Tool zum akkustischen Abgleich des CI

  • Hier mal was für Nerds und experimentierfreudige CI-Benutzer: Binauraler CI-Abgleich ("bicial")

    Weil mich interessiert hat, wie gut die gehörten Frequenzen auf meinem CI-Ohr mit dem noch guten Ohr übereinstimmen, habe ich dafür in den letzten Tagen dieses kleine Tool entwickelt, und mich heute entschieden, es allgemein verfügbar zu machen.

    Bin an eurem Feedback interessiert. Ist das Nerd-Quatsch? Könnte es nützlich sein? Wie gut und zuverlässig könnt ihr damit die Frequenzen abgleichen, wie reproduzierbar sind die Ergebnisse? Wäre es sinnvoll, seine CI-Map anhand dieses Abgleichs zu korrigieren? Ist es für die Audiologen überhaupt so einfach möglich, die Zentralfrequenzen individuell auf Basis so eines Abgleichs zu konfigurieren?

    Update: zu der letzten Frage siehe Kommentar #37 .

    Edited once, last by Cito (January 18, 2026 at 4:44 PM).

  • ich mag sowas! schade das ich kein gutes ohr mehr habe. würde es glatt testen... :)

    Vielleicht ist es auch für biliterale CI-Benutzer interessant. Immerhin kann man damit prüfen, wie "gleich" sich die CIs in den verschiedenen Frequenzen anhören, auch wenn keine akustische Referenz mehr hat.

  • ich mag sowas! schade das ich kein gutes ohr mehr habe

    Wie cito schon schrieb ist so ein Abgleich auch bei bilaterl Versorgten sinnvoll. Ich habe ein eigenes (nicht benutzerfreundliches) Tool bemutzt und das Ergebnis mit meinem Audiologen besprochen. Seit ich ihm auch für die zweite Seite die genauen Mittenfrequenzen mitgeteilt und er diese eingestellt hat, habe ich von jetzt auf gleich ein tolles Richtungshören wiedererhalten. Man sollte sich aber nicht zuviel Zeit lassen, denn das Gehirn gewöhnt sich an die bereits eingestellten Frequenzen - mit anderen Worten: unbedingt notwendig ist so ein Abgleich nicht.

    Denken muss man sowieso. Warum dann nicht gleich positiv?

  • Wäre es sinnvoll, seine CI-Map anhand dieses Abgleichs zu korrigieren? Ist es für die Audiologen überhaupt so einfach möglich, die Zentralfrequenzen individuell auf Basis so eines Abgleichs zu konfigurieren?

    Die Beschreibung deines Ansatzs klingt vielversprechend, ausprobiert habe ich es noch nicht.

    Prinzipiell ist es möglich. Aber beliebig können es Audiologen nicht setzen. Denn es gibt außer der Mitten-Frequenz auch die beiden Ränder, die von einer Elektrode versorgt werden. Diese dürfen zwischen den Elektroden keine Lücken lassen.

    Bei der Veränderung der Frequenzen sollten zwischen 3 aufeinanderfolgende Elektroden nicht zu große Sprünge entstehen, sondern über alle Elektroden sollte eine gleichbleibende Kurve oder (wie bei mir) S-Form entstehen. S-Form deshalb, weil die mittleren näher beienander liegen als die hohen und tiefen Bereiche.

    Denken muss man sowieso. Warum dann nicht gleich positiv?

  • Hallo Cito,

    sehr spannend und interessant finde ich Dein Tool! :)

    Jetzt verstehe ich auch die Bildung von "Mittelfrequenzen". Den letzten hohen Ton nehme ich "sehr leise bis sehr weit weg" wahr. Schalte ich den vorletzten hohen Ton dazu, so höre die "Mischung" deutlich wahrnehmbarer als die beide Töne für sich alleine ...

  • Ich habe dein Tool mit meinem CI "ausprobiert" und konnte, bis auf die erste Frequenz, alles in der voreingestellten Variante hören. Was sagt mir das nun? Da bin ich doch etwas überfragt.

    Vielleicht ist die erste Elektrode deaktiviert? Oder hat eine Frequenz, die zu weit von der voreingestellten weg liegt? Die Mittenfrequenzen müssen zuerst auf die tatsächlich in der Map eingestellten Werte angepasst werden (kann man von AudiologIn bekommen).

  • Immer her mit dem nerdigen Kram! :) Schöne Idee. Ich werf da mal einen Blick drauf, wenn ich mein CI bekomme und die ersten Anpassungsrunden durch bin. Dauert also noch. :)

    Danke für die Veröffentlichung deiner Idee!


    links: Cochlear CI1022 01.10.2025, N8; EA: 04.11.2025
    rechts: HG ReSound EQ998 DWT

  • Hi Cito,

    ich mag Nerds, insbesondere "einohrige"-Technik-Nerds ;) Die können nicht alles, aber was sie machen, machen sie akribisch mit Hang zum Perfektionismus. Das trifft nach meinern Meinung auf deine Lösung mit "bicial - Binaural CI Alignment" zu.

    Ich habe ein ähnliches Umfeld mit Bordmittel aufgebaut: Freuqenzgenerator-App, Standard Balance Einstellungen und Overear ANC Kopfhörer. Mein Med-El Sonnet3 wird dabei auf dem Kopf in die KH-Schale reingelegt, damit das Mikro direkt am Lautsprecher ist, wie beim echten Ohr.

    Aber, dein Programm ist nahezu perfekt: Eingabe Anzahl Elektroden, schnelles L/R Umschalten zum direkten Vergleich und natürlich alles Speichern zu können.

    Deine Funktion wünsche ich mir noch als Android Offline-App.

    JA, man kann anhand des Ergebnis CI Einstellungen (Frequenzbereiche pro Elektrode) vornehmen. Man muss es halt seinem Audiologen/In verklickern können. Mit meiner Audiologin klappt das. Das kann nicht jeder Un-Nerd, aber das kann man lernen oder sich von einem Nerd helfen lassen.

    Eine Fortsetzung des Gesprächs gerne in der Gruppe oder im Privat-Chat, wie du magst.

    LG Heinrich

    .....................

    SSD`ler | Adhoc 100% Taubheit rechts seit Nov. 2024 durch Barotrauma bei 3,8m | CI seit Jan. 2025, Heliosklinik Wiesbaden Dr. Mewes | Med-El HdO-Prozessor SONNET 3 und SYNCHRONY 2 mit FLEX28 | Mitte Feb. - Mitte März 2025 AHB Bad Nauheim => eine Erfolgsgeschichte!?!

  • Danke für das nette Feedback, Heinrich-VIII.

    können nicht alles, aber was sie machen, machen sie akribisch mit Hang zum Perfektionismus.

    Ja, das trifft mich ziemlich gut... 🤓

    Deine Funktion wünsche ich mir noch als Android Offline-App.

    Ok, das steht jetzt auf meiner Bastel-Liste...

    Eine Fortsetzung des Gesprächs gerne in der Gruppe oder im Privat-Chat, wie du magst.

    Wenn's zu nerdig wird dann wohl besser PM...

    Aber ich habe noch eine Frage, die ich der Allgemeinheit stellen möchte: Mir ist aufgefallen, dass für mich die Elektroden 1-8 (tiefe Frequenzen) viel sauberer klingen als die Elektroden 9-12 (hohe Frequenzen). Bei 1-8 höre ich einen sauberen, klaren Sinuston mit dem CI, bei 9-12 ist es deutlich breitbandiger, zischend, so wie "ksss" statt "iii". macht den Abgleich der hohen Frequenzen für mich sehr schwierig.

    Ist etwas derartiges noch jemandem aufgefallen? Oder klingen für euch alle Frequenzen gleich sauber?

  • Ja, bitte unbedingt hier weiter schreiben! Danke!

    SSD |CI seit August 2024 | Med-El, HdO-Prozessor SONNET 3 | Elektrode SYNCHRONY 2 FLEX soft

    Im Juni 2023 links von einem Tag auf den anderen (ohne Erkrankung) ertaubt. Vorher normalhörend.

    Rechts normalhörend.

  • Hi Cito,

    ich bin leider noch nicht zum detaillierten Test deines Tools gekommen. Anhand der Defaultwerte (12 Elektroden) gehe ich bei dir von Mel-El aus. Die Default-Frequenzen sind wohl deine persönlichen Mittel-Frequenzen je Elektrode? Meine schauen ganz anders (E1=tiefste Fequ./... / E12=höchste Frequ., wie auf dem Maestro Screen, es ist immer die Frage welche ist die erste und welche ist die letzte Elektrode;-):

    E1 = 147Hz / E2 = 348 / E3 = 628 / E4 = 936 / E5 = 1266 / E6 = 1682 / E7 = 2246 / E8 = 2972 / E9 = 3840 / E10 = 4858 / E11 = 5782 / E12 = 6457

    Ich hatte eine anatomiebasierte Anpassung vor einiger Zeit, danach war weniger Micky Maus ;)
    Kann man machen, muss man aber nicht. Das ist sehr individuell und Med-El spezifisch.
    Meine E1 liegt ist bei nur 545 Grad mit einer Flex28, da hatte ich mir mehr versprochen (sprich mehr Bass). Med-El wirbt mit langen Elektrodenträger, es kann im Optimum bis 630-650 Grad gehen. Meine Operateur meinte, "zu tief kann auch gerne schiefgehen und das Gegenteil bewirken".

    Ich melde mich mal nach meinem detailierten Test.

    VG Heinrich

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    SSD`ler | Adhoc 100% Taubheit rechts seit Nov. 2024 durch Barotrauma bei 3,8m | links noch normal hörend | CI seit Jan. 2025, Heliosklinik Wiesbaden Dr. Mewes | Med-El HdO-Prozessor SONNET 3 und SYNCHRONY 2 mit FLEX28 | Mitte Feb. - Mitte März 2025 AHB Bad Nauheim => eine Erfolgsgeschichte !?!

  • ich bin leider noch nicht zum detaillierten Test deines Tools gekommen. Anhand der Defaultwerte (12 Elektroden) gehe ich bei dir von Mel-El aus. Die Default-Frequenzen sind wohl deine persönlichen Mittel-Frequenzen je Elektrode? Meine schauen ganz anders.


    Ja, ich habe MED-EL, ohne ABF, das wird bei meiner Klinik anscheinend gar nicht oder selten gemacht. Wenn du ABF verwendest, dann sind deine Frequenzen natürlich sehr speziell. Voreingestellt hatte ich nicht meine Werte, sondern einfach eine logarithmische Verteilung von 200..7500 Hz. Aber ich habe jetzt herausgefunden, dass bei MED-EL (ohne ABF) fast immer die gleiche Zuordnung gilt (die ich auch verwende). Ich habe das Tool deswegen jetzt angepasst, so dass es mit den Mittenfrequenzen startet, die ich für die verschiedenen Hersteller in der Literatur gefunden habe. Bei MED-EL gehen die von 120 bis 7410 Hz. Wenn man die Seite neu lädt und dann "Reset all", dann werden diese Frequenzen neu eingestellt.

    Deine ABF ist also gegenüber der Standardtabelle "komprimiert". Wenn ich das alles richtig verstehe, deutet es darauf hin, dass deine Cochlea länger ist als die verwendete Elektrode? Wenn der Operateur sie tiefer eingeführt hätte, würden dir dann dafür die hohen Frequenzen fehlen, die für Sprache auch sehr wichtig sind. Besser hätte er in dem Fall eine längere Elektrode als Flex28 verwendet, die gibt es von MED-EL auch. Aber ich denke so ist es ein guter Kompromiss für dich, und vielleicht sind die längeren Elektroden auch tatsächlich risikoreicher zu implantieren.

  • Hi, Cito,

    hab ganz herzlichen Dank für das hilfreiche Tool, das ich jetzt endlich ausprobiert habe. Nach zwei Jahren CI sind die Frequenzen relativ nah beieinander, aber eben nicht deckungsgleich. Seltsamerweise höre ich im mittleren Bereich zwischen Elektrode 3 und 7 Doppeltöne. Eine andere Frage, die sich mir stellt, ist, ob man dein Tool auch zum Lautstärkeabgleich zwischen li und re verwenden könnte. Mir fiel auf, dass hier doch teils große Unterschiede zu hören sind. Bei der nächsten Anpassung werde ich das ansprechen.

    Zu meine Ausgangslage: Ich habe eine anatomiebasierte Anpassung, die aber in der Reha etwas modifiziert wurde. Die tiefste Elektrode wurde etwas höher eingestellt (damit im Bereich der unteren Töne klarer nach Tonhöhen differenziert werden kann), die letzte, die außerhalb des hörbaren Bereichs lag, abgeschaltet. Im Anhang mein Testergebnis.

    (Noch ein Tipp für Singleunit-Träger: Den Test habe ich mit einem Overearkopfhörer gemacht und unter dem Bügel über dem Kopf noch ein Sockenpaar eingeklemmt. So konnte ich den Test auch mit meinem Rondo hervorragend durchführen.)

    Viele Grüße,

    Soelba

  • Seltsamerweise höre ich im mittleren Bereich zwischen Elektrode 3 und 7 Doppeltöne.

    Interessant, d.h. nur mit dem CI hörst du zwei Töne? Vielleicht sind andere Mittenfrequenzen eingestellt, so dass zwei Elektroden ansprechen. Aber auch dann sollte man eigentlich nur einen Ton hören, der in der Höhe dazwischen liegt.

    Eine andere Frage, die sich mir stellt, ist, ob man dein Tool auch zum Lautstärkeabgleich zwischen li und re verwenden könnte. Mir fiel auf, dass hier doch teils große Unterschiede zu hören sind. Bei der nächsten Anpassung werde ich das ansprechen.

    Ist mir auch aufgefallen, aber ich denke da spielen auch andere Effekte mit. Frequenzabhängige Filter im SP, aber auch unterschiedliche Akkustik für verschiedene Frequenzen, weil man ja den Ohrhörer anderes aufsetzt als es eigentlich gedacht ist. Bei mir lassen im "guten" Ohr altersbedingt auch die hohen Töne nach, so dass hier das CI natürlich lauter ist.

    Zu meine Ausgangslage: Ich habe eine anatomiebasierte Anpassung, die aber in der Reha etwas modifiziert wurde. Die tiefste Elektrode wurde etwas höher eingestellt (damit im Bereich der unteren Töne klarer nach Tonhöhen differenziert werden kann), die letzte, die außerhalb des hörbaren Bereichs lag, abgeschaltet. Im Anhang mein Testergebnis.

    Das ABF scheint dann ja ziemlich passend zu sein. Der Wert bei Elektrode 9 ist etwas merkwürdig, da würde ich noch mal testen. Gerade bei den hohen Tönen fällt mir der Abgleich auch schwer, und es kann sein, dass es an einem Tag zu hoch klingt am anderen Tag zu tief. Ich habe inzwischen eine ganze Messreihe gemacht, um zu sehen wie groß die Streuung ist und wie zuverlässig die Werte sind.

    (Noch ein Tipp für Singleunit-Träger: Den Test habe ich mit einem Overearkopfhörer gemacht und unter dem Bügel über dem Kopf noch ein Sockenpaar eingeklemmt. So konnte ich den Test auch mit meinem Rondo hervorragend durchführen.)

    Man muss sich nur zu helfen wissen...

  • Hi Cito,

    zu "...aber auch unterschiedliche Akkustik für verschiedene Frequenzen, weil man ja den Ohrhörer anderes aufsetzt als es eigentlich gedacht ist."

    Ich tage mein Overear KH auf der CI Seite wie folgt; den HdO-SB umgekehrt in die Hörmuschel klemmen, damit das Mikro so liegt wie der normale Ohreingang, also direkt vor dem KH Lautsprecher. Damit es nicht auf das Ohr drückt, habe ich das Polster noch unterfüttert. Das klappt ganz gut. Siehe Foto:

    VG Heinrich

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    SSD`ler | Adhoc 100% Taubheit rechts seit Nov. 2024 durch Barotrauma bei 3,8m | links noch normal hörend | CI seit Jan. 2025, Heliosklinik Wiesbaden Dr. Mewes | Med-El HdO-Prozessor SONNET 3 und SYNCHRONY 2 mit FLEX28 | Mitte Feb. - Mitte März 2025 AHB Bad Nauheim => eine Erfolgsgeschichte !?!

  • Heinrich-VIII. Cleverer Trick und toller Tipp, habe ich gleich mal ausprobiert. So funktioniert es tatsächlich viel besser. Ist etwas umständlicher, das CI immer so einzusetzen, aber durchaus machbar. Und dann auch bequemer.

    Kleine Unterschiede gibt es aber immer noch. Der Schall geht nicht direkt auf das Mikro, sondern kommt von der Seite, durch das lange Batterieteil sitzt es nicht ganz genau in der Mitte, und der Prozessor verdeckt den Lautsprecher teilweise. Deswegen sind die akustischen Eigenschaften vermutlich immer noch leicht anders als im normalen Gebrauch, mit evtl. frequenzabhängigen Dämpfungen.

    Man kann den Kopfhörer auch etwas schief aufsetzen, so dass er mehr der Spule und weniger auf dem Ohr aufsitzt, dann drückt es noch weniger, besonders als Brillenträger. Allerdings sollte man aufpassen, das Spulenkabel nicht zu knicken, denn das ist nicht ganz billig.