Wer hat Erfahrungen mit Cortisonbehandlungen?

  • Hallo zusammen,


    ich habe seit 2 Jahren links ein CI und rechts (noch) ein Hörgerät.

    Am Montag war ich zu einem regulären Kontrolltermin bei meinem Haus - HNO. Nach dem dem Hörtest meinte die Ärztin, ich müsse wohl einen Hörsturz gehabt haben, die Kurve vom linken Ohr ist stark abgesunken.

    Sie hat mir Cortison verordnet und mich krank geschrieben.

    Nun ist es so, dass ich einen Hörsturz gar nicht wahrgenommen habe, jedenfalls kann ich es keinen Datum oder Ereignis zuordnen. Bis November hatten wir unsere alten Schlafzimmermöbel und da stand das Radio direkt auf dem Nachtschrank. Da konnte ich morgen noch die Nachrichten hören und halbwegs verstehen. Dann hatten wir die alten Möbel entsorgt und das Schlafzimmer wurde komplett renoviert. Mitte Januar kamen die neuen Möbel und das Radio steht nun ca. 1,5 m vom Bett entfernt. Ich schalte es mit der Fernbedienung ein und ..... höre nichts. Das war das Einzige was mir bisher aufgefallen war. Na gut beim Fernsehen hatte ich in den letzten 2- 3 Wochen immer weniger verstanden und muss jetzt mein CI und das HG immer öfter mit dem Fernseher verbinden.


    Jetzt nach ein paar Tagen Cortison habe ich wieder neue Empfindungen. Nämlich dass das CI Ohr scheinbar immer dominanter wird. Bei HG Ohr spüre ich nur insofern ein Veränderung, dass die honen Töne (z.B. Zeitungsrascheln beim Umblättern) schon nahe an der Schmerzgrenze liegen. Das das Sprachverstehen oder sonst etwas sich zum positiven verändern würde - Fehlanzeige.

    Hat von Euch jemand in dieser Hinsicht irgendwelche Erfahrungen? Besteht eigentlich überhaupt noch Hoffnung? Ich habe ja gelesen, nach einem Hörsturz sollte man innerhalb von 24 Stunden einen Arzt aufsuchen, aber wie sollte ich dass, wo ich das gar nicht bewusst wahrgenommen habe. Ich weiß ja auch nicht ob es nur einer war, oder vielleicht mehrere Kleine???


    So langsam bin ich mir aber auch nicht mehr sicher, was ist Einbildung und was ist real. Jedenfalls macht mir die Situation mental zu schaffen.

    Am Montag den 4.05. Habe ich einen Kontrolltermin bei der HNO - Ärztin. Ich werde mich bemühen Euch auf dem Laufenden zu halten.


    Andreas

  • Hey, deine Erzählungen über den "schleichenden Hörsturz" kann ich absolut nachempfinden und auch die damit verbundene Unsicherheit und Fragen wie "War das schon immer so?" oder "seit wann höre ich das nicht mehr?"


    Auch ich hatte diese Erfahrung gemacht... Irgendwie wurde schon vieles leiser, aber erst als ich morgens das Hörgerät angemacht habe und es nicht merklich lauter wurde, hab ich realisiert, dass da was nicht stimmt.. Aber seit wann konnte ich nicht terminieren. Hab dann auch Cortison bekommen, aber da es unklar war, wann der Hörsturz war, waren die Hoffnungen auf ein Wirken recht gering.


    So wie ich das mitbekommen habe, ist Cortison nur bei akuten Hörsturzen sinnvoll und auch da ist die Wirksamkeit nicht so ganz erwiesen, bzw von Person zu Person unterschiedlich.


    Da ich kein Arzt bin, kann ich dir natürlich keine Prognose ausstellen und wünsche dir ganz fest, dass wieder was von deinen Hören zurück kommt. Ich drück dir die Daumen.


    Viele Grüße

  • Ich hatte in den letzten Jahren mindestens zwei Hörstürze, der erste auch eher schleichend, der zweite schneller. Nach dem ersten habe ich auch die übliche Kortisonbehandlung mit Infusionen usw. bekommen, doch es hat nichts gebracht, mein Gehör blieb schlecht. Einige Jahre später war mein Gehör zum einen stetig immer schlechter geworden, dann kam aber noch mal ein krasser Sturz. Auch hier habe ich eine Kortisoninfusion bekommen, zusammen mit Lidocain, doch es hat sich quasi gar nichts getan. Ich habe dann bei einem anderen Arzt Spritzen durchs Trommelfell mit einer Kortisonlösung bekommen, was für ein paar Wochen eine Besserung in einem Frequenzbereich gebracht hat. Am Ende war der Erfolg aber doch wieder zunichte gemacht. Bei einem erneuten Arztwechsel sagte mir die Ärztin, dass sie bei einem Hörsturz Kortisontabletten geben, was für mich das Zeichen war, dass die Ärzte letztlich selber nicht an die Kortisontherapie über den Kreislauf glauben.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

  • Das ist gut möglich. Meine letzten Hörstürze (rechts und links) waren jeweils bei liegendem Impantat. Zweimal auf der linken Seite. Ich hatte den typischen Hyperakusis, wäre am liebsten weggelaufen, konnte aber nicht. Interessant war, dass ich klar und deutlich alles verstanden hatte. Waren "nur" die Begleitsymptome. Zwei Tage nach der Implantation auf der rechten Seite, hatte ich einen Hörsturz. Hyperakusis und Schwindel waren meine Hauptsymptome. Es sollte eigentlich bei der Op das Restgehör erhalten bleiben. Nach dem Hörsturz ist das Restgehör von jetzt auf Gleich verschwunden und nicht wieder aufgetaucht.


    Mit freundlichen Grüßen

    Thomas

    Links: MedEL: Implantat MI 1200 Synchrony 24mm - SP EAS-Sonnet OP 01.06.18 EA 16.07.18 - MHH

    Rechts: MedEL: Implantat MI 1250 Synchrony 28mm - SP Sonnet 2 OP 17.09.19 EA 21.10.19 - MHH

  • Hallo @Der-Grauhaarige,

    ich kann das was du hast gut nachvollziehen. Mir ging es so ähnlich. Linke Seite HG, plötzlich am morgen hörte ich ohne HG das Radio kaum noch. Verzerrt und kein Sprachverstehen. Zum HNO und Akustiker Hörtest gemacht. Die tiefen Töne waren im Keller, die hohen Töne konnte ich ohne HG noch ziemlich gut wahrnehmen. Nach einiger Zeit, am Morgen aufgewacht und ich konnte ohne HG Sprache im Radio wieder deutlich verstehen. Das zieht sich jetzt schon ca. 1 Jahr so dahin. Mal höre ich die tiefen Töne gut und mal fast gar nicht. Bei der CI-Kontrolle in der Uni-Klinik wurde das natürlich auch geprüft und man bot mir eine Cortisontherapie an. Habe ich dankend abgelehnt, weil es keinen wissenschaftlichen Beleg gibt dass Cortison hilft. Bestätigte mir auch der HNO-Arzt. Da ich ja auch noch mit ab und an Gleichgewichtsproblemen zu tun habe, empfahl er mit die Betahistindosis zu erhöhen. Seit etwa 4 Monaten hat sich das mit dem Gleichgewicht eingepegelt. Wenn ich merke dass die tiefen Töne ohne HG fast verschwunden sind und ich ohne HG im Radio nur noch ganz leise ein schnarren höre weiß ich dass ich in den kommenden Tagen wieder mit einem Anstieg der hohen Töne rechnen kann.

    Habe jetzt auf dem HG zwei Programmeinstellungen, einmal normale Einstellung und einmal eine Einstellung wo die tiefen Töne verstärkt werden. damit kann ich zur Zeit ganz gut leben.
    Es grüßt dich

    Biker

    Rechts Cochlear Kanso; OP 25.04.2017 UNI-KLINIK Halle;
    Links HG Enya 3 von Resound seit September 2018, seit Ende 2019 müssen am HG so zw. 90 und100 dB anliegen, um etwas zu verstehen.
    Zubehör: Cochlear™ Wireless Mini Microphone (Minimikrofon 2+); Telefonclip+ von Resound; ReSound TV Streamer 2

  • Ich bin auf dem ersten Ohr während der Reha ertaubt.

    Hatte das gar nicht gemerkt.

    Wahrscheinlich hatte ich auf dem schon so schlecht gehört, dass es kaum noch eine Rolle spielte.

    Das zu retten, wurde auch mit Cortison versucht, hat aber nichts gebracht.

    Das war dann in meinem Leben die letzte Cortisontherapie die ich bekam, alle die ich davor schon nach Hörstürzen bekam, hatten ebenso nie eine Verbesserung gebracht.

    Gruß Bestager


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    Links seit 2/2006 Implantat, seit 6/2018 N7
    Rechts seit 5/2012 Implantat, seit 6/2018 N7
    Reimplantiert, Tinnitus

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    Alle sagten: "Frührente geht nicht! CI-Träger darf das nicht!" Bis einer kam und es trotzdem machte.

    @Ich

  • Hallo Andreas,


    Sohnemann hatte zwei „akute“ Hörstürze. Nach dem ersten und einer Infusionstherapie mit Cortison hatte es sich gebessert und war fast wie vorher. Nach dem zweiten halfen weder die Infusion noch Cortisonspritzen direkt hinters Trommelfell.

    Das Ende war dann die Versorgung mit einem CI .


    Sollte das andere Ohr ( das schon vorher schlechtere, mit HG versorgt) auch noch abstürzen ( was sehr wahrscheinlich ist), wird es wohl keine Cortisonbehandlung geben.


    Damals war es ein Strohhalm und als Eltern greift man nach jedem.....


    VG und gute Besserung! Fibi

    Sohn (18 Jahre) rechts HG Linx von Resound bei hochgradiger SH

    links CI von Cochlear - OP am 04.05.2018 / EA 18.06.2018

  • Guten morgen schön,


    auch ich habe nach meinem plötzlichen Hörsturz die volle Cortisontherapie bekommen. Erst Tabletten, dann 4 Tage lang per Tropf stationär im Krankenhaus und hinterher die Spritzen hinters Trommelfell. Gebracht hat das überhaupt nichts. Außer das ich monatelang mit enormen Neben- und Nachwirkungen zu kämpfen hatte. Damit hatte ich streckenweise mehr zu kämpfen als mit dem Hörverlust.


    Viele Grüße

    Peter

  • Moin zusammen,


    ich habe eben die vielen Nachrichten von Euch durchgelesen, vielen Dank für das rege Interesse an diesem Threat. Ganz kurz zu einer Frage, den Hörsturz hatte ich auf dem rechten mit Höhrgerät versorgtem Ohr.

    Meine Befürchtungen gehen auch in die Richtung, dass es wohl auch auf der rechten Seite auf ein CI hinauslaufen wird.

    Bis jetzt habe ich in Bezug auf des Cortison eher mit den Nebenwirkungen im Verdauungstrakt zu kämpfen, als das ich eine positive Wirkung beim Hören spüre. Und wenn dann eher in der Richtung, dass das CI Ohr weiter dominanter wird. ....

    Da ich ja schon ein CI habe, weiß ich nicht, ob das ein Fluch oder Segen ist, zu wissen was auf mich bei einem zweiten CI auf mich zukommt.

    Was mittel- und langfristig wird es sicherlich auf jeden Fall ein Segen sein, aber jetzt schon zu wissen und eine relativ konkrete Vorstellung davon zu haben wie die erst Monate oder länger nach der Erstanpassung sein können. ..... Aber da wisst Ihr ja alle selber wie es war und ist.


    Ich denke nach meinem Kontrolltermin am Montag berichte ich weiter was ich erfahren habe.


    Andreas

  • aber jetzt schon zu wissen und eine relativ konkrete Vorstellung davon zu haben wie die erst Monate oder länger nach der Erstanpassung sein können.

    Sieh's positiv. Nach allem, was ich bisher hier gelesen und bei persönlichen Kontakten gehört habe, stellt sich der Erfolg des zweiten CI-Ohrs wesentlich schneller ein als beim Ersten.

  • Sieh's positiv. Nach allem, was ich bisher hier gelesen und bei persönlichen Kontakten gehört habe, stellt sich der Erfolg des zweiten CI-Ohrs wesentlich schneller ein als beim Ersten.

    Danke! Bin gespannt was Morgen beim HNO Termin rauskommt. Ich Berichte dann wieder.

  • Sieh's positiv. Nach allem, was ich bisher hier gelesen und bei persönlichen Kontakten gehört habe, stellt sich der Erfolg des zweiten CI-Ohrs wesentlich schneller ein als beim Ersten.

    Das schon, ja. Aber man sollte bitte auch die Hörbiographie des Einzelnen mitberücksichtigen, inwiefern der Hörerfolg ausfällt. ;) Das macht wirklich viel aus.

  • Moin zusammen,

    bin gerade vom HNO zurück. DAs Ergebnis des heutigen Hörtests zeigte, dass es keine Veränderung gegenüber der Vorwoche gibt.

    Das Einzige war mir ganz subjektiv im Laufe der Woche aufgefallen ist, dass das CI Ohr noch dominanter wirkte und dass gerade die hohen Töne auf dem HG-Ohr unangenehmer wurden, bis kurz vor die Schmerzgrenze. - Aber wie gesagt, dass sind ganz subjektive Eindrücke.

    Heute in einer Woche habe ich den nächsten HNO Kontrolltermin. Vorher, am Freitag bin ich beim Akustiker, mal sehen was dort mit dem HG rausgeholt werden kann. - Aber auf Grund der Eindrücke der vergangenen Woche befürchte ich, dass die Verstärkung eher unangenehmen Schmerzen als eine Hörverbesserung bringen wird. Na ich warte es mal ab.


    Bis später.

  • Meine Akustikerin hat mir auf meinem HG zwei unterschiedliche Programme eingespeist. Ein "normales" entsprechend meiner Hörkurve, das für mich in den hohen Frequenzen auch gerne schmerzhaft wird, und ein zweites Programm, welches die hohen Frequenzen gar nicht verstärkt. Das Zusammenspiel mit dem CI funktioniert da aber sehr gut (Klang/Vokale übers HG, Konsonanten übers CI --> gutes Gesamtverständnis). Das normale Programm verwende ich z.B. in Besprechungen bzw. in ruhiger Umgebung, das andere, reduzierte Programm aber viel häufiger im Alltag.

    Vielleicht wäre das auch etwas für dich?

    Hochtonschwerhörigkeit/Hochtontaubheit von Kindheit an.

    Rechts: CI622 seit 12/2019, Nucleus 7

    Links: 65% Sprachverstehen mit HG (seit 2020 Oticon Exceed)

  • Update vom 11.Mai


    Heute hatte ich einen weiteren Kontrolltermin bei meiner HNO Ärztin. an der Hörkurve hat sich wieder nichts geändert. Sie sagte, sie ist damit am Ende Ihrer Möglichkeiten. Sie bot mir an, mich in eine HNO Klinik einzuweisen, damit dort eine höher dosierte Cortison Behandlung durchgeführt werdenkann. Das lehnte ich aber ab, sofern es Alternativen gibt. Die Alternative ist eine Überweisung zu Prof. Lennarz im DHZ. Da ich da sowieso in Kürze zu meinem jährlichen CI Kontrolltermin hin muss, habe ich mich für die Überweisung dorthin entschieden.