Gebärdensprachlerin on Board

  • // Jasmin July 1, 2025 at 10:26 PM

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  • Hallo :saint:

    ich bin auch Gebärdensprachlerin. Nutze beides - Lautsprache und Gebärden und fühle mich sehr wohl damit.

    Ab 01/2025 Cochlear N8 beidseitig / 2017-2024: N6 / 2011-2017: N5
    --
    OP li: 05.2011 | EA: 06.2011
    OP re: 08.2011 | EA: 09.2011

    DGS und Ci :thumbup:

  • Ja Hallo! :)

    Freut mich das nun noch jemand on Board ist!
    Ich nutze auch sehr gerne beides.... ist schon praktisch beides zu können.

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  • Ich kann leider kein Gebärden, dazu bin ich zu langsam und spät taub geworden. Mein Umfeld hat diesbezüglich auch keinerlei Berührungspunkte.

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  • und mein Umfeld verweigert sich diese zu lernen…

    Wer ist "Umfeld"?

    Wenn das der eigene Ehemann ist, dann ist das schade. Aber ab einem gewissen Alter tut man sich sowas halt auch nicht mehr an.

    Wenn es deine bisherigen Freunde sind, die sich dem Lernen der Gebärdensprache "verweigern", dann kann ich dir sagen, dass du von ihnen hoffnungslos zuviel erwartest, wenn sie eine komplett neue Sprache nur für dich lernen sollen. Wenn sie das freiwillig tun - okay, dann möchten sie wohl noch gerne mit dir kommunizieren.

    Denken muss man sowieso. Warum dann nicht gleich positiv?

  • Ich musste mit 10 Jahren auf eine Schule für Hörgerschädigte welchseln, da ich im normalen Unterricht nicht mehr mitgekommen bin.
    Dort lernt man dann die Sprache im Pausenhof. :)
    Ich habe somit ein gemischtes Umfeld, hörgeschädigte und normal hörende Freunde.
    In meinem "hörenden" Umfeld kann auch keiner Gebärden.

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  • @ Heavey Medel: Mit Umfeld meinte ich Eltern, Ehemann, Verwandtschaft…

    Mehr oder minder heißt es da, dass sie mir dann lieber kurz aufschreiben wollen/können, wenn ich was nicht verstünde…

    Ich würde mir von ihnen das Fingeralphabet zu lernen primär wünschen, das wäre für Namen von Menschen, Orten, Shops u.a. ja schon oft hilfreich, weil sich Namen (vor allem unbekannte!) nicht aus dem Kontext erschließen lassen.

    Drei Fragen, die man sich stellen sollte:

    "WILL ich das?"

    "Will ICH das?"

    "Will ich DAS?"

    Edited once, last by Kolja (July 14, 2025 at 10:27 AM).

  • @ Jasmin_76: Ich habe die letzten beiden Schulklassen an einer solchen Schule besucht. Ich habe es da nur so dürftig gelernt, dass ich mich knapp den anderen mitteilen kann, aber wenn sie mir (i. d. R. zu schnell gebärdend) antworten, verstehe ich kaum was.
    Zumal ich nur die LBG kenne, aber nicht die DGS.

    Drei Fragen, die man sich stellen sollte:

    "WILL ich das?"

    "Will ICH das?"

    "Will ich DAS?"

  • @ Jasmin_76: Ich habe die letzten beiden Schulklassen an einer solchen Schule besucht. Ich habe es da nur so dürftig gelernt, dass ich mich knapp den anderen mitteilen kann, aber wenn sie mir (i. d. R. zu schnell gebärdend) antworten, verstehe ich kaum was.
    Zumal ich nur die LBG kenne, aber nicht die DGS.

    Ja, die Muttersprachler sind leider auch nicht all zu Rücksichtsvoll... das ärgert mich auch oft.

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  • Ich ging in Hörgeschädigte Schule als auch Berufsschule.
    Bis Realschulabschlusszeit konnte bzw. wollten kein Lehrer in Gebärden unterichten. Es ging für viele auch so nur je nach Hörstatus klappte es unter grossen aufwand mehr oder wenig noch dafür wurde leider mit Fremdwörter gespart soweit es möglich war. In Pausen und Freizeit mit Gleichbetroffene verlief die Kommunikation mit Gestik, Mimik und sogenannte „Schulhofgebäden“. Erst als ich in Berufsschule ging nahm ich die Gebäden meist in Pausen und im Internat als Erleichterung in der Kommunikation an. Da wir in der Klasse 2 Klassenkameraden hatten die überwiegend nur über Gebärdensprache den Unterricht „entspannter“ verfolgen konnten - halfen eine SH und meine wenigkeit mit Gebärden für die GL damit diese auch was mitbekamen. Ich lies die GL wissen, dass ich nicht so gut könnte und man forderte mich auf dennoch weiter zu tun. Klar bekamen wir 4 hin und wieder von Lehrern was ab da man Sie fragen könnte. Nachdem wir zu verstehen gaben hatten vereinzelte Lehrern die angewohnheit, dass ihre Hände immer wieder zum Mund wanderte dass man nicht mehr „absehen“ konnte.

    Im Internat fand ich Freunde, Bekannten die geduldig waren damit ich was mitbekam und gleichzeitig die Gebärden lernte. In Reha Rendsburg war dann das Ahaeffekt dass ich manche Fremdwörter erst durch Gebärden verstand was gemeint war. Von da an habe ich beide Komminikationsformen je nach Gesprächspartner und für mich persönlich als wichtig angenommen da beide Kommunikationsformen sich nicht gegenseitg ausschliessen um mit Sprachwortschatz etc. weiter zu kommen. Mein Vorteil war ich habe in Kindheit und später auch Bücher gelesen und viel TV als dann UT gab die Fremdwörter immer mehr angenommen um mit anderen mithalten zu können.

    Und ja innerhalb der Familie/Verwandte und Kollegen habe ich nie erwartet, dass die können müssen und können es bis heute nicht. Habe auch nicht danach gefordert - wichtig war nur dass man nicht vom zb. Treppenhaus ins Keller rufen sollte was ich aus dem Keller noch holen sollte oder die sagen halt 3 mal und gut ist es.

    Im Beruf wird antlizgerichtet kommuniziert. Bei Betriebsversammlung nutze ich GS ansonsten nutze ich bei kleine Teambesprechung das Mikrofon. Per Videomeeting kann ich UT einblenden.

    Als ich 2000 Hörsturz bekam, war das Sprachverstehen trotz HG gegen Null gesunken. Nach überlegungszeit entschied ich mich für CI aber warnte mein Hörende umfeld insbesondere die Eltern dass man nicht erwarten sollte „CI rein und schon läuft es“ ……..lies auch meine Eltern wissen, dass es nicht von heute auf morgen dann funktioniert was die zuvor erst dachten dass man wieder „alles“ hören würde. Lies auch wissen, dass man dennoch hinter mir stehen sollte, falls mit CI keine grosse Verbesserung geben sollte. Ich verstehe zwar nicht alles auf anhieb aber mit entsprechende Kommunikationsdiziplin und Geduld klappt es im Alltag gut. Beruflich, bei Behörden, Ärzte gibt dennoch barrieren aber kann ich damit leben und nutze dann das Mikrofon. Und die Schnellredner mahne ich bitte etwas langsamer zu reden.


    Den Satz „umfeld würden Gebärden verweigern“ würde ich per se nicht so stehen lassen. Die meisten können es nicht nach empfinden wie das ist wenn man nichts oder sehr wenig hört. Das merkt man oftmals erst dann wenn man selbstbetroffen wird. Oder bei Altersschwerhörigkeit sieht man auch, dass bei grössere Feier nicht mehr alles versteht wie gewohnt war und dennoch wollen diese „Personengruppe“ keine HG tragen und meinen ich versteh doch noch was aber für Mitmenschen anstrengend sein kann und man belässt es so bei den sturen ältere Familienangehörigen o.ä. :(;)8|

  • Ich finde ja Lippenlesen zu lernen für Spätertaubte sehr sinnvoll.

    Das habe ich notgedrungen und unfreiwillig gelernt. Beherrsche es ziemlich gut, wenn der sprechende ein deutliches Mundbild hat.
    Ich habe zur Maskenzeit gemerkt, wie Abhängig mein „Hören“ von Lippenlesen war. Quasi zu 90%.

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  • Beherrsche es ziemlich gut, wenn der sprechende ein deutliches Mundbild hat.

    Ich auch. Anders geht es auch noch nicht. Zudem bin ich es so gewöhnt immer auf den Mund zu schauen das ich das wohl beibehalten werde.
    Und mit dem jetzigen "Gehörzugeinn" und dem Mundbild ist das Kommunizieren schon um einiges leichter...

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  • Mein normalhörender Ehepartner und ich gebärden sehr viel. Daheim habe ich oft keine Lust (oder keine Energie mehr) nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zu hören. Ich finde es für mich persönlich total entspannend eine Sprache zu haben, die ganz ohne Technik auch funktioniert. Ich fühle mich so wesentlich enspannter und vollständiger irgendwie. Das Wissen, dass ich eine vollständige Sprache zur Verfügung habe, auch wenn diese nicht von vielen Menschen gesprochen wird, hilft mir persönlich. Das kann aber natürlich von jemand anderem anders gesehen werden. Weil ich aber so fühle, habe ich mich mit den Gehörlosen vor Ort in Verbindung gesetzt als ich ertaubte und die Gebärdensprache gelernt - und dabei naturgemäß auch Kontakt (und Freundschaften) geschlossen.

    Mein privates Umfeld (hörende Familie und Freunde) können einzelne kleine Gebärden. So wie man es vielleicht vergleichen kann, wenn man in ein fremdes Land in den Urlaub fährt und so Sätze wie "Was kostet das?" oder "Wo geht es nach ..." auf der anderen Sprache vorher lernt. So können sie dann eben so was wie "Möchtest du ..." oder "Guten Morgen" oder so was. Das hilft. Für mehr habe ich mein MiniMik und mein Tablet mit der Sprachapp für Gehörlose, die Sprache in Text umwandelt für total laute Umgebungen (habe ich aber nicht mehr wirklich gebraucht seit ein/zwei Jahren - nur für eine andere, gerade Ertaubte, um ihr zu helfen).

    Mein Arbeitsumfeld kann keine Gebärden, aber stellen sich auf mich gern ein. Wichtig ist dabei, dass ich diejenige bin, die sagt, was sie braucht. Das können die sich nicht vorstellen - verstehe ich auch total. Ich sage, was ich brauche und was gerade wichtig ist und bitte höflich und dann geht das auch so weit möglich. Klar, in sehr lauter Umgebung kann auch der verständlichsvollste Mensch nicht dafür sorgen, dass es still wird, aber man kann dann mit wichtigen Infos warten, bis man in anderer Umgebung ist (z. B.).

    Ich habe für mich persönlich gelernt, dass MIR die Gebärdensprache total wichtig ist, weil ich auf diese Weise viel entspannter mit meiner Ertaubung umgehe - eine vollständige Sprache ist mir etwas Elementares. Dabei ist es ok, wenn ich darüber "nur" mit meinen gehörlosen Bekannten und Freunden, meinem Ehepartner und über Dolmetscher kommunizieren kann. Diese Sprache fühlt sich für mich persönlich richtig an sie zusätzlich zur Lautsprache zu können und zu nutzen (das ist aber, wie gesagt, vielleicht bei jemand anderem anders). Auch hat sie mein Denken und meine Wahrnehmung von Sprache verändert und das gefällt mir. Ich spreche seit ich gebärden kann auch Lautsprache viel lebendiger und mehr mit den Händen als zuvor.

    Und ich habe gelernt das ich die Fachfrau sein sollte, was mein Gehör und mein Verstehen angeht. Klar, es gibt immer ein paar Menschen, die einen gar nicht verstehen wollen und alle außer sich selbst ausblenden. Bei mir war es aber so, dass die allermeisten auf mich eingehen, wenn ich erkläre, was ich warum brauche.

    So, das war viel Geschriebenes ^^.

    Ab 01/2025 Cochlear N8 beidseitig / 2017-2024: N6 / 2011-2017: N5
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    OP li: 05.2011 | EA: 06.2011
    OP re: 08.2011 | EA: 09.2011

    DGS und Ci :thumbup:

  • Bei mir war es aber so, dass die allermeisten auf mich eingehen, wenn ich erkläre, was ich warum brauche.

    Das ist auch meine Erfahrung. Wobei ich aber auch immer wieder feststellen muss, dass solche Erklärungen öfters zu schnell vergessen werden, was auch nervt. Meine Familie vergisst z.B. ständig,,dass ich am Esstisch bestimmte Sitzplätze brauchen, da ich rechts deutlich besser verstehe als links.

    Ich selbst kann im Übrigen nicht gebärden. Ich finde es schade, es nicht als Kind oder Jugendliche gelernt zu haben. Als Erwachsene habe ich nicht genug Gelegenheit, in DGS zu sprechen, um es nachhaltig zu lernen, selbst das Fingeralphabet habe ich inzwischen so ziemlich vergessen.

  • Das habe ich notgedrungen und unfreiwillig gelernt. Beherrsche es ziemlich gut, wenn der sprechende ein deutliches Mundbild hat.
    Ich habe zur Maskenzeit gemerkt, wie Abhängig mein „Hören“ von Lippenlesen war. Quasi zu 90%.

    Drei Fragen, die man sich stellen sollte:

    "WILL ich das?"

    "Will ICH das?"

    "Will ich DAS?"

  • Hey, leider kann ich nicht Gebärden. Ich würde es gerne können, hatte das fingerabc geübt, aber wenn man es nicht täglich übt ist es schnell wieder weg. Ich persönlich finde es sollte wie eine zweite Sprache schon am besten ab Kindi spielerisch gelernt werden..Kinder lernen soo schnell. Wenn es alle lernen würden, wäre die Welt vielleicht ein bisschen leiser. Man kann sich über Distanz verständigen ohne sich heiser schreien zu müssen. Ich habe schon versucht hier in der VHS was zu finden. Aber bei uns wird es nicht mehr Angeboten, schade.

    Was ich noch krasser finde und hoffe es nie nutzen zu müssen wäre die Sprache der Taub Blinden, das Lumen ( hoffe es ist richtig geschrieben). Es ist Wahnsinn wenn man das sieht wie schnell die sind. Es ist toll das es sowas gibt.

    Vielleicht ergibt sich ja doch irgendwie die Möglichkeit wenigstens ein wenig der Gebärden zu lernen, man sollte nie nie sagen...

    LG Marina