Private Unfallversicherung

  • Hallo Zusammen,


    unser Sohn (3,5) Jahre ist im März 2021 im Kindergarten verunfallt (von 70cm Höhe auf die rechte Kopfseite gefallen). Er ist mit dem Hubschrauber in die Klinik geflogen worden und wurde zwei Wochen auf der 1 1/2 Wochen auf der Intensiv und ein drei Tage stationär behandelt. Zu diesen Zeitpunkt ist erstmal alles soweit gut gewesen, wir waren heilfroh, dass unser Sohn zunächst überlebt hat ( er ansprechbar war und es ihm dem Umständen entsprechend gut ging).


    Nachdem wir entlassen wurden um nach einen Monat zur ersten Nachsorge zu kommen wurde in der Klinik eine einseitige Taubheit diagnostiziert. Wir haben uns danach im MHH-DHZ eine weitere Meinung eingeholt und auch dort wurde uns bestätigt, dass unser Sohn einseitig ertaubt ist.


    Schlussendlich haben wir uns für ein CI entschieden ( nachdem wir drei Monate auf eine minimale Chance der Genesung gewartet haben und zur Überbrückung ein Crosshörgerät nutzen konnten, was aber im Alltag nicht ausreichend war). Daraufhin wurde er am 05.08.2021 operiert und soweit ist der Eingriff gut verlaufen. Ein erstes einschalten des Hörprozessors wird am 31.08.2021 erfolgen.


    Wir haben für unser Kind eine private Unfallversicherung abgeschlossen, die im Fall einer Taubheit (Gliedertaxe) eine Summe auszahlen sollte.

    Wir haben alle Unterlagen, Befunde, Anträge fristgerecht eingereicht und der Antrag wird derzeit von einem dort zuständigen HNO Arzt untersucht.


    Die Versicherung hat mich nun verunsichert: Die Aussage steht im Raum, dass durch das CI sein Hörvermögen wiederhergestellt werden könnte und er somit nicht mehr "Taub" wäre.

    In meiner eigenen Logik widerspricht sich das. Wir haben uns vor den Ärzten bescheinigen lassen, dass der Eingriff nicht Duldungspflicht ist und es somit eine freiwillige Operation ist.


    Mir stellt sich hierbei die Frage, ob jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat und mir die Frage beantworten kann, ob so etwas überhaupt so gewertet werden darf.

    Die Taubheit besteht ja weiterhin, ich ziehe immer gerne das Beispiel einer Arm oder Beinprothese hinzu, dort wird die Behinderungen ja auch nicht behoben.


    Ich freue mich auf eure Antworten und verbleibe mit netten Grüßen


    JB

  • Was für eine tragische Geschichte! Und jetzt noch Versicherungsstreß obendrauf.

    Die Versicherung wurde aber vor dem Unfall abgeschlossen?

    Fakt ist, das Kind ist und bleibt einseitig taub, trotz CI.

    Ich würde einen Anwalt für Medizinrecht aufsuchen. Der prüft und klagt gegebenenfalls.


    Greetz, Martina

  • oh je, erst mal alles Gute für euch in dieser schwierigen Zeit. Das tut mir Leid für euch…


    Zur Begründung für die Unfallversicherung könnte noch folgendes Argument angeführt werden: bei eurem Kind ist der Spracherwerb im Gegensatz zu Erwachsenen spätertaubten noch nicht abgeschlossen. Es kann also durchaus sein, dass es nur zum eingeschränktem Sprachverständnis auf der Seite kommt.Man kann nicht von einem postlingual ertaubten Kind sprechen, wenn es noch so jung ist. Es kann natürlich auch beim Erwachsenen geschehen, dass kein Sprachverstehen erreicht wird, aber bei Kindern ist erst recht nicht klar prognostizierbar wie gut die Taubheit durch CI kompensiert werden kann, da dass auditive Zentrum im Gehirn noch in der Entwicklung ist. Das heißt nicht, dass ich glaube, dass euer Kleiner nicht mit dem CI gut hören wird, ich führe nur Argumentationen an. Wichtig könnte sein, die Versicherung davon zu überzeugen, dass ihre Kriterien und Klauseln, die für Erwachsene gelten, nicht automatisch für ein in der Entwicklung befindliches Kleinkind gelten müssen. Habt ihr ein AOSF eröffnen lassen und bekommt euer Kind Unterstützung durch einen ambulanten Dienst einer Hörgeschädigtenschule?


    Ich wünsche euch viel Erfolg 🍀


    Katharina

  • Hallo zusammen,


    die Versicherung wurde letztes Jahr abgeschlossen und gilt auch ab den ersten Tag. Sie ist speziell für unseren Sohn gemacht worden. Zu dem Zeitpunkt, denkt man passiert eh nie, aber besser man hat eine.

    Danke für die Zusprüche, jeder der ähnliche Erfahrungen gemacht hat weiß wie nervenaufreibend und sorgenbehaftet die Zeit ohnehin ist.


    Wir haben noch keine finale Antwort der Versicherungen. Ich hatte mich nur erkundigt, da wir dem Befund von der wiederholten Untersuchung des hörzentrums eingereicht haben, ( taub einseitig) und die nochmal ein weiteres Gutachten die Versicherung nach dem Implantat (Op) erstellen wollen. Beide Gutachten habe ich noch nicht bekommen, ist auch noch sehr akut. Als ich mich erkundigt habe, kam nur die Aussage der Sachbearbeiterin, dass man ja gucken muss wie es sich jetzt nach der op verhält, ob eine Besserung des Hörvermögens eintreten würde.


    Da der Unfall im Kindergarten passiert ist laufen momentan mehrere Handlungsstränge, wir sind im CiC Hannover zur weiteren Behandlung. Eine Unfallrente ist bereits über die gesetzliche Unfallversicherung beantragt. Da muss ich auch wirklich sagen, dass die Unterstützung und Handlungen dort bisher sehr gut sind. Zusätzlich bekommen wir Unterstützung von der Frühförderung und wir sind zwecks des Schädelhirntraumas für einen Termin in der neurologischen Klinik in Friedehorst um Oktober angemeldet. Dort soll nochmal geklärt werden, ob andere Schäden folgen können oder sich bereits anbahnen. Unser Sohn ist schon unruhiger und such seit der op nicht mehr trocken. Wäre aber auch verwundernd wenn sich dass nicht auf seine Seele irgendwie auswirken würde. Wir versuchen alles mögliche, um ihn gegenwärtig und zukünftig, die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten..


    was bedeutet eine AOSF?


    Liebe Grüße jb

  • AOSF ist ein Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs, hier Schwerpunkt Hören und Kommunikation , dann gibt es im Kindergarten und in der Schule Unterstützung/ Beratung


    in NRW heißt das so


    ist in jedem Bundesland anders

  • Zum AOSF-Verfahren https://inklusion-hagen.de/grundwissen/aosf-elterninfo


    das wird mit dem Schulbesuch von Bedeutung. Es geht um möglichen sonderpädagogischen Förderbedarf. Ein Schüler kann auf eine Förderschule gehen (dort gibt es kleinere Gruppen, Ausstattung und auch Unterricht zum Thema Hören und Umgang mit der Hörbehinderungen) oder n eine Regelschule mit Gemeinsamem Lernen. Ein Förderbedarf kann auch wieder aufgehoben werden.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

  • Hallo,


    das klingt ja echt nach Stress. Drücke euch fest die Daumen, dass ihr da ordentlich durch kommt und zu den medizinischen Dingen nicht allzu viel Verwaltungsstress kommt. Braucht kein Mensch....


    Das ihr in Frühförderung seid, ist schon mal ziemlich gut. Ich nehme an, es ist nicht nur speziell fürs Hören oder? Dies gibt es nämlich im Kindergarten-/Vorschulalter über die Schwerhörigenschulen. Das sog. AOSF Verfahren wird erst mit Schuleintritt wichtig.


    Mit der Versicherung kenne ich mich nicht aus, könnte mir aber vorstellen, dass die sich um eine Zahlung auf jeden Fall drücken möchten 😉 bleibt da hartnäckig 👍.


    Ansonsten wünsche ich euch alles Gute, und viel Erfolg bei der Erstanpassung und der anschließenden Hörreise!


    VG Fibi

    Sohn (19 Jahre) rechts HG Linx von Resound bei hochgradiger SH

    links CI von Cochlear - OP am 04.05.2018 / EA 18.06.2018

  • Hallo,


    Die Versicherung möchte sich vor Zahlungen drücken. Das hat aber keinerlei Substanz, oder ist jemand mit einer Beinprothese nicht mehr ohne Bein? Das ist mit dem CI genau analog zu sehen. Ich würde schreiben falls Die medizinisch nachgewiesene vollständige einseitige Taubheit nicht bis zu Datum X anerkannt wird, werdet ihr einen Rechtsanwalt beauftragen, der die Interessen Eures Sohnes vertritt, und die Kosten hierfür der Versicherung in Rechnung stellen.


    Euch alles Gute!

  • Hallo !

    Ich habe erfahrung mit so was.

    Mit Implantat versorgt gilt man in der hno fachwelt als geheilt, auch wenn man kaum etwas damit versteht.

    Das habe ich immer wieder bei meinem berentungsverfahren erlebt.

    Als ich das hier gelesen habe habe ich mein letztes hno gutachten im auftrag der deutschen rentenversicherung herausgesucht.


    Ich zitiere aus dem Gutachten des hno Gutachters:

    "Durch CI-Implantaion ist bds. eine Hörrehabilitation erfolgt. Das heißt trotz fehlender Angaben im Audiogramm besteht die Möglichkeit der verbalen Verständigung. Hilfreich ist es wenn Herr Stuttgarter auf den Mund schauen kann."

    Usw. usf.


    Frühberentet wurde ich letztendlich wegen den auswirkungen die die hörbehinderung über die Jahre psychisch bei mir verursacht hat.

    Nicht weil ich taub bin oder kaum was verstehe.

  • Stuttgarter

    Was stimmt denn mit dem Zitat nicht?


    Rehabilitation heißt nicht, dass irgendwas geheilt würde. Taub bleibt man damit ja trotzdem. Ansonsten müsste jeder CI Träger auf eine Reha verzichten, weil eine Heilung prinzipbedingt ausgeschlossen ist.