Blechernes Scheppern nach Aktivierung

  • Meine Lieben,

    ich bin so glücklich, dass ich es bis hierher geschafft habe: gestern ist nach einer komplikationslosen Operation mein Implantat (N8/links) aktiviert worden! *Konfetti werf*

    Jetzt brauche ich ganz kurz euren Rat. Ich habe mich ganz gut reingelesen in das Thema CI und weiß genau, was ich zu erwarten habe und dieses Posting soll sich nicht darum drehen, dass Stimmen "irgendwie seltsam klingen". Es ist quasi mein zweiter Tag mit CI. Trotzdem beunruhigt mich etwas. Ich beschreibe kurz den Klang, den ich gerade erlebe und erläutere dann, warum mich das etwas beunruhigt.

    Klang: Bei der Aktivierung werden ja die einzelnen Elektroden getestet, um eine Reaktion des Hörnervs zu provozieren. Das Klangergebnis dieses Tests war für mich fantastisch! Ich hatte jede Frequenz kristallklar gehört und auch deren Modulation. Was mich umgehauen hatte: der BASS! Ich habe so einen intensiven, sauberen Bass noch nie gehört!

    Dann das erste Mal Hörprozessor. Meine Audiologin geht sehr, sehr behutsam vor, was die Lautstärkeschritte betrifft, die jetzt auf mich zukommen. Sie hat bei der Feststellung der Start-Lautstärke auf den Moment gewartet, an dem ich IRGENDWAS gehört hatte, und das ist jetzt quasi meine Betriebslautstärke, die in den nächsten Tagen durch unterschiedliche Programme leicht angehoben wird.

    Was habe ich gehört: eine Kernfrequenz, eine fixe Tonhöhe, die quasi bei Geräuschen oder Stimmen im Raum "morst". Für mich ist diese Frquenz quasi die einzige Zutat aus den komplexen Geräuschen um mich herum. Eine einzige Frequenz, die mit mir morst. Es klingt ein bisschen so, als würde man mir ein rieeeeesiges, laaaaanges Plastikrohr ans Ohr halten und an der anderen Seite mit dieser Frequenz morsen. Die Frequenz klingt blechern und sehr verdröhnt.

    Im Laufe meines ersten Tages kann ich nun meine Stimme ganz langsam aus diesen Morsezeichen heraushören. Alles ist leise gestellt, also ist auch meine Stimmwahrnehmung leise. Der blecherne Morseton ist extrem dominant, die Stimme drumherum nur etwas mehr als eine Ahnung im Schatten dieser Dominanz, aber dennoch deutlich wahrnehmbar, keine Einbildung. Meine Stimme klingt durch das blecherne Morsedröhnen, als würde ich in einen großen Blecheimer sprechen. Auch nehme ich plötzlich ein zyklisches Zischen wahr. Ich brauchte eine Weile, um zu verstehen, dass das meine Atmung durch die Nase ist. Soweit ist erstmal alles in Ordnung und sogar ein bisschen besser als das, was ich erwartet hatte.

    Warum beunruhigt: Ich hatte zahlreiche Hörstürze auf meinem Weg in die Taubheit. Bei jedem Hörsturz gab es eine akute Phase, in der ich eine Kernfrequenz gehört hatte, die genauso verdröhnt klang wie die Kernfrequenz meiner CI-"Morsezeichen". Dieses Phänomen hatte mich bei Hörstürzen über Wochen begleitet und ein Verstehen in diesen Phasen selbst mit Hörgeräten fast unmöglich gemacht. Es ist nun mit CI die gleiche Frequenz wie bei meinen Hörstürzen. Es ist das gleiche Dröhnen wie bei meinen Hörstürzen. Die ersten Gehversuche mit dem CI fühlen sich an wie ein akuter Hörsturz und ich frage mich gerade, ob der Ursprung davon nicht in der Prozessor- oder Implantatstechnik, sondern in meiner Cochlea/Hörnerv-Struktur liegt. Laut meinen Voruntersuchungen bin ich der perfekte CI-Kandidat und es gab keine Anzeichen, dass strukturelle Schäden vorliegen. Ich habe Angst, dass diese blecherne, verdröhnte Morsefrequenz für immer ein Teil meiner Höreindrücke sein wird, weil ich sie aus Hörsturz-Zeiten sehr genau kenne. Ihr könnt euch sicher sein: Ich habe alle Geduld der Welt für den kommenden Lernprozess, aber dieses déjà vu aus Hörsturz-Zeiten beängstigt mich sehr.

    Könnt ihr mir da etwas zu sagen? Ging euch das genauso? Kann jemand mit meiner Beschreibung des verdröhnten "Morsens" etwas anfangen? Oder ist in euren Augen das Ganze einfach ein Teil der neuronalen Adaption?

    Ganz, ganz lieben Dank für Antworten,

    Euer Ben

    Edited once, last by Ben (March 12, 2025 at 10:59 PM).

  • Ich würde es mal mit Entspannung probieren. Die Ärztinnen wissen schon, was sie tun. Wenn die "perfekt" sagen, dann passt das schon. Ganz, ganz viel ist beim Hören Kopfsache und dein Gehirn muss sich nun neu sortieren.

    Meine Audiologin meinte zu mir, die Klinik würde bei der Aktivierung gern recht leise anfangen. Wir haben dann beim ersten Mapping ein paar Tage nach Aktivierung schon schön etwas hochgeregelt. (-;

    Wann ist denn dein nächster Termin beim Audiologen?

    Das sind alles Profis und ich glaube behaupten zu können, ein guter Audiologe ist immer auch ein Stück guter Psychologe. Sprich deine Empfindungen dort ruhig alle an, so komisch sie dir auch vorkommen.

    Das wird schon. Mit der Zeit... Viel Spaß, es ist spannend aber auch sehr lohnend. Geduld ist hilfreich. (-;

  • Wann ist denn dein nächster Termin beim Audiologen?

    Ich hab den nächsten Termin genau eine Woche nach Aktivierung.

    Meine Audiologin hat bei der Aktivierung mehrere Programme auf dem Prozessor gespeichert, die die Lautstärke jeweils schrittweise anheben. Heute ist Tag 3, mein erster Tag mit einer neuen Lautstärke. Ich bin ziemlich begeistert, dass ich meine eigene Stimme hören kann, wenn ich nur den Hörprozessor trage und auf der anderen Seite kein Hörgerät. Dann ist meine Stimme sogar deutlich, wenn auch sehr leise. Wie alles andere auch, klingt meine Stimme, als würde ich in einen Vocoder sprechen. Und doch: im Gegensatz zu gestern höre ich heute den Charakter meiner Stimme deutlicher. Dieses blecherne Dröhnen ist weiterhin zu hören und liegt über allem, sobald der Prozessor Geräusche an mich weiterleitet, bei Sprache setzt es immer bei Vokalen ein.

    Ich habe vorhin einen Song auf Youtube in den Prozessor gestreamt, ohne jede Erwartung. Und doch war ich ganz schön aus dem Häuschen, dass ich da die Ahnung der Gitarrenspur erkannt habe. Es ist noch immer alles sehr, sehr leise. Und trotzdem klingt die Gitarre so, wie ich sie kenne. Nur eben leise. Das haut mich ganz schön um, das hätte ich niemals erwartet, dass sie so sehr klingen könnte, wie ich sie in Erinnerung hab. Sie ist mehr als nur ein Schatten ihres ursprünglichen Klanges. Ich kann Tonhöhen natürlich nicht ausmachen, aber den Charakter des Saitenklangs. Mann, ist das faszinierend.

    Das dauerpräsente Vocoder-Geräusch macht mir zwar noch immer Sorgen, aber ich bleib optimistisch und mache einfach weiter.

    :)

  • Lass dir Zeit.... es braucht Geduld... es ist eine Hörreise auf der du dich befindest...vor allem am Anfang fand ich den Klang auch ganz schrecklich...aber mit der Zeit wurde es besser...blechern klingt es nach 1,5 Jahren immer noch....

    Alle Gute dir weiterhin!

    Einseitig ertaubt seit Februar 2023 / Kanso 2 seit September 2023 - dankbar <3

  • Genau, laß Dir Zeit.
    Im Grunde genommen befindest Du Dich noch ganz am Anfang auf Deiner Hörreise!

    Das, was Du nun als "morsen" empfindest, ist nun einmal Dein "erstes Hören" mit dem CI, und daraus kann noch so viel mehr werden, es braucht halt seine Zeit! Und wenn Du jetzt schon Gitarrenklänge als schön empfindest, kann es ja nur noch besser werden!

    Zum meiner Zeit war das Hören direkt am ersten Tag Panflötenmusik auch so ein einschneidenes Erlebnis gewesen! Und bei mir waren anfangs sämtliche Geräusche und Stimmen nur wirren Querflöten-Gedudel gewesen. Daraus hatte sich später das alles herauskristalliert.


    Habe Geduld! Und lausche im Alltag!

    Schönen Gruß

    Sheltie

    schon als Kind Hörgeräteträger, bis zum Hörsturz 2005
    rechts: CI422(SRA), N6, Okt 2015

    links: CI522, N6, Nov 2017

    Meine Story: Das Sheltie hat nun auch ein eOhr

  • Toitoitoi, aber insgesamt kommt an die Schwärmerei ja kaum ein Marketing-Text ran. 😏🤭

    Ich bin ein recht emotionaler Mensch, ich schreibe die Sachen einfach geradeheraus. Ich habe mein Gehör verloren, habe eine Implantation an mir vornehmen lassen und völlig fremde Menschen haben dabei quasi mit Skalpellen meine Zukunft in den Händen gehabt und es hätte trotz Routine auch sehr, sehr viel schief gehen können. Dazu trage ich nun ein Implantat, das ich vorher nich ausprobieren konnte. Es gibt viele Menschen mit CI, die versuchen, zu erklären, was einen erwarten wird. Aber letztlich weiß man es nicht und kann es nicht testen. Alles hängt an diesem Implantat: das gesamte Sozialleben, die eigene Kommunikationsfähigkeit, die berufliche Zukunft und auch das künftige Genusspotenzial.

    Also sei so lieb und hab ein wenig Verständnis dafür, dass man als jemand, der mit den ersten Höreindrücken konfrontiert wird, durchaus mal emotional und auch erleichtert reagiert. Das alles war ein großes Wagnis für mich am Ende eines elenden Leidensweges. Und drei Tage nach der Aktivierung eine Gitarre hören zu können, die nicht völlig surreal klingt, ist für mich als jemand, der sein ganzes Leben lang Gitarre gespielt hat, ein wahnsinnig befreiendes und hochemotinales Erlebnis.

    Ich denke, dass ein Forum wie dieses auch dafür geschaffen ist, solche Eindrücke zu vermitteln und für Außenstehende sichtbar zu machen, die vielleicht in diesem Moment mit der Entscheidung CI ja/nein kämpfen. Ich kann nicht sagen, ob eine bestimmte Marke besser ist als die andere: ich kenne nur die Marke, die mir implantiert wurde. Und um die geht es mir hier nicht. Mir geht es darum, dass ich als jemand, der die ersten Schritte in seiner ersten Woche absolviert hat, erleichtert ist mit dem, was ich über das CI hören kann. Und ich denke, das darf ich auch sein. Vielleicht bewerte ich da Deinen Text ein wenig über, aber was ist so schlimm daran zu schwärmen, wenn man am Ende dieser ganzen Reise bis hierher mit dem Resultat glücklich und erleichtert ist.

  • Ich bin ein recht emotionaler Mensch, ich schreibe die Sachen einfach geradeheraus. Ich habe mein Gehör verloren, habe eine Implantation an mir vornehmen lassen und völlig fremde Menschen haben dabei quasi mit Skalpellen meine Zukunft in den Händen gehabt und es hätte trotz Routine auch sehr, sehr viel schief gehen können. Dazu trage ich nun ein Implantat, das ich vorher nich ausprobieren konnte. Es gibt viele Menschen mit CI, die versuchen, zu erklären, was einen erwarten wird. Aber letztlich weiß man es nicht und kann es nicht testen. Alles hängt an diesem Implantat: das gesamte Sozialleben, die eigene Kommunikationsfähigkeit, die berufliche Zukunft und auch das künftige Genusspotenzial.

    Also sei so lieb und hab ein wenig Verständnis dafür, dass man als jemand, der mit den ersten Höreindrücken konfrontiert wird, durchaus mal emotional und auch erleichtert reagiert. Das alles war ein großes Wagnis für mich am Ende eines elenden Leidensweges. Und drei Tage nach der Aktivierung eine Gitarre hören zu können, die nicht völlig surreal klingt, ist für mich als jemand, der sein ganzes Leben lang Gitarre gespielt hat, ein wahnsinnig befreiendes und hochemotinales Erlebnis.

    Ich denke, dass ein Forum wie dieses auch dafür geschaffen ist, solche Eindrücke zu vermitteln und für Außenstehende sichtbar zu machen, die vielleicht in diesem Moment mit der Entscheidung CI ja/nein kämpfen. Ich kann nicht sagen, ob eine bestimmte Marke besser ist als die andere: ich kenne nur die Marke, die mir implantiert wurde. Und um die geht es mir hier nicht. Mir geht es darum, dass ich als jemand, der die ersten Schritte in seiner ersten Woche absolviert hat, erleichtert ist mit dem, was ich über das CI hören kann. Und ich denke, das darf ich auch sein. Vielleicht bewerte ich da Deinen Text ein wenig über, aber was ist so schlimm daran zu schwärmen, wenn man am Ende dieser ganzen Reise bis hierher mit dem Resultat glücklich und erleichtert ist.

    Ben, ich kann Dich so gut verstehen und auch nachvollziehen, was gerade in Dir vorgeht.

    Ich bin als normalhörender Teenager (17 J.) von heute auf morgen 100% ertaubt. Musik war mein ein und alles (spielte Klavier und Gitarre).

    Mit 2 CI wurde vieles sehr viel besser, aber es ersetzt ein normales Gehör nicht. Ich bin trotzdem immer irgendwie der Aussenseiter. Vor allem, wenn das komplette Umfeld hörend ist.

    Ich selbst kann in einer Gruppe mit Normalhörenden einem Gespräch nicht folgen. Oder es ist mir schlicht zu anstrengend.

    Ich habe gerade eine Reimplantation hinter mir. Die lief alles andere als gut. Sie musste zweimal innerhalb 24 Std. wiederholt werden (wahnsinnig belastend für den Körper). Und dann wurde der Druckverband dermassen festgezurrt, dass mein Gesicht komplett zugeschwollen ist und auf der Stirne hatte ich ein riesiges Druckgeschwür (Dekubitus 2). Die Kopfhaut ist immer noch gefühllos. Das wird gemäss Doc ca. 1 Jahr so bleiben, weil sich Nerven nur 1 mm pro Tag regenerieren.

    Also alles andere als ein Spaziergang.

    Nun versuche ich wie Du auch, mit dem neuen Klang zurechtzukommen. Weil man fängt ja wieder von vorne an. Es tönt fremd, blechig, unangenehm. Ich habe das Gefühl, es ist viel zu leise. Aber wenn ich es lauter mache, bin ich sofort überreizt von unangenehmen Tönen.

    Es ist Stress pur. Hoffnung, Angst, Freude, Beklemmung... all diese Emotionen können im Minutentakt wechseln.

    Natürlich habe ich auch viele positive Erlebnisse: ich kann mich allein mit dem neuen Implantat mit Menschen unterhalten, höre und verstehe alles (muss mich aber enorm konzentrieren). Auch Musik kann ich damit erkennen, auch wenn "voller Klang" anders geht.

    Ich muss mich täglich selbst bremsen, weil ich sehr schnell zu viel erreichen will. Aber der Körper und der Geist braucht eben auch Entspannung und Ruhe.

    Von daher: step by step... 💪

  • Hey Chiara, wann war Deine Re-Implantation? Wenn ich Dich richtig verstehe, liegt die OP der beiden ersten Implantate, die Du nach Deiner Ertaubung bekommen hast, schon einige Zeit zurück, richtig? Hast Du wegen Fehlfunktionen ein Reimplantat bekommen oder gibt es sowas wie ein technisches Update nach vielen Jahren? Und Du musst trotzdem alles noch einmal komplett neu lernen?

    Die Vorstellung, eine Operation innerhalb von 24h ein zweites Mal ertragen zu müssen, dreht mir jedenfalls den Magen um, das klingt nach blankem Horror. Ich wünsche Dir wirklich, wirklich von Herzen alles Gute! Ich versuche , mich überhaupt nicht von negativen Emotionen beeindrucken zu lassen beim Lernen, einfach, weil ich gerade viel zu pragmatisch denke. Ich habe ein klares Ziel vor Augen und es wird auf dem Weg vielleicht ein bissel holpern, aber jeder Moment ist gerade eigentlich nur ein Zwischenstand, der sich morgen schon ein Stückchen weiter entwickelt hat: Auf längere Sicht zahlt alles auf einen steten Progress ein. Das ist meine Hoffnung. Das ist mein Antrieb. Und dem ordne ich derzeit komischerweise meine Ängste komplett unter.

    Hatte Besuch heute und mein erstes Erlebnis mit einer viel zu tief gepitchten Stimme. Ich mein so RICHTIG tieeeef. Ist schon ulkig, dass es in einer Live-Situation zu soetwas kommen kann, während ich auch heute wieder den Song von gestern mehrere Male gestreamt habe und dort die Gitarre und der Gesang in perfekter Tonhöhe zu sein scheinen. Aber der Stream ist so kurz nach der Aktivierung möglicherweise auch einfach noch viel zu leise, vielleicht setzt diese Tonhöhenverschiebung ebenfalls ein, wenn das Streaming ein bissel lauter wäre. Ich spiele übrigens diesen Song seit gestern auch mehrmals täglich auf der Gitarre. Mir ist egal, wie seltsam Gitarrespielen zur Zeit noch klingt, ich liefere meinem Hirn damit trotzdem weitere akustische Varianten des Streams und triggere die gleiche Mustererkennung.

    Heiter weiter!

  • Hallo Chiara, danke für deinen Beitrag. Ich kann mir vorstellen, wie belastend das für dich ist als Teenager, und ich erinnere mich noch gut wie sehr man da von seinen Gefühlen abhängig war, und wie schnell man zum "Außenseiter" gemacht werden konnte. Halte durch - du bist ein besonderer Mensch, der vermutlich durch das alles schon viel weiter gereift ist als deine Mitschüler. There is always sunshine after the rain.

    Es würde mich auch interessieren, warum eine Reimplantation gemacht werden musste. Mit zweimal wiederholt meinst du wegen der beiden CIs oder weil etwas schief gelaufen ist? Das mit dem Druckverband ist auch ärgerlich, das sollte eigentlich nicht passieren.

    Das mit der Musik fühle ich auch als alter Mensch noch genauso, Ben und Chiara. Manche Menschen brauchen sie anscheinend nicht unbedingt, aber für mich ist so auch extrem wichtig. Vielleicht können wir uns im Forum in Zukunft gegenseitig Tipps zum Hören, Machen und Lernen von Musik mit dem CI geben.

  • Hallo Cito,

    ich wollte kurz auf die Musik und meine Erfahrung eingehen. Ich habe Ende August 2024 mein CI als SSDler bekommen. Musik hören war bis Januar wirklich furchtbar und hat mir als Musikerin wirklich die Tränen in die Augen getrieben.


    Nun habe ich eine neue Strategie entwickelt. Ich spiele ein Stück ohne CI auf der Geige und präge es mir gut ein. Nach dieser Phase ziehe ich mein CI beim Spielen wieder an und stelle den Prozessor in das Musikprogramm. Und mit dieser Strategie hatte ich nun meine ersten Hörerfolge. Die Geigenmelodie klingt nun schon mehr, wie auf dem guten Ohr.

    Diese Strategie kann ich als SSDler anwenden. Beidseitig mit CI braucht man evtl. ganz andere Strategien

    SSD |CI seit August 2024 | Med-El, HdO-Prozessor SONNET 3 | Elektrode SYNCHRONY 2 FLEX soft

    Im Juni 2023 links von einem Tag auf den anderen (ohne Erkrankung) ertaubt. Vorher normalhörend.

    Rechts normalhörend.

  • Hi Katharina, danke für den Tipp. Meine Situation ist ähnlich, ebenfalls SSD. Die Ertaubung passierte letztes Jahr, allerdings vorher schon 12 Jahre Probleme auf dem Ohr wegen Menière. Bin mal gespannt, wie das klappt mit dem CI. Die OP habe ich gerade eben hinter mir.

    Hatte mich ebenfalls für MED-EL entschieden, auch weil einige meinten, dass sie besonders für Musiker geeignet sind, während andere Hersteller sich mehr auf Sprachverständlichkeit fokussieren. Weiß nicht, ob das wirklich so stimmt, aber diese Seite zeigt mir, dass man bei MED-EL das Thema jedenfalls für wichtig hält.

  • Ich melde mich kurz nochmal mit einem Update.

    Ich bin wirklich verwirrt wegen dieser resonanten Frequenz, die bei mir beim Hören so aufdringlich dröhnt/scheppert. Ich hab' jetzt mein erstes Mapping hinter mir und die Frequenz ist mit der neuen Einstellung noch störender als vorher. Durch sie klingt alles so, als würde ich in ein großes Plastikrohr sprechen und mir das andere Ende ans Ohr halten.

    Mittlerweile finde ich das Phänomen wirlich beängstigend: Wenn ich Geräusche höre, überdröhnt diese Frequenz alle Details. Aber: wenn ich den Hörprozessor absetze, habe ich einen zyklisch an- und abschwellenden Tinnitus in GENAU DIESER Frequenz! Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob das ein Signal dafür ist, dass mein Hirn an dieser Frequenz arbeitet/lernt. Oder ob etwas mit einer Elektrode oder meinen Nervenenden mit Blick auf diese Frequenz nicht in Ordnung ist.

    Ich kann leider nicht einschätzen, ob ich einfach abwarten muss, denn es sind ja gerade erst 8 Tage seit der Aktivierung vergangen. Oder ob das Phänomen ernstgenommen werden muss. Meine Audiologin meinte, dass ich sehr, sehr schnelle Fortschritte gemacht habe bis hierher, mein allererster Zahlensprachtest nach 7 Tagen lag bei 45% richtig verstandenen Zahlen und sie meinte, dass ich bei den Nieten trotzdem immer eine Stelle der Zahl richtig gehört habe - das habe sie nach einer Woche wirklich sehr selten erlebt. Trotzdem komme ich im allgemeinen Sprachverstehen auf 0%, weil dieses Scheppern einfach alles übertönt. Ich bin wirklich etwas hilflos. Ich bin nicht der Typ, der sofort an negative Optionen denkt, mich beunruhigt das alles, weil diese Frequenz auch bei meinen Hörstürzen für Probleme gesorgt hat. Weiss jemand vielleicht Rat oder Näheres zu diesem Phänomen?

    Es wäre mir wirklich eine riesen Hilfe, wenn mir jemand etwas dazu sagen könnte.
    Ganz, ganz lieben Dank,

    Ben

  • Hallo,

    Ich vermute, dass ein oder zwei Elektroden übersteuern. Mit Hinweis auf den Tinnitus würde ich um einen neuen Termin bitten. Dass sich alles scheppernd anhört, ist soweit normal. Aber dieses Nachklingeln ist m.E. nicht normal. Manchmal ist auch weniger mehr. Ist evtl. Alles zu laut?

  • Mir scheint, dass in den 8 Tagen soviel zusammengekommen ist, dass dein Ohr und Gehirn einfach nicht mehr nachgekommen sind und irgendwie total überfordert sind. Warte ab und schalte einen Gang zurück, bis sich alles wieder beruhigt. Was du in den 8 Tagen erlebt hast, dafür brauchen andere 12 Monate oder mehr.

    links: Opus 2XS, Flex28; OP 14/09/2012 MHH
    EA: 05/11/2012 erfolgreich

    seit 12/06/2020 Sonnet 2

    rechts: HG (zu nichts nutze...)
    --------------------------------
    Offenbarung 21,4
    ...und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz...

    Jesaja 35, 4-6
    Sagt den verzagten Herzen: "Seid getrost ..." ...dann werden die Ohren der Tauben geöffnet werden...

  • Wenn unerträglich wird sollte eine nachjustierungstermin angefordert werden. Dass es schepperd kann vorkommen und das Gehirn wird mit der Zeit lernen. Es wird in Anfangszeit 1 Schritt vorgehen, dann kann nach neujustierung beim Techniker ggf. normal sein oder hast noch nicht alles gehört und dachte es könnte passen. Meistens merkt man erst dann wo es doch nicht so passt und ggf. dann wieder 2 Schritte zurück fallen könnte. Das ist in der Anfangs normal und daher sollte bei länger andauernde unannehmlichkeiten immer nach Nachjustierungstermin eingeholt werden. Auch ist es in der Anfangszeit normal, dass man erstmal ein paar Tagen einhören sollte ob sich mit zunehmender Zeit ggf. sich bessert.

    Bedenke Du hast wahrscheinlich schon lange einige Frequenzen / Töne / Geräusche o.ä. nicht mehr wahrgenommen. Die Verschlechterung mit HG ist wenn man keinen direkten Hörsturz hatte - lies die schleichend nach. Und jetzt nach Anpassung kommen plötzlich dinge zu hören welches man nicht kannte und/oder schon vergass da das Gehör zuvor schleichend nachlies und nicht mehr weiss wie dies und jenes angehört hatte.

    Es ist normal wenn der Lernprozess zwischendurch 1 Schritt nach vorn geht und nach 3 Wochen wieder zurück geht und nach erneute nachjustierung wieder nach vorne geht und dann wieder 2 Schritte zurück geht. Wichtig ist dass Du dem Techniker/in mitteilst was Dir ungewohnt klingt aber auch was gut anhört. Beschreiben ist nicht einfach und wenn Du Hoch/Tief unterscheiden kannst kannst Du auch sagen was Dir zu hoch empfindet und meinst, dass tiefer anhören sollte. Mit Dumpf, Scheppernd, Hohl oder wie auch immer können die Techniker auch was anfangen.

    Alles gute für weiteren Hörentdeckungsreisen und denk dran dass auch Hörpausen machen kannst, denn man sollte sich damit nicht überfordern und wenn Tinnitus auftritt auch Hörpausen einlegen sollte.

    Bedenke Du bist meines Wissen noch ganz am Anfang deiner Hörreise

  • Hallo Ben. Ich glaube auch, dass es an der momentanen Überforderung liegt. Du solltest darauf vertrauen, dass dein Gehirn noch plastisch genug ist, damit umzugehen, es braucht nur seine Zeit. Wichtig ist, dass du der Audiologin alles möglichst gut erklärst. Wenn es zu sehr nervt, die Einstellungen (oder den kritischen Teil davon) noch einmal zurück ändern lassen. Ich wünsche dir alles alles Gute!