Kein MED-EL EAS system bekommen

  • hallo alle zusammen,

    ich bin ci-träger auf dem rechten ohr und überlege auch das linke ohr implantieren zu lassen da ich erkannt habe wieviel sprachverstehen man zurück bekommt durch das ci.

    nun kam ich mit einem sehr symphatischen herren in ein chat-gespräch und habe von ihm erfahren das es das EAS System von MED-EL gibt.

    er meinte laut meiner hörkurve von damals (2020) müsste ich ein EAS-System bekommen so dass das restgehör enthalten bleibt. ich wurde 2022 implantiert und zu der zeit wurde mein gehör rechts auch schlechter also sollte ich ja dementsprechend ein EAS-System bekommen. Nun ist es so das ich rechts taub geworden bin. ich hätte aber so sehr gerne das restgehör behalten um davon zu profitieren.

    was meint ihr könnte der grund sein das ich kein EAS-System bekommen habe von MED-EL?

    PS: schade das ich das erst jetzt erfahre


    freue ich auf eure antworten

    liebe grüße

  • Wie auch immer, wenn noch Restgehör da sein sollte, kann man das EAS unkompliziert probieren. Wenn nicht dann halt nicht.

    EAS bietet im Übrigen auch AB an, bei Cochlear bin ich nicht sicher. Ich würde möglichst auf beiden Seiten den gleichen Hersteller nehmen.

  • Hallo „einfachich“!

    Kurz vorweg, das EAS oder Hybrid CI wird von allen drei Herstellern angeboten. Das Problem ist, man kann es nicht vorhersagen was nach der OP an Restgehör bleibt. Auch kann man nicht vorhersagen, wie lange es erhalten bleibt. Kenne persönlich CI Träger die nach der OP zehn Jahre und länger vom Restgehör profitiert haben. Kenne aber auch Fälle die das Restgehör zwei Tage nach der OP durch einen Hörsturz verloren haben. Persönlich sehe ich die Diskussionen um das Restgehör etwas differenzierter. Das berühmte Restgehör bezieht sich meist auf die Frequenzen im Tieftonbereich. Würde eher dazu raten die komplette Bandbreite der Cochlea mit einer entsprechend langen Sonde versorgen zu lassen. Wünsche Dir erst einmal alles Gute.

    Mit freundlichem Gruß

    Thomas

    Links: MedEL: Implantat MI 1200 Synchrony 24mm - SP EAS Sonnet OP 01.06.18 EA 16.07.18 - MHH

    Rechts: MedEL: Implantat MI 1250 Synchrony 28mm - SP Sonnet 2 OP 17.09.19 EA 21.10.19 - MHH

    Rechts: Revisions OP Afterloading 11.11.2021 MHH

    Upgrade Sonnet 3 bds. 12.10.2025

  • Sorry, aber meine persönliche Meinung dazu ist, es wird ein viel zu großes Spektakel um das Restgehör gemacht. Was ist das bisschen was über bleibt..ein Rest vom nix. Man sagte mir auch es würde was bleiben, oder auch nicht.. Spaßhalber hab ich es ausprobiert..es war NIX, das was man ev. als Rest hätte betiteln können war grauenhaft. Ich habe nach wenigen Minuten mein CI zurück gegeben und gebeten man möge es mir als CI geben. Man hält sich an Illusionen fest. Das wurde auch von Ärzten bestätigt. Der Rest geht eh meist innerhalb kurzer Zeit verloren.

    Sehr wenige können es wirklich nutzen und das über längere Zeit.

    Das sollte sich jeder gut überlegen, testet es, aber erwartet keine Wunder.

    Viel Glück, freu mich für jeden der es nutzt, für mich war es definitiv nix.

    LG Marina

  • Hallo,

    auch wenn man ggf. von der Hörkurve vor der Implantation vlt für ein EAS in Frage kommen könnte, müssen auch weitere Aspekte berücksichtigt werden:
    - ist das Restgehör stabil oder wird es mit der Zeit weniger? Wenn das Gehör fortschreitend schlechter wird und man voraussehen kann, dass dieses nicht lange (mehr) hält, kann das eindeutig gegen ein EAS sprechen.

    - nicht jede Hörkurve, die irgendjemand als "typische" EAS-Kurve bezeichnet, ist es auch. Ich hatte auf dem linken Ohr auch in den tiefen Tönen ein gutes Restgehör, was nach etlichen Unterlagen gut für EAS geeignet wäre. Allerdings hat auf Nachfrage ein Arzt mir genau erklärt, warum ich eben kein EAS-Kandidat bin: bei 1000 Hz war meine Hörschwelle zu schlecht und zudem war mein Gehör nicht stabil. Daher war ich kein Kandiadat für eine EAS-Elektrode!

    - nach einer EAS-OP kann es dennoch sein, dass das Restgehör durch die OP viel schlechter ist als vorher oder sogar ganz weg ist. In diesem Fall kann man dann mit einem Hörgerät für die tiefen Töne nichts mehr anfangen, denn ein Hörgerät kann ja nur die Töne verstärken.

    Wie es jetzt genau bei dir war kann ohne Unterlagen keiner sagen. Frag doch einfach mal in deiner implantierenden Klinik... dann bekommst du auch fundierte Aussagen.

  • Diejenigen, bei denen im Tieftonbereich noch etwas da ist, nutzen das EAS gern und nach meinen Erfahrungen als langjährig bilaterale Nutzerin, muss ich sagen, dass der Tieftonbereich beim Verstehen von Sprache wenig bringt, aber den Höreindruck wesentlich natürlicher macht und besonders zum Genuss von Musik beiträgt.

    Würde ich meine zweite Seite implantieren würde ich aber auch nicht auf das EAS spekulieren. Wenn man sich vom Tieftonbereich nicht trennen mag, sollte man die OP ganz lassen, da das Risiko hoch ist, dass der Tieftonbereich durch die OP Schaden nimmt.

  • … wenn das restgehör weg geht, können die ci Techniker das HG Tei abschalten.

    Ja, kann man abschalten, nur ist es damit nicht getan. Der vom HG übernommene Frequenzbereich muss auf die CI-Elektroden verteilt werden und erreicht bei kurzem Elektrodenstrang nicht das mögliche Spektrum. Die Folge ist, man hört alles etwas heller. Allerdings kann unser Hirn das mit der Zeit wohl kompensieren.
    Um das zu vermeiden, lässt sich bei gut geplanter EAS-Versorgung der Elektrodenstrang in einer weiteren OP ggf. nachschieben.

  • Und wenn das restgehör weg geht, können die ci Techniker das HG Tei abschalten.


    Gruß Joachim

    Soviel zur Theorie.

    Ich hatte nach der Implantation links noch ein „gutes“ Restgehör, allerdings gab es damals von AB noch kein EAS. Da es eine Überlagerung in den tiefen Tönen gab, wurden die untersten 2 Elektroden abgeschaltet.

    Das funktionierte sehr lange (über 10 Jahre) gut, dann hatte ich einen Hörsturz. Ergebnis war, dass ein Teil des Restgehörs weg war und damit wäre es sehr sinnvoll gewesen, die zwei Elektroden wieder zu aktivieren, um eben auch die Tiefen wieder besser zu hören.

    Naja… theoretisch wäre es möglich gewesen, praktisch wurde es getestet und führte dazu, dass ich kaum noch etwas verstanden habe. Auch nach mehr als zwei Wochen nach Aktivierung nicht.
    Also wurden die Elektroden wieder deaktiviert (bzw eine - die andere wurde minimal eingestellt). Auch heute noch akzeptiere ich es nicht, wenn die Elektrode aktiviert wird, die andere ist auch eher unterstimuliert.

    Soviel also zum Thema Theorie und Praxis.

  • meinen Erfahrungen als langjährig bilaterale Nutzerin

    Ich dachte, du nutzt auf einem Ohr ein CI und auf dem anderen Ohr ein HG, das wäre dann bimodal.

    muss ich sagen, dass der Tieftonbereich beim Verstehen von Sprache wenig bringt

    Ich hab weder links noch rechts ein Restgehör. Die Tiefen sind für das Sprachverstehen aber sehr wohl wichtig, da halten sich die ganzen Vokale ("a","e","i","o","u") auf. Im Alltag ist mir die Wichtigkeit zu Beginn meiner CI-Karriere nicht aufgefallen, aber beim Fernsehen über die Lautsprecher des Fernseher ist mir das massiv aufgefallen, dass ich den Fernseher im CI-Programm mit den Tiefen genauso empfindlich eingestellt wie die Mitten und Höhen weitaus besser verstehe als im Progamm mit reduzierten Tiefen. Das Programm mit reduzierten Tiefen hatte ich ursprünglich aus dem Grund, weil ich der Meinung war, dass sich hier hauptsächlich die Nebengeräusche aufhalten und es nur stören würde. Inzwischen habe ich dieses Programm nicht mehr, weil ich mich an die Umweltgeräusche inzwischen(!) gewöhnt hatte und mein Gehirn das einfach wegfiltert.

    Naja… theoretisch wäre es möglich gewesen, praktisch wurde es getestet und führte dazu, dass ich kaum noch etwas verstanden habe. Auch nach mehr als zwei Wochen nach Aktivierung nicht.

    Wie gesagt, ich hatte mal ein Programm mit reduzierten Tiefen, weil die Tiefen für mich fast nur Störgeräusche waren. Im Wechsel mit dem anderen Programm kam ich im Alltag mit den reduzierten Tiefen besser zurecht, das andere Programm hat mich vor allem im Straßenverkehr kirre gemacht. Es hat lange gedauert (um Größenordnungen länger als 2 Wochen!) bis ich mich mit den Tiefen arrangieren konnte. Inzwischen möchte ich das nicht mehr missen, auch im Straßenverkehr oder auf Kongressen nicht. Vielleicht magst du dich doch Schritt für Schritt an kräftigere Tiefen heranwagen? Ich weiß, es gibt wichtigeres, man muss schon den Nerv für solch eher langwierige Erhöhungen aufbringen. "Nerv" trifft es tatsächlich, denn der muss trainiert werden, was nicht in 2 Wochen geht.


    Was das Thema EAS betrifft: Ich war anfangs schon enttäuscht, dass es nicht mehr da war. Mir wurde aber vorher auch erklärt, dass es zu 50% (bei der kurzen Elektrode) bzw. 90% (bei der letztendlich eingesetzten langen Elektrode) nach der OP weg sein wird, was es dann auch war. Abgehakt. Inzwischen bin ich sogar froh darüber, dass ich nachts bei offenem Fenster oder auf dem Balkon neben der Bundesstraße und Eisenbahnstrecke schlafen kann und sonstige Geräusche im Haus oder Adele in der Nachbarschaft einfach auf Knopfdruck abschalten kann. Auch den Einschlag eines Blitzes in der Nähe höre ich ohne CI nicht, dadurch sekundenlang wackelnde Böden und Wände kann ich allerdings noch nicht ignorieren, wie ich im Sommer nun mehrfach erfahren durfte.

    Denken muss man sowieso. Warum dann nicht gleich positiv?

  • Darw*in  Andrea2002

    Ich wollte eigentlich EAS von MED-EL nehmen, um mein Restgehör zu erhalten. Wenn ich eure Beiträge lese, frage ich mich, ob es nicht sinnvoller ist, darauf zu verzichten. Wenn das Restgehör dann mit 50%iger Wahrscheinlichkeit doch verloren geht und ich dann nur die kurze Elektrode habe, die nur mit Einbußen umverteilt wird, ist es ja schlechter als lieber gleich eine lange Elektrode zu nehmen. Oder?

  • Claudia, nach Aussage meines operierenden Arztes, der Verfechter von EAS ist, hängt die Wahrscheinlichkeit für den Erhalt des Restgehör stark von der Anatomie der Schnecke ab. Bei mir hatte er wenig Hoffnung. Da ich auf ein funktionierendes Gehör angewiesen bin, habe ich mich für die lange Elektrode entschieden. War nicht leicht, aber sobald ich mich dafür entschieden hatte, war das für mich kein Thema mehr.

    Alternative ist theoretisch, dass eine lange Elektrode nur halb eingeschoben wird und bei Bedarf zu einem späteren Zeitpunkt nachgeschoben wird. Ein bekannter von mir hat das so gemacht, aber nur zwei Jahre was von EAS gehabt. Danach war das Restgehör auch bei ihm weg.

    Denken muss man sowieso. Warum dann nicht gleich positiv?

  • Pragmatisch gesehen, sollte man auf die Hochglanz-Prospekte der Hersteller und den Aussagen von manchen Ärzten und Audiologen zu Restgehör und EAS nicht unbedingt viel geben.

    Ich bin mit meinen CI's nach wie vor sehr zufrieden – auch ohne Restgehör und den anderen Extrawünschen. Viel wichtiger war und ist ein gut entwickeltes realistisches Sprachverstehen, mit dem ich im Alltag und bei Störlärm möglichst gut zurechtkomme. :) Deswegen halte ich die Entscheidung „pro CI“ für die bisher Beste in meiner Karriere als fast taube Nuss und in meinem Leben.

    An Einsteiger bzw. Neulinge kann ich wirklich nur appellieren, die Erwartungen nicht zu hoch zu setzen, wenn Euch irgendjemand Versprechungen macht! Und wenn’s losgeht, habt bitte Geduld mit Euch und nochmals Geduld. Von ganz alleine kommt nichts....