ZDF Mediathek „Du sollst hören“ ‼️

  • Na denn, schade, ich hätte doch zu gern deine Quellen.


    Sei es drum. Es ist so wie es ist: einen CI Zwang darf es nicht geben. Und ich denke, das allein war der Bildungsauftrag des Filmes „Du sollst hören“. Wenn es einen Bildungsauftrag gegeben hat.


    Muggel, falls du dich von mir angegriffen fühlst, möchte ich mich hiermit entschuldigen. Mir ist tatsächlich kein „kleineres“ Wort als Audismus eingefallen. Sinn und Zweck war es, aufzuzeigen, wie schnell man verurteilt wird, wenn die Hintergründe nicht bekannt sind oder man über fremde Menschen urteilt. Wenn die Eltern tatsächlich Arzttermine nicht eingehalten haben, gab es wahrscheinlich auch dafür gute Gründe.

    Andrea2002 Du hast sicherlich Recht: Mit einer gescheiten Kommunikation zwischen Eltern und Arzt wäre das sicherlich nicht passiert. Aber für eine gelingende Kommunikation braucht es zwei, die auf Augenhöhe miteinander reden. Keiner von uns weiß, wie die Gespräche tatsächlich abgelaufen sind.

  • Sanne2,


    dass der Arzt wegen nicht eingehaltener Termine, das Jugendamt eingeschaltet hat, steht sogar auf Karin Kestner Webseite, dort sehr abwertend dem Arzt ggü. formuliert. Fakt ist aber, dass es mehrere Einladungen an die Eltern gegeben hat und auch Dolmetscher organisiert waren und die Eltern sind einfach weggeblieben.


    Mag ja sein, dass die Eltern sich beim ersten Klinikbesuch nicht gut aufgehoben gefühlt haben, aber einfach auf Tauchstation zu gehen, musste schon zwangsläufig das Jugendamt nach sich ziehen. Das würde man auch von jedem Kinderarzt erwarten.

  • Genauer gesagt, hat nicht der Arzt das Jugendamt eingeschaltet, sondern der beauftragte Anwalt. Der Gang zum Anwalt soll aus der Sicht der Klinik wichtig gewesen sein, um sich gegen eventuelle Schadensersatzforderungen des später volljährigen Kindes abzusichern.


    Ich finde es nicht gut, wenn in dieser Diskussionen Informationen nicht zur Verfügung gestellt werden. Deshalb anbei zwei Links zum Thema, damit sich jeder selbst ein Bild machen kann.


    Warum diese Eltern gegen eine Hörprothese für ihren tauben Sohn kämpfen - Stern, Januar 2018


    Ci-Zwang? Diskussionen, Einschätzung - das Urteil - BR, März 2019

  • Ich habe den Film "Du sollst hören" angesehen, finde aber, dass die Richterin mit ihrer Geschichte im Film zu sehr Mittelpunkt steht und nicht die Auseinandersetzung des CI für das gehörlose Kleinkind. Nur der Schluss mit der Aussage zur Inklusion und Vielfalt in der Gesellschaft - das war noch okay.

  • Hallo,


    Ich habe gerade 37 Grad gesehen. Das Wort CI kam da wirklich nur im Zusammenhang mit dem Spielfilm vor.


    Es wird dargestellt wie Anne hochgradig oder an Taubheit grenzend schwerhörig aufwächst. Als Kind hat sie offenbar mit Hörgeräten ca. 60 % gehört, was ja eigentlich gar nicht sooo schlecht ist. Anne hat Gehörlose Eltern, wächst bei der Mutter auf, der die Lautsprache trotz eigener Gehörlosigkeit wichtig ist. Der Vater ist im Übrigen der einigermaßen bekannte Schauspieler Thomas Zander, zu dem sie wenig Kontakt hat/ hatte. Dank der hörenden Oma und den Hörresten kommt Anne gut in die Lautsprache, sie besucht Regelschulen, schreibt sich an der Schauspielschule ein, bekommt aber keinen Abschluss, offenbar weil die Hörbehinderung ein zu großer Nachteil bedeutet. Trotzdem sie Anteil an beiden Welten hat, rutscht Anne in eine Identitätskrise.


    Ich würde da aber festhalten wollen, dass eine Identitätskrise hier nicht von der Tatasche CI Ja oder Nein ausgelöst wird, Anne hat ja kein Ci, sie hat zudem gl Eltern, und trotzdem eine Identitätskrise. Lösung der Krise: Sie trägt keine Hörgeräte mehr und benutzt auch keine Lautsprache mehr.


    Als Schauspielerin kann man sich das vielleicht leisten, aber in anderen Berufen dürfte das Leben mit Hörgerät und Lautsprache leichter sein. An dieser Lösung ist insofern etwas dran, dass die Fronten auch für Hörende klar sind, Kommunikation nur durch Dolmetscher. Der Nachteil ist sicherlich, dass dann in der Summe einfach weniger kommuniziert wird und man auch nicht am Flurfunk teilnimmt.


    Anne äußert in 37 Grad auch die Befürchtung, dass die GL Community sie ausgrenzen würde, wenn sie erfahren, dass Anne die Lautsprache beherrscht. Wenn das so wäre, dann wäre es eine intolerante Community. Wieso fürchtet Anne so etwas? Ein gl Mann redet ihr im Film auch gut zu, und sagt sie soll Ballast abwerfen. Wobei mir nicht klar ist, welcher Ballast damit gemeint ist. Die als anstrengend empfunden lautsprachliche Kommunikation oder einfach ungerechtfertigte Befürchtungen bzgl. Ausgrenzung?

  • Es gibt zum Film eine kleine Dokumentation aus der Reihe "37 Grad", die hier im Thread schon erwähnt wurde. Im folgenden Link ist die Doku abspielbar und es sind weitere Informationen zu finden: Du sollst hören! - Die Doku -- Taub zwischen zwei Welten


    Im Text äußerte sich die Drehbuchautorin Nina Bauer über die Dreharbeiten. Die Kommunikation zwischen den Beteiligten war nicht einfach und dass z.B. Anne Zander zu Beginn lautsprachig spricht und später nur noch über die Gebärdensprache, das wirkt zuerst etwas kurios. Der Hintergrund jedoch war eine ernste Identitätskrise. Davor wurden durch Corona die Dreharbeiten gestoppt und später das Drehbuch mehrmals geändert.


    Insofern könnte die Geschichte mit der Richterin ein Kunstgriff gewesen sein. Auf jeden Fall ist es so besser, als wenn der Film nicht beendet wird und somit nie hätte gesendet werden können.



    p.s.: Die Doku ist so eng mit dem Film verwoben, dass sich ein neuer Thread aus meiner Sicht nicht lohnt.

  • ..


    Anne äußert in 37 Grad auch die Befürchtung, dass die GL Community sie ausgrenzen würde, wenn sie erfahren, dass Anne die Lautsprache beherrscht. Wenn das so wäre, dann wäre es eine intolerante Community. Wieso fürchtet Anne so etwas? ..

    Auf Netflix gibt es derzeit eine Doku Serie "Deaf U" die Gehörlosen Uni.
    Die bestätigt das was ich über die Galaudet Uni bisher gesagt bekam: dort gilt nur derjenige was, der von Geburt an gehörlos ist und mit der Gebärdensprache aufgewachsen ist. Man redet auch von der sogenannten "Elite", die bestimmt wer als echt deaf gilt und andershörende/anderssprechende isoliert.

    Jedenfalls soll es teilweise in der deutschen GL Community auch so sein und an anderer Stelle wurde hier auch schon von der kategorischen Ablehnung von CIs durch diese Community geredet.
    Ich bewundere jedenfalls jeden Grenzgänger: also den HG/CI Träger der trotzdem sich gebärdend in der Gehörlosenwelt bewegt wie auch auch die Gehörlosen, die sich trotz aller "gutgemeinten" Ratschläge sich für ein CI entschieden haben um diese Erfahrung selbst zu machen.

    links: wahrscheinlich von Geburt an taub; OP: 29.06.2015 Med El Synchrony + Standard Elektrode; EA: am 04.08.2015;
    rechts: seit 14 mehrere Hörstürze, ertaubt; OP: 29.06.2015 Med El Synchrony + Standard Elektrode; EA: am 04.08.2015;
    OP, Anpassung und Nachsorge im Krankenhaus Martha-Maria in München-Solln

  • Das ist korrekt, Joachim.

    Schön wäre es, wenn in jeder Gruppe („Kultur“) die nicht-Idioten (deutlich) überwiegen würden. Das scheint nur leider nicht überall gegeben zu sein.

    Euer Dominik.

    rechts OP 20.02.2020 LMU München, EA 11.03.2020 Sonnet 2

    links OP 16.12.2020 LMU München, EA 15.01.2021 Sonnet 2

    Audiogramm | Über mich

    "Nicht sehen und nicht hören trennt den Menschen von den Dingen und vom Menschen" (unbekannt)

  • muggel Woher nimmst du solche Aussagen? Das ist Audismus.

    So.. mit etwas Abstand möchte ich auf dieses Posting eingehen.

    Audismus ist, wenn jemand eine Geisteshaltung annimmt, die gegen taube / gehörlose Menschen gerichtet ist und die Person der Meinung ist, dass Menschen, die nicht hören können, minderwertig sind.


    Ich sehe nicht, dass ich auch nur ein Wort geschrieben habe, dass eine solche Geisteshaltung bei mir gezeigt hat.
    Ich habe von so vielen Gehörlosen (im persönlichen Gespräch, im schriftlichen Austausch, in verschiedenen Foren wie z.B. Taubenschlag) Informationen zum CI gelesen, die einfach falsch sind.. wie z.B. dass da Drähte rausschauen usw. Diese Postings sind keineswegs nur aus der Anfangszeit des CIs, sondern maximal 5 Jahre alt.
    Weil ich diese Erfahrung hier schreibe, bin ich plötzlich der Auffassung, dass Gehörlose / Taube Menschen minderwertig sind?
    Ich selbst bin seit Kindheit an schwerhörig, seit mehr als 18 Jahren ertaubt. Zudem habe ich eine Körperbehinderung!
    Warum sollte ich der Meinung sein, dass behinderte Menschen minderwertig sind -- unabhängig davon, welche Behinderung diese haben??
    Ich arbeite sogar dafür, dass Barrieren verschwinden -- in meiner Firma bin ich dafür zuständig, dass die hergestellte Software barrierefrei wird.
    Und du beschuldigst mich allen ernstes, dass ich der Meinung sind, taube / gehörlose Menschen sind minderwertig??? Woher nimmst du dir dieses heraus?

    Und ehrlich: ich kann das einfache Herausposaunen von solchen Begrifflichkeiten nicht verzeihen. Die Unterstellung, dass ich (eine Gruppe/alle) behinderter Menschen (und damit insbesondere mich selbst) als minderwertig und nicht-lebens/liebenswert deklariere, ist einfach nicht zu verzeihen.

  • Guten Mittag allerseits,


    @ muggel: Sanne2 hat sich für ihren Kommentar entschuldigt. Sie hat es vermutlich nicht so krass gemeint wie es angekommen ist.

    Vielleicht mag sie sich auch selbst nochmal dazu äußern?


    Dennoch finde ich manche Kommentare hier zu stark abgrenzend gegenüber Gehörlosen. Unsere Gesellschaft ist gespalten genug, da sollten wir uns nicht auch untereinander noch zu sehr in Hörgeschädigten- Grüppchen unterteilen.


    Nach meinen Erfahrungen ist das CI in der Gehörlosen- Community mittlerweile recht gut bekannt. Viele Gehörlose wurden bereits von Ärzten, eigenen Familienmitgliedern, Kollegen, Lehrkräften... gefragt oder gar beeinflusst, ob sie sich nicht ein CI einsetzen lassen wollen. An jeder Schule für Menschen mit Hörschädigung und in fast jedem Gehörlosenverein befinden sich mittlerweile CI- Tragende. Das CI wird im Unterricht an allen Schulen für Hörgeschädigte behandelt.

    Heute hat mich eine Person darauf angesprochen, dass sie nach dem Film besser verstehen kann, warum man sich als gehörlose Person nicht automatisch ein CI einsetzen lässt. Ich finde es gut, wenn durch den Film mehr Bewusstsein geschaffen wurde für die unbekanntere Perspektive der Gehörlosen.

  • Ranu

    Du schreibst das zum wiederholten Male, dass hier sich gegen Gehörlose abgegrenzt wird. Du schreibst pauschal Gehörlose, anstatt darauf hinzuweisen, dass es nur um die sogenannte Kultur unter den Gehörlosen geht, die man hier bedenklich findet. Das ist nur eine Untergruppe aller Gehörlosen.


    Zu der einen Bekannten von dir, die den Film gesehen hat, hast du nicht geschrieben, warum die Person Gehörlose nun versteht, dass sie kein CI wollen. Der Grund kann durchaus sein, weil im Film CIs eben teilweise falsch dargestellt werden.

    Euer Dominik.

    rechts OP 20.02.2020 LMU München, EA 11.03.2020 Sonnet 2

    links OP 16.12.2020 LMU München, EA 15.01.2021 Sonnet 2

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  • Heute hat mich eine Person darauf angesprochen, dass sie nach dem Film besser verstehen kann, warum man sich als gehörlose Person nicht automatisch ein CI einsetzen lässt. Ich finde es gut, wenn durch den Film mehr Bewusstsein geschaffen wurde für die unbekanntere Perspektive der Gehörlosen.

    Ich habe hier nichts abgrenzendes gegen Gehorlose gelesen.


    Ich finde es interessant, dass heutzutage bei Problemen jeglicher Minderheiten die Mehrheitsgesellschaft erst einmal den schwarzen Peter bekommt, die Betroffene Community aber selber äußerst intolerant auf abweichende Ansichten reagiert.

    Wenn hier geschrieben wird, dass man als CI Träger die Argumente von Gehörlosen, die ein CI ablehnen, nicht verstehen kann, dann muss man sich sagen lassen, dass man Gehörlose ausgrenzt. Wie grenzdebil ist das denn?


    Das ist eine Meinung, die einfach mal zu tolerieren ist, genau so wie ich toleriere, dass manche Gehörlose absolut kein CI haben wollen. Ich muss das deshalb noch lange nicht gut finden.

    Bin ich gegen Gendern, werde ich zum alten weißen Mann. Ist schon anstrengend, wie schnell verbale Keulen gezückt werden und ohne Bedacht verteilt werden. Und ja, ich kann verstehen dass muggel da angepisst ist.

    Ich habe auch langsam auch keine Lust mehr unter „Social canceling“ gestellt zu werden, weil irgendwelchen Leuten meine Meinung nicht passt und man deshalb einfach mal komplett diskreditiert werden soll.

  • In diesem Forum geht es um Cochlear Implantate und nicht um Gehörlose im Allgemeinen.

    links: Opus 2XS, Flex28; OP 14/09/2012 MHH
    EA: 05/11/2012 erfolgreich

    seit 12/06/2020 Sonnet 2


    rechts: HG (zu nichts nutze...)
    --------------------------------
    Offenbarung 21,4
    ...und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz...


    Jesaja 35, 4-6
    Sagt den verzagten Herzen: "Seid getrost ..." ...dann werden die Ohren der Tauben geöffnet werden...

  • Als Grenzgänger kann ich beide Gruppen verstehen. Trotzdem gibt es beidseitig schwachsinnige Argumente.


    Beispiele:


    „Die Familie hat Beratungstermine nicht wahrgenommen“


    Wie kommt man dazu selbstständig agierende Familien zu einem Gespräch zu zitieren? Und wenn man hier als Behinderter keinen Kotau macht und dem Ruf der Obrigkeit nicht folgt?

    Die Familie hatte ihre Entscheidung getroffen und das ist zu respektieren.


    Drähte aus dem Kopf und alle möglichen Strahlungen sind genauso falsch.


    Am meisten stört mich jedoch das immer mehr Menschen sich berufen fühlen anderen Vorschriften zu machen. Und hier ist es egal , ob GL den CI-lern vorwerfen die GL-Kultur zu verraten oder Hörende und CI-ler sich beschweren das GL egoistisch handeln weil sie sich nicht optimieren wollen.


    Kann nicht jeder dem anderen die Wahl lassen was man vom Leben erwartet?


    Im Übrigen wird ja aktuell in der GL- Community deutlich bemängelt das den GL jahrelang Bildung vorenthalten wurde. Aus meiner Erfahrung ist die bemängelte Intoleranz in erster ein Ergebnis der geringen Bildung. Hier hat sich jedoch in den letzten 20 Jahren echt viel getan und wenn die Entwicklung anhält dann bin ich hoffnungsvoll das der Deaf-Community eine noch bessere Zukunft bevorsteht.