Mit dem Vierten hört man besser

  • Moin,


    nun wandere ich mal von der Vorstellungsrunde zu den Erfolgserlebnissen. Seit knapp drei Wochen bin ich also mit meinem linken Täubchen auf Entdeckungsreise. Inzwischen ist die dritte und vorerst letzte Anpassung von der Klinik auch schon Geschichte und ich versuche mit dieser Einstellung klar zu kommen.


    CI und HG sind jetzt wohl so ungefähr gleich laut eingestellt, so ist zumindest mein Eindruck. Das bedeutet aber, das ich im Alltag die Sprache im Moment schwerer verstehe, weil mir nun das CI mit unverständlichen Gedüdel dazwischen quatscht. Wenn ich das HG allerdings ausschalte und mich richtig feste konzentriere, kann ich links häppchenweise Sprache verstehen und das sogar in einer Lautstärke, wo rechts schon alles verloren ist. Aber diese Konzentration kann ich nicht lange durchhalten, da meine Nerven eh schon wegen massiver familiärer Probleme am Anschlag sind. Viel lieber höre ich mir dann nur links meine Playlist vom Handy an. Kunterbunt durcheinander über 500 Songs. Das Raten macht Spaß und inzwischen erkenne ich fast alle Songs schon am Anfang. Da ich teilweise die Texte auswendig kann, höre ich auch raus, was gesungen wird, meine es zu verstehen. Oder ist es doch die Erinnerung, die mir das Verstehen vorgaukelt?


    Gestern war ich auch nur mit CI einkaufen. Nur mit HG höre ich die Hintergrundmusik in den Geschäften nicht, nur mit CI habe ich zumindest den Rhythmus aus dem insgesamt Gemurmel von Klappern hier und Scheppern da und Stöckelschuhen auf den Fliesen heraus gehört. An der Kasse hatte ich dann zu meiner Beruhigung HG wieder eingeschaltet und siehe da, ich habe den Kassierer mit der Maske tatsächlich verstanden, nicht nur vermutet, was er sagt, sondern richtig verstanden. Da scheint das CI das HG unterstützt zu haben, weil es hörte sich ganz klar so an wie ich es gewohnt bin. CI allein ist noch eine ganz eigene neue Hörwelt. Tatsächlich blechern, sehr dumpf, mir fehlen die hohen Töne, die scheinen zu leise eingestellt zu sein.


    Leider bekomme ich keinen Termin bei meinem Akustiker, jedenfalls nicht so zeitig. Jetzt überlege ich, ob ich doch noch mal in Frankfurt um einen vierten Termin anfrage oder ob ich mich einfach in Geduld üben sollte, abwarten, da mein Hörzentrum vielleicht doch noch mehr Zeit braucht, das ganze ein zu sortieren.


    Das war es erst einmal wieder in Kürze. Ich muss jetzt Frühstück machen, heute ist 1. Adventsbrunch angesagt und liebe Freunde kommen zu Besuch. Bin gespannt wie ich das mit um die sechs Personen am Tisch hinbekomme.


    Liebe Grüße

    Sanne

  • Hallo Sanne

    Das hört sich ja vielversprechend an.
    Dass du jetzt die Texte bei deiner Musik verstehst, das gaukelt dir aktuell dein Gehirn vor. Aber das ist das beste Training, das du machen kannst: deinem Gehör immer wieder *bekannte* Texte bzw Musik vorspielen, dann verknüpft dein Gehirn den wahrgenommenen Klang mit den richtigen Wörtern bzw Instrumenten.


    Bzgl zu dumpfer Klang würde ich möglichst bald wieder einen Termin beim Audiologen vereinbaren. Seit meine CIs heller eingestellt sind macht mir das Hören mit selbigen viel mehr Spaß

  • Eines verstehe ich nicht, vielleicht habe ich es auch überlesen, irgendwo....3. und vorerst letzte Termin....
    Nach meiner Erfahrung hat man 15 oder 18 Termine, die bewilligt die Kasse, wer mehr braucht, muß "fragen".
    Zum Anfang wöchentlich, dann alle 10...14.....20 Tage and so on.

    Diese Erfahrung mit dem hören habe ich auch gemacht, ich hatte auch das Gefühl, daß das andere Ohr mitgezogen wurde.

    ab 1992 HDO HG rechts
    ab 1998 HDO HG beidseitig
    09.06.2021 OP CI622 - EA 15.07.2021
    07.09.2021 OP CI632 - EA 20.10.2021

    Nucleus 7 Hybrid

    Mini Mic, TV Streamer - Stromversorgung über USB vom TV > funktioniert bestens

  • Le Chuk: Die Erstanpassungswoche hat jede Klinik sein eigenes Konzept und kommt auch darauf an wie Kliniken und KK ausgehandelt haben.

    In Freiburg wird zb 20 Rehatage innerhalb 2 oder 3 Jahre angeboten. Viele Kliniken bieten als Erstanpassungzeit ca. 3-5 Tagen innerhalb einer Woche, danach in ca 3-monatsabstände 1 Termin für Nachjustierungen und Hörtest, ab 2.te Jahr werden Abstände größer. Aber falls jemanden mit CI aus was für Gründen immer mit CI nicht klar kommt oder meint es ist zu leise/laut/unangenehm o.ä. kann jederzeit zwischentermin bekommen.

    Ob bei Erstanpassung zb 5 Tage stationäre oder 2-3 Tagen ambulant macht hat seine vor-/Nachteile. Ich selbst kenne beide Konzepte


    sanne: Dein Bericht klingt für Anfang gut. Ich hatte anfangs ähnlich wie Du gemacht. Ich hatte beruflich immer CI plus HG getragen, in Freizeit/privat hatte ich so oft wie möglich auf HG verzichtet bzw. abgeschaltet, da mit der Zeit immer besser wurde. Falls dann irgendwo was nicht verstand hatte ich HG kurz eingeschaltet. Ich weiß, dass für div CI Trägern Überwindung kostet auf HG zu „verzichten“. Für mich persönlich fand ich diese Vorgehensweise gut und konnte mich auf CI Hören einlassen. Bei 1.CI Anpassung wurde ich von Pädagogin bei diese ich Hörtraining bekam aufgefordert das HG raus zu nehmen. Dies hatte ich freiwillig schon abgezogen, da ich neugierig war was und wieviel ich nur mit CI wahrnahm. Am Abend war ich logischerweise platt vom Hören, dass dann Hörpause einlegte.

    Wenn es Dir unangenehm klingt oder Höhen/Tiefen fehlt kannst du jeder Zeit Termin anfordern. Da du in FFM implantieren lies, kannst du auch Rezept für Hörtraining glaube auch mit Nachjustierung für Hörpunkt Friedberg einholen. Die kooperieren ja mit Klinik FFM!


    Gruß

    Wallaby

  • Moin,

    nun ist schon wieder ziemlich viel Zeit vergangen. Inzwischen war ich des öfteren bei meinem CI-Akustiker mit erstmal einer Einstellung und einem anderen Problem (Roger Freischaltung, ist ne Geschichte für sich). Die Einstellung war fast schon Punktlandung. Das Hören allein mit CI ist zwar immer noch dumpf und künstlich/blechern aber es ist wesentlich angenehmer, ich kann besser die Sprache diskriminieren und das CI unterstützt mein HG nun, Masken sind für mich inzwischen kein Hindernis mehr, zumindest bei denjenigen, die eine klare und deutliche Aussprache haben.

    Kurz darauf war ich bei der ersten Nachsorge mit umfangreichen Hörtest. Einstellen mussten sie nicht viel, hat der Akustiker wirklich gut hinbekommen. Testergebnis: 100% Zahlen CI, 70% HG, Einsilber CI 55% HG dagegen 25%, Olsa nur CI 91%. Das ist eindeutig ein Zugewinn und das macht sich inzwischen in meinem Leben auch bemerkbar, ich bin mutiger geworden und häufiger nur mit CI unterwegs, höre Hörbücher, Podcast, Nachrichten aufs CI gestreamt und entdecke weiterhin meine bekannten Musikstücke, die mir aber noch keinen richtigen Genuß bringen.


    Ambulante Reha und Logopädie ( hier vor Ort) haben nun auch begonnen und teilweise macht es richtig Spaß zu hören und zu verstehen. Sogar den Fernseher on Air und in Englisch habe ich teilweise schon verstanden. Nur schnell gesprochene Sprache ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, meine Mädels beim Erzählen und rumalbern 🤪. Also ich denke, ich bin auf dem richtigen Weg.


    Das war jetzt mal kurz der Zwischenstand auf meiner Hörreise. Ich bin gespannt wie es weiter geht.