Telefonieren bei bimodaler Versorgung

  • Hallo allerseits! Nach meiner Erstanpassung vor fast sechs Jahren bin ich in diesem Forum erstmal zum stillen Mitleser geworden, der sich kaum selbst zu Wort gemeldet hat. Nach einem Stellenwechsel drängt mich gerade das recht akute Problem des Telefonierens als bimodal versorgter Med El-Träger, und vielleicht geht es jemandem im Forum ähnlich oder es gibt bereits Erfahrungswerte zu dieser Problematik. Ich hatte immer den Eindruck, dass es sowohl für beidseitige Hörgeräte- als auch CI-Träger gute technische Anbindungsmöglichkeiten für beidohriges Telefonieren gibt. Für mich ist das sehr schwierig, weil ich mich aktiv für eine Seite entscheiden muss, mit der ich gerade telefonieren möchte - auf der anderen Seite langweilt sich in dieser Zeit wohl der Hörnerv und beginnt nach fünf Minuten ein Pfeifkonzert. Nun hat Google kürzlich zusammen mit einigen Firmen einen neuen Standard vergleichbar zu Made for iPhone auf den Markt gebracht. Mit ASHA sollte es den Ankündigungen möglich sein, zwei seitengetrennte Geräte als Headset zu verbinden. Auch nach Auskunft von Med El sollte es so gut realisierbar sein, auf einem Ohr mit CI und dem anderen mit HG ans Handy angebunden zu sein. Das hat mir erst sehr viel Hoffnung für mein Problem gemacht, aber gerade setzt Ernüchterung ein.


    Ich hatte ein neues Handy besorgt, den AudioStream trotz Lieferengpässen und technischen Anlaufschwierigkeiten organisiert und jetzt endlich ein Hörgerät mit dem ASHA-Protokoll von ReSound zum Testen bekommen. Die gemeinsame Anbindung klappt (wenn man die Macken des AudioStream erstmal kennt) recht problemlos, beide Geräte werden in den Barrierefreiheitsoptionen als Hörhilfen erkannt und die Bluetooth-Verbindung steht. Und dann beim Test: Die Verbindung ist absolut asynchron! Es ist wirklich, wirklich grauenhaft und völlig unbrauchbar. Das Hörgerät hängt durchgehend eine halbe Sekunde hinterher und eine normale Verständigung ist undenkbar. Mehrfache Versuche, beide Geräte neu zu koppeln, brachten keinen Erfolg.


    Hat hier irgendjemand bereits Erfahrungen damit gemacht? Ich weiß, dass es bereits einen Thread zum AudioStream gibt, aber ich denke, dass dieses Problem hier eher speziell ist und nicht so gut in den allgemeinen Thread passt.


    PS: Mit einem iPhone habe ich es auch schon probiert; da ist es daran gescheitert, dass ich den AudioStream gar nicht erst anbinden konnte.

    an Taubheit grenzend schwerhörig


    links: HG (Oticon Alta)
    rechts: CI (MedEL, Synchrony mit Flex 28-Elektrode / Sonnet), OP: 28.05.2015, EA: 29.06.2015

  • Hallo Buzz,

    So viele bimodale Medel-Träger mit AudioStream wird es hier nicht geben. Vielleicht rührt sich ja noch einer.


    Das Resound hast du noch nicht gekauft? Dann würde ich mal andere probieren.

    Bist du dir sicher über den so hohen Versatz von ca 500 ms? Ich als bilateraler Medel Träger mit AudioStream hab immer wieder einen kleinen Versatz zwischen links und rechts beim iOS. Si minimal, dass ich nicht sicher sagen kann, welches hinterher hinkt.


    Wenn es eher im Bereich von 10ms liegt, könnte der Medel Audiologe eine Verzögerung einbauen. Das dient eigentlich der Synchronhaltung von CI und HG im Alltag. Aber vielleicht bringt es dir genau das auch bei Bluetooth.


    Apropos: wie funktioniert das Koppeln beider Hörhilfen ohne App von Medel, so wie es bei 2 CIs notwendig wäre? Das scheint bei ASHA besser gelöst zu sein.

  • Mit der ASHA-Technologie habe ich keine Erfahrung. Möchte aber anfügen, dass die gute alte T-Spuhlentechnik nach wie vor ausgezeichnete Dienste leistet. In meinem Fall verbinde ich die T-Spuhle des Hörgeräts und des Sonnet 2 mit der Ringschlaufe von Artone, die ich um den Hals trage. Die Ringschlaufe stellt die Verbindung via Bluetooth zur Quelle (Handy oder PC) her. Hab noch nie eine Asynchronität zwischen Hörgerät und CI festgestellt.

    Jahrgang 1956. Ab 50igstem Lebensjahr progressiver Hörverlust rechts, ohne Befund; ab 57igstem Lebensjahr progressiver Hörverlust Links, ohne Befund

    Implantat-Rechts 9.1.2019 Universitätsklinik Zürich, Synchrony mit Flex28-Elektrodenkabel von MED-EL; Sprachprozessor: Rondo2 Feb. 2019-Okt.2019; Sonnet 2 ab Nov. 2019

    Links: Hörgerät Pure 5 (Signia); Hörverlust 90% (CPT-AMA, Messung 05.2019)

    Persönlicher CI-Erfahrungsbericht: https://cochlea-implantat-2.jimdofree.com

  • Hallo ihr drei und erstmal vielen herzlichen Dank für eure raschen Antworten!


    Dani!: Das Resound habe ich noch nicht gekauft. Ich glaube aber, dass außer Resound und Starkey noch gar keine Hörgeräte mit ASHA-Unterstützung auf dem Markt sind. Selber habe ich jedenfalls nichts gefunden und mein Akustiker war auch überfragt. ci_joe hat es ja auch noch einmal bestätigt.

    Der Lag ist auf jeden Fall gewaltig, sind immer ca. zwei bis drei Wörter. Da ist Zuhören völlig ausgeschlossen. Ob das jetzt exakt eine halbe Sekunde oder etwas weniger ist, kann nicht sagen. Es ist jedenfalls viel zu viel, um das Gesagte gut mitzubekommen und irritiert wahnsinnig. Von der Möglichkeit Musik zu hören will ich da gar nicht anfangen. Dass es die Möglichkeit von Verzögerungen beim CI gibt, wusste ich gar nicht. Das ist ein guter Hinweis und ich werde dem mal nachgehen. Die Frage nach der Koppelung verstehe ich nicht ganz - ich muss es auf jeden Fall über die App von Med El machen, weil der Audiostream sonst nicht erkannt wird. Das Hörgerät hat eine eigene App.


    Theodor: Die Spulentechnik kenne ich selbstverständlich und habe hier auch noch einen Artone. Genau das ist aber auch der Grund, dass ich das absolut nicht mehr möchte, weil es einige m.M.n. gravierende Nachteile gibt. Ich finde diese Technik zum einen wahnsinnig störanfällig und kriege von dem leisen Grundrauschen Kopfweh. Dass ich im Jahr 2021 noch ein Zwischengerät zum Telefonieren benutzen sollte, finde ich unnötig. Ich wechsle nämlich lieber die Batterie direkt am Kopf als dass ich nochmal ein Ladegerät für die Spule rumtrage, die keine besonders gute Akkulaufzeit hat. Das sind nur ein paar der Nachteile und die Spule ist für mich selbst insgesamt leider keine Lösung, selbst wenn andere davon überzeugt sein mögen - und das freut mich für diejenigen auch ehrlich. Dass das Signal wenigstens nicht asynchron ist, kann ich aber aus meiner Erfahrung auch bestätigen.

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    rechts: CI (MedEL, Synchrony mit Flex 28-Elektrode / Sonnet), OP: 28.05.2015, EA: 29.06.2015

  • Hallo Buzz, ich fürchte, Du musst mit der guten alten analogen Induktion arbeiten. Bei MedEl kann in der Software die Latenz zwischen Hg und Ci eingestellt werden. Aber selbst wenn die zu Null eingestellt wäre, wäre eine so krasse Verzögerung nicht gegeben. Ich vermute daher, dass die ASHA Protokolle nicht synchron arbeiten.

  • Danke auch an dich für die Antwort, Andrea2002! Ich hatte oben geschrieben, weshalb der Artone für mich keine gute Lösung ist. Da sind vor allem das durchs Rauschen Kopfweh und die Akkulaufzeit, die nicht für einen ganzen Tag im Büro hält, die Ausschlusskriterien.

    Für mich wirkt es auch, als käme ASHA nicht mit zwei unterschiedlichen Geräten klar. Das erstaunt mich jetzt doch, weil sich die Ankündigungen auf Google so lasen, als wäre die Synchronisation zwischen den beiden Geräten das Hauptfeature davon. Es ist ärgerlich, das so für sich feststellen zu müssen, aber nach den Erfahrungen der letzten Jahre mit AudioLink und jetzt dem AudioStream scheint mir Med El von allen Herstellern die schlechteste Wahl für bimodal Versorgte zu sein.


    ci_joe: Ich habe noch den Sonnet 1. Mit dem Prozessor bin ich an sich auch total zufrieden.

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    rechts: CI (MedEL, Synchrony mit Flex 28-Elektrode / Sonnet), OP: 28.05.2015, EA: 29.06.2015

  • Wenns ums Telefonieren auf Arbeit geht, dann hast du immer noch die Möglichkeit, Roger-FM Empfänger am Sonnet und an den meisten HGs dran zu hängen. Kostet aber auch wieder etliches und kann nicht mit dem AudioStreamer gleichzeitig verwendet werden.

  • Hallo hat Du denn außer der Artone noch andere Ringschleifen z.B. von Amplicom und Humantechnik probiert? Sonst wäre Telefonieren über FM eine (leider nicht sehr bequeme) Möglichkeit.


    Ich finde hier zeigt sich, dass MedEl gut daran täte sich mit einem HG Hersteller zusammen zu tun.

  • Hallo hat Du denn außer der Artone noch andere Ringschleifen z.B. von Amplicom und Humantechnik probiert? Sonst wäre Telefonieren über FM eine (leider nicht sehr bequeme) Möglichkeit.


    Ich finde hier zeigt sich, dass MedEl gut daran täte sich mit einem HG Hersteller zusammen zu tun.

    Hallo Andrea


    Es tut mir leid ständig deine abwertende Kommentare über medel zu lesen! Sie nerven! !

    Normalerweise telefoniert man mit einem Ohr und nicht mit beiden!


    Gruß Joachim

  • Ich telefoniere im Festnetz mit beiden Ohren, unterwegs mit dem Handy telefoniere ich einseitig. Ich verstehe natürlich besser beidohrig. Ungewöhnlich ist beidohriges Telefonieren bei Schwerhörigen im Übrigen nicht, und wenn es normal über Freisprechlautsprecher passiert. Aber auch darüber hinaus gibt es einige technische Lösungen, insbesondere dieses o.g. Bluetoothprotokoll.

  • Hallo allerseits, ich melde mich nach längerer Pause (und einigem Testen...) wieder - vielleicht ist es ja für die eine oder den anderen noch interessant:


    Zunächst noch einmal vielen Dank für eure Kommentare und Anregungen. Ich wollte keine Grundsatzdiskussion über Med-El lostreten, die ja ohnehin nichts an meiner Situation ändern würde. Warum mir - im Gegensatz zu Hörenden - ein binaurales Telefonieren sehr wichtig ist, habe ich glaube ich auch schon erwähnt: Sofern ich nur an einem Ohr Input bekomme, fängt das andere an zu fiepen und ich bin beim Gespräch raus. Beidohriges Telefonieren ist also ein Muss.

    Ich habe zwischenzeitlich noch einmal den Artone getestet. Von der Tonqualität her ist er "schon okay", aber das Grundrauschen bei aktivierter T-Spule empfinde ich dennoch als sehr störend. Da kann aber der Artone nichts dafür und es wäre auch mit einem anderen Gerät nicht besser. Für Teambesprechungen via Skype auf der Arbeit werde ich ihn ab jetzt aber wohl öfter nutzen. Lösungen wie den Roger würde ich schon aufgrund der Umständlichkeit und zusätzlichen Geräte nicht wollen.


    Bleibt noch die Frage nach ASHA: Ich habe zwischenzeitlich ein anderes (das zweite von beiden für meine Hörstärke überhaupt verfügbaren) Hörgerät getestet und da klappt es tatsächlich sehr gut mit der gleichzeitigen Übertragung. Es ist sehr häufig komplett synchron, und wenn es mal nicht so ist, klappt es nach dem CI-Neustart immer gut. Randbemerkung zum Musikhören: Ein richtiger "Stereo-Eindruck" entsteht zwar nicht, aber es gibt wenigstens keine störenden Latenzen. Von daher wäre damit alles so weit gut, wenn - bei diesem Hörgerät nicht die T-Spule fehlen würde. Insofern wäre ich da bei der obigen Situation (Teambesprechungen) wieder auf 0.


    Lange Rede, kurzer Sinn: Mit ASHA scheint es für mich derzeit keine gute bimodale Lösung zu geben. Ich werde wohl in den sprichwörtlichen sauren Apfel beißen, mir ein neues Handy zulegen und mich demnächst durch die lange Liste an "Made for iPhone"-Geräten testen, in der Hoffnung, dass ein passendes dabei ist. Wer Infos bzgl. der ASHA-Erfahrungen möchte, kann mich gerne kontaktieren. Und vielleicht hat ja auch jemand Erfahrung mit MFi und HG/CI. Ich würde mich freuen! Ansonsten auch nochmals vielen Dank euch allen, die sich beteiligt und Anregungen gebracht haben!

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  • Ich freue mich, dass hier ein Fragesteller sich noch einmal zurück gemeldet hat, um das Ergebnis mitzuteilen, auch wenn unsere Tips adhoc nicht geholfen haben.


    Ich nehme mit der analogen T Spule auch ein latentes Rauschen im CI (nicht im Hg) wahr. Die Stärke des Rauschens und damit der Nervfaktor sind abhängig von der verwendeten T Schlinge. In der Kirche ist es meistens tolerabel, die kleinen Halsschlingen hingegen haben mich bisher auch nicht überzeugt. Ich habe die letzten Jahre allerdings nicht mehr induktiv gehört. Diese Technik ist offenbar ebenso vom Aussterben bedroht, eigentlich schade, da recht viele öffentliche Räume damit versorgt sind, aber im öffentlichen Raum gab es die letzten 1,5 Jahre ja nichts mehr zu hören.

  • Ich telefoniere einfach mit einem Over-Ear-Headset inkl. Mikro, das klappt hervorragend, selbst mit einem Billigteil, das ich (eigentlich nur zum testen, ob das überhaupt funktioniert) für 14€ bei ebay erworben habe. Im Büro hat mir mein Arbeitgeber ebenfalls ein entsprechendes Headset zur Verfügung gestellt. Der Vorteil, den ich nicht mehr missen möchte: Der Hörstress wird dadurch geringer, ich habe kaum noch Erschöpfungssymptome.

    Die einzige Voraussetzung: Das HG muss rückkopplungsfrei sein.

    Hochtonschwerhörigkeit/Hochtontaubheit von Kindheit an.

    Rechts: CI622 seit 12/2019, Nucleus 7

    Links: 65% Sprachverstehen mit HG (seit 2020 Oticon Exceed)

  • Lange Rede, kurzer Sinn: Mit ASHA scheint es für mich derzeit keine gute bimodale Lösung zu geben. Ich werde wohl in den sprichwörtlichen sauren Apfel beißen, mir ein neues Handy zulegen und mich demnächst durch die lange Liste an "Made for iPhone"-Geräten testen, in der Hoffnung, dass ein passendes dabei ist.

    Das mit dem iPhone bei bimodaler Versorgung würde ich in Kombination mit Med-EL noch sein lassen. Bei MFi müssen die beiden Geräte links und rechts zueinander kompatibel sein, das ist bei keinem HG im Verbund mit Med-EL der Fall.


    Schlimmer noch: Ich bin beidseitig mit Med-EL versorgt und habe auch für beide Seiten je einen AudioStream. iOS 14.4.2 ist aktuell die letzte Version, mit der sich beide AudioStreamer problemlos gleichzeitig mit dem iPhone verbinden lassen - und das klappt außerdem nur, wenn diese mit einer zusätzlichen App von Med-EL gekoppelt wurden. Seit 14.5 und aktuell 14.6 klappt das Koppeln und damit das Verbinden nur mit einer Seite gut. Derzteit warte ich darauf, dass es von irgendjemandem ein Update gibt, dass sich wieder beide Seiten problemlos verbinden lassen - bevor ich ein Upgrade von iOS durchführe.


    So gesehen ist die Chance bei ASHA wohl höher, dass es mit bimodaler Versorgung gut klappt.

  • Hallo Dani!


    Du hast ja 2 Ci! ^^ Aber das Problem ist eigentlich ein Hardwareproblem weil man einen Bluetooth Splitter bräuchte um 2 verschiedene Geräte anzusprechen (Hörgerät und Ci) und Software Lösung funktioniert nicht richtig! Und kein Handy das. Ein physikalisches Problem!


    Gruß Joachim