Musikerin sucht Erfahrungsaustausch

  • Norbert, du hast aber eine andere Ausgangslage. Als einseitig ertaubte Person hört man mit dem gesunden Ohr in der Regel noch alle Töne natürlich und kennt das ganze Tonspektrum und mit dem natürlichen Tonspektrum kann das Ci nicht mithalten und es tönt flach und weniger melodisch als der natürliche Klang.

    li normal hörend

    re taub nach chronischen MOE im Kindesalter, nun Cochlear N6 OP 8.2.18 EA am 8.3.18

  • Mir ging das ja trotz hochgradig schwerhörig mit HG links und CI rechts auch musikalisch "besser". Da war noch genug Tiefton vorhanden, was die Musik halt natürlicher macht - von der vermittelten Emotion und Schwingung ganz abgesehen.


    Das fehlt jetzt in der Musik mit zwei CIs, dafür ist das Sprachverständnis wesentlich besser geworden. Und an die musikalischen CI-Grenzen muss man sich halt herantasten und da muss jeder seine Erfahrung machen, am besten anfangs mit leichter Kost ohne viele Instrumente und Gesang, um erstmal die Tonhöhen halbwegs in den Griff zu bekommen. Wenn sich diese Empfindung automatisiert, dann geht es weiter mit der Eroberung im Musikhören.


    @Norbert: Ich spiele zur Tonhöhen-Übung und weil es entspannt, mit einem Theremin. Da kann ich halbe, viertel usw. Halbtöne erzeugen und auch unterscheiden, das ist harte Übung gewesen. Dur und Moll kann ich auch gut unterscheiden. Aber aus dem Stand die Note zu erkennen, das ist halt trotz allem Übens nicht mehr möglich oder eher Glücksache, wenn ich den Ton mal erkenne.


    Aber solange ich mich innerhalb meiner CI-Hörgrenzen bewege, geht das für mich in Ordnung.

    Gruss, Rainer.


    Beidseitig versorgt mit: Med-El (Flex 28 im Schneckle, aussen jeweils Sonnet, vormals Rondo)


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    Das Gute missfällt uns, wenn wir ihm nicht gewachsen sind.

  • Die Klangbeispiele sind doch weit enfernt von dem eigentlichen Klang.

    Ich weiß jetzt nicht, auf welche Klangbeispiele du ansprichst.

    Ich kenne Klangbeispiele, wie Musik angeblich mit CI klingt, die habe ich vorher mit HG angehört. Im Nachhinein kann ich aber sagen: Die Beispiele sind um Welten daneben. In den Beispielen hört man meist nur den Rhythmus heraus, weil nur 12-20 verschiedene Töne verwendet werden. In der CI-Realität sind das bei heutigen Elekroden und Prozessoren weit mehr verschiedene Töne. Ob das aber so gut ist, dass man fehlerfrei Violine o.ä. spielen kann, kann ich nicht beurteilen. Ob ein Ohr, das mehrere Jahrzehnte unversorgt war, es genauso gut hinbekommt wie ein Ohr, das ständig mit Input versorgt wurde, bezweifle ich. Zumindest braucht ein solches Ohr eine gehörige Portion mehr Übung.


    Für den Fall, Kirsten, dass dein gutes Ohr mehr oder weniger plötzlich verschwindet, wird man wahrscheinlich ohnehin dieses Ohr zuerst mit einem CI versorgen, da das Neulernen hier wesentlich schneller geht, auch wenn sich dann alles gewöhnungsbedürftig anhört. Hast du aber vorher schon dein taubes Ohr mit einem CI versorgt, bist du zumindest nicht von heute auf morgen für längere Zeit komplett taub.

    Euer Dominik.

    rechts OP 20.02.2020 LMU München, EA 11.03.2020 Sonnet 2

    links OP 16.12.2020 LMU München, EA 15.01.2021 Rondo 3

    aktuell links seit 05/2018 HG Phonak Naida B70 SP oder Resound Enzo² 998

    Audiogramm | Über mich

  • Ich denke auch, dass es eher schwierig ist, mit dem CI zu musizieren. Die Klangbeispiele sind doch weit enfernt von dem eigentlichen Klang. Aber da das li Ohr ja zur Zeit noch ganz gut funktioniert, könnte ich für die Zeit in der ich musikalisch tätig bin das CI ja ablegen.... Im Augenblick trage ich beim Flöten immer einen Profi-Hörschutz, weil die hohe Lage (ab ca 900 Hertz) in dem Ohr schmerzt. Allerdings kommt es dann auch zu einer verzerrten Wahrnehmung/Klangverfremdung; schön ist das nicht. Die Hoffnung ist, dass ich mich daran gewöhne:rolleyes:

    Hallo Kirsten, wie schon geschrieben wurde, es ist sehr individuell. Während der Reha lernte ich eine Frau kennen, die spielt Cello im Orchester. Also immer positiv bleiben

    Gruß Josef

  • Hallo,


    per Definition ist das CI eine Prothese, ein Hilfsmittel für ausgefallenen Körperfunktionen.


    Wir sind noch lange nicht so gut, dass die Funktionen zu 100% ersetzt werden können. Die Unterschenkelprothesen wie bei O.Pistorius lassen wir mal außer Acht, da geht es rein um Mechanik


    Das menschliche Ohr mit den unzähligen Haarzellen siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Hörschnecke#Schwingungsmechanische_Eigenschaften_des_Innenohres


    kann derzeit durch moderne Technik noch nicht nachgebildet werden. Es ist eine Elektrode "installiert", die an verschiedenen Stellen je nach Frequenz elektrische Reizungen erzeugt. Zwischen diesen Stellen muss interpoliert werden. Das funktioniert auch prima und reicht für ein relativ gutes Sprachverständnis. M.E.wird aber ein SSD-Berufsmusiker, der mit einem natürlichen Hörsinn auf einer Seite ausgestattet ist, niemals das CI im Konzert einschalten. Der Unterschied ist zu groß und sorgt eher für mehr Stress.


    Das schließt natürlich ein Musizieren von beidseitig Implantierten nicht aus. Man kann viel durch Übung erreichen, jedoch sind dem Ganzen Grenzen gesetzt. Aber an Grenzen stoßen wir ja andauernd: Wer kann z.B.von sich behaupten, die 100m jemals unter 10 Sekunden gelaufen zu sein?


    Und: Was wir nicht ändern können, müssen wir akzeptieren und das Beste draus zu machen versuchen


    LG Konrad

  • Vielen Dank für die vielen Rückmeldungen und für die Zeit, die ihr euch genommen habt!

    Hier habe ich viel mehr erfahren, als beim HNO Arzt. Ich kann nicht verstehen, warum das so ist. Bei mir ist es so gelaufen: Diagnose, das müssen Sie so akzeptieren, achten Sie nicht zu sehr darauf, anderen Menschen geht es viel schlechter.... Klar, besser oder auch schlechter geht immer, aber es wäre doch schön, wenn man sich Zeit für den Patienten /die Patientin nehmen würde, oder zumindest mal Infos rausgibt, an welcher Stelle man Infos bekommen kann. Leider kam da bislang nichts.


    Also nochmals: ein <3-liches Dankeschön an alle :!::*

  • Hallo Kerstin,


    nur alleine auf Ärzte hören bringt nicht viel - tatsächlich habe ich erst hier im Forum und vor allem von der Hörtherapeutin im CIK sowie dem IFD viele viele Infos erhalten, die meine Eltern bereits in meinem Kleinkindalter hätten erhalten müssen. Nicht nur mir, sondern auch meiner Familie wäre sehr vieles erspart geblieben.

    Aber nützt ja alles nix: es geht nach vorne weiter, die Vergangenheit können wir nun mal nicht ändern, sondern nur versuchen, positiv nach vorne zu schauen. Ich wünsche dir, dass du das auch kannst, wenn der erste Schock und die erste Trauer und Wut verarbeitet sind.


    Viele liebe Grüße

    SaSel

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017 Uni Köln, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

  • Hallo SaSel,


    ich hadere auch nicht mit meinem "Schicksal" :-) Selbst wenn ich kein geeigneter CI Patient bin, kann ich ja noch hören. Die Angst, auf dem li Ohr wieder einen Hörsturz zu erleiden, ist zwar da, soll aber nicht mein Leben bestimmen.

    Es schließen sich Türen, dann muss man manchmal im Warteraum ausharren und dann öffnet sich auch wieder eine Tür ;-)


    GlG Kirsten:)

  • Neue Musikstücke klingen für mich so, wie sie halt klingen im Ohr. Aber dafür richtig gut. Wie sie richtig klingen, werde ich nie erfahren. Bekannte Stücke von früher habe ich noch sehr gut im Ohr, aber wenn ich diese jetzt höre, klingt es fremd und nicht so, wie ich es mal gehört habe mit den HGs.

    Bei meiner REHA im Bad Nauheim habe ich auch vor der Gruppe Saxophon gespielt und die anderen mussten sagen, ob ich höher oder tiefer gespielt habe. Also mal 3 Töne hintereinander. Gleich-gleich-hoch usw. Irgendwann musste ich mich in die Ecke stellen, weil ich zu laut war.......:rolleyes:


    Gruß Norbert

    links: Opus 2XS, Flex28; OP 14/09/2012 MHH
    EA: 05/11/2012 erfolgreich

    seit 12/06/2020 Sonnet 2


    rechts: HG (zu nichts nutze...)
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    Offenbarung 21,4
    ...und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz...


    Jesaja 35, 4-6
    Sagt den verzagten Herzen: "Seid getrost ..." ...dann werden die Ohren der Tauben geöffnet werden...

  • Herzlich Willkommen 🎶☕👍


    Bin sehr beeindruckt, was ich gelesen habe.

    Und toi toi toi 🎶🍀🍀🍀🎶


    Ich persönlich liebe auch die Musik, und durch meine Schwerhörigkeit/Taubheit.

    Ist es mir leider nicht wirklich gegönnt selber zu singen.


    Aber ich habe eine Andere Möglichkeit gefunden, Ich lerne die Gebärdensprache und meine Hände ersetzen meine Stimme.


    Ich liebe die Musik, und die Vorstellung.

    Sie nicht mehr zu hören oder genießen.


    Unvorstellbar 🎶😏😘


    Lg Tanzgirl

  • Hallo,


    mir, ebenfalls SSD, kam noch der Gedanke: CI für den Alltag.


    Und zum Musizieren den Sprachprozessor abnehmen...sollte es nicht gut klingen und dadurch trotzdem von den Vorteilen des CI in vielen anderen Situationen profitieren ;)


    Viele Grüße