wichtig lass dir Zeit stell es nicht zu laut und Versuch manchmal einfach nur als zuhörer in Gesprächen mit dem ci zu lauschen. Dein Nerv war lange Zeit inaktiv das ist als ob du 30 Jahre lang im Bett lagst und plötzlich meinst wenn du aufstehst kannst du gleich einen Sprint laufen… wahrscheinlich kippst du ohne Hilfe einfach um… Zeit lassen nicht zu laut stellen und du wirst Woche für Woche manchmal vergehen auch Monate immer wieder neu Töne entdecken du wirst dich fragen was ist das und die neuen Töne nach und nach zu ordnen können. Also bei mir hat es 3 Jahre gedauert bis ich jetzt endlich Sprache gut verstehen kann.. habe aber bis jetzt noch keine Reha gemacht. Aber dafür das das Ohr vorher komplett taub war ist es in Ordnung gerade Nerven brauchen lange um stark werden das ist in paar Wochen nicht getan aber wirklich Arbeit ist es auch nicht für mich zumindest einfach tragen und ab und zu üben ob mit Partner oder über Handy Streaming pass aber auf nicht zu laut stellen beim streamen da ist es bei mir nämlich immer lauter.

  • Hallo Clara / Synni,

    Die Frage hast du ja schon häufiger hier gestellt und diese wurde auch häufig beantwortet.

    aber hier nochmal:
    ja, es kann sich mit dem CI positiv ändern. Zumindest ist es dann kein taubes Ohr mehr.

    Das beidseitige Hören ist deutlich angenehmer als einseitig. Aber WIE genau es sich für dich anhören wird, kann dir keiner prognostizieren.

    Links: AB implantiert im Februar 2025 - EA am 18.03.2025

    Rechts: HG von Phonak Naida Link M

  • Ich fühle mich als einseitig Ertaubte noch ohne CI nicht mehr mit anderen Leuten in meiner Umgebung verbunden. Bin in einer anderen Welt. Das ist furchtbar. Bin isoliert. Kann sich das mit CI ändern?

    Hörst du auf dem anderen Ohr noch gut mit ausreichendem Sprachverstehen usw.?

    Wenn ja, wie kannst du dann nicht mehr (akustisch) mit der Umgebung verbunden sein?

  • Hallo,

    Ich fühle mich als einseitig Ertaubte noch ohne CI nicht mehr mit anderen Leuten in meiner Umgebung verbunden. Bin in einer anderen Welt. Das ist furchtbar. Bin isoliert. Kann sich das mit CI ändern?

    Wenn Du mit einem Ohr sehr gut hörst bist Du sehr wohl akustisch mit Deiner Umwelt verbunden.

    Was Du meinst ist ein psychisches Problem. Es ist Dein Selbstverständnis.

  • Hörst du auf dem anderen Ohr noch gut mit ausreichendem Sprachverstehen usw.?

    Wenn ja, wie kannst du dann nicht mehr (akustisch) mit der Umgebung verbunden sein?

    Selbst wenn man mit einem Ohr noch gut hört, kann man Probleme bekommen, z.B. in einer hallenden Kantine mit vielen Leuten. Da können die Störgeräusche so stark sein, dass man schon beide Ohren braucht. Man versteht nur noch Satzfetzen von den Leuten, die auf der "richtigen" Seite sitzen. In so einer Situation kann man dann nicht mehr aktiv am Gespräch teilnehmen, und sich ausgeschlossen fühlen. Wenn man vorher jeden Tag aktiv an diesen Gesprächen teilgenommen hat, und es einem wichtig war, dann bricht da schon was weg, und man kann sich weniger mit den Kollegen verbunden fühlen.

    Jüngere Leute treffen sich auch bevorzugt in lauten Umgebungen, und da gibt es dann das gleiche Problem. Weil man nichts mehr versteht, sag man nichts mehr, man wird komisch angesehen, weil man nicht oder an den falschen Stellen lacht, irgendwann vermeidet man diese Situationen komplett und ist dann tatsächlich ausgeschlossen, wenn sie vorher einen großen und wichtigen Teil des Lebens ausmachten. Insbesondere wenn man z.B. gerade Single ist und nicht in einer Familie zusammen lebt.

    Ich war auch eine Zeitlang "Mono" und kann das nachvollziehen. Neben den lauten Umgebungen gibt es auch andere problematische Situationen: Jemand grüßt im Treppenhaus oder fragt einen etwas, steht aber auf der falschen Seite. Das habe ich alles einfach nicht mehr mitbekommen. Oder Leute, die nicht laut und deutlich sprechen. Oder an einem Kassenschalter mit Glasscheibe.

    Daher finde ich es nicht richtig wenn man sagt "Was denn? du hörst doch noch auf einem Ohr, stell dich nicht so an." Das Glücks- und Zufriedenheitsempfinden ist immer relativ - zu dem Zustand vorher. Und da gibt es eben doch diese starken Einschränkungen. Von daher sollte man jedem, der plötzlich einseitig taub wird, eine gewisse Zeit der Trauer und Niedergeschlagenheit zugestehen. Leider gibt es da oft Unverständnis sowohl von normal Hörenden als auch von beidseitig Tauben.

    Andererseits, das Glas ist eben nur halb leer, und man kann es auch so sehen, dass es noch halb voll ist, und man kann sich umstellen. Man kann die Leute, mit denen man öfter zusammen ist, auf das Problem hinweisen. Man kann sie bitten, sich mal ab und zu in kleinerem Rahmen zu treffen statt immer nur mit der gesamten Mannschaft in der Kantine. Und wer nicht dazu bereit ist, auf den kann man auch verzichten. Und das Leben und die Umwelt besteht auch noch aus so vielem anderen als Treffen in lauten Umgebungen. Es gibt so viele andere Aktivitäten, auch zusammen mit anderen Menschen, die man auch mit einem Ohr noch gut machen kann.

    Auf die Frage: "Bin isoliert. Kann sich das mit CI ändern?" würde ich antworten: Versuch erst mal dein Leben so umzustellen, dass du auch ohne CI nicht mehr isoliert bist. Akzeptiere den Zustand als "Mono" als deine neue Identität und suche dir die richtigen Freunde und Aktivitäten, mit denen du dich nicht mehr isoliert fühlst. Mit dem CI kann das Hören dramatisch besser werden als mit nur einem Ohr. Seitdem ich es habe, vermeide ich die lauten Umgebungen nicht mehr. Es ist aber immer noch etwas problematisch. Und es ist auch nicht garantiert, wie gut es mit dem CI funktioniert, das ist bei jedem verschieden. Insofern: Nicht die ganze Hoffnung auf das CI setzen, sondern eher am Selbstbewusstsein und Lebensstil arbeiten.

  • Cito Das hast du gut beschrieben, wie das Hören mit nur mit einem Ohr ist. Sehr informativ.

    Andererseits wenn ich mir akustisch "isoliert" vorstelle, dann habe ich oft noch das Bild bei meinem früheren Akustiker vor Augen, das einen Menschen unter einer Glasglocke zeigt, der völlig isoliert von der Umgebung ist. Insofern ist es auch nicht ganz richtig, das andere gute Ohr quasi auszublenden in der Betrachtung.

  • Andererseits wenn ich mir akustisch "isoliert" vorstelle, dann habe ich oft noch das Bild bei meinem früheren Akustiker vor Augen, das einen Menschen unter einer Glasglocke zeigt, der völlig isoliert von der Umgebung ist. Insofern ist es auch nicht ganz richtig, das andere gute Ohr quasi auszublenden in der Betrachtung.

    Es kommt eben immer darauf an wie man es sieht. Selbst in der Glasglocke ist man ja nicht völlig isoliert, weil man noch durch sehen kann. Als einseitig Tauber fühlt man sich eher wie in einer Glasglocke, wo unten nur ein Spalt ist, durch den man was hören kann.

    Hier sind noch zwei Blogs, in denen die Probleme für einseitig Ertaubte ganz gut beschrieben sind:


    Clara - die Berichte von anderen Betroffenen zu lesen hilft dir vielleicht besser, mit der Situation umzugehen und sie zu verarbeiten. Das braucht etwas Zeit. Aber es wird besser, je mehr man das schafft, egal ob mit oder ohne CI.

    Und Audi du hast natürlich Recht, es hilft auch sich klar zu machen, was für ein Glück es ist, dass man das andere Ohr noch hat. Ich habe Leute getroffen (hier im Forum und im Real Life), die sind von einem auf der andren Tag komplett ertaubt. Einer davon war auch noch Tontechniker und Musiker. Das ist noch mal eine ganz andere Hausnummer. Das gilt aber generell im Leben. Es könnte immer noch schlimmer sein. Man sollte sich an dem freuen, was man noch hat, und nicht über das traurig sein, was man nicht mehr hat.

  • Es könnte immer noch schlimmer sein. Man sollte sich an dem freuen, was man noch hat, und nicht über das traurig sein, was man nicht mehr hat.

    Ich mache das so, weiß aber aus den Anfangstagen wie schwierig das sein kann! Da helfen dann gute Worte oft wenig in der akuten Situation.

    Generell bin ich bei Dir und finde sogar dass diese Einstellung/Mindset die einzig mögliche Variante ist um erfolgreich eine so schwierige Lebenskrise zu meistern.