Loht es sich, einen überteuren Kopfhörer zu kaufen?

  • Guten Tag liebe Mitglieder und Mitgliederinnen des Forums,


    hiermit möchte ich mich gerne mal danach erkundigen, ob es sich loht, einen überteuren (mehr als Tausend Euro gemeint) Kopfhörer zu kaufen. Ich habe zurzeit Sennheiser HD 569 für 150€, der das ganze Ohr rumschließt und via Kabel zur Vermeidung der Qualitätsverulst vom Klang funktioniert. Jedoch er hilft also leider nicht so perfekt, wie ich erwartet habe. Ich bin bereit, auch mehrere Tausende Euro dafür auszugeben, falls es sich wirklich loht, da das für mich lebenswichtig ist. Ich muss Online-Vorlesungen an der Uni akustisch verstehen können. Der von MED-EL gestellte Audiolink hat nicht so gute Klangqualität, wie meine jetzige Kopfhörer, daher benutze ich ihn nicht. Hat jemand Erfahrung mit solchen "Studiokopfhörern" gehabt? Ich freue mich gern auf Ihre Geschichten.


    Ich wäre Ihnen sehr dankbar für Ihre Hilfe und Bemühungen.


    Mit freundlichen Grüßen

    Sultan Aliyev

    Seit dem vierten Lebensjahr beidseitig an Taubheit grenzend hochgradig schwerhörig (80 dB).

    Von 4. bis zum 23. Lebensjahr trug ich Hörgeräte (die Letzte waren Phonak Naida V90-UP)

    Am 5. August 2020 wurde links implantiert (MED-EL Synchrony 2) und 17. Sep 2020 EA (Sonnet 2 + Audiostream)

    Edited once, last by Sultan97: Rechtschreibfehler ().

  • Hallo Sultan,


    ein überteuerter Kopfhörer lohnt sich lediglich für HiFi-"Könner" mit 2 überguten Ohren. Die mögen dann die letzte Nuance noch raushören.


    Eine Kette ist immer nur so stark, wie das schwächste Glied. Und das ist in unserem Fall nicht der 150,-€-Kopfhörer, sondern unser Hörvermögen. Ich fürchte, Du wirst beim HighEnd Gerät kaum einen Unterschied zu Deinem Kopfhörer feststellen können.


    In Deinem Fall hilft wohl nur üben, üben, üben zum besseren Sprachverständnis. Du bist noch frisch implantiert, da ist das Ende der Fahnenstange längst nicht erreicht


    LG Konrad

  • In Deinem Fall hilft wohl nur üben, üben, üben zum besseren Sprachverständnis. Du bist noch frisch implantiert, da ist das Ende der Fahnenstange längst nicht erreicht

    Lieber Konrad,


    vielen Dank für Ihre so schnelle Antwort. Es ist natürlich klar, dass ich frisch implantiert bin und mir noch nicht ganz gut an CI angewöhnt habe. Ich übe mich doch weiter, aber trotzdem jeder/jede will die bessere Klangqualität haben, wenn man Möglichkeit hat, das zu bekommen.


    Sind Sie der Meinung, dass wir, CI-Träger, kaum Unterschied zwischen Studiokopfhörern und normalen guten Kopfhörern feststellen können, weil wir ausschließlich bis zum 9300 Hertz hören können, wohingegen die Studiokopfhörer 50 000 -100 000 Hz herausgeben oder nur deswegen, dass ich mittlerweile frisch implantiert bin und vorderhand nicht den ganzen Effekt von CI sehen/spüren kann?


    Das Hörtraining dauert zu lange, aber Vorlesungen muss ich jetzt akustisch verstehen können, daher suche ich die beste Klangqualität, die ich kriegen kann.


    Beste Grüße

    Sultan

    Seit dem vierten Lebensjahr beidseitig an Taubheit grenzend hochgradig schwerhörig (80 dB).

    Von 4. bis zum 23. Lebensjahr trug ich Hörgeräte (die Letzte waren Phonak Naida V90-UP)

    Am 5. August 2020 wurde links implantiert (MED-EL Synchrony 2) und 17. Sep 2020 EA (Sonnet 2 + Audiostream)

  • Lieber Sultan,


    also der BOSE QC II für ca. 200 € tut sein Bestes, allerdings habe ich auch ein CI und HG. Für mich reicht es vollkommen, da die Muschel groß genug ist und nirgendwo aneckt.


    Ich habe so duzende Kopfhörer gestestet in den Märkten und alle anderen waren einfach zu eng um die Ohren.


    Hab auch den Sonnet 2........


    Gruß Norbert

    links: Opus 2XS, Flex28; OP 14/09/2012 MHH
    EA: 05/11/2012 erfolgreich

    seit 12/06/2020 Sonnet 2


    rechts: HG (zu nichts nutze...)
    --------------------------------
    Offenbarung 21,4
    ...und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz...


    Jesaja 35, 4-6
    Sagt den verzagten Herzen: "Seid getrost ..." ...dann werden die Ohren der Tauben geöffnet werden...

  • Hallo Sultan 97, du bist gerade frisch implantiert und hast noch eine längere Reha-Zeit vor dir. Daher kannst du nicht erwarten, mit dem CI-Ohr alles und genau und richtig zu verstehen. Und ein noch so teurer Kopfhörer wird dir das Verstehen mit dem CI nicht ersetzen. Hab einfach Geduld, du stehst noch am Anfang.

  • Liebe Maryanne,


    vielen Dank für die Antwort. Eigentlich haben Sie Recht, dass ich frisch implantiert bin und den Sprachprozessor lediglich nur ca. 2,5 Monate trage, und noch mittlerweile nur ein CI, sondern nicht zwei. Aber ich bin doch postlinguial schwerhörig geworden, d.h. ich wurde hörgeschädigt, nachdem ich sprechen gelernt hatte. Solche Patienten sollten in der Regel in 2-3 Monaten bereits fit mit CI sein. Zurzeit fühle ich mich allerdings so, als ob das Hörgerät weiter trage. Es ist schon 2.5 Monate lang und ich spüre keinen großen Unterschied im Vergleich zu HG und WoW-Effekt von CI. Wie lange würden Sie schätzen, wie viele Monate ich noch brauche, um Videos ohne Untertitel verstehen zu können? Ich bin nicht aus der Gehörlosen-Gesellschaft (ich kann keine Gebärdensprache) und spreche ohne Akzent von Schwerhörigen.

    Vielen Dank im Voraus.


    Beste Grüße

    Sultan

    Hab einfach Geduld, du stehst noch am Anfang.

    Seit dem vierten Lebensjahr beidseitig an Taubheit grenzend hochgradig schwerhörig (80 dB).

    Von 4. bis zum 23. Lebensjahr trug ich Hörgeräte (die Letzte waren Phonak Naida V90-UP)

    Am 5. August 2020 wurde links implantiert (MED-EL Synchrony 2) und 17. Sep 2020 EA (Sonnet 2 + Audiostream)

  • Hallo Sultan,


    ich stimme Konrad (weiter oben) zu: Das schwächste Glied in unserer Hörkette ist das Hörvermögen. Mich hat dieses Thema auch lange beschäftigt, ich habe auch verschiedene Kopfhörer ausprobiert. Letztendlich konnte ich keine Unterschiede feststellen, welche die Klangqualität betreffen. Es gab wohl einige Nuancen Unterschied im Bereich "klingt hell" bis "klingt eher dumpf". Wichtiger ist mir dann das Tragegefühl gewesen:


    Halte ich das länger aus, ist der Kopfhörer bequem und sitzt trotzdem gut und sicher?

    Schwitzen meine Ohren (ggf. bei geschlossenen Kopfhörern) ?

    Mit welchem Kopfhörer komme ich eher klar? Geschlossen oder offen?


    Das CI liefert eine Klangqualität und einen Frequenzumfang, der von jedem handelsüblichen Kopfhörer umgesetzt wird, wenn er nicht gerade vom Grabbeltisch kommt. Mir wäre als Kriterium eher der Tagekomfort wichtig. Nobbi's Bose QC II ist da auch gerne meine Empfehlung, damit kommen wohl viele Leute gut klar. Ich selbst streame und telefoniere über den AudioLink, für mich passt das gut.


    Ich würde erstmal abwarten und vor allem Geduld mitbringen beim Hören mit dem CI - es finden ja in diesem frühen Stadium ausserdem noch Anpassungen in relativ kurzen Abständen statt, da werden die Klangkarten jedesmal neu gemischt :) .

    Gruss, Rainer.


    Beidseitig versorgt mit: Med-El (Flex 28 im Schneckle, aussen jeweils Sonnet, vormals Rondo)


    ____________________________________


    Das Gute missfällt uns, wenn wir ihm nicht gewachsen sind.

  • Wer hat dir denn DEN Bären aufgebunden, dass postlingual Ertaubte nach 2-3 Monsten mit CI wieder normal hören können :D:D:D

    Ich kann noch Russisch und habe in ähnlichem Forum, wie DCIG, aber für den russischsprachigen Raum, solche Typen getroffen und noch nicht nur Einen. Ich denke, sie trugen vor der CI ältere bzw. schwächere Hörgeräte und somit die Klangqualität beim Sprung zur CI war sehr bemerkbar und sie den großen Effekt bekommen haben.

    Seit dem vierten Lebensjahr beidseitig an Taubheit grenzend hochgradig schwerhörig (80 dB).

    Von 4. bis zum 23. Lebensjahr trug ich Hörgeräte (die Letzte waren Phonak Naida V90-UP)

    Am 5. August 2020 wurde links implantiert (MED-EL Synchrony 2) und 17. Sep 2020 EA (Sonnet 2 + Audiostream)

  • Lieber Sultan, ich darf dir mal aus meiner Erfahrung mit sehr vielen CI-Nutzern und als Selbstbetroffene berichten.

    Wenn du seit dem vierten Lebensjahr hörgeschädigt bist, gilt das definitiv nicht als postlingual. Postlingual bedeutet: nach Abschluss des Spracherwerbs. Das ist in der Regel das 6. - 7. Lebensjahr. Möglicherweise konntest du dann wirklich recht gut sprechen, aber es fehlte dir einiges am Hören. Und so oder so - das hat sehr wenig mit dem Hörerfolg nach CI-Implantation zu tun - auch wenn immer wieder derartige Behauptungen auftauchen. Da spielen so viele Faktoren eine Rolle.

    Ich selbst war schon lange erwachsen, als ich mein Gehör relativ plötzlich vollständig verlor, das heißt ohne CI bin ich stocktaub - ich höre gar nichts! Nun bin ich seit 23 Jahren CI-Trägerin (seit 15 Iahren bds.), ich bin Audiotherapeutin und war in dieser Position auch in Kliniken tätig. Bitte glaub mir einfach, mit "viel Geld" ist das nichts zu machen. Es braucht alles seine Zeit, dein Gehirn muss eine komplexe Aufgabe bewältigen. Und wirklich mit "ich muss"... kommt man nicht weiter. Mein Rat: trainiere dein Hören mit der Zusatztechnik von MedEl. Jeden Tag ein bisschen. Das wird schon, aber: gut Ding will Weile haben!

  • Ich habe schon ca. 10 Kopfhörer in Verbindung mit CI seit 2006 verschlissen.

    Da waren billige bis teure drunter.

    Nie einen Unterschied festgestellt, bin froh, wenn ich überhaupt was verstehe.


    Sultuan, im Internet wird geduzt und nicht gesizt, diese verbale distanzieren gehört ins Offlineleben.

  • Hallo Sultan,


    Ich hoffe, dass man Dir nicht die Hoffnung gemacht hast, Du würdest annähernd "normalhörend". Du wirst hoffentlich weniger stark schwerhörig als vorher, was ja auch schon eine Steigerung an Lebensqualität ist.


    Ich selbst komme mit Kopfhörer nicht gut klar auch nicht mit dem hier vielfach empfohlenen Bose 🎧. Ich trage auch ein Hörgerät und das pfeift mit Kopfhörer, und ich finde die Kopfhörer zu schwer und unbequem.


    Aber es gibt soviel mehr was Du probieren kannst. Können die Dozenten beispielsweise ein besseres Mikrofon verwenden, das auch vor dem Mund getragen wird und nicht irgendwo? Wenn Deine Dozenten nur die eingebauten Laptopmikrofone nutzen und sich lässig im Stuhl lümmeln, kann eine Verbesserung erreicht werden, wenn Du sie bittest Headset zu benutzen.


    Ich selbst benutze bei Videokonferenzen eine Freisprecheinrichtung von Jabra. Außerdem kannst Du ausprobieren ob der Roger Select mit Empfängern für Hörgerät und CI hilft.


    Noch zu dem was noch mit CI kommt. Bei mir hat sich das Hören ungefähr die ersten sechs Monate ständig verbessert. Danach waren Fortschritte nur noch marginal. Ich höre viel besser als vorher, bin aber noch lange nicht normalhörend, was ich auch noch nie war.

  • Hallo Sultan,


    ich verwende Kopfhörer von Beyerdynamic DT 770 bzw. DT 880.

    Das sind ohrumschließende Studiokopfhörer im Bereich von 120 bis 160 Euro.

    Der DT 770 ist geschlossen und der DT 880 halboffen.

    Aufgrund der Größe sind die beiden Modelle für den mobilen Einsatz und zum immer dabeihaben zu sperrig.


    Für mich haben die beiden Modelle aufgrund der großen weichen Kopfhörermuschen einen guten Tragekomfort.
    Einen minimalen Klangunterschied zwischen den beiden Modelle kann ich heraushören, dieser ist aber nicht so sehr von Bedeutung.
    Die Modelle gibt es in unterschiedlichen Ohm-Varianten. Für mobile Gräte und Computer sind die 80 Ohm Ausführungen gedacht.

    Die Modelle mit 250 oder mehr Ohm benötigen mehr Ausgangsleistung an der Buchse. Dafür sind diese für geschulte Superohren detaillierter im Klang. Es kann allerdings sein, dass diese hochohmigen Studio-Ausführungen am Smartphone nicht laut genug sind.


    Zu deiner Frage: mit einem 1000 Euro Kopfhörer werde ich sicher auch nicht besser verstehen.
    Die Kopfhörer sind ja so gebaut, dass das "Hörzentrum" in der Mitte liegt. Bei einem CI ist das Mikrofon aber meistens außen am Prozessor. Im ungünstigsten Fall kauft man einen "Testsieger" dessen Polster dann am eigenen Ohr das Mikrofon zudrückt.

    Von daher probieren ob ein Modell überhaupt passt.


    Wenn die Verständlichkeit bei den Online-Vorlesungen (die sicherlich auch mit 1000 Euro Kopfhörern keine Studioqualität haben) nicht ausreichend ist, würde ich versuchen mit einem Equalizer die sprachrelevanten Frequenzen anzupassen. Etwas mehr Höhen hier und da eine kleine Anpassung bei den Mitteltönen kann die Verständlichkeit fördern.


    Gruß

    Schera

  • Besser hören mit teureren Kopfhörern?
    Ich bin einseitig taub und CI Trägerin und höre auf dem anderen Ohr noch normal gut. Ich merke keinen Unterschied zwischen meinen BOSE Kopfhörern und ganz teureren Kopfhörern im Musikstudio, das tönt beim CI Ohr eh gleich und beim guten Ohr merke ich auch wenig Unterschied.

    Was ich aber klar merke sind unterschiedliche Soundsystem im freien Raum, sprich ein Kino mit einem Dolby Atmos ist schon was anderes als ein normaler Beamer mit nur zwei Lautsprechern.
    Auch tönt die Stereoanlage meines Autos wirklich ziemlich gut, das habe ich allerdings erst vor ca. 1 Jahr festgestellt, vorher hab ich ab dem Verkaufsargument des Autohändlers nur müde gegähnt und ihm damals gesagt, es spiele keine Rolle was für eine Soundanlage das Auto hat, ich höre eh nur mono und bin einfach froh wenn das Auto nicht zu viel Lärm macht, damit ich mich noch mit meinen Kindern oder meinem Mann unterhalten kann während der Fahrt.
    Übrigens Stereo hören hab ich im Auto gelernt und es auch dort als erstes gemerkt, wohl weil der Raum nicht zu gross und geschlossen ist.


    Noch zu postlingual und dauert nur 3 Monate um wieder gut zu hören. Es kommt noch darauf an wie lange das Ohr schon taub war, wenn du schon 15 oder 20 Jahre auf dem Ohr sehr schlecht gehört hast, dann braucht dein Hörnerv Monate wenn nicht Jahre um wieder zu hören. Das mit den drei Monaten tönt nach einem schlechten Scherz und wird dir kein Arzt oder Ingenieur so verkauft haben, hoffentlich!
    Ich war mehr als 30 Jahre taub auf dem Ohr auf welchem ich mit 8 Jahren ertaubt bin, also nach dem abgeschlossenen Spracherwerb, man hat mir 2 Jahre bis gar nicht möglich wieder gut zu hören prognostiziert. Ich habe wenig Zeit gebraucht und habe wieder auf dem tauben Ohr gehört, aber ich habe jeden Tag mindestens 2 Stunden lang intensiv geübt und das über mehr als 2 Jahre hinweg, noch heute übe ich fast täglich mit Hörbüchern. Gut gehört habe ich nach ca. 1 Jahr und stereo nach mehr als 1.5 Jahren. Es braucht also viel Zeit und viel Geduld und vor allem Übung, Übung und nochmals Übung.

    li normal hörend

    re taub nach chronischen MOE im Kindesalter, nun Cochlear N6 OP 8.2.18 EA am 8.3.18

  • Solche Patienten sollten in der Regel in 2-3 Monaten bereits fit mit CI sein.

    Ähm,

    es mag sein, daß es tatsächlich Menschen gibt, die so schnell "fit mit dem CI" waren.

    Je nach dem, wo der meiste Schwepunkt beim Endziel CI gelegen hat. Und wie fit dieser Mensch vorher mit dem Hören gewesen war!

    Reden wir nur vom reinen Sprachverstehen? Denn das ist ja das eigentliche Hauptziel bei allen CI - Herstellern! Oder reden wir von einigen Nuancen mehr?

    Es ist schon 2.5 Monate lang und ich spüre keinen großen Unterschied im Vergleich zu HG und WoW-Effekt von CI.

    Also, ich kann Dir folgendes aus eigener Erfahrung sagen: es dauert tasächlich so seine Zeit.

    Das Sprachverstehen mit Üben bei der Reha, bzw. im Alltag war zwar recht schnell da gewesen, und trotzdem klang das alles noch irgendwie, na ja.

    Es wurde bis zum Ende meiner Reha, die ja quasi ambulant stattgefunden hatte und zwei Jahre umfaßte, praktisch am SP "herumgeschraubt". Erst dadurch wurde der Klang deutlich besser, und alles klang tatsächlich immer normaler, nataürlicher. Aber diese Zeit brauchte das Ohr, bzw. mein Gehirn!


    Klar, auch ich mußte was auf der Arbeit, oder wenn ich auf Seminar war, unbedingt was verstehen können, und habe mich auch mit dem Minimic (ich habe Cochlear) aushelfen müssen. Es war mir eine sehr gute Hilfe gewesen, was das Sprachverstehen betraf. Kann nur nicht behaupten, daß es "gut geklungen" hatte, zumindest am Anfang nicht.



    Auch wenn Du vorher als Schwerhöriger gut gehört hattest, und recht schnell operiert wurdest, so daß eine gute Chance besteht, daß Du praktisch durchstarten kannst, mit dem CI Hören, so wirst auch Du eine Umstellungs- und Lernphase haben!

    Denn gerade bis kurz vor der CI Zeit verloren gegangenen Frequenzen müssen ja wieder "neu eingelernt" und justiert werden. Die hörst Du ja wieder, und es sorgt ebenfalls dafür, daß alles "komsich" klingt, weil es ja zuletzt gefehlt hatte! Das mußt Du einfach mitbedenken.




    Was man allerdings nicht vergessen darf: mit einem CI ist und bleibt man trotzdem ein Schwerhöriger!

    Der spürbar deutliche Unterschied zum HG sollte ja sein: mehr Sprachverstehen, auch einfacheres Verstehen (also nicht mehr so oft nachfragen müssen, weil zu leise, zu weit weg), alles ein wenig lauter hören zu können, als vorher mit dem HG möglich gewesen war, und auch ein paar Frequenzen mehr, als zuletzt vorhanden gewesen war!


    Wie lange würden Sie schätzen, wie viele Monate ich noch brauche, um Videos ohne Untertitel verstehen zu können? Ich bin nicht aus der Gehörlosen-Gesellschaft (ich kann keine Gebärdensprache) und spreche ohne Akzent von Schwerhörigen.

    Nun, ich spreche auch recht normal, ohne die Stimmlage und ungewohnten Wortbetonungen, wie man es von manchen Schwerhörigen so kennt, und trotzdem kann ich Dir sagen, daß es ein wenig dauern wird.

    Diese Zeit wirst Du wirklich brauchen, und auch ich würde Dir raten, Dich ein wenig in Geduld zu üben. Setze Dich bloß nicht unter Druck! Denn das ist wirklich eher kontraproduktiv!

    Auch wenn ich sehr gut nachvollziehen kann, daß Du JETZT unbedingt was verstehen muß!


    Ich habe in meiner Anfangszeit mit meinem CI, als das Sprachverstehen da war, zwischendurch immer wieder mal die Augen zu gemacht, wenn TV lief und einfach nur gelauscht. Das ist auch Training! Auch, wenn ich da noch nicht immer alles verstanden habe! Das ist wirklich normal, und man sollte sich nicht davon frustrieren lassen!

    Man kann sogar ein "Wettbewerb" draus machen! Wieviel höre ich mehr, als im Untertitel gezeigt wurde?

    Oder auch mal Hörbücher gehört. Entweder über Lautsprecher im Auto, oder per Kopfhörer, oder gar meinem Minimic.

    Alles ohne Druck, oder mich irgendwie unter Druck zu setzen! Das war gutes Training gewesen. War am Anfang nur wenig zu verstehen gewesen, so wurde es mit der Zeit immer mehr!


    Ich nutze übrigens für meinen mp3-Player einen Billigkopfhörer, für 10€. Wenn der mir mal unterwegs abhanden kommen sollte, tut es nicht so weh, und ich kann mir leicht einen neuen besorgen.

    Beim TV gucken nutze ich einen von Watson, die kosten, glaube ich, so um die 20-30€ herum.

    Mag sein, daß die Ton-technisch gesehen nicht so viel hergeben, aber mir reicht es für den Fernseher!

    Irgendwie sträubt es noch in mir 200€ oder mehr für einen Kopfhörer auszugeben. Wobei es mich schon interessiert, ob es klanglich wirklich besser ist, und ich auch den Unterschied mit meinen beiden CIs heraushören kann!

    Ich schätze mal, ich werde es auch einmal "riskieren", es zu testen und meine Neugier zu befriedigen.



    Ich höre gerne und viel Musik. Am liebsten immer noch per Kopfhörer.

    Ich weiß nicht, wie Du es machst, und wie Med-EL diesbezüglich aufgestellt ist, aber ich persönlich bin ein Fan von der "T" Funktion am SP. Auch praktisch beim Telefonieren, wenn der Hörer "T" kompatibel mit HGs ist!

    Das habe ich schon zu meiner reinen Hörgerätenzeit gerne gemacht. Ich stelle meine Geräte also auf "T" Modus, und setze den Kopfhörer genau da drauf. Schon habe ich eine direkte Verbindung, und kann alles prima hören.

    Gerade die Musik hilft mir dabei, noch viel mehr an Nuancen zu hören. Und ja, ich bilde mir immer noch ein, daß es mir auch im Alltag, und ganz besonders im Sprachverstehen hilft. Auch jetzt noch, wo auch schon meine zweite Reha (das andere Ohr) abgeschlossen ist.

    Ich kann auch ohne Kopfhörer die Musik genießen, aber fürs "Hörtraining" ist es immer noch mit dem Kopfhörer schöner, weil direkter.






    Ein guter Kopfhörer macht bestimmt viel aus, und gibt etliches sicherlich perfekt wieder, und es wird auch nicht ohne Grund seinen stolzen Preis kosten (wobei man auch nicht vergessen darf, daß manches nur deshalb eine bestimmte Summe kostet, weil man für die Marke noch einmal etwas mehr drauf zahlt) - doch ich kann mir nicht vorstellen, daß es mehr helfen wird, wenn man selbst (noch) nicht in der Lage ist, gut zu hören.

    Um mit dem CI auch wirklich sehr gut hören zu können, bedarf es nun einmal ein wenig Übung, ein paar neue Einstellungen zwischendurch und auch etwas Zeit, damit sich das Gehirn wieder daran gewöhnen kann, einiges mehr an Frequenzen verarbeiten zu können. Ist das abgeschlossen, wird auch die Hörqualität wieder besser werden!

  • Lieber Sultan,


    du bist ja noch sooooo jung mit 23. Keine Angst, ich petze nicht, sieht man ja, wenn man mit der Maus über deinen Namen fährt.

    Nach deinen Berichten und Namem zu bewerten kommst du wohl aus Russland und schreibst perfekt deutsch, ohne Fehler. Hier im Forum reden wir uns mit Vornamen an (Du). Das macht es alles einfacher. Ich kenne persönlich niemanden udn weiß nicht, wer hinter dem Namen steht.


    Und ich kann nur bestätigen, der Weg izum besseren Hören ist lang und viel Geduld ist nötig. 10 khz schafft jeder Kopfhörer, der billigste wäre auch gut gewesen für mich, aber der hat nicht gepasst. Deshalb kann ich nur wiederholen: Probier zuerst aus, wie gut der Kopfhörer sitzt.


    Ich habe auch festgestellt, dass bei den kabelbundenen Kopfhörern wesentllich mehr Auswahl besteht als bei den Funk-Kopfhörern.


    Lieben Gruß - Norbert

    links: Opus 2XS, Flex28; OP 14/09/2012 MHH
    EA: 05/11/2012 erfolgreich

    seit 12/06/2020 Sonnet 2


    rechts: HG (zu nichts nutze...)
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  • Hallo Sultan,

    Über das Thema Kopfhörer wollte ich schon lange mal einen eigenen Thread aufmachen. Bisher habe ich es immer vor mich hingeschoben.
    Ich habe auch viel rumprobiert und war sogar auf der High End Messe, also eine Messe für Audiophile die das Beste vom Besten wollen.

    Meine Beobachtungen:
    Abdämpfung
    Ich habe Leider trotz zuweilen riesiger Muscheln bei den Hörern bisher keinen Kopfhörer erwischt der gut von der Umgebung abdämpft.
    Beim Abdämpfen hilft mir vor allen Dingen beim Telefonieren mit dem Handy der Audiolink (Kabelverbindung) am meisten, hat aber oft Hintergrundrauschen wenn es Magnetismus oder WLAN in der Nähe gibt.

    Sprachverstehen/musikalischer Genuss
    Weiterhin habe ich gemerkt, dass ich mit analytischen Kopfhörern am besten höre, also wo man noch besser Feinheiten raushört. Die basslastigen Dinger für den Massenmarkt waren für mich nie angenehm oder gut verständlich.
    Eine weitere Beobachtung: Besseres (sprachliches) Verstehen beim Kopfhörer geht oft zu Lasten des musikalischen Genusses und umgekehrt, also wenn ich die Musik sehr genießen kann kann ich wiederum oft die Sprache nicht so gut mit dem Kopfhörer hören.
    Aus diesem Grund habe ich mir zwei Kopfhörer gekauft:
    - Als Kompromiss aus gutem Verstehen und musikalischen Genuß: Audio-Technica ATH-MSR7 (ohne B am Ende! das ist der Neue der hat kein Headsetkabel mehr) benutze ich auch als Headset für die Arbeit im Homeoffice.
    - Für musikalischen Genuß: Ultrasone performance 880

    Das sind beides Kopfhörer für unter 300 Euro.
    Ich würde übrigens auch viel mehr für einen bezahlen, der mich wirklich zufriedenstellt. Die von Focal hören sich zum Beispiel super an, aber da geht der Spaß erst mit 500 Euro los. Hoffentlich macht im Mai wieder die High End Messe auf, da kann man soviel ausprobieren wo du sonst selbst in der Großstadt kaum Anbieter findest.

    links: wahrscheinlich von Geburt an taub; OP: 29.06.2015 Med El Synchrony + Standard Elektrode; EA: am 04.08.2015;
    rechts: seit 14 mehrere Hörstürze, ertaubt; OP: 29.06.2015 Med El Synchrony + Standard Elektrode; EA: am 04.08.2015;
    OP, Anpassung und Nachsorge im Krankenhaus Martha-Maria in München-Solln

  • Du würdest annähernd "normalhörend". Du wirst hoffentlich weniger stark schwerhörig als vorher, was ja auch schon eine Steigerung an Lebensqualität ist.

    Hallo Andrea:saint:,


    vielen Dank für Deine Nachricht. Ich hatte einfach zu große Erwartungen von CI und dachte, ich werde wie normale Menschen hören, aber ja, CI ist eigentlich wie ein Hörgerät, jedoch gewissermaßen besser. Man bleibt dabei trotzdem schwerhörig. Der Klang ist zurzeit bei mir nicht so stark "sauberer" wie bei Hörgeräten. Ich verstehe, 2.5 Monate ist zu wenig, man braucht Zeit zu lassen, um sich an CI zu gewöhnen.


    Bezüglich dem Mikrofon von Professoren, also sie benutzen einen Kopfhörer bestimmt und ich höre die Online-Vorlesungen via Telespule mit dem normalen Kopfhörer (Audiolink von MED-EL hat nicht die bessere Klangqualität, als Kopfhörer), trotzdem kann ich akustisch nicht gut verstehen, was der Prof sagt, und lerne meist selber von Skript oder Büchern. Ich werde noch Roger Pen von Hörgeräten probieren, dazu braucht man ja ein neues Batterieabdeckung für Sonnet 2 zu bestellen. Ich habe noch das neue Audiostream bestellt und warte darauf, wenn das für Patient zur Verfügung gestellt wird.


    Am 16. Dezember 2020 beginnt mein Reha in Bad Nauheim und hoffe, das wird auch auf mein Skill für Hörverstehen wirken.


    Viele Grüße

    Sultan

    Seit dem vierten Lebensjahr beidseitig an Taubheit grenzend hochgradig schwerhörig (80 dB).

    Von 4. bis zum 23. Lebensjahr trug ich Hörgeräte (die Letzte waren Phonak Naida V90-UP)

    Am 5. August 2020 wurde links implantiert (MED-EL Synchrony 2) und 17. Sep 2020 EA (Sonnet 2 + Audiostream)

  • ich verwende Kopfhörer von Beyerdynamic DT 770 bzw. DT 880.

    Das sind ohrumschließende Studiokopfhörer im Bereich von 120 bis 160 Euro.

    Der DT 770 ist geschlossen und der DT 880 halboffen.

    Hallo Schera:),


    danke für Deine Vorschläge. Ich werde diese Kopfhörer probieren , vielleicht sind sie mal besser als meine. Zu den Kopfhörern für 1000> Euro, ich habe schon verstanden, sie haben für CI-Träger kaum Unterschiede im Vergleich zu Kopfhörern für 100-300 Euro und ich habe heute hier viele Kommentare dazu gesehen.


    Beste Grüße

    Sultan

    Seit dem vierten Lebensjahr beidseitig an Taubheit grenzend hochgradig schwerhörig (80 dB).

    Von 4. bis zum 23. Lebensjahr trug ich Hörgeräte (die Letzte waren Phonak Naida V90-UP)

    Am 5. August 2020 wurde links implantiert (MED-EL Synchrony 2) und 17. Sep 2020 EA (Sonnet 2 + Audiostream)