Zusammenhang (ggf. einseitige) Schwerhörigkeit und angeblichem ADS oder Asperger?

  • Hat jemand von euch, der von Geburt an schwerhörig ist, zufällig als Kind oder Jugendlicher ADS oder Asperger diagnostiziert bekommen, was sich aber durch ein geeignetes HG oder das CI verbessert hat bzw. verschwunden ist?

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

  • AnniB

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  • Nicht ich selber, aber ich hatte einen Schüler mit einer Schwerhörigkeit, der ADHS diagnostiziert bekam samt Medikamenten und wir und die Psychologen/Aerzte erst danach erfahren, dass er schlecht höre.... ASS war auch ein Thema bei ihm gewesen, weil er so allen Leuten aus dem Weg ging oder dann gerade Streit hatte, einfach weil es enorm viele Missverständnisse gab.


    Die Symptome können die gleichen sein, sprich mühe sich zu konzentrieren, soziale Kontakte vermeiden usw. Vor allem ADHS haben einige schwerhörige Kids diagnostiziert auch SSD kann zu so einer Diagnose führen wenn nicht gut untersucht und alles andere ausgeschlossen wird.

    li normal hörend

    re taub nach chronischen MOE im Kindesalter, nun Cochlear N6 OP 8.2.18 EA am 8.3.18

  • Ok, danke! Ich habe heute einen hörgeschädigten Schüler und seine Eltern getroffen und es stehen solche Dinge im Raum. Ich könnte mir durchaus einen Zusammenhang vorstellen, denn mir wurde von Kollegen auch „autistisches Verhalten“ vorgeworfen und ich habe bei mir auch buchstäblich „asoziales Verhalten“ festgestellt. Ich weiß, dass diese Diagnosen mehr beinhalten und eigentlich müsste man diagnostizierenden Profis zutrauen, dass sie auch um die Ecke denken, aber ich habe ein ungutes Gefühl. Wenn ich den Eltern was raten könnte, wäre es eine gute/bessere Versorgung der (einseitigen) Hörschädigung.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

  • Ich kann mir mit Blick auf meine eigene Kindheit da gut vorstellen, dass da ein Zusammenhang besteht. Erstmals diagnostiziert wurde eine Hochton-Schwerhörigkeit bei mir ca. im Vorschulalter. Damals riet der HNO von der HG-Versorgung ab, da ich ja so ein Zappelphilipp sei (ADHS und so ein "neumodischer Kram" gab es 1970 "auf dem Dorf" noch nicht).

    Wenn du als Kind aufgrund der Hörbeeinträchtigung nicht mithalten kannst, gehänselt und ausgeschlossen wirst, dich "anders" fühlst, benimmst du dich auch anders/auffällig. Bei mir hatte sich das wie ein roter Faden durch die Kindheit/Jugend gezogen.


    Zum Glück wird da heute mehr drauf geachtet - und ist die Technik so fortgeschritten, dass eine HG-Versorgung viel besser ist als anno dazumal. Für meine Hörkurve brauchte ich 3 Anläufe und rund 25 Jahre, bis ich tatsächlich mal das gefühl von mehr Lebensqualität durch die HG's hatte...


    Deshalb würde ich den Eltern dringend einen Besuch beim HNO ans Herz legen. Ich finde es super, dass du dich um deine Schüler wirklich kümmerst!

    Hochtonschwerhörigkeit/Hochtontaubheit von Kindheit an.

    Rechts: CI622 seit 12/2019, Nucleus 7

    Links: 65% Sprachverstehen mit HG (seit 2020 Oticon Exceed)

  • Er hat(te?) ja ein HG, hat es aber wohl lange nicht getragen. Wie der aktuelle Stand weiß ich nicht, bin ja erst nächsten Monat wieder aktiv. Ich muss mal gucken, ob ich die Eltern nochmal anschreibe.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

  • Also ich bin der Meinung, dass es keinen Zusammenhang zwischen einer Schwerhörigkeit und ADS oder Asperger gibt. Bei Schwerhörigkeit können ebenfalls Schwierigkeiten im Sozialverhalten auftreten und es gibt dennoch viele Schwerhörige, die sich normal verhalten. Im Zusammenhang mit Schwerhörigkeit besteht oft eine Unsicherheit, vor allem wenn man von Kleinauf schwerhörig ist und dies kann zu manchmal unangebrachten Verhalten führen.

    Ich finde, der Schüler sollte erstmal Hörgeräte bekommen, sonst ist ja keine Kommunikation möglich. Schön und bewundernswert, dass Du Dich so um den Schüler bemühst, liebe AnniB ! :)

  • AnniB,

    was du den Eltern auf jeden Fall raten könntest ist, dass sie auf die Schwerhörigkeit ausdrücklich hinweisen, wenn der Junge diagnostiziert werden sollte.

    rechts: CI N6 von Cochlear seit 3/2016, reimplantiert 3/2019

    links: HG Enya 4 von Resound

  • Bei einem Vortrag von Frau Prof. Dr. Schiedat von der MHH wurde auch die Frage gestellt, ob Schwerhörigkeit und Demenz zusammenhängen. Die Antwort war ganz klar:NEIN. Die beiden Krankheitsbilder sind völlig verschieden und unabhängig voneinander. Was aber fakt ist, dass die Wahrnehmung der Außenstehenden auf beides hindeuten kann.

    Analog denke ich es bei Schwerhörigkeit und ADS Und ADHS. Die Wahrnehmung des Verhaltens des Betroffenen kann sowohl auf das Eine wie auch auf das andere hindeuten. Die Ursachen sind aber völlig verscheiden und unabhängig von einander. Eine gründlichere Untersuchung in BEIDE Richtungen sollte dann die eindeutige Diagnose bringen.

  • Nein, es hängt nicht zusammen, es gibt aber leider immer wieder Kinder bei denen ASS oder ADHS diagnostiziert wird, dabei ist ihr Hauptproblem eine unerkannte oder verdrängte Schwerhörigkeit!


    Die Auswirkungen aufs Lernen können sehr ähnlich sein und man muss gut in alle Richtungen abklären ob ein Kind nicht doch noch ein Sinnesproblem hat und nicht nur die sonstigen Tests durchführen.


    Bei einem meiner Schüler hatten wir in der Schule nichts davon gewusst, als in dann im Kindergarten nachgefragt habe kam von dort aus die Antwort, ja es sei im Kiga festgestellt worden, aber die Eltern hätten nichts machen wollen und keinerlei Unterstützung für ihn gewollt. So ist er ohne HGs durch die ganze Schulzeit Grundschule gegangen und hat dafür jede Menge Medikamente geschluckt welche teilweise bei der Konzentration geholfen haben, aber eben nicht für alles. Und als er dann 11 oder 12 war fand er verständlicherweise Hörgeräte nicht mehr so toll... also ist er nach wie vor unversorgt.

    li normal hörend

    re taub nach chronischen MOE im Kindesalter, nun Cochlear N6 OP 8.2.18 EA am 8.3.18

  • Ich meinte es so wie von Nikita genannt, eine falsche Diagnose, weil die Symptome fehlgedeutet werden.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

  • Ich hatte es auch schon so verstanden, ich wollte es nur noch einmal unterstreichen, dass das eine nicht zwangsläufig mit dem anderen ursächlich zusammenhängt. Dehalb ist ja eine umfassende Diagnostik wichtig. Wobei es natürlich nie ganz auszuschließen ist, dass beides unabhängig voneinander zeitgleich vorhanden ist.

  • Im Internat hatte ich mal eine kennen gelernt, die war Fehlhörig.

    Das sind Leute, die ja auch irgendwie Probleme mit dem Hören haben, aber nicht unbedingt Hörgeräte brauchen.


    Die hatte mal erzählt, daß es lange Zeit bei ihr nicht erkannt wurde, und sie deshalb als Autist und "schwer erziehbar" eingestuft wurde. Kam auch in entsprechenden Einrichtungen, wo sie völlig fehl am Platze war. Natürlich "bestätigte" ihr Verhalten die verantwortlichen Leuten darin, daß sie sie schon richtig beurteilt und in die richtige Einrichtung gesteckt haben, plus den dazugehörigen Medikamenten.


    Ihr Leben wurde, für sie, erst besser, als wohl jemand endlich erkannte, daß sie eigentlich zu den Hörgeschädigten gehört.

    Richtige Schule, mit den richtigen geschulten Lehrern und so weiter, und dann war für sie wieder alles deutlich besser gewesen!




    Die Schwerhörigen haben hierbei wohl das Problem, daß manche von ihnen immer noch etwas (zu viel) Restgehör haben, daß sie "genug" von ihrer Umwelt mitbekommen, um doch noch irgendwie "richtig" reagieren zu können.

    Richtig genug jedenfalls für den Auge des Betrachters, daß sie sich wohl denken: "Mann, da ist aber jemand ganz schön widerspenstig!" , oder "Der will es aber unbedingt wissen, mit seinem Trotz". Und schon hat man die falsche Diagnose.

    Ganz besonders dann, wenn diese Menschen in einer ruhigen Umgebung sehr wohl richtig auf Fragen antworten, und auch sonst keine offensichtlichen Hörprobleme zeigen.


    Dann wird auch kein Zusammenhang gesehen, wenn diese Menschen sich in einem Raum voll mit anderen Menschen, Mitschülern befinden. Die Lehrer sehen ja, daß sie irgendwie agieren, sich mit Freunden unterhalten, oder auf Lärm reagieren, daß sie manchmal richtig antworten, und manchmal "trotzig" reagieren, oder gar "patzig".

    Da Einzelgespräche sehr gut funktionieren, ist es nur logisch, daß eine mögliche Hörbehinderung ausgeschlossen wird, und dann sieht man das Ganze komplett aus einem anderen Blickwinkel. Da kommen plötzlich so Überlegungen, wie "der macht nur den Klassenclown", "nur wenn der sich in der Clique befindet, plustert er sich so auf, alleine ist das ein ganz armes Hemdchen" , und so weiter .......