Kommunikation mit Fremden

  • (Wann und wie) Kommuniziert ihr eigentlich im Alltag fremden Personen, dass ihr zum Teil Schwierigkeiten mit dem Verstehen habt? Macht ihr das bereits prophylaktisch?


    in vielen Situationen verstehe ich inzwischen deutlich besser als noch vor der Implantation mit nur einem Ohr. Selbst in Restaurants oder Kneipen kann ich mich nun deutlich besser und länger mit meiner Begleitung unterhalten.

    Schwierig wird es aber oft in Geschäften oder in Ansammlungen mit vielen Leuten, besonders wenn dann noch Musik läuft.
    Von meiner anfänglichen Überzeugung, dass es gut wäre, wenn niemand da CI sieht, bin ich inzwischen weg. Ich habe auch bereits mehrmals versucht, die Spule auf meine Haare zu packen, aber es fallen immer wieder die anderen Haare drüber. Gleichzeitig möchte ich aber will jetzt nicht eine absolute Kurzhaarfrisur schneiden lassen, die Alternative ist nur, die Haare soweit wachsen zu lassen, dass ich sie auch mal zusammenbinden kann. Dann könnte ich das Gerät zumindest teilweise sichtbar machen und würde zumindest sichtbar machen, dass bei mir ein Problem besteht. Es ist nämlich so, dass mich Leute, denen ich sage, dass ich schlecht höre (ich verkürze es meistens darauf), oft zweifelnd anschauen, weil sie halt überhaupt nichts sehen.


    Ich frage mich also, ob ihr irgendwelche Taktiken habt, wann und wie ihr Leuten mitteilt, dass sie euch z.B. beim Sprechen anschauen sollen, oder ob ihr andere erfolgreiche Strategien habt.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

  • Hallo,

    ich sage dann, dass ich einen Sprachprozessor trage und ohne diesen taub bin. Sie mögen beim Gespräch mich bitte ansehen und langsam sprechen. Das klappt bisher immer.😃 Da ich ja einen 6 mm Haarschnitt habe sehen sie auch den Kanso am Kopf. Wie gesagt bisher gab es keine Probleme in der Kommunikation mit anderen.

    Es grüßt dich Biker

    Rechts Cochlear Kanso; OP 25.04.2017 UNI-KLINIK Halle;
    Links HG Enya 3 von Resound seit September 2018, seit Ende 2019 müssen am HG so zw. 90 und100 dB anliegen, um etwas zu verstehen.
    Zubehör: Cochlear™ Wireless Mini Microphone (Minimikrofon 2+); Telefonclip+ von Resound; ReSound TV Streamer 2

  • Na ja,


    ich trage ja schon seit Jahren eine Kurzhaarfrisur, und trotzdem sehen die Leute meine SPs plus der Spule nicht immer unbedingt sofort.

    Warum auch immer?!

    Die meisten konzentrieren sich wohl eher auf mein Gesicht, oder eben mit Dingen, mit den sie sich eh beschäftigen müssen, wie schreiben auf ein Formular, Computer, und so weiter.


    Ungläubige Blicke ernte ich allerdings auch, wenn ich sage, daß ich schwerhörig bin :D , dann gucken die erst ganz überrascht und schauen dann mir rasch an der Seite, und sehen erst dann das Gerät am Ohr.

    Vorher fällt es ihnen nicht so oft auf.

    Außer, sie nähern sich mir von hinten, oder leicht seitlich.




    Ich bin ohnehin von klein auf gewohnt zu sagen, daß ich hochgradig schwerhörig bin.

    Das sage ich immer noch.

    Allerdings ist mir selbst schon aufgefallen, daß ich es nicht mehr als ersten Standard-Satz habe, wenn ich schon mit fremden kommuniziere. Manchmal geschieht alles so schnell, und es klappt alles sofort gut, ohne Probleme, daß ich mir erst hinterher darüber Gedanken mache, daß dies vor wenigen Jahren noch gar nicht möglich gewesen war!


    Ich kriege mehr mit, als früher, und reagiere oft "richtig", so daß ich eben nur noch auf das Gesprochene agiere. Wenn dann mal doch wieder Hörprobleme auftreten, dann sage ich, quasi noch einmal als Erklärung, wieso ich so doof, und vielleicht auch noch viel zu oft nachfrage, obwohl ich doch vorher alles gut gehört habe, halt eben wieder mein Sprüchlein :D



    Schönen Gruß

    Sheltie

  • Anni, das finde ich ganz große Klasse von dir, dass du dein CI so offen tragen willst. Vor allem, weil du auch nicht lange HG Trägerin warst. Ich kenne selbst an meinem HG Stammtisch Leute, die mit Hörgeräten aufgewachsen sind und diese trotzdem möglichst unsichtbar tragen wollen (und trotzdem Verständnisschwierigkeiten haben).

    Ich selbst trage HGs möglichst offen und wenn eine Kleingruppe mit neuen Leuten vorhanden ist, dann gebe ich meine Probleme schon prophylaktisch bekannt. Ansonsten bin ich ohnehin der stille Typ der fast nur zuhört.

  • Hallo Anni,


    ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass ein offener Umgang mit der Hörminderung der beste Weg ist.


    Ich hatte sogar überlegt, mir einen Soundprozessor in einer auffälligen Farbe auszusuchen. - War dann aber doch nicht entschlossen genug. Jetzt habe ich mein AB SP in Petrol. Passt gut zu meiner Haarfarbe, ist nicht zu auffällig, aber trotzdem noch gut zu sehen.


    Ansonsten habe ich dir in der Konverstaion auch eine PDF Datei geschickt, die dir vielleicht etwas hilft.

    Andreas

  • Ich trage meine Sp voll sichtbar. Da ich eine Glatze habe. Zudem gehe ich ganz offen mit meiner „Behinderung“ um. Wenn ich etwas nicht verstehe, frage ich nach. Weise die Menschen dann auf mein Problem hin. Meistens reagieren die Leute dann positiv und sind sogar noch dran interessiert, was ein CI ist. Also einfach offen mit umgehen. Das kann ich nur jedem empfehlen. :)

  • Meine Erfahrungen bisher waren eher so, dass die Leute entweder plötzlich mich angeschrieen haben und wahnsinnig langsam gesprochen haben (Geschäfte) oder, nachdem ich sagte, sie sollen am besten in meine Richtung sprechen, da ich nicht gut höre oder ein Hörimplantat trage, aber sich nur in Mitleid ergingen oder darum kreisten, ob das wieder weggeht oder wie groß der SP und Spule ist, statt einfach zu mir gerichtet zu sprechen.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

    Edited 2 times, last by AnniB: Tippfehler ().

  • Ja, daß ist echt oft die Kehrseite :lol:



    Ich sage mir dann " Was soll's?! Die geben sich ja extra nur wegen mir Mühe! "


    Ganz selten kommt es vor, daß ich schon mal sagen, daß sie nicht soooooo extrem reagieren müssen :D

  • Sheltie Du sagst, dass du es gewöhnt bist, von Kind an zu sagen, dass du schwerhörig bist. Ich habe aber noch nicht die Lösung gefunden, wann ich es am besten sage. Ich kann ja nicht in ein Geschäft reingehen und sagen „Guten Tag, ich bin schwerhörig“. Da komme ich mir vor wie bei Loriots Herrn Lohse... „Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein“. Und auch bei einer Ansammlung von mehreren Leuten, die man locker kennt, wo man sich dann unterhält, käme ich mir vor wie ein Papagei, wenn ich immer wieder sagen würde „Hallo x, ich bin übrigens schwerhörig“ 😃

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

  • Bei Zufallsbekanntschaften (im Geschäft, am Bahnsteig, etc.) lass ich den Hinweis auch sein. Es sei denn, ich habe arge Probleme mit konkret dieser Person. Werde ich nach dem Weg gefragt und ich versteh nix, dann bin ich schlicht nicht von hier. Was soll man da auch großartig erklären. Wenn ich nach dem Weg frage und nichts verstehe, bedanke ich mich und frag den nächsten.


    Mein vorsorgliches Handeln oben bezog sich mehr auf Seminare, Workshops, Fortbildungen, etc.

  • Gerade weil Schwerhörigkeit/Taubheit "unsichtbar" ist, gehe ich offen damit um - mein Gegenüber ist vermutlich kein Hellseher.


    Dabei vermeide ich tunlichst das Wort schwerhörig, eben um das Anschreien zu vermeiden. Irgendwie assoziiert Otto Normalverbraucher mit "schwerhörig" immer den "Opa", der seine Hörgeräte nicht trägt und deshalb eine gewisse Lautstärke in der Kommunikation braucht...


    Besser finde ich persönlich, direkt "hörbehindert" zu sagen und diese Aussage gleich damit zu verknüpfen, was ich jetzt konkret für ein Problem habe. Dazu lasse ich ein Gespräch erst einmal auf mich zukommen. Sobald ich etwas nicht verstehe, weiß ich auch, ob es für mich zu laut/leise/undeutlich/schnell/ohne Blickkontakt war und kann dann meinem Gesprächspartner konkret angeben, was ich in dieser Situation von ihm brauche als Hilfestellung. (Bis hin zu: bitte warte, bis wir das Treppenhaus verlassen haben, hier verstehe ich nur Bahnhof).


    In einer Gruppe würde ich ebenfalls direkt den ansprechen, den ich gerade nicht verstehe. Die anderen Teilnehmer hören ja mit;)


    Und ja, manche muss man leider immer wieder darauf hinweisen, auch wenn man täglich miteinander zu tun hat. Ein "Hallo x, ich bin übrigens schwerhörig" würde ich trotzdem tunlichst vermeiden, das vergiftet das Klima... Wir denken schließlich auch nicht immer an alles.

    Hochtonschwerhörigkeit/Hochtontaubheit von Kindheit an.

    Rechts: CI622 seit 12/2019, Nucleus 7

    Links: 65% Sprachverstehen mit HG (seit 2020 Oticon Exceed)

  • AnniB


    Ist immer ein bißchen von der Situation abhängig.

    So richtig mit der Tür ins Haus fallen, das tu ich auch nicht. ;)


    Ich gehe rein, will was, oder die Leute wollen was von mir, man fängt an zu reden, und ab da wird ja schon mal klar, ob es recht einfach werden, oder doch akustisch gesehen etwas heikel verlaufen wird.

    Ab da sage ich dann mein Sprüchlein.


    Einfach, weil die Leute sich dann eher zurücknehmen.


    Womit ich persönlich sehr viel schwerer klar komme, ist, wenn die Leute anfangen so sichtbar genervt zu sein, in einer bestimmten Art und Weise zu atmen, sich quasi innerlich die Augen verdrehen. DAS bekomme ich ja auch irgendwie mit.

    Dann doch lieber ein "Sorry, aber ich bin hochgradig hörgeschädigt, könnten Sie bitte ....."

    Dann fällt oft dieses Mann, ist die blöd! - Haltung (welches ich überhaupt nicht leiden kann) von den Leuten ab. Und ab da geht die Kommunikation auch viel einfacher ab.



    Wenn ich in einer großen Gruppe mit Normalhörende bin, und muß ein Seminar mitverfolgen können, dann bekommt die Person, die das Ganze vorträgt, meine FM Anlage um den Hals und da sage ich auch vorab, daß ich dann sonst nicht alles mitbekommen würde.

  • Da ich ebenfalls mein Leben lang hochgradig schwerhörig war bzw. links noch bin (rechts seit OP ertaubt), habe ich immer komplett ungezwungen mit Fremden kommuniziert. In seltenen Fällen, wenn ich merke ich komme so gar nicht zurecht, "oute" ich mich als Hörbehinderte und erläutere kurz meine (Hör-)Situation. Mir ist mehrfach passiert, dass, wenn der Gesprächspartner von der Schwerhörigkeit weißt, diese extrem langsam (schwerhörig = doof) sprechen oder das bereits Gesagte, von mir nicht Verstandene, dann als "unwichtig" abtun. Da bekomme ich die Krise und halte lieber die Klappe und kommuniziere so drauflos. Es gibt oft Situationen, wo ich in Dienstbesprechungen sitze und still in mich rein grinse und denke: "wenn ihr wüsstet, dass ich eigentlich (ohne Technik) kaum was verstehen kann". Daher bin ich froh, dass es die Technik gibt und ich als "ganz normaler" Gesprächspartner behandelt werden kann.

    Ich hatte in meinem ganzen Leben nur wenige Situationen, in denen ich explizit auf meine Hörbehinderung hinweise.


    Es sollte jedoch jeder für sich seinen eigenen Weg finden...


    VG

    SaSel

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017 Uni Köln, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

  • Das stimmt SaSel Jeder muss seinen Weg finden. Ich muss mich meinen noch irgendwie noch ausrichten.
    mich nerven so viele Situationen.


    Wenn die Leute mich plötzlich anschreien.


    Wenn sie abwinken, es sei nicht wichtig gewesen, wenn ich nicht verstanden habe.


    Wenn ich nach einiger Zeit in einer lauten Umgebung, in der ich mich echt bemüht habe, sage, dass ich jetzt gehe, weil mir plötzlich alles zu viel ist, und dann als Reaktion kommt, ich solle doch nicht so ungesellig sein. Oder aber die Antwort: „mir ist es auch zu laut hier“, wo für mich die Aussage mitschwingt: Für mich ist es genauso anstrengend wie für dich, ich sehe bei dir keine höhere Anstrengung.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

  • Ich bin da vollkommen bei dir.


    Ich gehe inzwischen keine Diskussionen mehr ein, warum ich gehe, wenn es mir zu anstrengend wird - die Diskussion ist noch anstrengender und ich sehe es nicht ein, mich rechtfertigen zu müssen.
    Diese Erkenntnis habe ich jedoch auch erst im Laufe der Jahre gewinnen und umzusetzen lernen müssen. Das ist ein langer Weg.


    Bitte tu dir selbst den Gefallen und rechtfertige dich nicht für deine Hörbehinderung!


    Ich wünsche dir, dass du mit der Zeit ebenfalls eine gewisse Gelassenheit erringen wirst😉!

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017 Uni Köln, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

  • Grundsätzlich ist es ja so, dass schlechter Hören einfach unsicher macht, sehr sogar. Das ist leider nun mal so.
    Ich weise meine Mitmenschen auch meist darauf hin, dass ich hörgeschädigt bin und das Mundbild brauche und sie bitte langsam und deutlich sprechen sollen, vor allem dann, wenn ich die Leute beim ersten Mal nicht verstanden habe. Wenn es wichtig für mich ist, etwas zu verstehen, dann sage ich es gleich zu Beginn des Gespräches. Das klappt natürlich auch nicht immer. ;-)


    Liebe Grüße ReCI

  • Hallo Anni,

    ich höre ja auch mit dem linken Ohr noch richtig gut und mit dem CI zusammen ist es mir viel angenehmer als ohne. Am Samstag war ich das erste Mal seit Mai auf einer Party:) ich habe mein SP leiser gestellt, damit die Musik nicht so schrammelt ;) und wenn ich etwas nicht verstanden habe, habe ich gesagt ich habe ein Implantat und verstehe noch nicht alles so gut. Das hat mir nichts ausgemacht und die Personen konnten wiederholen. Im Alltag sage ich auch dass ich ein Implantat trage. Trotz der auffälligen Farbe (mettalic blau bzw. Carribian Pirate ) sieht man mein CI bei meinen weiß grauen Haaren gar nicht. Und ich habe extra diese auffällige Farbe gewählt, damit es jeder sieht :whistling:

  • Das Problem ist vielleicht auch, dass ich im Alltag lauter kleine Situationen ansammle, in denen ich eigentlich sagen müsste, dass die Bedingungen der Unterhaltung für mich sehr schwierig sind, aber dann traue ich mich nicht oder aber ich denke, dass die Situation so kurz ist. Die Anstrengung ist aber nicht sichtbar und dann kommt sie für mich plötzlich und es gibt nur noch den Gedanken, dass ich weg muss. In einem Dokument, das Der-Grauhaarige mir zugeschickt hat, Steht so schön drin, dass eine Frau schildert, dass sie sich die ganze Zeit abrackert und am Ende sagt der Gesprächspartner dann, dass es ja super läuft. Aber das brauche ich ja euch nicht zu sagen, ihr kennt das ja wahrscheinlich. Es ist nur ein Dilemma, wenn ich mich wie wild abrackere, schwindet die Kraft und gleichzeitig ist der Bedarf an zeitweiser Rücksicht nicht sichtbar. Man möchte ja aber auch dabei sein, sein wie die anderen. Auf der anderen Seite, wenn ich immer schnell meine Grenzen ziehe, bin ich außen vor, stoße auf Unverständnis oder Irritation, bin immer die Sonderwurst. Ich muss für mich noch eine Lösung finden.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

  • Hallo Anni,

    auch wenn der Weg schwer und steinig ist, aber du hast es selber richtig erkannt und geschrieben. Du musst für dich selber deine eigene Lösung finden.

    Genauso wie für jeden Einzelnen die Hörreise anders verläuft, hat jeder Mensch seine eigene Persönlichkeit. Damit meine ich jeder von uns "tickt" anderes. Deshalb sind auch die Lösungen wie jeder mit den verschiedenen Situationen umgeht anders.


    Hier im Forum ist es möglich, dass jeder seine eigenen Erfahrungen mitteilt, und jeder Lesende kann dann das herausfiltern was am besten zu einen selbst passt, wo man sich am ehesten wiederfindet. Eine allgemein gültige Lösung zu präsentieren ist schwierig bis unmöglich.

    Aber das was ich dir geschickt, könnte auch dazu beitragen, zu erkennen, dass es anderen genauso geht wie dir und du mit deinen Wahrnehmungen und Erfahrungen nicht alleine bist.


    Wenn ich schreibe, ich gehe offen mit meiner Hörbehinderung um, dann heißt das nicht, das sich das jedem sofort auf die Nase binde.

    Ich mache das schon Situationsabhängig.

    Als ich aber vor einiger Zeit auf Arbeit für ein paar Wochen die Kollegen in der Produktion unterstützen sollte, habe ich mich in einem Meeting mit dem Team vorgestellt und ihnen erklärt was meine Aufgabe ist. Am Ende fragte mich der Team-Sprecher, ob es noch etwas gibt, was sie wissen sollten. Darauf sagte Ich:

    "Ja es gibt noch was. Ich bin hörbehindert und habe zwei unterschiedliche Hörsysteme. Wenn ich also öfter mal nachfragen muss, insbesondere wenn drumherum noch Störgeräusche sind, dann liegt es daran, das sich trotz der Hörgeräte nicht alles akustisch richtig verstehe."

    Damit wussten alle Bescheid und es gab keine Probleme in der Kommunikation mit diesen Leuten. Einige fragten mich dann auch in Einzelgesprächen etwas näher dazu aus. Ob sie Lauter, langsame oder wie auch immer sprechen sollten.


    Hast du schon eine Selbsthilfe Gruppe in deiner Nähe gefunden? Ich hatte ungefähr ein Jahr gezögert, weil die nächste Gruppe eine gute Autostunde entfernt ist, aber jetzt bereue ich, nicht schon eher daran teilgenommen zu haben.

  • Ja, ich war bereits in der Selbsthilfegruppe vor Ort, es war aber ziemlich ernüchternd. Der Ort war akustisch wie eine Bahnhofshalle, die Anwesenden waren bis auf eine nicht mehr im Berufsleben und ich hatte keine Möglichkeit mich einzubringen. Es war leider von vorne bis hinten keine Gruppe für mich. Ich könnte natürlich in den nächsten Ort fahren, aber unterm Strich bringt das alles nicht so viel, weil die Situationen sehr unterschiedlich sind. Den Abend dort habe ich als Zeitverschwendung empfunden. Es ist wahrscheinlich tatsächlich alles sehr individuell und als SSD ist es dann immer noch ein bisschen anders. Das sagte heute auch meine Audiologin. Sie werden im März sogar eine Veranstaltung nur für SSDler (und Interessierte bzw. Prä-OP-SSDler) machen.

    Außerdem habe ich aber auch noch Leute, mit denen ich mich privat austauschen beziehungsweise meinen Lehrer – Stammtisch.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend