Frage zu Hörgerätklang beim Streamen

  • Eine Frage an die Hörgeräteexperten, die nichts mit mir zu tun hat, die mich aber interessiert. Eine Bekannte von mir ist auch durch einen Hörsturz auf einer Seite zu Hörgeräteträgerin geworden. Sie ist noch in der Testphase und bemängelt, dass sie beim Streamen von Voice-Nachrichten einen so schlechten Klang hat. Ist es bei einem Hörgerät überhaupt möglich, einen guten Klang zu haben? Ich vermute auch, dass im Vergleich zum Klang auf dem guten Ohr jeder Hörgeräte–Klang sowieso schlechter wirken MUSS...

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

  • Vor meinen CIs habe ich rund zwanzig Jahre HG getragen. Ca. alle sechs Jahre gab es neue. Meine Umwelt und vertrauten Stimmen haben jedesmal irgendwie anders geklungen. Bei meinen letzten Geräten habe ich mir etwas "mehr" gegönnt. Dazu noch Glück mit meinem neuen Akustiker gehabt, der die HG sehr gut eingestellt hatte. Ich hatte noch nie so gut klingende Hörgeräte gehabt. Zusammenfassung: ausprobieren und testen. Leider kommt bei der Geschichte die unberechenbare Komponente "Mensch" dazu. Jeder ist anders und reagiert anders. Je nach Grad des Hörverlustes kann es durchaus möglich sein, neben dem Sprachverständnis, auch noch einen "Wohlfühlklang" zu haben.

    ....Sie ist noch in der Testphase und bemängelt, dass sie beim Streamen von Voice-Nachrichten einen so schlechten Klang hat. Ist es bei einem Hörgerät überhaupt möglich, einen guten Klang zu haben? Ich vermute auch, dass im Vergleich zum Klang auf dem guten Ohr jeder Hörgeräte–Klang sowieso schlechter wirken MUSS...

    Das Problem ist, dass beim Streamen in der Regel die Priorität auf die Sprache bzw. auf das Sprachverständnis gelegt wird. Vielleicht kann der Akustiker speziell beim Streamen die Kurven Richtung HiFi verschieben.


    Mit freundlichen Grüßen

    Thomas

    Links: MedEL: Implantat MI 1200 Synchrony 24mm - SP EAS-Sonnet OP 01.06.18 EA 16.07.18 - MHH

    Rechts: MedEL: Implantat MI 1250 Synchrony 28mm - SP Sonnet 2 OP 17.09.19 EA 21.10.19 - MHH

  • Ist es bei einem Hörgerät überhaupt möglich, einen guten Klang zu haben?

    Ja, das ist schon irgendwie möglich.

    Dazu braucht man sehr viel Zeit, und - Trommelwirbel - auch sehr viel Geduld! ;)


    Der unbestreitbare Vorteil beim Hörgerät ist, daß man diese alle durchtesten kann. Also verschiedene Firmen, und davon noch mal verschiedene Modelle. Nicht einfach nur das erstbeste nehmen!

    Eines davon wird schon von Anfang an klanglich viel besser passen, als alle anderen. Damit läßt es sich auch viel einfacher weiter arbeiten!


    Dann sollte man sich unbedingt die Zeit nehmen, an den Einstellungen zu feilen. Es geht nicht nur darum, die Hörtests mit 100% zu "bestehen", sondern auch darum, daß "draußen" erst einmal weiter gelauscht und somit getestet werden kann, ob das Klangbild auch okay ist. Denn gerade die entscheiden ja über unser persönliches Wohlbefinden, was unser Hören betrifft!


    Natürlich gibt es den etwas "fremden" Klang. Das wird nicht ausbleiben, weil nunmal alles elektronisch verstärkt wird.

    Dennoch besteht die Möglichkeit, eine Menge durchs "Feilen" herausholen zu können. Denn, anders als beim CI, womit wir ja nun wirklich hören müssen, ist das Hörgerät ein reiner "Verstärker". Was also nichts anderes bedeutet, als das der Vorgang ab Erreichen der Ohrmuschel anschließend den gleichen Weg weiter nimmt, bis zum Trommelfell. Und von da aus beginnt ja der natürliche Vorgang über die Hörknöchelchen bis hin zur Schnecke!


    Was man nicht vergessen sollte: die Töne werden über einem, oder idealerweise zwei Mikrofone "aufgefangen", und somit stimmt der "Winkel" beim Hören nicht mehr wie sonst gewohnt, da die Mikrofone sich oberhalb der Ohrmuschel, und dann auch etwas mehr weiter hinten befinden!

    Ich vermute auch, dass im Vergleich zum Klang auf dem guten Ohr jeder Hörgeräte–Klang sowieso schlechter wirken MUSS...

    Im direkten Vergleich mit einem völlig gesunden Ohr und natürlichem Hören ist sowieso immer alles ANDERE schlechter!

    Darüber braucht man erst gar nicht zu diskutieren!




    Ich sehe das "Problem" eher an einer komplett anderen Stelle!

    Eine Bekannte von mir ist auch durch einen Hörsturz auf einer Seite zu Hörgeräteträgerin geworden.

    Hierbei ist die Frage, was genau nun endgültig "kaputt" gegangen ist!?

    Sind etiche Häärchen komplett zerstört, also abgeknickt, so fehlen auch sie dann beim Hören mit einem Hörgerät. Denn diese Häärchen sind für bestimmte Frequenzen zuständig! Da ist es egal, ob man auf natürliche Art und Weise diese Frequenz empfängt, oder ob es ein Hörgerät dies verstärkt in den Gang hineinbringt, wenn das Häärchen kaputt ist, kann diese Frequenz auch nicht mehr wahrgenommen werden, weil eben die Übertragung ab der Schnecke zum Hörnerv unterbrochen ist!


    Ich war zwar vorher schon "nur" schwerhörig gewesen, hatte aber ein ziemlich gutes Ohr (durch die HG Versorgung) gehabt. Kam also im Alltag ziemlich gut ohne irgendwelche zusätzlichen Hilfsmitteln aus.

    Ja, ich war schwerhörig, aber ich kam recht gut damit klar!

    Als ich dann meinen Hörsturz gehabt hatte, verzerrte sich mein Hören extrem! Es kam anfangs noch alles genauso laut an, wie vorher auch schon, was dann auch noch störend war, weil das Verstehen ausblieb und alles so ganz plötzlich wie ein dutzend Etagen tiefer, so typische "Monsterstimmen", und ebenso verzerrt und das auch noch gedehnt angekommen ist, während die andere Seite normal weiter hörte.


    Diese "falsche Frequenzen" konnte mein HG nicht mehr "ausgleichen". Ich sollte sogar ein komplett neues Gerät bekommen, und es war auch schon bestellt worden. Leider hatte ich dann kurz vor dem Erhalt noch mal einen weiteren Hörsturz gehabt, so daß mir noch mal weitere Frequenzen weggefallen sind. Ich habe das sofort hören können. Es klang schon wieder total komisch, und extrem leiser diesmal!

    Schnell anberaumter Test beim Akustiker hatte gezeigt, daß meine Befürchtung ins Schwarze traf. So hatte mir dann das neuste Gerät auch nicht mehr weiter helfen können!



    Wenn Deine Bekannte nicht nur alles extrem leiser mit dem Hörsturz-Ohr hört, sondern auch etwas "schiefer", so könnte es durchaus sein, daß durch den Hörsturz etwas von den Häärchen irreparabel geschädigt wurde.

    Das wird man wohl kaum "ausgleichen" können.




    Schönen Gruß

    Sheltie

  • Vielen Dank für diese ausführliche und verständliche Begründung! Das mit den Frequenzen, die zerstört sind und die durch das Hörgerät nicht mehr abgedeckt werden können, hatte ich so auch im Gefühl, du hast es jetzt noch einmal klar formuliert. Aus meiner Hörgeräte Zeit erinnere ich mich, dass das Streaming für mich nie gut war, es war immer sehr dumpf, viel schlechter verständlich als das, was ich jetzt mit dem CI höre. Beim CI jetzt ist die Sprache klar, klingt halt nur so komisch, beim Hörgerät war es unverständlich dumpf. Ich könnte mir vorstellen, dass die Bekannte in dem HG unbewusst so etwas wie einen Dauerkopfhörer sieht, mit dem man dann praktischerweise auch noch Nachrichten, Musik und Ähnliches streamen kann, was es aber ja nicht ist.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

  • Ich schließe mich zu 100% an. Nach dem schweren Hörsturz, als ich noch kein CI hatte, kamen die Laute alle sehr verzerrt und übersteuert in mein kaputtes Ohr, da hätte kein HG geholfen. Der Klang mit CI ist dummerweise auch nicht viel besser X/^^

  • Aus meiner Hörgeräte Zeit erinnere ich mich, dass das Streaming für mich nie gut war, es war immer sehr dumpf, viel schlechter verständlich als das, was ich jetzt mit dem CI höre. Beim CI jetzt ist die Sprache klar, klingt halt nur so komisch, beim Hörgerät war es unverständlich dumpf.

    Nun ja,


    als ich noch nur Schwerhörig gewesen war, habe ich ja auch schon gerne mit Kopfhörer Musik über, damals noch, einem Walkman :D gehört, und auch schon angefangen, auf diese Weise TV zu schauen. und meine HGs dafür einfach nur auf "T" stellen mußte.

    Klanglich war daran nichts auszusetzen gewesen. Es gab keinen großen Unterschied zum Hören nur über Lautsprecher, oder, wenn ich mal meine HGs ausgezogen hatte. Also, klanglich gesehen! Der einzige Unterschied war nur die Lautstärke gewesen, oder wie sauber der Klang an meinem Kopf ankam.

    Denn, gerade, wenn man mit der "T" Stellung arbeitet, kommt ja alles ohne "störende Faktoren", wie Geräuschkulisse der Umgebumg, Gegenstände im Raum, Störlärm, und so weiter, an.


    Das dumpfe, deutlich schlechtere Hören hatte ich erst Jahre später, ist beim Schwerhörigen so ein schleichender Prozeß. Aber trotzdem hat da das HG noch enorme Dienste geleistet. Da es immerhin alles verstärkt. Und das, was man dringenden braucht, auch beim Akustiker einstellen lassen kann, so gut es halt eben geht, passend zum eigenen Hörprofil.


    Schwerhörig sein, kann bedeuten, daß die Häärchen sich nur minimal bewegen, träger sind, sich schwerfälliger bewegen, und schon hört man ja deutlich schlechter. Mit der Verstärkung durch das Gerätes können diese noch mehr angeregt werden.

    Mehr aber auch nicht.




    Hat man ein ganz anderes Problem, wie Verknöcherung der Schnecke, oder Häärchen sind komplett umgeknickt und kleben quasi am Boden der Schnecke fest, oder was auch immer, so kann dies nicht mehr mit einem HG so einfach kompensiert werden. Denn dann bleibt einfach dieser Teil vom Hören, und wir reden hier trotz allem noch immer von einem natürlichen Vorgang!, weg.



    Unser CI, wovon der Strang sich genau in der Schnecke befindet, übernimmt dann quasi die Arbeit der Häärchen, und sorgt dafür, daß wir damit wieder hören können!

    Es sorgt dafür, daß wir wieder mehr hören können, als zum Schluß mit unserem HG! Was Du ja auch schon selbst feststellen konntest!


    Aber, gerade weil dies ja nicht mehr auf dem eigentlich natürlichen Weg funktioniert, sondern nur eine neue elektronische Möglichkeit ist, klingt es am Anfang schon komisch, deutlich anders, als wenn die Häärchen noch weiterhin ihren Job machen!

    Je nach dem, wie alt Du bist, und wie weit Dein Hören unterm Alltag etwas "gelitten" haben könnte (natürlicher Prozeß, welcher jeder Mensch durchmacht! Nur Babys können viel mehr hören, als ein erwachsener Mensch!), hättest Du auch so schon eine leichtere "Hörschwäche" gehabt haben können, die nicht weiter schlimm gewesen wären, und Du trotzdem noch normalhörend geblieben wärst.

    Wenn das ganze minimal weiter gestiegen wäre, hättest Du dann tatsächlich mit einem normalen HG alles wieder wie gewohnt da gehabt, was Du zum Hören brauchst.

    Auf der anderen Seite besteht auch die Möglichkeit, daß mit Deinem CI ein Ton wieder da ist, den Du schon schleichend "verloren" hattest, und sich auch deshalb Dein neues Hören etwas "komisch" anhört ;)




    Nur mit dem Hörsturz wurde es dann bei mir wirklich so richtig schlimm.

    Und das kann kein Hörgerät ausgleichen!

    Eine schleichende Hörschwäche dagegen schon.


    Ich könnte mir vorstellen, dass die Bekannte in dem HG unbewusst so etwas wie einen Dauerkopfhörer sieht, mit dem man dann praktischerweise auch noch Nachrichten, Musik und Ähnliches streamen kann, was es aber ja nicht ist.

    Ein Högerät ist für mich, um es mal einfacher auszudrücken, erst einmal nur ein Verstärker.

    Bringt unglaublich viel! Besonders, wenn man mit der Zeit, im Alter, leicht schwerhörig wird, oder ohnehin Schwerhörig ist.

    Und die technischen Hilfsmitteln sind ja da, inzwischen auch beim Hörgerät. Also ja, man kann damit auch streamen (was Du ja auch schon mit Deinem CI tust ;)).

    Ich würde zwar ein Hörgerät nicht unbedingt als "Dauerkopfhörer" bezeichnen, aber der Rest paßt inzwischen doch sehr wohl.


    Es kommt immer darauf an. Was genau fehlt an Frequenzen, was ist die Ursache?

    Bei etwas einfacheren Dingen kann ein HG, wenn man denn genau das richtige erwischt hat, und auch die Einstellungen stimmen, unglaubliche Dienste tun!

    Wenn was irreparabel geschädigt wurde, hilft auch das beste Hörgerät der Welt nicht mehr weiter! Denn es "arbeitet" ja nur außen, also bis zum Trommelfell. Es kann nicht ausgleichen, was weiter, ganz tief innen kaputt ist!

    Daß man einen Normalhörenden nicht so schnell operieren will, ist klar, und auch irgendwo verständlich! Besonders, wenn irgendwo noch Restgehör vorhanden ist! Was bei einem Hörsturz sehr wohl der Fall sein kann. Das Hauptproblem für viele andere Menschen ist ja, daß sie nicht einmal eine Vorstellung haben, WAS alles so an Frequenzen nötig ist, um Sprache überhaupt deutlich verstehen zu können! Oft ist ja ein "der/die hört doch noch was, laut der Kurve - also ....." Haltung vorhanden.

    Deshalb wird wird auch eher und vor allem lieber mit anderen Hilfsmitteln, als mit einem CI, weiter probiert!


    Es liegt dann halt immer bei einem Menschen selbst! Reicht es, ist ein HG genug? Dann ist es gut.

    Fehlt noch was, will man deutlich mehr hören können, eher so wie früher, so gut es halt eben geht, nun ja, dann muß man schauen, ob es nicht doch noch was anderes geben kann.

    Unter Umständen wird man dafür etwas mehr kämpfen müssen.

  • Es kommt wohl sehr auf die Art des Hörverlustes an. Ich hatte ein taubes Ohr und da hatte das HG leider nichts genutzt, habe dann CROS getestet und viel übers HG gestreamt, da ja das gesunde Ohr so weniger Stress hatte und ich keinen Kopfhörer brauchte. Da war der Klang vom HG sehr gut, ich hatte mich damals aber dummerweise auch für ein Premium Gerät überreden lassen, das hätte ich gar nie gebraucht, aber der Klang war top gewesen. Preis und Leistung passten wohl zusammen.


    Darum je nach Hörverlust kann es anders tönen und bei den HGs gibt es x verschiedene Qualitäten die dann jeweils auch anders tönen werden.


    Probieren geht über Studieren.

    li normal hörend

    re taub nach chronischen MOE im Kindesalter, nun Cochlear N6 OP 8.2.18 EA am 8.3.18