CI und Hirnhautentzündung

  • Ich muss da noch präzisieren, sonst wird einiges durcheinandergewirbelt:

    Der Hörnerv leitet die Impulse der Cochlea weiter ins Gehirn, das kann er entweder machen oder er funktioniert nicht, weil z.B. nicht angelegt oder eben die Cochlea nicht funktioniert weil verknöchert usw. Danach werden die Impulse im Gehirn zu Höreindrücken verarbeitet und von diesen Nervenverbindungen habe ich gesprochen, sprich wenn der Hörnerv keine Impulse ans Gehirn weitergibt und dort nicht verarbeitet werden können dann können diese Nervenverbindungen nicht entstehen und zu "Autobahnen" verbreitert werden.


    Andrea:
    Das mit dem beidseits ist eben nicht immer so, sondern es gibt wirklich einige Fälle wo der Hörnerv nicht angelegt war oder nicht funktioniert, auch nur einseitig.

    CI_Joe:
    Spracherwerb ist das was man in den ersten Jahren erwirbt und dann sprechen kann.

    Du meinst wohl das Sprachverständnis dass sich nur langsam entwickelt wenn man vorher jahre oder jahrzehntelang taub war. Da hast du Recht wenn Jahre oder Jahrzehntelang keine Höreindrücke verarbeitet wurden kann es möglich sein wieder zu Sprachverständnis zu kommen, aber es kann sehr lange dauern und sehr viel Zeit und Training brauchen. Grundsätzlich braucht unser Hirn immer Wiederholungen um etwas zu lernen oder eben die Nervenverbindungen zu festigen, ähnlich wie beim Sportler.

    li normal hörend

    re taub nach chronischen MOE im Kindesalter, nun Cochlear N6 OP 8.2.18 EA am 8.3.18

  • Ich kenne bisher nur Menschen, die ein CI haben wegen einer Meningitis, nicht umgekehrt. Ansonsten vielleicht noch das hier:


    https://www.hno-aerzte-im-netz…ea-traeger-empfohlen.html


    ich würde es meinem Kind nicht vorenthalten wollen, mit dem ganzen Kopf zu hören und/oder sich mit einem Ohr durchzuquälen. Natürlich kann das hörende Ohr kompensieren, aber es ist anstrengend. Wie sagte Dr. Jacobs? „Wir haben nicht zwei Ohren aus Dekorationszwecken“.

    Dass Menschen ein CI haben wegen einer Meningitis kann man so aber nicht verallgemeinern. Es gibt so viele unterschiedliche Gründe, warum ein Mensch ein CI hat. Sei es, weil das Hören und Verstehen immer schlechter wurde, aufgrund von Hörstürzen oder auch von klein auf schon sehr schlecht hören, wo Hörgeräte nicht mehr helfen etc. Ich weiss ja, dass du nur auf deine persönlichen Erfahrungen zurückgegriffen hast, was vollkommen in Ordnung ist. Wir alle hier berichten ja größtenteils von unseren eigenen gemachten Erfahrungen. ;):)

  • Hallo ReCI,


    die Aussage war anders gemeint: AnniB kennt nur Personen, die durch eine Meningitis ertaubt sind (und dann ein CI erhalten haben) und KEINE Person, die nach der Implantation eines CI eine Meningitis hatte.
    Und natürlich weiss AnniB, dass es auch andere Gründe als eine Meningitis für eine Ertaubung gibt -- sie selbst ist ja durch Hörsturz ertaubt.

  • Ja, muggel hat recht, so war es gemeint. Als Ursachen für eine Ertaubung, sogar über Nacht, habe ich inzwischen sehr viele kennen gelernt. Auch Leute mit Meningitis.
    Ich schätze es auch, dass die Erstellerinnen dieses Threads sich so gewissenhaft um ihr Kind Gedanken macht. Und ja, man hat - im übertragenen Sinne – auch schon mal „Pferde kotzen sehen“ und ich bin auch ein sehr sicherheitsbedürftiger, regelrecht kontrollsüchtiger Mensch. Doch ich halte hier einen gewissen Mut für sinnvoll.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

    Edited once, last by AnniB ().

  • Ich hatte gestern wieder Training und wir kamen auf die Situation von Kindern. Der Logopäde sagt, das ist ein sehr deutlicher Unterschied sei, ob ein Kind mit zwei oder erst mit fünf Jahren implantiert werde. In der Zeit finde, was das Sprachverstehen angeht, sehr sehr viel statt. Bei beidseitig schweren Kindern könnte das auch bedeuten, dass gewisse Laute von dem erst mit fünf Jahren implantierten Kind nicht mehr präzise gebildet werden können.
    Auch er kannte niemanden, der infolge einer Implantation einer Meningitis bekommen hat.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

  • Wobei der Logopäde wahrscheinlich kaum Kinder mit SSD kennt. Diese kommen durch das gut hörende Ohr idR problemlos in die Sprache. Der Zeitfaktor wird bei SSD nicht ganz so gravierend sein wie bei beidseitig Betroffenen, aber völlig egal ist der Faktor Zeit auch nicht.

    Man sollte nur nicht, aus Angst falsch zu entscheiden, gar nicht entscheiden.

  • Ich habe einige Studien gelesen zu diesem Thema. Es scheint so zu sein, dass der Hörnerv aus mehreren Nervenleitungen besteht. Werden diese nicht genutzt bauen sich die Nerven und die Verbindungen untereinander mit der Zeit ab. Dann wird weniger/schlechter übertragen, sollte ein CI implantiert werden. Wie schnell der Abbau geht ist vermutlich individuell und hängt vom Ertaubunsgzeitpunkt ab, hierzu habe ich nichts gefunden.

    Etwas anderes ist dann, was im Gehirn passiert. Hier gibt es eine Plastizität. Speziell für SSD: Bereiche, die für das Hören zuständig wären, werden scheinbar quasi umgeschrieben und der anderen Gehirnhälfte verändert sich etwas:


    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26707432/, (Functional-structural reorganisation of the neuronal network for auditory perception in subjects with unilateral hearing loss: Review of neuroimaging studies, 2019)


    https://bmcneurosci.biomedcent…s/10.1186/1471-2202-10-23 (The effect of long-term unilateral deafness on the activation pattern in the auditory cortices of French-native speakers: influence of deafness side, 2009)


    Wenn ich das richtig verstanden habe sind es 2 paar Schuhe mit einem CI zu erkennen, dass da ein Geräusch ist oder zu erkennen, dass das Geräusch ein bellender Hund war. Also reine physikalische Wahrnehmung und Interpretation. Letzteres ist der Knackpunkt weswegen bei vielen Langzeittauben ein Sprachverständnis mit CI oft (nicht immer) schwierig ist. Das ist zum einen individuell (siehe Salve hier im Forum!), zum anderen vermutlich stark abhängig vom Zeitpunkt der Ertaubung (pränatal, prä- oder postlingual), wie sich Hörnerv und Gehirnstruktur verändert haben und wie übungswillig der CI-Neuling ist.

  • Hallo,


    ich weiß gar nicht, wie aktuelle das Thema jetzt für euch noch ist, Lama.


    Ich habe auch nicht alle Beiträge gelesen, verzeih mir also ggf. Wiederholungen.



    Ich selber bin Mutter eines mittlerweile schon 20järhigen Sohnes, der einseitig ein CI trägt (allerdings auch auf der anderen Seite hörgeschädigt ist).



    Aber ich habe durch lange Beratungspraxis und verschiedene Kontakte zu anderen Eltern/ Familien auch Kontakte zu Familien, deren Kind/ Kinder einseitig taub sind und nicht implantiert/ spät implantiert/ früh implantiert wurden.



    Fakt ist, dass keines der implantierten Kinder gar nicht von seinem CI profitiert. Allerdings ist der Profit sehr unterschiedlich ausgeprägt und man könnte sagen, dass diejenigen, die früher implantiert wurden auch am meisten Nutzen haben. Ich habe das Gefühl, dass je jünger ein Kind ist desto selbstverständlicher lässt es sich darauf ein, trägt das CI und lernt quasi im Alltag damit umzugehen.


    Wichtig scheint vor allem bei älteren Kindern/ Jugendlichen zu sein, dass die Klinik Erfahrung hat mit der Reha bei einseitig tauben Kindern/ Jugendlichen und dass das CI-Ohr trainiert wird und das CI auch regelmäßig – eigentlich immer – getragen wird und nicht nur in der Schule usw.



    Ich kenne ein einziges Mädchen, die erst mit 16 implantiert wurde und jetzt rückblickend sagt, dass sie nicht sicher sagen könnte, ob sie das nochmal machen würde. Sie kann tatsächlich ausschließlich Geräusche wahrnehmen und sagt, dass ihr das CI schon hilft, sich zu orientieren z.B. im Straßenverkehr. Aber sie hat gar kein Sprachverstehen. Trotzdem trägt sie es, hatte aber eben auf mehr gehofft (wobei die Klinik schon realistisch dargestellt hat, wie gering die Chancen auf Mehr sind).



    Ich kenne auch Kinder, oder mittlerweile eher Jugendliche bzw. junge Erwachsene, die sich gegen ein CI entschieden haben bzw. denen ein CI nie als Option angeboten wurde im Kindesalter. Dort ist es sehr unterschiedlich, wie sie mit der Einschränkung nur einseitig zu hören zurechtkommen. Alle berichten, dass sie in Schule, Ausbildung oder Beruf manchmal Schwierigkeiten haben, alles zu verstehen bzw. empfinden das Zuhören anstrengend (auch je nach Umgebungslärm natürlich). Die meisten haben gelernt, damit umzugehen und nehmen sich jetzt nicht als total beeinträchtigt wahr- wobei man natürlich auch sagen muss, dass sie ja auch nicht wissen, was sie nicht mitbekommen…


    Einige dieser mittlerweile jungen Erwachsenen bedauern aber schon, dass in ihrer Kindheit die Bedeutung des beidseitigen Hörens und damit auch der CI-Versorgung bei einseitiger Taubheit nicht selbstverständlich waren und sie deshalb jetzt nicht mehr davon profitieren können. Fast alle aber würden sich jetzt nicht mehr implantieren lassen, weil sie es als „zu spät“ erachten bzw. sich arrangiert haben.



    Zum Risiko der Hirnhautentzündung:


    es scheint ein leicht erhöhtes Risiko zu geben durch das Implantat.


    ABER man weiß ja darum und deshalb wird eben bei Infekten, vor allem mit Ohrenbeteiligung, immer genauer hingesehen und man würde eben vielleicht einmal mehr zum Arzt gehen und ins Ohr gucken lassen.


    Aber absolute Sicherheit wird man nicht bekommen, aber die hat man natürlich auch nicht bei einem hörenden Kind.



    Auf der anderen Seite ist ja auch mit dem nur einseitigen Hören ein Risiko verbunden, wie z.B.:


    - Überhören von Gefahren, z.B. im Straßenverkehr, und dadurch ggf. erhöhte Unfallgefahr


    - Haltungsschäden inkl. Schmerzen durch das Hinwenden des hörenden Ohres zum Sprecher, zur Tafel usw.


    - Stresssymptome/ Überanstrengung durch Höranstrengung


    - schulische Probleme


    Und es bleibt die Frage: was passiert, wenn mit dem anderen Ohr mal was passiert? Dann wäre man ggf. plötzlich komplett taub.



    Ich persönlich kenne kein Kind, was nach der CI-OP eine Hirnhautentzündung hatte, sondern nur solche, die durch eine Hirnhautentzündung ertaubt und dann CI-versorgt wurden.



    Ich weiß von einer jugendlichen CI-Trägerin, die an einer Hirnhautentzündung erkrankt ist, an der aber das CI nicht dazu geführt haben soll. Ich glaube auch, dass sie nicht geimpft war.



    Ich wünsche euch, dass ihr eine gute Entscheidung treffen könnt!


    Alles Gute und viele Grüße aus Norddeutschland!