sind neu hier und brauchen Rat bzgl. Berufung aufgrund der GdB

  • Hallo beisammen,


    es ist unser erster Beitrag hier.


    Mit einem Bescheid vom 2002 wurde unserem Sohn, geb. 2001, 100 GdB aufgrund der Taubheit rechts, und an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit links mit Sprachentwicklungsstörung zugesprochen.


    2005 und 2007 wurde er implantiert. Seine Sprachentwicklung bessert sich zusehends. Er kommt im Alltag recht gut zurecht.

    Sind die Prozessoren nicht angelegt, merkt man ihm die Unsicherheit bzw. Unwohlsein an.


    Jetzt wurde die GdB auf 90 herabgesetzt mit der Begründung, dass seine Sprachentwicklung sich sehr gebessert hat.


    Die Klage wurde vom Sozialgericht abgewiesen.


    Wir wollen nun in die Berufung gehen. Denn uns geht es um den Passus:


    Angeborene oder in der Kindheit erworbene Taubheit oder an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit mit Sprachstörungen angeboren oder bis zum 7. Lebensjahr erworben (schwere Störung des Spracherwerbs, in der Regel lebenslang)

    Leider hat unsere Rechtsanwältin das Mandat niedergelegt mit der Begründung, dass sie aufgrund ihres Alters nicht mehr intensiv mit dem Sozialrecht beschäftigen möchten.


    jetzt unsere Frage, gibt es Betroffene unter Euch? Kennt jemand einen Anwalt, der sich damit gut auskennt? Gerne hören wir Eure Meinungen zu diesem Fall.


    Gruß

  • Hallo,


    das ist ja eine blöde Situation. Ich kann Euch nur empfehlen, im Interesses Eures Sohnes eine Mitgliedschaft im Sozialverband VDK zu organisieren. Die haben eigene Rechtsberater und Rechtsanwälte, die sich im Sozialrecht bestens auskennen.


    Denn die nächsten Jahre dürften leider nicht besser werden, z. B. durch geplante Änderung der Versorgungsmedizin-Verordnung, die maßgeblich für den GdB ist. Kurz gesagt, man möchte durch Neubewertungen und Reduzierungen des GdB viele Behinderte aus den ihnen zustehenden Nachteilsausgleichen rausdrängen...


    KInder zeigen sich oft gerne von der "Schokoladen-Seite" und es ist ihnen auch nur schwer zu vermitteln, dass man damit in die Falle tappt bei den Untersuchungen.

  • JochenPankow das heißt, sie knöpfen sich bereits existierende Fälle vor? Und es wird evtl. zum Nachteil ausgelegt, dass man ein CI hat?

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

  • Genau, mein Verdacht ist, dass die Bewertung mit eingeschaltetem SP erfolgte. Eigentlich unzulässig, da nach noch geltenden Recht nur die Diagnose(n) ausschlaggebend ist ohne Hilfsmittel...


    Scheinbar war das wohl einer von vielen Probeläufen für die Zukunft... Wehret den Anfängen!

  • Wie es aussieht, ist die Überprüfung des GdB vom Amt wegen erreichen der Volljährig eingeleitet worden.


    Die Bewertung scheint ausschließlich auf den Absatz 5.1 im Teil B der Anlage zu §2 VersMedV zu beruhen, wonach je nach Sprachstörung ein GdB von 80-90 zuerkannt werden kann. Wie weit bei Eurem Sohn Sprachstörungen vorliegen, die einen GdB von 100 rechtfertigen, kann nur ein entsprechender Gutachter beurteilen.

  • Aber die Schädigung ist doch seit Geburt an und nicht erst ab dem achten Lebensjahr.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

  • Wie es aussieht, ist die Überprüfung des GdB vom Amt wegen erreichen der Volljährig eingeleitet worden.

    das war der Grund...

    Aber die Schädigung ist doch seit Geburt an und nicht erst ab dem achten Lebensjahr.

    korrekt...

    Darauf beruhen wir...

    KInder zeigen sich oft gerne von der "Schokoladen-Seite" und es ist ihnen auch nur schwer zu vermitteln, dass man damit in die Falle tappt bei den Untersuchungen.

    so war das auch...



    Genau, mein Verdacht ist, dass die Bewertung mit eingeschaltetem SP erfolgte. Eigentlich unzulässig, da nach noch geltenden Recht nur die Diagnose(n) ausschlaggebend ist ohne Hilfsmittel...

    Das hat der Richterin nicht interessiert. Sie meint er spreche einfach zu gut. Wir wollten unser Sohn ohne SP mit der Richterin kommuniziern lassen. Hat sie leider nicht zugelassen.




    VDK würde den Fall übernehmen, obwohl das Urteil vom Sozialgericht bereits gefällt ist?

    Es hört sich so an, dass wir besser beraten wäre, das Ganze über VDK abwickeln zu lassen als über einer Sozialanwältin.


    Wir wissen nicht, ob die Rechtschutzversicherung noch greift, wenn wir uns einen neuen suchen.

    Ist VDK über unsere Rechtschutzversicherung gedeckt?


    Fragen über Fragen...

  • Hallo,


    in der Regel bedeutet nicht, dass dieses automatisch und immer so anerkannt wird. Dank dem CI ist die Sprachentwicklung deutlich besser als ohne CI - ohne CI wäre der GdB von 100 wahrscheinlich angemessen gewesen, aber durch die Verbesserung der Sprache ist der GdB auf 90 festgesetzt worden.


    Meine persönliche Meinung: die 10 mehr an GdB bringen nicht wirklich etwas. Da euer Kind deutlich weniger eingeschränkt ist als ein Kind mit dem Hörstatus ohne CI ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass ihr das Verfahren vor der nächsten Instanz gewinnen werdet.

  • Ich sehe es ähnlich wie muggel. Überlegt euch, warum der gdb 100 für euch wichtig ist, dann könnt ihr immer noch weitere Schritte gehen. Wichtiger sind aus meiner Sicht eher die zuerkannten Merkzeichen.

    Es gibt aber ausser dem vdk noch die unabhängige Teilhabeberatung, Adressen sind im Internet bei eutb zu finden. Aus meinen Erfahrungen muss ich sagen, dass vieles von den Kompetenzen des Anwaltes abhängt. Auch der Vdk setzt im Klageverfahren Anwälte ein.

    durch Masernerkrankung im Kleinkindalter progrediente Schwerhörigkeit beidseits, rapide Verschlechterung in letzten Jahren,

    li: HG Siemens Motion P, re: CI - Cochlear CI522+N7, OP: 30.1.2018, EA: 12.3.2018(Kanso), 2.5.2018 (N7)

  • Hallo,


    grundsätzlich stimme ich muggel und Eniba59 zu. Wegen 10 GdB weniger lohnt sich ein weiterer Streit nicht. Die zuerkannten Merkzeichen sind wichtiger....


    Kritisch sehe ich jedoch ggf. spätere Versuche des Amtes, auf unter 80 GdB zu reduzieren. Das würde z. B. den Wegfall der unentgeltlichen Befötderung im ÖPN nach sich ziehen... Die Kosten hierzu sind ein vergleichsweise kleiner Posten im Etat des Bundesfinanzministerium bzw- BMAS. Schon heute bekommen viele Schwerbehinderte die nötige Wertmarke zum Beiblatt auch nicht mehr umsonst, sofern sie nicht aus sozialen Gründen (niedriges Einkommen) befreit sind.