Folgen des Hörverlustes

  • - "Besser ein Ohr weg als ein Auge weg"

    - "sei froh, dass du nicht blind bist"

    Ich finde diese Ansicht von Normalhörende immer sehr interessant!

    Als Schwerhörige hatte ich damals allerdings auch immer selbst geglaubt, daß es besser ist "nur" schwerhörig zu sein, als blind.

    Eine blinde Bekannte, die uns ab und an mal besucht hatte, hatte MICH immer bedauert. "Das arme Kind, schwerhörig! Gut, daß ich blind bin, ich bin viel besser dran" - das waren ihre Worte.



    Irgendwann, als Jugendliche, hatte ich mal einen Spruch gelesen, keine Ahnung von wem. Ich gebe den mal sinngemäß wieder. Der lautete:

    Wenn man blind ist, dann trennt es einen nur von den Dingen.

    Wenn man taub ist, dann trennt es einen von anderen Menschen.


    Darüber habe ich viel nachgedacht. Hatte ja noch die inzwischen verstorbene blinde Bekannte vor Augen, die ja in der festen Überzeugung gewesen war, daß ICH bedauernswerter war, als sie.

    Ich konnte mir, als lebhaftes Kind, welches gerne in die Natur gerannt ist, Fußball gespielt, Tiere beobachtet, und natürlich auch gerne TV geschaut hatte, einfach nicht vorstellen, diese ganze Dineg zu vermissen. DAS hatte ich als total schlimm empfunden, all das nicht (mehr) sehen zu können. Klar, ich hörte schlecht, aber, ich hörte ja noch was. Ich konnte ja noch bißchen mitreden, wenn mit mir jemand gesprochen hatte.

    Aber, wenn man es genau nimmt, sind anscheinend die Blinde viel besser in der "normalen" Welt integriert, als wir. Sie hören ja alles, können korrekt und schnell antworten, stören nicht fremde Unterhaltungen, sind in der Lage, ihren Gesprächspartner, oder denjenigen, der sie angesprochen hatte, perfekt orten, können, bis auf Sehen, quasi alles normal nutzen, auch Telefonieren. Sie hören fern, nutzen sogar Computer.



    Ja, der Spruch stimmt schon!

    Liest man hier ja auch immer wieder. Wir Hörgeschädigten brauchen mal eine "Auszeit vom Hören", gerade, weil es uns anstrengt. Wir sind oft müde, wir vermeiden große Ansammlungen, oder laute Umgebungen als mögliche Treffpunkte.

    Besonders dann, wenn wir noch nicht optional versorgt sind, oder unsere Hörbehinderung wieder mal etwas schlechter geworden ist!


    „ Es gibt ja so tolle unsichtbare HG“.😬

    Wobei diese Geräte ja eher was für Normalhörende sind, die jetzt so langsam im Alter etwas schlechter hören.

    Für, ähm - sagen wir mal "echte" Schwerhörige waren diese Geräte ja noch nie eine Option gewesen, ganz einfach, weil die Leistung nicht mal ansatzweise für unsere Hörbehinderung ausgereicht hätte.

    Und meist sind ja die Leute, die noch nie was gehabt hatten, also sehr gut hören und sehen können, auch etwas eitel, und wollen auch keine Geräte haben, die deutlich sichtbar zeigen, daß jemand eine leichte Hörschwäche, oder gar Sehschwäche bekommen hat.

    Lustigerweise fallen die Hörgeräte nicht so schnell auf, wie Brillen. DIE fallen echt sofort auf!

    Aber auch da gibt es eine Möglichkeit, kein sogenanntes "Nasenfahrrad" tragen zu müssen, die Option, die beginnende Sehschwäche mit Kontaktlinsen zu "verstecken".


    Sicherlich sieht ein Mensch, den man vorab nie mit irgendwelchen Hilfsmitteln gesehen hat, im ersten Moment etwas gewöhnungsbedürftig aus. Und das mal da Nachfragen, oder Sprüche kommen, ist wohl auch "normal".

    Manchmal habe ich schon den Eindruck, daß die Akzeptanz, nicht nur beim Betroffenen selbst, sondern auch der unmittelbaren Umgebung der Betroffenen etwas größer sein dürfte. Man sollte sich freuen, daß es so etwas gibt, und es einem hilft. Mit "Verstecken" der beginnenden Einschränkungen, auf dem Weg zur leichten Behinderung, in Form von ich trage grundsätzlich keine Brille oder ein Hörgerät, kommt man nicht weiter.

    Denn dann treten eben die hier im Thread oben genannten Dinge auf. Das ist ein schlechender Prozeß.

    Aber das wird halt auch nicht bewußt wahrgenommen, und auch von der Umgebung nicht als Zusammenhang erkannt. Wenn die Umgebung dann auch noch mit Sprüchen, wie "ach, stell dich mal nicht so an" reagiert, kann einem auch nicht geholfen werden, sondern dann fängt erst recht der Wunsch an, alles möglichst "verstecken" zu wollen.






    Am ehesten können die Betroffenen wirklich erzählen, wie das Ganze so ist.

    Aber auch da muß dann bei den Zuhörern, bzw. den im Ansatz Betroffenen eine Art Akzeptanz vorhanden sein, die Bereitschaft, sich auch mal darauf einzulassen, zu glauben, was die Leute da einem erzählen.

    Gerade Hören und Sehen ist etwas, was einfach da ist, was unbewußt "benutzt" wird, was so in der Form auch nicht "vorstellbar" ist. Wie viel Instinkt, was noch in dem Menschen schlummert, wird einfach nicht genutzt, weil wir uns zu sehr auf Hören konzentrieren, und es gar nicht mal so wahrnehmen.

    Das Hören passiert einfach so "automatisch", man muß nichts dafür tun, und bekommt so viel. Was da genau an "Arbeit" drin steckt, bekommt ja niemand mit. Daher ist dabei auch so leicht zu sagen, daß es nicht so schlimm ist, wenn man nur noch ein gutes Ohr hat. Eben, weil man nicht weiß, WAS da an "Arbeit" drin steckt.


    Die Wahrnehmung fängt erst dann an, wenn es schon zu spät ist, nämlich, wenn sich das Hörvermögen, das Sehvermögen so langsam, oder sogar mit einem Schlag verabschiedet. Aber dann auch nur bei sich selbst! Darum steht man ja auch eher alleine da, ganz am Anfang. Bekannte Leute, ohne Probleme, können einem nicht wirklich helfen, und von Fremden, mit denen man bisher noch nicht zu tun gehabt hatte, nimmt man ungern Hilfe an.



    Oft wird ja gerne alles mit einem "ach, bei mir ist es nicht so" abgetan.

    Wie oft wird abgewunken, wenn es heißt, "der Fernseher / das Radio ist viel zu laut! Mach mal einen Hörtest." - oder "deine Nase klebt ja schon fast an der Zeitung / willst du das Buch nicht lieber an der Wand aufhängen, während du liest. Wie wäre es mit einem Sehtest?"

    Da fehlt es schon an der Bereitschaft, auch mal zu glauben, was ein Familienangehöriger so sagt - bzw. man will es ja nicht wahrnehmen, daß es nun soweit ist, daß man etwas nicht mehr so gut kann, wie früher schon.


    Ich erinnere mich noch, daß ich mal erzählt hatte, daß ich mittlerweile eine Brille brauche, wenn ich was lesen muß / möchte. Da hatte doch tatsächlich jemand behauptet, daß "man das Ganze ja einfach nur etwas mehr trainieren müßte. Wenn man seine Augen dazu zwingt, diese Buchstaben lesen zu müssen, dann wird es auch schon wieder klappen. Wer immer sofort eine Brille nimmt, der sorgt dafür, daß die Augen immer schwächer werden".

    Das mag ja in einem gewissenen Maß vielleicht auch stimmen und es noch so funktionieren. Aber ab einem gewissenen Punkt braucht man wirklich eine Brille. Besonders dann, will man seine Augen nicht "kaputtmachen", oder durch eine plötzliche komische Haltung Spannungsschmerzen im Körper erhalten. Und jemand, der immer viel gelesen hatte, und genau weiß, wie gut und vor allem mühelos, und egal in welcher Haltung, man bisher immer alles lesen konnte, und merkt, was eben jetzt nicht mehr so einfach geht. Akzeptanz, eine Brille nun benutzen zu müssen, hilft da eher, als alles wegzuwischen und "trainieren" zu müssen.





    Das große Hauptproblem ist halt einfach, daß solche Dinge einfach nicht sichtbar, und somit auch nicht vorstellbar sind.

    Vergleiche, mit Watte in die Ohren stopfen, oder durch eine starke Erkältung mal dumpfen Druck auf die Ohren zu haben, reichen nicht aus, um nur ansatzweise was verstehen zu können, wie es WIRKLICH ist.



    Wenn Ärzte nichts dazu sagen oder wissen, bleibt nur, dass wir selbst in unserem Umfeld aufklären. Ich habe meine Hausärztin heute gebeten, künftig bei anderen Patienten mit ständiger Müdigkeit/Erschöpfung unklarer Ursache eine Hörschädigung unbedingt anzusprechen.

    Das ist echt toll!

    Wenn die Ärztin das auch wirklich umsetzt, umso besser! (Manchmal wird das ja auch gerne wieder vergessen, aber nicht mit böser Absicht, einfach, weil man das nicht so wirklich als Nichtbetroffener nicht (mehr) auf dem Schirm hat)

    Eben, weil Hören und auch Sehen irgendwie mit "automatisch" in Verbindung gebracht wird, wo man nichts bewußt macht, oder steuert, und trotzdem so viel mitbekommt, und es immer andere Dinge gibt, die wesentlich schlimmer sind, und eher auffallen, weil ja bewußt gesteuert wird.



    Schönen Gruß

    Sheltie

  • Die Psychotherapeutin, mit der ich zur Zeit der Implantation das Vergnügen hatte, meinte zu mir, (sinngemäß), dass der Prozessor und die Spule an meinem Kopf nicht schön aussehen würden und ob es mich nicht stört, weil ja andere gucken würden.

    Sie selber würde das stören. Die Therapeutin war schon etwas älter, hörte schlecht, trug aber keine Hörgeräte, weil sie zu eitel war, "Dann sieht man ja, wie alt ich bin".


    Dieser Dame hatte ich erzählt, dass ich im Schulhof oft alleine war. Oder ich mit anderen Kindern fangen gespielt habe und plötzlich alle weg waren und was anderes spielten - ohne mir etwas zu sagen. Als Kind dachte ich mir: Die wollen nicht mit mir spielen. Heute weiß ich: Ich habe es wahrscheinlich überhört. Aussage der Therapeutin (sinngemäß): Auch da sind die Ursache die Gene und Erziehung, denn wenn ich "gesund" gewese wäre, hätte ich die anderen Kinder gefragt, warum zu mir keiner was sagt.


    Nach noch anderen für mich sehr merkwürdigen Aussagen und der Tatsache, dass ich viel zu viel von anderen Patienten erfahren habe (von einer soviel, dass ich deren Namen ohne Problem hätte erfahren können), habe ich die Therapie abgebrochen. Die Dame bekam (da ich privat versichert bin) für ihre Weisheiten 90 Euro die Stunde!

  • Hallo Rebecca,


    das ist ja furchtbar, was du da erleben musstest! Das ist ja noch schlimmer, als die Schwerhörigkeit komplett zu ignorieren, wie ich es ja leider, auch in einer Reha (siehe weiter oben im Thread), erleben "durfte". Ganz ehrlich: ich weiß schon, warum ich gegen Psychotherapeuten eine gewisse "Abneigung" habe, wobei es sicherlich irgendwo auch sehr gute Psychotherapeuten gibt.


    Zu dem sehr schönen und ausführlichen Text von Sheltie möchte ich anmerken:


    wie du eingangs den Kontakt mit der erblindeten Bekannten beschrieben hast, ist es tatsächlich eine subjektive Wahrnehmung der eigenen Behinderung. Ich kann mir beim besten Willen ebenfalls nicht vorstellen, wie es ist, nichts mehr sehen zu können. Schwerhörig zu sein, kenne ich mein Leben lang mit allen Höhen und Tiefen.

    Selbst trage ich seit Mitte/ Ende zwanzig ebenfalls eine Brille. Kontaktlinsen waren bei mir nie ein Thema. Die Sache ist nun, dass eine Brille "gesellschaftsfähig" ist; es gibt viele Menschen, die eine Brille mit Fensterglas tragen, um "schick" auszusehen (das weiß ich von einer Freundin, die Optikermeisterin ist). Es würde sich jedoch nie ein gut hörender Mensch freiwillig HGs, möglicherweise in einer poppigen, auffälligen Farbe, hinters Ohr hängen...


    Betreffend eigener Akzeptanz der Hörbehinderung:

    zwar bin ich seit Geburt an Taubheit grenzend schwerhörig (HV auf beiden Seiten 85%, rechts seit CI-OP ertaubt), habe also "ohne Technik am Kopf" nie viel gehört, aber seit der Ertaubung bedingt durch die CI-OP, an der ich psychisch sehr lange zu knabbern hatte (ohne jegliche Psychologische Unterstützung), bin ich sehr froh und dankbar, wenigstens noch etwas auf der linken Seite hören zu können und hoffe, dass mir dieses bisschen Restgehör noch lange erhalten bleibt und ich eine zweite OP so lange wie möglich aufschieben kann, um eine völlige Ertaubung hinauszuzögern. Die erste Zeit nach der OP und das Verarbeiten, dass ich tatsächlich links plötzlich ertaubt war, war furchtbar. Das linke Ohr kam mir auf einmal wie ein nutzloser Fremdkörper in meinem Kopf vor (zumal sich durch die Drainage nach der OP das Gleichgewicht völlig verabschiedet hatte und das Ohr quasi "nichts mehr zu tun hat"). Die Akzeptanz hat gedauert, aber die Dankbarkeit über das noch bestehende bisschen Hörvermögen links hat ganz schnell überwogen.

    Auf diese psychischen Folgen der CI-OP wird man leider auch nicht ausreichend hingewiesen und danach ziemlich alleine gelassen...

    So viel zum Thema dieses Threads...


    Ich möchte einfach an alle, die noch ohne HG und CI etwas (wenn auch nur Geräusche und Töne) hören, appellieren, den Hörverlust auf dem einen Ohr anzunehmen und dankbar für das Hörvermögen auf der anderen Seite zu sein. Das ertaubte Ohr wird von alleine nicht mehr ohne CI zum Leben erweckt und je besser diese Tatsache akzeptiert wird, umso dankbarer ist man für das, was auf dem anderen Ohr auch ohne Technik noch geht.

    Auf diese Art und Weise habe ich meinen inneren Frieden mit der Taubheit links und meiner Hörbehinderung gefunden und gehe nun seitdem viel entspannter und gelassener damit um.


    Ich hoffe, alle die, die an ihrem Hörverlust, ob SSD oder bereits seit langem erst HG-Träger, zu knabbern haben, etwas aufbauen zu können.


    Viele Grüße

    SaSel

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017 Uni Köln, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

  • Mir ist - vermutlich weil ich gerade auch eine TV-Sendung dazu gesehen habe, heute morgen bei der Fahrt in die Klinik wieder aufgefallen, wie anders es im Dunkeln und durch die Schattenspiele der diversen Leuchtmittel aussieht als tagsüber. Vielleicht eine gute (nachvollziehbare) Analogie, wenn man Normalhörenden Schwerhörigkeit erklären will?

    Hochtonschwerhörigkeit/Hochtontaubheit von Kindheit an.

    Rechts: CI622 seit 12/2019, Nucleus 7

    Links: 65% Sprachverstehen mit HG (seit 2012 Oticon pro agil)

  • zum Thema "Kollateralschaden bei Schwerhörigkeit" haben sich unsere Nachbarn im Westen mal Gedanken gemacht...

    Studie aus 2008/2009


    1150 Probanden, 1 Jahr Untersuchungszeitraum, in den Niederlanden, Probanden zwischen 18 und 77 Jahre,

    Online-Tests: Spracherkennung in lauten Umgebungen;


    Verringert man den Signalrauschabstand (das Verhältnis von Sprache zu Störschall) um 1 Dezibel:


    - steigt das Risiko eine Depression zu entwickeln um 5 %

    - verstärken sich Erschöpfungszustände und Somatisierungsstörungen mit 2 %

    - vertieft sich das Gefühl schwerer Einsamkeit um 7 %


    - Primärreaktion bei 18 bis 30-jährigen Probanden: Einsamkeit

    - Primärreaktion beim mittleren Alters (40-50 Jahre): psychosoziale Gesundheitsprobleme


    Originalstudie hier: The association between hearing status and psychosocial health before the age of 70 years: results from an internet-based national survey on hearing.

  • Vor einigen Jahren hat man ein Befindlichkeitsstudie bei 1-Ohr-Tauben, Gehörlosen, leicht Schwerhörigen, hochgradig schwerhörigen Menschen gemacht. Es kam heraus, dass die 1 Ohr-Tauben die grössten psychischen Schwierigkeiten hatten und die Gehörlosen am wenigsten.


    Meine Mutter war auf einem Ohr Taub. Ich habe immer das Gefühl gehabt , sie leidet mehr als ich, darf aber nicht klagen, weil sie ja „nur“ auf einem Ohr taub ist. Ich denke , ihre Einschränkung war grösser, denn sie konnte nicht wie ich Lippenlesen und war in einer grösseren Menschenmenge schneller überfordert.


    Kürzlich hat mir meine ehemalige Psychologin gesagt, dass sie sehr viel über die Psyche der Hörbehinderten gelernt habe während ich bei ihr war. Das ist eine ganz spezielles Gebiet der Psychologie.

  • Zusätzlich hat man in Studien nachgewiesen, dass bei einem Hörverlust nicht nur das Innenohr geschädigt wird, sondern auch die Hörrinde (auditive Cortex) im Gehirn und deren Funktion der Geräuschdifferenzierung - das war mir neu.


    Mäuse und Hamster wurden zugedröhnt mit Schall, bis sie Hörschäden erlitten.

    In der Gruppe mit starkem Hörverlust war nach erneuter Geräuschexposition bei weniger als einem Drittel eine Reaktion der Cortex nachweisbar; diejenigen Areale, die noch reagierten, zeigten ungewöhnliche Aktivitätsmuster.

    In der Gruppe der mittelschwer ertaubten Mäuse/Hamster reagierte der auditive Cortex einwandfrei - für tiefe Töne. Die Neurone reagierten erst bei höherer Stimulation auf hohe Frequenzen, und auch langsamer.


    Unter der Voraussetzung der Übertragbarkeit auf den Menschen heißt das, dass die Versorgung mit einem Hörgerät nicht zwingend eine Verbesserung des Sprachverstehens mit sich bringt, unter Umständen ist der Schaden des auditiven Cortex zu groß. Dann müßte man aber auch den Erfolg eines CI in Frage stellen. Diesen Ansatz habe ich bisher nur bei der MHHannover gefunden.


    Originalstudie hier: link

  • Oh ja, du sprichst mir aus der Seele.

    Absolut unlustig, wenn man auf eine Frage, die man falsch verstanden hat, natürlich falsch antwortet und alle Anwesenden in lautes Gelächter ausbrechen. Und völlig sinnlos in dieser Situation zu versuchen, sich zu erklären. Nach 5 Minuten Gelächter wollte ich nur noch nach Hause. Und ich bin ganz sicher kein Miesepeter.


    LG

    Peter

  • Sheltie

    Dein zitierter Spruch bzgl Sehen vs. Hören ist korrekt, dieser hängt genau so bei vielen Hörakusikern an der Wand.

    Und als jemand, der ohnehin mit beiden Problemen zu kämpfen hat kann ich dir das auch uneingeschränkt bestätigen. Daher bin ich auch so froh darüber, dass es überhaupt eine Prothese fürs Hören gibt (im Ggs zum Auge: dort gibt es nichts)

  • Sprache muss lauter sein als Nebengeräusche, um sie zu verstehen. Je größer der Unterschied, desto besser.

    Eine Verringerung der Differenz um 10dB bedeutet eine Halbierung der wahrgenommenen Lautstärke. Eine Verringerung um 1dB ist demzufolge fast kein Unterschied. Und hat dennoch eine so enorme Auswirkung.

  • Blind sein trennt von den Dingen, taub sein von den Menschen stammt von Helen Keller. ( selber taub und blind )


    https://www.klinikum.uni-heide…learImplantat_ID19549.pdf


    Das Ohr unser wichtigstes Sinnesorgan. Eine Studie bei Menschen die taub und blind sind hat ergeben, dass sie unter der Taubheit mehr leiden. Das erklärt sicher auch, warum ein Verlust des Hörvermögens oft auf nicht unerhebliche Folgen für die Psyche hat. Kleine Ursache, große Wirkung für die Betroffenen.

  • Auch mit Erklärung von Dani verstehe ich die Gesamtaussage der Studie nicht. Den Signalrauschabstand kann ich nur bei einem Hörtest einstellen, oder? Wie soll das dann zu einer Depression führen?

    Wenn ich die Erklärung in der Studie richtig verstanden habe, dann handelt is sich um Fragebögen die im Internet ausgefüllt und dann ausgewertet wurden.

  • Vor einigen Jahren hat man ein Befindlichkeitsstudie bei 1-Ohr-Tauben, Gehörlosen, leicht Schwerhörigen, hochgradig schwerhörigen Menschen gemacht. Es kam heraus, dass die 1 Ohr-Tauben die grössten psychischen Schwierigkeiten hatten und die Gehörlosen am wenigsten.


    Meine Mutter war auf einem Ohr Taub. Ich habe immer das Gefühl gehabt , sie leidet mehr als ich, darf aber nicht klagen, weil sie ja „nur“ auf einem Ohr taub ist. Ich denke , ihre Einschränkung war grösser, denn sie konnte nicht wie ich Lippenlesen und war in einer grösseren Menschenmenge schneller überfordert.


    Kürzlich hat mir meine ehemalige Psychologin gesagt, dass sie sehr viel über die Psyche der Hörbehinderten gelernt habe während ich bei ihr war. Das ist eine ganz spezielles Gebiet der Psychologie.

    Hallo Sanette,

    das kann ich mir gut vorstellen und passt zu meinen Erfahrungen. Das ist die zusätzliche extreme Belastung. Stell Dich nicht so an, Du hast ja NICHTS. Das eine Ohr reicht doch.

    Ertaubt man komplett dürfte es für jeden Vollpfosten klar sein, da ist ganz schön was passiert. Nicht falsch verstehen, da ist natürlich ganz schön viel ( als mit einem Ohr ) passiert. Ich habe mich schon tausendmal gefragt, sagt man zu einem Menschen, der ein Augenlicht verloren hat, stell Dich nicht so an, Du hast doch noch ein Auge?

    Ich könnte ein Buch schreiben, über das was ich mir kurz nach der Ertaubung bis heute anhören durfte. Stell Dir vor, Du bekommst eine Behinderung, welche dein Leben verändert und alle treten zusätzlich auf Dir rum.
    Besonders im 1. Jahr brauchte man doch jemanden, der zuhört. Abers fast immer wurde es SOFORT abgeblockt. Reden verboten, trauern verboten, erschöpft sein verboten..................

    Und wen das Hörvermögen so einfach über Nacht auf einem Ohr komplett geht, ist das ja auch sehr unspektakulär. Nicht der Rede wert. ( auch wenn es für mich als Betroffene ganz anders war ). Schön, wenn man hier mit seinem NICHTS auf Verständnis trifft.

  • Besonders im 1. Jahr brauchte man doch jemanden, der zuhört. Abers fast immer wurde es SOFORT abgeblockt. Reden verboten, trauern verboten, erschöpft sein verboten..................

    Das ist richtig traurig!


    Da kann ein Betroffener schon fast froh darüber sein, schon als Kind das alles bekommen zu haben, oder gar so geboren zu sein.

    Denn dann kennt man es nicht anders, wächst so auf, und wächst so rein, geht komplett anders mit der ganzen Situation um, auch wenn die Nachteile deutlich spürbar sind, und empfindet das Ganze dann nicht mehr so krass, wie jemand, der das Glück hatte, die ganze Zeit über "normal" gewesen zu sein und ganz plötzlich dieses Schicksal erleiden zu müssen.


    Natürlich braucht man die Familie, die Freunde, die dann zuhören, und, wenn es geht, irgendwie helfen können.

    Natürlich werden sie auch erst einmal mit dieser Situation überfordert sein. Und jeder geht dann halt auf seine eigene Art mit dieser Situation um. Das kommt ja noch hinzu.


    Ich schätze, es spielt auch eine Rolle, WIE ein Betroffener das Ganze immer wieder zur Sprache bringt.

    Das sie darüber reden wollen, gerade, wenn es akut ist, geschenkt!

    Wer dies immer auf sachliche und ruhige Art und Weise tut, dem wird wohl eher Gehör geschenkt.

    Wer dabei stets weinerlich ist, herumheult, jammert, Mitleid von Mitmenschen erhalten will, der nervt dann mit der Zeit. Das kann dann sogar auch ich irgendwo nachvollziehen.





    Ich habe mich schon tausendmal gefragt, sagt man zu einem Menschen, der ein Augenlicht verloren hat, stell Dich nicht so an, Du hast doch noch ein Auge?


    Meine Ma ist auf einem Auge ganz plötzlich blind geworden.

    Ich weiß nicht, ob sie tatsächlich von anderen Leuten solche Sprüche zu Hören bekommen hat, aber ja, ich kann es mir schon vorstellen, daß auch einseitig Blinde so etwas zu hören bekommen.

    Es kommt ja immer auf die Menschen im Umfeld an, wie die so drauf sind.

    Natürlich kann man diese Situation als Nichtbetroffener leichter nachsimulieren, indem man einfach ein Auge schließt, mit einer Hand abdeckt, oder gar sich eine Piratenklappe aufsetzt, und schon sieht man nur noch mit einem Auge. Die "Gefahr", daß man auf diese Weise trotzdem noch was sehen kann, ist nicht gegeben. Schwarz ist schwarz.

    Aber trotzdem wird im Alltag vergessen, daß das räumliche Sehen wegfällt, bzw. man kann es sich nicht vorstellen, daß es so viel ausmacht, daß nur noch eine Seite sieht.

  • Ich halte es für falsch, die Sinne gegeneinander auszutarieren. Alle Sinne haben ihre Funktion, und viele Sinne arbeiten miteinander. Fakt ist jedenfalls: Man ist erstmal ziemlich allein mit seiner Einschränkung und wenn durch diese Einschränkung noch die Unsicherheit und Unwohlsein dazukommt, steht man schon vor einer schweren Prüfung, die uns das Umfeld manchmal oder gar meist gar nicht leichter macht.


    Im Gegenteil: Das Unverständnis der Situation, wie wir dann mit unserer Höreinschränkung umgehen müssen, bekommen wir auch noch um die Ohren gehauen. Das betrifft bei unsereiner auch die Zeit nach der Erstanpassung, wo man sich gerne den Spruch anhören darf: "Jetzt hast Du endlich so teure Chips im Kopf und Du erzählst uns, du musst wieder hören lernen?" .... oder so ähnlich ....


    Ich konnte gestern einen blinden Mann mittleren Alters auf dem Weg zur S-Bahn beobachten: Erst geht es die Treppe runter, dann 15 Meter unter den Gleisen entlang, dann links oder rechts wieder hoch auf den Bahnsteig. Er ging dann den Bahnsteig entlang, immer tastend mit seiner Tasthilfe. Gut, dass es da inzwischen Markierungen gibt. Mir fiel auf, dass er radarmässig immer wieder die Umwelt abhörte, und endlich fuhr die Bahn ein. Er blieb jedoch stehen und hatte wohl erkannt, dass das die andere Fahrtrichtung war. Kurze Zeit später kam die richtige S-Bahn, dank seines Richtungshörens erkannte er für sich die richtige Bahn. Eine Durchsage gab es nicht. So tastete sich mit seinem Taststock an der Karosserie und dem Spalt zwischen Zug und Bahnsteigkante entlang, bis er ca. 50 cm neben dem Eingang stehen blieb. Ich gab ihm dann den Hinweis, noch einen Schritt nach links zu gehen und dann geradeaus (in den Zug hinein).


    Fazit:


    Hürde Nummer 1: Der Hörsinn, der half, diese Hürde zu meistern. Offenbar profitiert er trotz seiner Blindheit so sehr von seinem Hören, dass er sich zumindest mithilfe seines Richtungshörens recht gut orientieren kann und damit Fehlinterpretationen - richtige Bahn - falsche Bahn - minimieren kann.


    Hürde Nummer 2: Die S-Bahn macht die Türen nur auf, wenn diese jemand von innen oder aussen öffnet. Das signalisiert ein runder Lichtkringel, den der gute Mann nicht sieht, also ist er angewiesen darauf, dass entweder jemand von innen öffnet oder von aussen auf den Knopf drückt, um die Türe zu öffnen.


    Hürde Nummer 3: Ich hielt es für gefährlich, den Taststock in den Spalt zwischen Fahrzeug und Bahnsteig zu stecken, obwohl die S-Bahn noch recht flott unterwegs war.


    Ich mag mir nicht vorstellen, wenn der gute Mann auch noch Schwierigkeiten mit dem Hören bekäme.

    Gruss, Rainer.


    Beidseitig versorgt mit: Med-El (Flex 28 im Schneckle, aussen jeweils Sonnet, vormals Rondo)


    ____________________________________


    Das Gute missfällt uns, wenn wir ihm nicht gewachsen sind.

  • Auch mit Erklärung von Dani verstehe ich die Gesamtaussage der Studie nicht. Den Signalrauschabstand kann ich nur bei einem Hörtest einstellen, oder? Wie soll das dann zu einer Depression führen?

    Wenn ich die Erklärung in der Studie richtig verstanden habe, dann handelt is sich um Fragebögen die im Internet ausgefüllt und dann ausgewertet wurden.

    Hallo Rebecca,


    den Signalrauschabstand kann man bei einem Hörtest einstellen, man kennt das, wenn man beim OLCIT das Störgeräusch anstellt. Auf diesem Grundrauschen (Störgeräusch) werden dann die Übungen durchgeführt.


    Einen Signalrauschabstand hat man auch (fast) immer im täglichen Leben. Ist bei einer Unterhaltung die Sprache lauter als das Grundrauschen (Gemurmel einer Gruppe, Verkehrslärm), hat man einen positiven Signalrauschabstand, da der Zähler (Sprache) größer ist als der Nenner (Grundrauschen) --> man kann mehr oder minder gut hör und verstehen. Wird die Unterhaltung leiser, man flüstert vielleicht, oder der Mob tobt oder ein Bus fährt vorbei, wird der Quotient gegen 1 gehen, vielleicht auch kleiner 1 --> dann versteht man kaum noch etwas bis gar nichts mehr.


    Bekommt man jetzt eine Schwerhörigkeit, wird die empfangende Sprache auch leiser wahrgenommen, und das Verhältnis von Sprache zu Grundrauschen wird kleiner. Je schlechter man hört, desto mehr muss man sich anstrengen zu verstehen. Diese Anstrengung quittiert der Körper häufig mit psychosomatischen Störungen, wie wir häufig an uns selbst feststellen.

    Die Auswertung des Tests ist ja oben kurz beschrieben.


    Der Test ist eine Kombination aus Hörtest und Fragebogen und online durchgeführt worden. Aus dem Ergebnis des Hörtest konnte man "erkennen" welche Hörqualität der Teilnehmer hatte, der Fragebogen diente zur Erfassung der Befindlichkeit.

    Zitat: "...using the National Hearing test, a recently launched speech-in-noise screening test over the Internet."


    Dieser Test ist bestimmt kein Meisterstück des wissenschaftlichen Arbeitens, zu viele unsicher Faktoren sind im Spiel. Aber ich denke, das war auch nicht seine Absicht. Ich vermute, man wollte einen Ersteindruck bekommen, ob und in welcher Vielfältigkeit Menschen auf Hörverlust reagieren. Und das ist schon für mich ein toller Anfang.


    VG Bernd

  • Zufällig wurde ich heute im DHZ gebeten, an einer Studie teizunehmen, in der es darum ging, das Hören bei Störgeräusch diagnostisch zu erfassen. Also die lieben Nonsens-Sätze (Name, Verb, Zahl, Adjektiv, Substantiv) erst ohne (bei 90 dB verstehe ich links tatsächlich noch alles ohne HG....) und dann mit Störgeräusch zu hören. Dabei wurde die Lautstärke des Störgeräuschs im Verhältnis zum Nutzschall immer mehr erhöht bzw. war zuletzt gleichauf oder sogar lauter als die Sätze gesprochen wurden. War ganz interessant, vor allem das Erstaunen des Normalhörenden, der schon viel eher aufgeben musste;)

    Ich klärte ihn deshalb erst einmal darüber auf, dass das für HG-Träger Alltag ist, wir gewohnt sind zu kombinieren und im Übrigen bei nur 50 verschiedenen Wortmöglichkeiten auch unser Gedächtnis auf so etwas viel besser trainiert ist als das Gedächtnis Normalhörender (außerdem sind wir gewohnt zu schummeln:P)


    Ach ja - so kaputt wie nach diesen 1,5 Stunden im Dauerstörschall war ich schon lange nicht mehr.....

    Hochtonschwerhörigkeit/Hochtontaubheit von Kindheit an.

    Rechts: CI622 seit 12/2019, Nucleus 7

    Links: 65% Sprachverstehen mit HG (seit 2012 Oticon pro agil)