Gebärdensprachlerin on Board

  • Ab September lerne ich Gebärdensprache :)

    Eigentlich wollte ich es schon im Mai 2020 beginnen. Der Kurs wurde wegen Corona abgesagt :(

    Zwei weitere Versuche scheiterten ebenfalls...

    Es gibt zwei Gründe, warum ich es lernen möchte:

    1. Sollte ich auf dem zweiten Ohr das Hören ganz verlieren, möchte ich irgendwie noch eine andere Möglichkeit der Kommunikation außer dem CI haben.

    2. In der Arbei mit den schwer beeinträchtigten Kindern wäre sie mir oft als Unterstützung hilfreich.

    Nun haben wir uns als Team entschieden Gebärdensprache zu lernen und machen den Kurs bei uns in der Schule. Das finde ich sooo toll, dass die anderen mitmachen möchten. ^^

  • @ Jasmin, die Nichtanwendung der Gebärdensprache sollte nicht mit Verweigerung gleichgesetzt werden. Es kommt darauf an, ob man ein Typ dafür ist oder nicht. Wenn keine Begabung dafür vorliegt, wird eine weitere Beschäftigung damit bestimmt nichts bringen. Nicht jeder ist dafür geeignet, vor allem dann, wenn eine Ertaubung erst zu einem späteren Zeitpunkt eingetreten ist.

    Und viele fragen sich zurecht, mit wem sie denn in einem durchweg hörenden Umfeld gebärden sollten.

    Da ist das Erlernen des Lippenlesens eine wesentlich größere Notwendigkeit, auch wenn das immer situationsabhängig bleibt.

    LG - Pollux

  • Es ist so leer hier. Wollte hier einfach mal "Hallo" sagen, weil ich auch Gebärdensprachlerin bin. :)

    Neid. Ich wollte Gebärdensprache lernen, brauche sie aber (noch?) nicht, und hatte nicht die Zeit. Ich finde es fazinierend, Menschen zu sehen, wenn sie so reden. Gebärdensprache kann so schön sein, sichtbare Poesie.

  • Als spätertaubter beherrsche ich die Gebärdensprache nicht.
    Wäre aber einmal in meinem Leben von großem Vorteil gewesen, wenn ich sie gekonnt hätte, das war bezüglich der Berentung gewesen.
    Ich wurde im zuge das Rentenverfahrens für ca. 3 Monate nach Lengerich in die Psychiatrie für Hörgeschädigte geschickt.
    Da kam ich mir dann ziemlich fremd vor, weil dort ca. 95% gebärdende Gehörlose waren und die restlichen CI-Träger hörten mit ihren Geräten derart schlecht, dass ich mich mit ihnen gar nicht unterhalten konnte.
    Insbesondere kam es wegen dem Küchendienst oft zu Streitereien, da war auch mit ein Grund, weil die Kommunikation einfach nicht klappte.

  • Ja, ich nenne sie gehörlose.
    Gibt Leute die CI grundsätzlich ablehnen oder bei denen CI nichts bringt oder nichts gebracht hat.
    Der Küchendienst war halt deshalb heikel, weil die beiden verschiedenen Gruppen da mit einander arbeiten mussten.
    Es gab in jeder Gruppe Leute, die alles taten um sich vor der Gemeinschaftsarbeit zu drücken und dann gab es meistens krach und so was dann bei Kommunikationsproblemen zu kitten ist schwierig.
    Auch sonst war es immer so, dass die beiden Gruppen getrennt waren, also nicht weil es die Leitung wollte, sondern weil halt Gebärdende immer an einem Tisch beim Essen zusammen saßen und die, die das nicht konnten eine eigene Gruppe bildeten.
    Als ich dort war, gab es niemand der hörbehindert war und auch gebärden konnte.

  • Der Aufenthalt in der Psychiatrie zeigt einmal mehr, dass es keine homogene Gruppe der Hörgeschädigten gibt. Die gemeinsame Linie betrifft grob gesagt die Kommunikationshürden. Schon bald aber können sich die Geister scheiden. Jeder landet dort wo ihn das Schicksal hinwirft und versucht, so gut wie möglich damit klar zu kommen.

    Die Schwierigkeit beim gemeinsam durchgeführten Küchendienst zwischen Gebärdensprachlern und Lautsprachlern überrascht mich keineswegs, weil solche Schwierigkeiten auch auf anderen Gebieten immer wieder auftreten und die eine Welt die andere nicht repräsentieren kann. So ist das Lagerdenken vorprogrammiert und beeinflusst das Zusammensein auf allen Ebenen.

    Beim Küchendienst wären die Gebärdensprachler vielleicht im Ansatz bereit gewesen, sich lautsprachlich zu verständigen, würden aber bald die Lust daran verlieren. Und auch für Dich, Stuttgarter, wäre es nicht so einfach gewesen, denn als Spätertaubter würdest Du die Gebärdensprache nicht im großen Stil beherrschen und möglicherweise bald die Ausdauer verlieren.

    Der Sachverhalt mit den 5 % der CI-Träger stellt sich schon etwas anders da. Du musst bedenken, dass Ihr vor dem CI als Spätertaubte einen gemeinsamen Ursprung hattet. Durch glückliche Umstände konntest Du auf der Sonnenseite stehen und in die nächst höhere Riege der Schwerhörigen aufsteigen. Den anderen war es durch Hindernisse gleich welcher Art nicht vergönnt, die sich das aber ebenfalls so sehr gewünscht hatten. Dann überrascht mich, ehrlich gesagt die Aussage, dass es auch mit den CIlern schlecht gelaufen sein soll.

    Das Wort gehörlos kann missverständlich sein. Bevor das CI aufkam, machten Kontaktanzeigen die Runde.

    Da konnte es unter Hörgeschädigten oft heißen:

    Bin auf der Suche nach...

    Und am Ende kam dann der Zusatz:

    KEINEN GEHÖRLOSEN

    Damit stießen Ertaubte und Gebärdensprachler gleichsam auf Ablehnung, denn gehörlos waren schließlich beide Gruppen.