Reimplantation mit Lokalanästhesie


  • Am 19.06.24 wurde mein Cochlea Implantat entfernt und ein neues eingesetzt. Meine Klinik bietet CI-Operationen unter lokaler Anästhesie an und als ich davon hörte, wusste ich sofort: das mache ich.

    Check-in war zu einer äußerst zivilen Zeit um 10:30 Uhr, so dass ich mich gemütlich zu Hause vorbereiten konnte: noch einmal duschen und Haare waschen. Die Klinik hat ein gutes Konzept für die Aufnahme und Vorbereitung auf die OP: es wird alles besprochen und dann bekommt man ein Einzelzimmer für die Wartezeit bis zur OP zugewiesen. Das Gepäck wurde mit einem Aufkleber mit meinen Daten markiert und in dem Moment sicher verstaut, in ich zur OP gefahren worden bin. Ich musste nur zwei Stunden warten, um 12:30 ging es in den OP-Trakt. Mein Hörgerät behielt ich an, schließlich sollte man ja mit mir kommunizieren können.
    Das klappte besser als vorher gedacht, da sich alle Mühe gaben, deutlich zu sprechen und der Herr, der die OP-Vorbereitung machte war ein sympathischer und fröhlicher Mensch, so dass ich mich gleich gut aufgehoben fühlte. Als Hospitantin war eine junge Ärztin aus dem Kosovo dabei, die sich ebenfalls rührend um mich kümmerte und mir eine zusätzliche warme Decke brachte, als es zu einer ungeplanten Wartezeit kam. Lustig waren auch die Fragen, welches Ohr bzw. was gemacht wird. Aber gut, dass danach gefragt wurde! Denn ich habe für das linke Ohr auch eine Zusage der Krankenkasse, es soll aber zunächst das defekte Implantat rechts getauscht werden. Das gab ich gleich zum besten und der fröhliche Herr meinte es sei doch gut, wenn der Patient mitdenkt und wir nun erst Mal die Seite tauschen würden. Genau!
    Um 13:30 ging es dann endlich los, ich bekam eine Sauerstoffmaske die sich im weiteren Verlauf als sehr sinnvoll erwies, denn das Gesicht wurde abgedeckt. Das empfand als ein kleines bißchen unangenehm aber natürlich ist das notwendig. Auf der linken Seite saß die ganze Zeit über eine liebe, sehr aufmerksame und ausschließlich mir zugewandte junge Frau. Anfangs fragte sie mich sehr oft, ob es mir gut geht. Sie legte sogar ihre Hand auf meinen Arm, das fand ich sehr liebevoll und umsorgend. Ich hätte auch mit ihr sprechen können aber da ich auf dem linken Ohr lag, habe ich natürlich ihre Antworten nicht so gut verstehen können. Hin und wieder sprach ich aber doch ein bißchen mit ihr. Der Doktor zeigte immer schön an, was er vorhatte. Zuerst Haare ab, da meinte ich gleich: aber nicht zu viel, gell! Worauf alle lachten. Er sagte mir, dass er direkt die alte Narbe öffnen wird, präsentierte dann die Spritze für die Lokalanästhesie und dann ging es endlich los. Die kleinen Pikser habe ich gespürt aber es war nicht wirklich schmerzhaft. Mein Lage war eine ganz normale Rückenlage mit dem Kopf leicht zur Seite gedreht. Ich bekam noch eine Stütze für den Hals-/Kopfbereich. Interessant war dann die Präparation des Implantates, welches nun freigelegt werden musste. Das Hämmern, Drücken, Wackeln und Schneiden habe ich gespürt, nicht als Schmerz - aber als Gefühl. Zweimal hat es ganz ordentlich gestochen, da wurde etwas Betäubungsmittel nachgespritzt. Nach einer Stunde merkte ich, dass es mir ein bißchen schwindlig wurde, was ich auch sofort gemeldet habe - am nächsten Tag sah in den Aufzeichnungen, dass mein Blutdruck kurzzeitig stark abgesackt war. Wir berieten uns kurz und ich stimmte einer leichten Sedierung zu, die nach meinem Gefühl nur wenige Minuten dauerte. So war es auch vereinbart worden vorab, denn ich wollte unbedingt den Test der Elektroden mitbekommen.
    Interessant war das herausziehen des Implantates/der Elektroden, welches ich deutlich wahrgenommen habe, es kitzelte nämlich. Das habe ich auch gleich zum Ausdruck gebracht. Es war dann sehr schön, die Geräusche gleich zu hören, ganz wie ich es auch vom jährlichen Test gewohnt bin. Dann wurde genäht auch das spürte ich bzw. ich konnte zuordnen, das genäht wird. Der Klett-Druckverband kam dran und ab ging es auf die Wachstation. Um ca. 16:30 Uhr war ich in meinem Zimmer. Es ging und geht mir sehr gut, keine Schmerzen, kein Schwindel und mit dem Geschmack ist auch alles in Ordnung.

    Fazit: Es ist sehr gut machbar, wenn man keine Sorge hat wegen der Abläufe, Geräusche und dem drumherum. Ich hatte niemals ein komisches Gefühl oder Unwohlsein. Die Geräusche habe ich schon mitbekommen, es ist ähnlich wie beim Zahnarzt. Und ja, es hat auch mal gedrückt und zweimal etwas gestochen aber das wurde sofort behandelt und richtige Schmerzen musste ich nicht ausstehen. Für Menschen, die eine Vollnarkose nicht möchten oder für die eine Vollnarkose riskant ist, ist das eine sehr gute Alternative.

    rechts AB HiRes Ultra 3D mit HiFocus MS Elektrode

    links Phonak Naida Link

  • Ich hatte einmal eine OP mit Lokakanästesie... Nie Wieder!

    Nach einem Bruch der Hand, wurde der Bruch mit Nägeln stabilisiert. Nachdem alles verheilt war, wurden die Nägel unter lokaler Betäubung wieder entfernt. Ich fand es furchtbar, die Geräusche, das Gefühl und ein bißchen Schmerzen hatte ich auch. Die haben an meinem Arm rumgezerrt...Ich fand es einfach nur schlimm. Von daher für mich am nur Vollnarkose bei bestimmten Sachen. Ich möchte da nichts mitbekommen. Aber klar, wenn man das abkann, ist es natürlich eine Alternative.

  • Bei mir wurde nach dem zweiten Horsturz relativ spontan eine Tymphanoskopie oder so ähnlich (Untersuchung des runden Fensters der Coclea) gemacht. Das musste auch in lokaler Betäubung gemacht werden. Lief gefühlsmäßig wie von Alexsandra beschrieben ab. Mancher Zahnarztbesuch war unangenehmer. Es geht durchaus in Lokalanästhesie.

    Advanced Bionics HiRes Ultra 3D am 01.09.2022 implantiert.

    EA: erfolgt am 29.09.2022

    Seit 03.2024 HG Links: Phonak Naida Link

  • Hallo

    Ich bin vor 2 Jahren 3 mal an der Nase 👃 operiert worden, was von der OP ja noch okay war, aber das Gefühl das dir jemand höchstens 2 Fingerbreit vor den Augen mit dem Skalpell rummacht war schon komisch!


    Gruß Joachim

  • Ein durchaus interessanter Bericht! Es freut mich, dass es in Deinem Sinne geklappt hat.

    Dennoch wäre es nichts für mich mit „spastischen Wackelkopp“. Ich glaube, den hätten sie dann in eine Art „Schraubstock“ einspannen müssen. :)

    Da bevorzuge ich dann lieber die Vollnarkose, die heute in Tiefe und Umfang gut steuerbar ist. Kein Vergleich mit Äther oder Chloroform, die ich noch in meinen Kindheitstagen bekam ....

  • Ich bin mir schon bewusst, dass diese Vorgehensweise nicht für jeden ist. Aber wenn jemand sich das zutraut, warum nicht? Ich hatte primär die Sorge, dass es unbequem werden könnte, ich husten oder niesen muss und mich verkrampfe - nichts davon! Ein bißchen habe ich am nächsten Tag eine Verspannung im Hals-/Schulterbereich bemerkt, aber nicht schlimm und am übernächsten Tag war das schon weg.

    rechts AB HiRes Ultra 3D mit HiFocus MS Elektrode

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