Erstanpassung

  • Hallo zusammen


    Ich bin jetzt seit elf Tagen implantiert. Alles gut verheilt, Fäden sind auch raus. Ich war am dritten Tag nach der OP beim Audiologen zum Probeton. Der SP wurde eingeschaltet, die einzelnen Elektrodenkontakte gecheckt und deren jeweilige Grundlautstärke eingestellt. Dann wurde ich entlassen und der SP wurde mir mit nach Hause gegeben.


    Ich habe heute mal probiert das Gerät zu tragen. Aber es tut sich gar nichts. Es summt nur laut und mein Tinnitus wird verstärkt. Habe das Ding dann gleich wieder frustriert abgelegt.


    Nun meine Fragen: ist das Gerät vielleicht noch gar nicht betriebsbereit? Und wie läuft die EP ab? Ich muss dazu in vier Wochen nochmal für fünf Tage in die Klinik. Was erwartet mich dort?


    Danke für eure Antworten.

  • Hallo,


    wenn Du was hörst, ist das Gerät auch aktiviert. Wenn es zu laut ist, versuche es leiser zu machen. Du hast doch AB, oder? Hast Du die App AB remote schon installiert? Sonst kann durch mehrfaches und kurzes Drücken der Wippe leiser stellen. Wenn Du das tust, achte mal drauf, ob Du einen Quittierungston hörst. Wenn Du den identifizieren kannst, wäre es schon das erste Erfolgserlebnis.


    Ansonsten GEDULD. Das wird schon!

  • Wenn ich ehrlich bin, finde ich es von der Klinik unverantwortlich, den SP nach der Entlassung und vor der EA dem Patienten mitzugeben!

    Bei mir lagen zwischen der OP und der EA knapp sieben Wochen - die habe ich auch damals gebraucht, um mit der neuen Situation (völlige Taubheit auf der operierten Seite sowie Verlust des Gleichgewichtsorgans) fertig zu werden. Die EA selbst verlief für mich extrem frustrierend - da war ich froh, dass diese in der Klinik stattfand und ich engmaschig (Einstellungen und Hörtraining über sechs Monate lang wöchentlich) von der Klinik betreut wurde. Damit wurde genau die Erfahrung von Neffi Noelli vermieden.

    Tu dir selbst den Gefallen und warte bis zur EA mit dem Anlegen des SP!


    Alles Gute für deine Hörreise, es wird schon werden ;)

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017 Uni Köln, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

  • War bei mir ebenso, EA und Übergabe des SP nach ca. 7 Wochen. Erst wenn alles richtig verheilt war, dann machte die Klinik die EA.

    Rechts Cochlear Kanso 1 CI Modell 512; OP 25.04.2017 Hörschnecke bis auf dem Stumpf entfernt UNI-KLINIK Halle;
    Links HG AMPLI-CONNECT R 5 ON 312 GN seit September 2021.

    Seit dem 25.10.2021 Upgrade auf Kanso 2
    Zubehör: Cochlear™ Wireless Mini Microphone (Minimikrofon 2+); Telefonclip+ von Resound; ReSound TV Streamer 2

  • Hallo NeffiNoelli, es heisst ja nicht umsonst Erstanpassung. Wenn der Prozessor hierzu noch nicht angepasst wurde, kommt da wahrscheinlich nichts Verwertbares heraus, der Prozessor brummt halt, weil er angeschaltet ist, aber das ist wahrscheinlich das Ergebnis des Testes nach den von Dir beschriebenen drei Tagen. Es müssen ja noch die Grundeinstellungen vorgenommen werden: Jede Elektrode wird erstmal auf seine Funktion hin nochmal geprüft, dann wird die sogenannte MAP erstellt. Darin wird für jede Elektrode festgelegt, ab wann Du diese wahrnimmst und bis zu welchem gefühlten Grad sich diese unbehaglich anhört - also der Bereich zwischen leise und laut, vereinfacht gesagt. Dies wird in diesen 5 Tagen Schritt für Schritt angepasst, danach werden je nach Erfolg die Schritte zwischen den Einstellungen grösser.


    Ich persönlich halte nichts davon, den Prozessor schon vor der Erstanpassung an den Patienten auszuhändigen: Die Wunde muss noch einheilen, der Spulenträger sitzt meist noch nicht so richtig (Schwellung der Kopfhaut) und das macht das doch recht fragwürdig auch aus der Sicht des Patienten, der, wie Du ja selbst gerade erlebst, dadurch eher frustriert wird als aufgebaut. Das ist so, als ob ich ein Auto kaufe und mich wundere, warum die Kiste so rumpelt, weil die Reifen erst in vier Wochen geliefert werden ....


    Selbst wenn die Fäden gezogen sind, laufen unter der Kopfhaut noch Heilungsprozesse ab.


    Freue Dich einfach auf den Tag der richtigen Erstanpassung, und fünf weitere Tage später hast Du schon eine Einschätzung, wohin die Hörreise führt.

    Gruss, Rainer.


    Beidseitig versorgt mit: Med-El (Flex 28 im Schneckle, aussen jeweils Sonnet, vormals Rondo)


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    Das Gute missfällt uns, wenn wir ihm nicht gewachsen sind.

  • Danke für eure Antworten!

    Darin wird für jede Elektrode festgelegt, ab wann Du diese wahrnimmst und bis zu welchem gefühlten Grad sich diese unbehaglich anhört - also der Bereich zwischen leise und laut, vereinfacht gesagt.

    Genau das wurde am Tag der Entlassung gemacht.


    Ich habe mich auch bei einem Techniker des DHZ per Mail rückversichert. Ich kopiere mal seine Antwort:


    Sie können das sehr gerne schon tragen. Dann kommen wir in der Erstanpassung etwas weiter, wenn sich der Kopf schon an die Stimulation gewöhnt hat.


    Anfangs muss man öfters mal Pause machen, da das recht anstrengend sein kann.


    Die Einstellung wird dann im Laufe der Erstanpassung weiter verfeinert und langfristig auch nochmal lauter gestellt, sobald das für sie durch Gewöhnung leise wird.


    Liebe Grüße

  • Inzwischen gehen die Kliniken unterschiedliche Wege, wie man hier wieder sieht. Ich verspreche mir nur nicht viel davon, den Patienten mit einem brummenden Prozessor vier Wochen bis zur Erstanpassung schmoren zu lassen. Aus der Antwort des Audiologen geht überhaupt nicht hervor, was Du zu erwarten hast bis zur Erstanpassung und wann es ratsam ist, Pause zu machen. Fakt ist ja, Du hast den Prozessor frustriert wieder abgelegt. Aber ich bin gespannt, wie Deine Erstanpassung verläuft und ob Du bis dahin etwas Verwertbares hörst.

    Gruss, Rainer.


    Beidseitig versorgt mit: Med-El (Flex 28 im Schneckle, aussen jeweils Sonnet, vormals Rondo)


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  • Damit hast Du jedoch schon mal gute Chancen, dass Du mit dem Benutzen des CIs später auch mit einem Rückgang des Tinnitus rechnen kannst - das ist zwar nur Spekulation, aber doch sehr gut möglich.

    Gruss, Rainer.


    Beidseitig versorgt mit: Med-El (Flex 28 im Schneckle, aussen jeweils Sonnet, vormals Rondo)


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  • Das ist meine größte Hoffnung. Den Tinnitus in die Schranken zu weisen war für mich auch der Hauptgrund warum ich mir auf dem im Dezember aus unerklärlichen Gründen ertaubten Ohr ein CI habe verpassen lassen.


    Zwei Ärzte haben mir diesbezüglich auch gute Chancen prognostiziert. Die in der Klinik haben sich diesbezüglich jedoch sehr zurück haltend geäußert.

  • Hallo,

    ich war vor ca. 3 oder 4 Jahren auf einer CI-Veranstaltung indem auch über Frühanpassung berichtet wurde. Und zuvor war mir bekannt, dass früher Patienten die oftmals zuvor "Guthörend waren" das nichts hören unerträglich fanden und baten darum den SP so früh wie möglich bekommen zu können. Somit nahm nach meinem Eindruck seinen Lauf und die Entwicklung ging in einigen Kliniken in Richtung "Frühanpassung". Es wurde soweit mich entsinne auf leise eingestellt, damit nicht die volle Power reinkommt, da die Wunde noch geschwollen ist. Mit nachlassende Schwellung kann auch der Höreindruck ändern, da dann Magnet und Spule näher/besser haften tut.

    Wie die überwiegende Erfahrungen sind weiss ich leider nicht mehr, aber als ich fragte wie die "Hörerfolge" zwischen Frühanpassung und zb. erst bei vielen nach 5-6 Wochen sind, sagte der Arzt das der Unterschied nicht gross sei.

    Auch bei Anpassung nach 5-6 Wochen kann auch am ersten Tag erst nur Rauschen/undefinierte Sprache zu hören sein, das entwickelt sich mit zunehmender Zeit. Nur Unterschied ist glaube ich die später "Erstanpassung" erhielten - bekommen zeitnaher die Folgeanpassungen. Bei Frühanpassung sind nach meinen Eindruck etwas grösser, da die OP Bereich hinter/am Ohr noch geschwollen sind und anfangs ggf. auch stärkere Spulenmagnet genutzt werden muss.... kann mir vorstellen, dass hierbei auch das ziehen/druckstellen auftreten.

    Für Frühanpassung weiss ich nicht ob da bereits von Audiologen an CI-Träger gesagt wird, dass man ggf. Stundenweise tragen sollte. Der Tinnitus KANN (muss nicht bei jedem sein) anfangs laut werden, dann sollte man Hörpause einlegen. Ich hatte mit reguläre Anpassung (beim ersten CI war bei mir später als 6 Wochen da in Osternzeit fiel war bei mir etwas später - beim 2. CI war nach ca. 5 Wochen) auch zeitweise Tinnitus - hab darauf geschoben, dass zuvor so gut wie kein Sprachverständnis hatte, dann erstmal einhören musste und bei Zweitanpassung schob ich darauf dass das Erst-CI Ohr für ca. 7 Jahren die Alleinfunktion übernahm und der Tinnitus durch Anstrengung auflebte. In meinem Fall war am Ende so auch der Arzt bestätigte, dass dies möglich sei. Als dann beidseitig auf ähnlichem Level passte wurde mit Tinnitus weniger und verschwand sogar. Jetzt tritt nur auf, wenn Frust, Stress oder Ärger auftritt, dann weiss ich dass mal wieder 2 Gänge zurückschalten muss und ggf. SP stundenweise abschalten dann gehts wieder gut.


    NeffiNoelli...... ich würde so oft wie möglich Hörpause einlegen. Und wenn wie Andrea hinwies Du an FB die Lautstäke senken kannst solltest Du dies auch tun.


    Ansonsten ist bei "normale Anpassung" und erst recht bei Frühanpassung GEDULD angesagt.

  • Bei mir war zunächst vor allem ein Klingeln zu hören, nach einigen Tagen auch Sprache, aber viel zu leise. Um nicht bis zur EA 4 Wochen später warten zu müssen, hatte mir meine HG-Akustikerin mit Fortbildung CI nach 14 Tagen eine vorläufige MAP eingestellt, so dass ich bei Beginn der EA bereits gute Hörerfolge vorzuweisen hatte.

    Auch die "zu leise" - Einstellung hilft dem Gehirn, sich an die neuen Höreindrücke zu gewöhnen, deshalb würde ich wie vom Techniker vorgeschlagen den SP durchaus phasenweise tragen, wann immer es sich anbietet.

    Hochtonschwerhörigkeit/Hochtontaubheit von Kindheit an.

    Rechts: CI622 seit 12/2019, Nucleus 7

    Links: 65% Sprachverstehen mit HG (seit 2020 Oticon Exceed)

  • Als ich letztes Jahr für die rechte Seite meinen Audioprossesor bekommen habe war es nicht gleich zum Hören eingestellt. Dies hatte den Grund das ich Messungen machen musste.

    Du hast also auch den Prozessor gleich nach OP bekommen. Aber was solltest du denn messen? Was soll man sich darunter vorstellen?

  • Was könnte deiner Meinung nach denn die Ursache für das Brummen sein?

    Das Brummen könnte diese Ursachen haben: Wenn der Prozessor für Dich schon voreingestellt wurde bis zur Erstanpassung, hörst Du mit dem CI halt das, was Du derzeit durch die Stimulation umsetzen kannst, in diesem Fall das Brummen. Nimmst Du über die Tage hinweg das Brummen immer gleich wahr oder kommen da noch andere Töne hinzu?


    Es kommt auch zu Brummtönen, wenn die T-Spulenfunktion aktiviert ist, aber dann brummt es nur, wenn Du entsprechenden brummauslösenden Dingen zu nahe kommst, wie ein Induktionskochfeld, Klingeltrafo beim Durchlaufen unter der Wohnungstür usw.

    Gruss, Rainer.


    Beidseitig versorgt mit: Med-El (Flex 28 im Schneckle, aussen jeweils Sonnet, vormals Rondo)


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    Das Gute missfällt uns, wenn wir ihm nicht gewachsen sind.

  • Nimmst Du über die Tage hinweg das Brummen immer gleich wahr oder kommen da noch andere Töne hinzu?

    Es ist immer das gleiche Brummen. Ich will ihn aufsetzen und habe den Magneten noch nicht ganz am Kopf und höre schon das verstärkte Brummen meines Tinnitus. Andere Geräusche habe ich anfangs teilweise wahrgenommen z.B. mein Händeklatschen als eine Art rhythmisches Brummen auf der Frequenz meines Tinnitus. Das Brummen des Prozessors wird allerdings etwas leiser wenn ich die Lautstärke reduziere.