Es ist allerhöchste Zeit! - Mein Weg zum 1. & 2. Cochlea Implantat

  • Hallo zusammen!


    Ich hab mich nach längerer Zeit dazu entschlossen, mich im Forum anzumelden, um interessante Ausschnitte zum Thema CI mitzubekommen und wie andere damit zurecht kommen. Nachdem ich auch von manchen die Geschichte lesen konnte, habe ich gedacht, hey, warum solltet ihr meine auch nicht ein bisschen kennenlernen?^^


    Ich bin die Alex und bin seit meiner Geburt schwerhörig, warum, wissen wir nicht. Die Ärzte heute, vermuten, dass ich die Schwerhörigkeit vererbt bekommen habe.

    Ab meinem 2. Lebensjahr habe ich dann Hörgeräte bekommen und bin normal aufgewachsen, bin in Schulen mit den Förderschwerpunkten Hören gegangen und alles lief gut.

    Einmal war ich zur Kontrolle bei meiner Akustikerin, weil ich relativ schlecht gehört habe. Damals erzählte sie mir, wenn es mit dem Hören weiterhin bergab gehen würde, wäre nur noch ein CI die einzige Möglichkeit.

    Naja, wenn man versucht, mit einer 15-jährigen, die einen sehr großen Dickschädel hat, über ein bestimmtes Thema zu reden, kann das nicht gut enden. Kurz gesagt, ich bin aufgestanden und gegangen, weil ich mir sagte, ich höre noch gut. Zu dem Zeitpunkt wurde übersehen, dass ich wegen der verstopften Filter schlecht gehört habe, aber das kann mal passieren.


    Jedenfalls, ich hab gut gehört und fing eine Ausbildung zur Kinderpflegerin an.

    Mit den Kindern im Alltag zu reden, war schwierig, aber irgendwie habe ich sie verstanden. Nach anderthalb Jahren habe ich als Erstes bemerkt, dass ich meine Mitschüler nicht mehr gut verstanden habe, wenn im Unterricht hinter mir eine Frage beantwortet wurde. Dann konnte ich nicht mehr die Richtung zuordnen und zu guter Letzt habe ich die Lehrerin auch nicht mehr verstanden, geschweige meine Banknachbarinnen!:|

    Der Ohrenarzt, den ich später aufsuchte, wies mich auf das Cochlea Implantat hin, bei meiner Hörkurve auf der linken Seite eigentlich schon fast ein Muss...

    Gesagt, getan, nach mehreren Wochen landete ich in einer Klinik, die mir das ebenfalls bestätigte und der Chefarzt sagte, es sei allerhöchste Zeit. Er könne eigentlich gar nicht verstehen, wie weit ich mit den Hörgeräten gekommen bin. Bei den Hörtests habe ich nur 45% in ruhiger Umgebung verstanden, bei Störgeräuschen waren es nur noch 25-0%:huh:

    In einer anderen Klinik holten wir uns noch eine zweite Meinung ein, diese empfahlen mir ebenfalls ein CI.


    Die Entscheidung fiel mir sehr schwer, aber letztendlich entschied ich mich doch zu einem CI.

    Am 13.05.2019 wurde ich in München implantiert, als die erste Patientin, die das neue CI von Cochlear bekam (mein Arzt meinte scherzhaft, ich wäre ihr Versuchskanninchen:D).

    Mir ging es nicht so gut nach der OP. Ich hatte Probleme mit dem Tinnitus, dem Schwindel, Geschmacksnerven waren beleidigt und später kam noch eine faustdicke Antibiotikaallergie dazu, ich lief wochenlang umher, als hätte ich die Masern und schlimme Wassereinlagerungen.

    Wenig später blutete die Wunde nach und ich musste erneut genäht werden

    Ich kenne viele Bilder und Videos von Menschen, die sich sehr über ihr "Wiederhören" gefreut haben, aber ich konnte mich nicht sehr darüber freuen, weil ich mein "Hörgerätehören" sehr gern hatte. Das Hören lernen mit dem linken Ohr war schwierig, aber die Musik half mir auch sehr dabei und nach und nach konnte ich wieder telefonieren, was mir auch Spaß bereitete.


    Das Jahr 2019 ging vorbei und es war für mich eine schwierige Zeit, gerade auch, weil ich sehr gerne Motorrad fahre und unter dem Helm die Spule oft abfällt oder sehr stark drückt, was bereits nach einer halben Stunde sehr schmerzhaft wird=O (Vielleicht hat jemand Tipps?:S)

    Im September hatte ich das Gefühl, dass mein rechtes Ohr auch schlechter wird. Beim Hörgeräteakustiker wurde dies bestätigt. Hatte ich Anfang des Jahres noch 80% verstanden, verstand ich nur noch 60%, aber der Alltag mit zwei unterschiedlichen Ohren zu bewältigen, war für mich sehr anstrengend.

    Daher entschied ich mich zu einer weiteren CI-Versorgung, diesmal auf der rechten Seite.


    Am 08.01.2020 wurde ich operiert.

    Auch da hatte ich wieder Probleme mit den Geschmacksnerven, dem Schwindel und bekam wieder eine Antibiotikaallergie<X

    Bei der OP ist leider die Elektrode umgeknickt, sodass bei der erneuten Positionierung der Elektrode sich mein Restgehör verabschiedet hat.

    Allerdings trat dann eine leichte Wundheilungsstörung auf, die Wunde wurde nochmal genäht und selbst bei der Erstanpassung im Februar war sie noch nicht ganz geschlossen.

    Ich konnte schon Sprache verstehen, leider klang alles sehr Micky Maus mäßig und verzerrt.

    Viele haben mir auch gesagt, dass man mit dem Hörtraining immer dran bleiben muss und es regelmäßig machen muss, aber ich habe nicht sehr viel Lust drauf.


    Trotz meiner totalen Demotivation zu Üben, konnte ich bei der 1-Monats-Nachsorge 75% erreichen, allerdings wollten die Ärzte und Techniker, dass sich ein Spezialist von der Firma Cochlear das Implantat mal durchcheckt, weil der Klang immer noch sehr verzerrt war.

    Über diese Episode möchte ich nicht viel sagen, weil es für mich sehr schmerzhaft ist, darüber zu reden, zusammengefasst; dank dem Techniker von Cochlear und einer anderen Technikerin von der Klinik sind meine Hörnerven auf beiden Ohren sehr überreizt und wir mussten bei einem Notfalltermin heute einen großen Schritt rückwärts machen, damit in ein paar Wochen es wieder aufwärts geht.


    Ich lese so vieles über Menschen, die sich freuen, dass sie nach jahrelanger Taubheit oder kurzer Ertaubung wieder hören können und ich freue mich auch wirklich für diese Leute.

    Aber ich kann mich nicht darüber freuen, dass ich mit CIs hören kann. Ich fand den Klang der Hörgeräte viel schöner und im Alltag stoße ich immer wieder auf Situationen, wo mich meine CIs im Stich lassen und dann denke ich mir, war es das wirklich wert? All diese Mühe, die täglichen Schmerzen?


    An manchen Tagen freue ich mich, dass es die CIs gibt und an manchen Tagen verfluche ich sie ständig. Dann fällt mir wieder ein Spruch von Mark Twain ein:

    "Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden!"

    Und ich mache jeden Tag irgendwie weiter. Zusammen mit meinen CIs.


    Sorry für den langen Text, aber manchmal hilft es einfach, sich alles von der Seele zu schreiben:)


    Liebe Grüße an alle,


    Alex

    Servus zusammen8)


    Ich bin seit meiner Geburt an Taubheit grenzend schwerhörig.

    Seit meinem 2. Lebensjahr trage ich Hörgeräte.


    2019 und 2020 erfolgte die CI-Versorgung (Firma: Cochlear).

  • Hallo Alex,


    willkommen bei uns im "Club der Blechohren"! :)


    Den Spruch von Mark Twain hast Du gut gewählt und eine passende Einstellung dazu. Da ist echt was dran. Wir können nur das Beste draus machen!

  • Willkommen Alex.


    Gib dir Zeit, damit sich dein Körper und dein Gehirn sich an alles gewöhnt. Wenn es langsam in die Bahnen kommt und du mit den Implantaten zurecht kommst - wird es dich mit einem guten Hören und Verstehen entschädigen.

    Der Satz von Mark Twain ist gut ... beherzige ihn auch in schwierigen Zeiten ;)

  • Hallo Alex,


    von mit Hörgeräten gut hören zu CI ging bei dir ja sehr schnell. Dein Gehirn braucht Zeit, sich an das neue Hören anzupassen.


    Ich hatte es da etwas einfacher. Von fast mein ganzes Leben lang Mono habe ich auch die Verbesserung ein gutes Ohr und ein CI-Ohr umgestellt.


    Und trotzdem war - und ist - es eine Herausforderung für mein Gehirn. Das war mir anfangs auch nicht bewusst.


    Wenn ich es richtig verstanden habe, bist du noch in der Ausbildung, arbeitest im Kindergarten, und dann hat dein Gehirn noch mit CI zu tun. Die Operationen waren kurz nacheinander. Das ist mehr als genug! Überfordere dich nicht.


    Gib dir die Zeit.


    Gruß


    Rebecca

  • Hallo Alex,


    da hast Du ja ganz schön was hinter Dir. Es ist normal, dass es seine Zeit braucht, bis man mit dem CI wieder besser zumindest hört. Ich höre trotz zwei CI‘s auch nicht super und telefonieren kann ich auch nicht, auch wenn ich es in der CI-Reha mal ausprobiert habe und es soweit gut klappte. Ich habe mich jedenfalls dran gewöhnt, mit den CI‘s besser zu hören als mit den Hörgeräten, werde dennoch nich super perfekt damit hören. Dies ist mir auch bewusst. Denn ich brauche weiterhin das Mundbild, was ja jetzt durch den Mundschutz nicht einfach ist.
    Trotz allem mache ich das Beste aus der Situation!

    Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute und auch schöne Hörmomente!


    Liebe Grüße ReCI

  • Hallo Alex, und Herzlich willkommen hier!



    Ui, da hast Du aber eine ganz heftige Geschichte hinter Dir!

    Der Anfang der Story klingt ein wenig so wie die meine, nur daß es bei mir damals hieß, es könnte eine Infektion gewesen sein, die nicht richtig ausgebrochen ist, sich aber dafür auf meine Ohren ausgewirkt haben.

    Ich drücke Dir die Daumen, daß es ab jetzt nur noch aufwärts gehen wird!

  • Hallo Alex,


    Auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum.


    Ja, die allermeisten freuen sich wie Bolle, dass sie wieder (besser) hören können.


    Aber jeder Mensch hört anders, hat seine eigene Hörbiografie, andere Ansprüche an sein Hören und trotz aller ärztlichen Bemühungen lassen sich leider Nebenwirkungen bei der OP nicht ausschließen. Optimal, wenn diese verschwinden, Mist, wenn diese bleiben (z. B. bei mir der völlige Verlust des Gleichgewichtsorgans rechts durch die OP).


    Gib dir und deinem Körper Zeit. Du bist jung, hast noch viel vor dir.
    Lass dich von Rückschlägen nicht unter kriegen, manchmal muss man zwei Schritte zurück um dann drei nach vorne zu machen.


    Ich kann eine CI-Reha wärmstens empfehlen, man nimmt da sehr viele Infos rund um das Thema Hörbehinderung und sehr gute Tipps im Umgang mit dieser mit.


    Ich wünsche dir alles Gute und dass du deinen Weg finden wirst.


    Liebe Grüße aus dem Rheinland

    SaSel

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017 Uni Köln, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

  • Hallo Alex,

    schön mal wieder von jemandem aus der münchner Ecke zu lesen ;)

    Ob man 15 oder wie ich 45 Jahre alt ist, um beim Thema CI verständnislos mit dem Kopf zu schütteln, spielt keine Rolle. Ich hatte mich bis letztes Jahr partout verweigert, bis ich es dann doch unbedingt wollte. Aktuell nur auf der rechten Seite. Mein erster Eindruck war auch, wow, man hört die Zischlaute und Vögel wieder. Dann ist das einer leichten Enttäuschung gewichen, nicht mehr die satten Tiefen zu hören. Denn bei mir ist das Restgehör trotz gut verlaufender OP gleich weg gewesen und nicht wieder gekommen (wobei ich damit gerechnet hatte).

    Mittlerweile sehe ich das objektiver. Mein Ziel war, dass mein Sprachverstehen mit den Hörgeräten durch die CI-OP nicht mehr schlechter wird. Denn das ist das, was mich zunehmend von meinen Freunden getrennt hat. Auf dem Papier ist das Sprachverstehen rechts nun besser als links. Ob das tatsächlich so ist, ist dank aktueller Krise noch nicht abschließend geklärt. Die Musik habe ich früher geliebt, dank fehlender Frequenzen unten herum ist das derzeit kein echtes Vergnügen. Aber mir ist bewusst geworden, dass ich mich in die Musik geflüchtet habe, WEIL mir die Teilnahme an Gesprächen zunehmend sehr schwer fiel. Das hat sich jetzt geändert. Ich freu mich wieder, in Gesellschaft zu sein. :)Und im Grunde ist das optimistisches Denken, denn ein Zurück gibt es nicht, es geht nur mit Angriff nach vorne!

    LG Dominik

  • Hallo Alex,


    auch von mir ein herzliches Willkommen hier und hoffentlich jede Menge Erfahrungen und Tipps für dich.


    Da hast du ja auch schon einen steinigen Weg hinter dir. Was mich wundert, dass die Versorgung mit dem 2.CI so „einfach“ möglich war. Hier ist die Versorgung immer abhängig vom noch vorhandenen Hörvermögen. Erst wenn dies „ganz schlecht“ ist, kommt eine CI-Versorgung in Frage.


    Was mich noch interessieren würde ist, ob du noch in der Ausbildung steckst und ob du dann den Weg weiter gehen willst? Sohnemann wollte ursprünglich Erzieher werden, hat aber nach der Hörverschlechterung und der CI-Versorgung umgeschwenkt.


    Auf jeden Fall wünsche ich dir erst einmal gute Besserung von der Überreizung und dann eine erfolgreiche Hörreise, auch wenn sie vielleicht nur in kleinen Schritten möglich ist. Wie schon die anderen schrieben, gib Dir und deinem Körper Zeit (Geduld heißt das böse Wort 😉 - hab ich auch nicht 😎).


    VG Fibi

    Sohn (18 Jahre) rechts HG Linx von Resound bei hochgradiger SH

    links CI von Cochlear - OP am 04.05.2018 / EA 18.06.2018

  • Huhu:)


    Zunächst mal ein dickes Dankeschön für eure Nachrichten und Ermutigungen! Es tut wirklich gut zu hören, dass ich nicht gänzlich alleine damit bin:saint:


    Rebecca  Fibi

    Ich habe die Ausbildung zur Kinderpflegerin letztes Jahr abgeschlossen, aber ich arbeite in keiner Einrichtung, weil ich das nicht mehr möchte, ich will mich nicht im Berufsleben anstrengen müssen. Momentan mache ich nichts, weil ich das Gefühl habe, ich selbst bin auf der Strecke geblieben und mir war die Tragweite des CI nicht gänzlich bewusst, daher möchte ich vorerst noch nicht in eine weitere Ausbildung gehen.

    Jaja, das Zauberwort heißt "Geduld", das predigt mir auch immer mein Arzt:D

    Ich habe deshalb so schnell und einfach ein 2. CI bekommen, weil das CI und das Hörgerät zusammen nicht harmoniert haben, die Ohren waren quasi getrennt und ich habe auch nicht sehr gut verstanden, gerade im Störgeräusch war es echt schwer. Ich hab dann angefragt, ob die Indikation gegeben wäre und mein Arzt hat ja gesagt, da die Hörkurve ähnlich wie das linke Ohr war und wenn ich schon sage, dass ich im Alltag nicht mehr gut verstehe und es kein besseres Hörgerät gibt, was soll ich dann machen?:/


    SaSel

    Bei mir haben sie die Risiken auch gesagt und ich hab gedacht, wird schon alles klappen:)

    Leider war auf dem MRT-Bild nicht zu sehen, dass die Cochlea ein paar Millimeter kürzer war und dementsprechend ist mein Arzt auch übers Ziel hinausgeschossen...

    Mit einer Reha habe ich schon seit ein paar Tagen überlegt. Aber meistens lese ich, dass die Reha nach der Erstanpassung war und man im Zuge der Reha auch Anpassungen hat, aber das würde für mich keinen Sinn machen.

    Kannst du mir noch ein bisschen was über die Reha erzählen, wie sie bei dir war?

    Und ergänzend würde ich meinen Arzt bei der morgigen Nachsorgeuntersuchung fragen, ob das was für mich wäre.


    Dani!

    Ich höre eher von Leuten, die von Norddeutschland kommen, aus Süddeutschland eher weniger, aber schön, dann haben wir schon mal dasselbe Bundesland:)

    Wie du das jetzt schreibst, komme ich bisschen ins Grübeln.

    Bei den Arztgesprächen wurde ich gefragt, was für ein Ziel ich den mit dem CI habe. Rückwirkend gesehen, würde ich heute sagen, dass ich gar nicht bereit für ein CI war, weil ich wollte eigentlich nur meine Ruhe haben. Aber der Druck durch die Schule und Ausbildungsstätte war dann irgendwie ausschlaggebend.

    Ich weiß noch, dass ich damals gesagt habe, dass ich nicht Sprache, sondern Musik gut verstehen will. Teilweise haben die Leute dort es schon verstanden, teilweise haben manche gesagt, dass dies sehr utopisch sei, quasi der Marathon unter den Hörübungen.

    Jetzt stehe ich hier mit zwei CIs und ich muss sagen, mich nerven eigentlich 2 Sachen ganz gewaltig.

    Zum einen höre ich jetzt Geräusche, die ich vorher nie gehört habe, aber eigentlich sind diese total unwichtig und da denke ich mir, wieso muss ich den Käse hören? Das ist doch nicht wichtig!

    Und zum anderen, wie ich dann die letzten Schultage besucht habe, haben viele gedacht, ok, die ist jetzt operiert und hört gut, das hat mich sehr wütend gemacht, dass viele denken, eine OP behebt alles.


    Ganz lieben Dank nochmal für eure Antworten, es tut gut zu lesen, dass jeder eine Geschichte hat und jede ein bisschen anders ist8)


    Viele Grüße aus de halbsonnigen Bayern,


    Alex

    Servus zusammen8)


    Ich bin seit meiner Geburt an Taubheit grenzend schwerhörig.

    Seit meinem 2. Lebensjahr trage ich Hörgeräte.


    2019 und 2020 erfolgte die CI-Versorgung (Firma: Cochlear).

  • Ich glaube, du warst oder bist immer noch nicht wirklich bereit für ein CI. Andererseits ist bei dir ziemlich viel auf einmal gekommen, da kann ich deine widerstrebende Einstellung schon verstehen. Vielleicht ging es bei mir nur deshalb schneller, weil auf meiner anderen Baustelle mit unkorrigierbarer Augenkrankheit kein weiterer Weg mehr in Sicht ist. Nichtsdestotrotz gibt es keinen Weg zurück, da gibt es nichts zu trauern. Einzige Möglichkeit ist das Positive der CIs zu erkennen. Und glaub mir, wenn sich dein momentaner Stresslevel wieder normalisiert hat und dir der Vorteil bewusst wird, wirst du sehr dankbar um deine CIs sein. Immerhin hast du nochmal ein deutlich schlechteres Verstehen (und wahrscheinlich Hören) gehabt als ich vor der OP.


    Dass man plötzlich alles mögliche hört, das einen eher stört, hört man von vielen Leuten. Auch von Leuten, die erstmals Hörgeräte tragen. Das ist aber Übungssache bzw. Gewohnheitssache. Wenn es arg schlimm ist, kann der Audiologe auch noch entsprechende Anpassungen vornehmen. In meinem Fall ist es so, dass ich stattdessen gar nicht genug Input bekommen konnte. Die Empfindlichkeit meines CIs habe ich per Fernbedienung schon innerhalb der ersten Woche sukkzessive auf Maximum gestellt und es reicht mir immer noch nicht.;) Insgesamt lauter will ich aktuell nicht stellen, da alles sonst nur verzerrt klingt. Ich habe meinen SP ja auch erst seit 2 Monaten.


    Ich hoffe, du kannst es dir leisten, erst mal keine Ausbildung oder Arbeit zu machen. Das ist für dich aktuell wohl tatsächlich das beste. Einfach um zur inneren Ruhe zu kommen. Vielleicht entscheidest du dich anschließend ja doch nochmal, im Kindergartendienst zu arbeiten. Immerhin habe ich von manchen gelesen, die das trotz zweier CIs tun und sehr glücklich damit sind. Persönlich kenne ich jedoch keinen davon. Aber diese Überlegung hat Zeit, bis du wieder voller Optimismus sprudelst. :)

  • Hallo Alex,


    gerne kann ich dir von meiner CI-Reha vor zwei Jahren in Bad Salzuflen berichten.


    Das Wichtigste vorweg: ich wollte gar nicht und habe mich mit Händen und Füßen gegen eine stationäre Reha gewehrt! Diese Ablehnung war damit begründet, dass ich bereits im Jahr 2008 in einer über 6wöchigen Reha wegen einem angeblichen Born-Out war und mich extrem unwohl gefühlt und nicht vernünftig behandelt gefühlt habe (morgens "Hallo wach-Pillen", abends "Schlag-gut-Pillen", Gequatsche über allen möglichen Unsinn bis hin zu einer Frühpensionierung mit 37!). Dabei lag die Ursache meines damaligen Zusammenbruchs tatsächlich und hauptsächlich in meiner Hörbehinderung und kein Mensch, weder Ärzte noch Therapeuten sind auf die Idee gekommen, mal meinen eigenen Umgang mit der Schwerhörigkeit zu hinterfragen!


    Meinem Mann und den Kids zuliebe bin ich etwa 8 Monate nach der CI-OP bzw. gut 6 Monate nach der EA in die stationäre CI-Reha gefahren. Die stationäre Reha ist losgelöst von der ambulanten Reha. Diese fand vor bzw. auch nach der stationären Reha zusätzlich statt.


    Neben dem täglichen Hörtraining, einzeln und in der Gruppe, wurden wöchentliche Anpassungen des SP, bei Bedarf auch öfter, vorgenommen.

    Des Weiteren fand einmal wöchentlich ein Kommunikationstraining in der Gruppe statt, was für mich sehr aufschlussreich war.

    Ferner konnten diverse Hilfsmittel wie Minimikrofon usw. ausprobiert werden.

    Den Patienten wurde der Vorgang des Hörens anschaulich erläutert. Auch wie ein CI arbeitet.

    Bei Bedarf gab es psychologische Beratung; gerade mit dem Schwerpunkt Auswirkungen der Hörbehinderung.

    Im sportlichen Bereich wurden ebenfalls Therapien durchgeführt vom Gleichgewichtstraining über Walken über Aquagymnastik usw.


    Alles in allem haben mir die fünf Wochen dort unglaublich gut getan und ich habe sehr sehr viel über die Schwerhörigkeit, deren Folgen und mich selbst gelernt. Auch der Austausch mit den anderen nicht nur CI-Patienten war sehr wertvoll. Hier können auch schöne Freundschaften entstehen und man tauscht sich immer wieder gerne aus.


    Ich persönlich habe dort vor allem endlich mal gelernt, im stolzen Alter von knapp 47 Jahren (:D:saint:) meine von Geburt an bestehende Schwerhörigkeit nicht mehr zu verdrängen, sondern als einen Teil von mir zu akzeptieren und offensiver damit umzugehen. Es war ein langer und schwerer Weg, aber es lohnt sich.

    Vor allem konnte ich auch mehr Frieden mit dem CI schließen, da ich auch nach der OP sehr stark an die Richtigkeit der Entscheidung gezweifelt habe (Gleichgewicht verloren, völlige Ertaubung des implantierten Ohrs, zeitweise Tinitus, der sich zum Glück in Grenzen hält und ein sehr schwieriger Start bei der EA als alles nur "pling" machte). Heute will ich das CI nicht mehr missen und genieße den Gesang der Vögel und viele andere Geräusche, die ich zeit meines Lebens nie gehört hatte. Ich wusste nicht, dass das Streicheln meines Pferdes auch ein Geräusch im Fell verursacht^^...


    Da ich einen sehr kommunikativen Beruf (Mitarbeiterin in einer Kommunalverwaltung mit dem Schwerpunkt Organisation und Durchführung von Kulturveranstaltungen mit diversen Kooperationspartnern neben der Koordination von Sport- und Ehrenamtsangelegenheiten) habe, habe ich mir überlegt, ob ich nicht Anfang des nächsten Jahres zur Erhaltung meiner weiteren Dienstfähigkeit einen Reha-Antrag aufgrund der Hörbelastung stelle.


    Da du derzeit nicht im Arbeitsleben stehst, was ich in deiner jetzigen Situation sehr gut nachvollziehen kann, bin ich mir nicht sicher, ob dann anstatt die Rentenversicherung möglicherweise deine Krankenkasse der Kostenträger sein wird. Aber da kannst du mal bei deiner Krankenkasse nachfragen.


    So, wie du deine Situation schilderst, glaube ich fast, dass eine stationäre Reha dir sehr gut helfen würde.


    Darf ich fragen, ob du derzeit Unterstützung durch deine Familie, Freunde usw. hast?


    Ich wünsche dir, dass du auch mental wieder auf die Füße kommst, dann klappt das auch mit dem Hören besser;)!


    Viele liebe Grüße

    SaSel

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017 Uni Köln, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

  • Hallo Alex,

    ich bin zur Zeit in reha, stationär in Bad Salzuflen. Ich kann SaSel nur beipflichten. Gut, Momentan bin ich noch am Anfang der Reha und hab noch nicht alle Stationen durch, aber vor 5 Jahren war ich als Schwerhöriger mit HGs in Bad Grönenbach zur Reha und da wurde das Thema Schwerhörigkeit sehr gut bearbeitet. es standen dort Psychologen und gute Fachärzte mit Rat und Tat zur Seite. Sport, Beschäftigungstherapien, Vorträge, Entspannungsübungen usw. wurden angeboten und haben mir damals sehr viel gebracht ... und dadurch wurde es für mich schlagartig in der Firma leichter .. ich wusste jetzt warum ich "komisch" bin und was ich ab jetzt will. Teilweise kommt mir die vergangene Reha jetzt in der neuen fürs CI zugute.

    Fällt mir gerade ein, die letzte reha hat mir auch die Entscheidung für das CI erleichtert und auch die Akzeptanz zu meinem neuen Ersatzteil (ich nenn mich nun der 30000 € Mann ;)^^)

    Wenn du nun aktuelle Infos zur Reha benötigst, frage ruhig ... abends komm ich zum Antworten ... wenn ich nicht vor Müdigkeit um achte ein penne :rolleyes:)

  • Liebe Alex,

    Nicht aufgeben!

    Es ist eben so: Mal vor und wieder zurück. Du bist ja noch jung und das Hören wird sicher immer besser werden. Aber das Zauberwort ist Geduld.


    Gruß Norbert

    links: Opus 2XS, Flex28; OP 14/09/2012 MHH
    EA: 05/11/2012 erfolgreich
    rechts: HG (zu nichts nutze...)
    --------------------------------
    Offenbarung 21,4
    ...und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz...


    Jesaja 35, 4-6
    Sagt den verzagten Herzen: "Seid getrost ..." ...dann werden die Ohren der Tauben geöffnet werden...

  • Ich weiß noch, dass ich damals gesagt habe, dass ich nicht Sprache, sondern Musik gut verstehen will. Teilweise haben die Leute dort es schon verstanden, teilweise haben manche gesagt, dass dies sehr utopisch sei, quasi der Marathon unter den Hörübungen.

    Jetzt stehe ich hier mit zwei CIs und ich muss sagen, mich nerven eigentlich 2 Sachen ganz gewaltig.

    Zum einen höre ich jetzt Geräusche, die ich vorher nie gehört habe, aber eigentlich sind diese total unwichtig und da denke ich mir, wieso muss ich den Käse hören? Das ist doch nicht wichtig!

    Wenn Dir die Musik total wichtig ist (was ich sehr gut nachvollziehen kann, denn sie ist mir auch total wichtig!) wirst Du selbst aktiv werden und Dich da so richtig reinbeißen müssen.

    Ja, die Musik klingt am Anfang total gewöhnungsbedürftig, bis total kacke, aber es kann was daraus werden!


    Ich denke für mich, daß gerade mir die Musik dabei geholfen hat, daß das Alltagsverstehen mit der Sprache auch besser wird.


    Aber ja, die Musik ist wirklich die Kirsche auf das Sahnehäubchen, was das Hören betrifft.

    Viel wichtiger ist ja die Sahne! Also das Sprachverstehen. Zumindest für die meisten Leute!



    Aber das dick markierte von Deinem Satz liest sich doch total gut! :thumbup:

    Denn das zeigt doch, daß Du schon mal deutlich mehr hören kannst, als noch zur reinen HG Zeiten. Eigentlich ist das doch positiv zu sehen!

    Klar, manche Geräusche stören mehr, als das sie helfen ^^, und so manches muß man nicht unbedingt hören müssen. Und Überhören lernen ist auch noch mal ein Kraftakt für sich.

    Aber dennoch gehört genau dieser Teil dazu, daß man - vom Kopf her, also das Gehirn - das Hören wieder neu lernen muß. Das sollte auch beim Sprachverstehen hilfreich sein. Ist das alles erst einmal richtig verarbeitet und in entsprechenden Schubladen gesteckt, gewöhnt man sich schon daran. So manches läßt sich dann mit der Zeit auch wieder ausblenden.


    Und zum anderen, wie ich dann die letzten Schultage besucht habe, haben viele gedacht, ok, die ist jetzt operiert und hört gut, das hat mich sehr wütend gemacht, dass viele denken, eine OP behebt alles.

    Ja, das ist häufig ein großes Problem!

    Dinger drin = man muß jetzt schon wieder "normal" hören können.

    So einfach hat es zu sein, BASTA!


    Da helfen wohl nur Vergleiche mit einer Bein- oder Armprothese :/

    Erwarten sie, daß die Patienten mit so einem Teil sofort wieder laufen, oder nach einer Tasse greifen können?

    Nein? Training braucht man? Prima, denn beim Hören ist es nämlich auch so!




    Ich wünsche Dir alles Gute auf Deine weitere Hörreise!

  • Zu dem Thema, dass viele Leute denken, jetzt hat Sie ( bzw. Er) ja neue Geräte, da muss es doch normal sein, gut zu hören.


    Den Leuten zeige ich gerne diese Website inkl. dem Video zum "Speaking Piano". Oft hilft das fürs Verständnis.



    https://leichthoerig.de/2013/1…e-hoert-man-mit-einem-ci/

  • Der-Grauhaarige verrückt, ich hatte mir das Video vor der OP mal angehört und ziemlich wenig erfassen können bzw. habe es auch nicht als Sprache wahrgenommen. Jetzt, nach den Monaten des Übens, ist es für mich eindeutig Sprache und ich verstehe es deutlich besser als früher. Der Kopf scheint solche Klänge in sein Repertoire aufgenommen zu haben.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

  • Geräusche gehören einfach zum Leben dazu. Alle Normalhörende hören Geräusche ohne Ende. Das Gehirn gewöhnt sich daran.


    Gruß Norbert

    links: Opus 2XS, Flex28; OP 14/09/2012 MHH
    EA: 05/11/2012 erfolgreich
    rechts: HG (zu nichts nutze...)
    --------------------------------
    Offenbarung 21,4
    ...und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz...


    Jesaja 35, 4-6
    Sagt den verzagten Herzen: "Seid getrost ..." ...dann werden die Ohren der Tauben geöffnet werden...

  • Hallo Alex,

    erstmal willkommen bei den Blechöhrchen.. ja jeder geht durch mehr oder weniger steinige Hindernisse auf dem Weg zum Hören mit CI..

    bestimmt brauchst du auch noch einfach Zeit.. Auch du wirst es schaffen und deinen Weg gehen..

    Was ich toll finde das da noch ein Weibliches Wesen ist welches Motorrad fährt..:thumbup:bestimmt sportiver wie ich mit meinem Oldie..

    Aber toll.. CI lass ich beim Fahren immer aus bekomm beides eh nicht in Helm.. HG auch.. nehm ich aber mit.. und ein wenig hör ich ja noch auf dem linken Ohr..

    Beim nächsten Helm werde ich schauen das ich da aber mehr Platz habe..

    Du kommst aus München?? Dort lebt mein Sohn..;)

    Ich wünsche dir hier viel Austausch und das du etwas besser mit der Situation klar kommst... Vielleicht solltest du wenn der Corona-Spuk rum ist (Hoffentlich net mehr so lange..:cursing:) mal über eine Reha nachdenken.. vielleicht hab ich auch was überlesen.. dann sorry..

    Ganz liebe grüße, Marina

  • Hallo,

    Interessante Hörbiografie mit vielen Komplikationen. Stell ich mir schwierig-auch für mich selbst, wenn ich mich in meiner schul -und Lehrzeit damit auseinander setzen müßte.

    Ich habe Gott sei dank bei Implantation bereits knapp 35 Jahre Berufsleben hinter mir- sehe entspannter in die Zukunft.

    Nach anfänglichen Begeisterung beim Selbsthörtraining und Logopädie war ich guter Dinge. Aber die anfänglichen Hörerfolge wurden nach 3 Monaten immer seltener- dann kam die Corona-Krise - 7 Wochen zwangspause in der Logopädie und nachlassende Selbstdiziplin hinterlassen Spuren -Einiges Verlernt=O!!

    Bin aber trotzdem -das mein CI noch nicht dominiert im Verstehen nach 5 Monaten :rolleyes: ganz zufrieden , immerhin höre ich viele Geräusche, die ich vorher so nicht mehr kannte, über Kopfhörer höre ich ganz gut Texte. aber über Lautsprecher klingt alles noch ziemlich leise :evil:

    Anfang März hatte ich ne sehr gute Phase von zwei Wochen , wo ich Strassenverkehr aus mind. hundert Meter wahrnehmen konnte8)

    Es geht halt ständig auf und ab im Gehirn, das frustiert . ein schritt vor , dann zwei schritte zurück usw., es geht momentan mühsam voran.

    Leider ist der Tinitus immer sehr vorherrschend-immer ein wildes geknattere, sobald ich viel höre über CI :thumbdown:dann zieh ich mein CI heraus und leg mich schlafen||.

    So hat jeder seine Höhen und Tiefen. Denke der Kampf lohnt sich, die Glücksgefühle sind noch Überhand;)

    wohnhaft: Kreis Pinneberg(bei Hamburg)

    ~mehr als 70 Hörstürze /Vestibularerkrankung bds.

    Links: CI Med El Synchrony1-Flexsoft 28 / Sonnet 2-OP 19.11.2019--EA 9-11.12.2019