Bei mir piept es nun...die Hörreise beginnt.

  • Heute ist der 12. Tag mit SP, der 19. Tag nach der OP

    Habe ich wirklich erst vor 12 Tagen den SP bekommen? Halte ich mir diesen kurzen Zeitraum vor Augen, ist da eine ganze Menge an Fortschritten zu verzeichnen. Das hilft auch, wenn frau sich ärgert, weil manches einfach nicht auf Anhieb klappt, die Ungeduld wieder da ist. Insofern schreibe ich hier nicht nur für die, die sich mit der Entscheidung pro oder contra CI schwer tun, es hilft mir auch selbst.


    Heute morgen habe ich den letzten Schorf der OP-Wunde in der Hand gehabt, es ist gut verheilt. Da die Narbe von der Ohrmuschel komplett verdeckt wird, ist später nichts mehr davon zu sehen. Das Ohr selbst steht noch etwas ab, sozusagen als halbes Segelohr. Dies soll sich aber mit der Zeit noch legen, sagte mir meine Akustikerin (und wenn nicht, bin ich einfach nicht eitel genug, mich daran zu stören). Notfalls könnte ich mir immer noch die Haare länger wachsen lassen, auch wenn ich im Moment lieber Kurzhaarfrisuren mag. Die Ohrmuschel ist immer noch in Teilen taub, aber ich merke, dass dort das Gefühl so ganz langsam wiederkommt.

    Auch die Taubheitsgefühle im Gesicht gehen zum Glück langsam zurück. Meine Nase gehört schon wieder mir. Die taube Oberlippe, die mich beim Essen, Trinken und Zähneputzen doch massiv behindert (und genervt) hatte, ist in Teilen auch wieder da. Einzig das rechte Auge ist noch arg gehandicapt, durch das hängende Lid tränt es und das stört den Durchblick ungemein. Da ich mich wie wohl viele mit Hörproblemen sehr stark auf das Visuelle stütze, bin ich Freitag nachmittag in Panik geraten und habe versucht, die Klinik zu erreichen. Einfach nur um zu hören, dass das vorübergehend ist. Leider vergeblich. Vielleicht wäre es besser gewesen, den OP-Termin nicht unbedingt 2 Wochen vor der Feiertagswoche zu legen? Ist jetzt aber müßig, darüber zu spekulieren, außerdem merke ich inzwischen selbst, dass die Lähmung langsam zurückgeht.


    Inzwischen habe ich sowohl auf dem PC wie auch auf dem Iphone und dem Tablet diverse Hörtrainings-Apps installiert. Vielen Dank an alle, die sich an der Übersicht der Hörtrainingsbeispiele (in der Rubrik Bücher, TV, Kino, Musik hier im Forum) beteiligt haben! :thumbup::thumbup:

    Die ist sehr hilfreich für mich gewesen. Ich schließe immer das Minimic an, damit ich nur auf dem SP höre und mein linkes Ohr mir nicht reinpfuscht.

    Was höre ich mit dem SP? Das tickende Geräusch (vgl. Beitrag vom 6. Tag) kommt eindeutig von einer Uhr und entspricht dem Sekundentakt. Welche Uhr, weiß ich allerdings noch nicht. Der nächste normalhörende Besucher bei mir darf mir da mal bei der Suche helfen...

    Wenn sich zwei Personen auf der anderen Straßenseite unterhalten, höre (nicht verstehe) ich das auch. Für mich ist das neu, selbst mit HG's hatte ich das noch nie wahrgenommen. Die Krähen höre ich auch schon, andere Vogelstimmen habe ich noch nicht wahrgenommen. Da ich das HG derzeit nicht trage, weiß ich aber auch nicht, ob die Vögel derzeit singen.

    Ein Vorteil des CI gegenüber dem HG ist auf jeden Fall, dass hochfrequente Laute (Papier-rascheln, klapperndes Geschirr/Besteck) zwar gehört werden, aber nicht so im Ohr "knallen". Wer ähnlich wie ich vor allem im Hochtonbereich große Hörverluste hat, weiß sicher, wovon ich spreche.


    Freies Sprachverständnis habe ich natürlich noch nicht, deshalb übe ich an arbeitsfreien Tagen so zwei bis drei Stunden, an Arbeitstagen vielleicht eine Stunde täglich.

    Hörbücher finde ich grausam, ein Lese- oder Hörvergnügen ist das für mich nicht. Dazu sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich von Kindheit an eine Leseratte bin und vor allem Bücher schätze, die ich -einmal in die Hand genommen- erst wieder weglege, wenn ich das Buch (bzw. seit einigen Jahren das eBook) durchgelesen habe. Der/die Sprecherin eines Hörbuches hat natürlich ein viel langsameres Tempo als ich beim Lesen, da komme ich in die Geschichte gar nicht richtig rein. Zugleich ist es aber nicht abstrakt genug, dass ich mich voll auf das Hören der einzelnen Wörter konzentrieren kann (bzw. wenn ich mich darauf konzentriere, weiß ich drei Sätze später nicht mehr, worum es gerade inhaltlich geht). Deshalb "quäle" ich mich durch zwei bis drei Kapitel, dann habe ich genug.


    Fernsehen mit MInimic, Stummschaltung und Untertitel ist da entspannender. Ich habe auch noch genug Filme und Serienfolgen auf Festplatte aufgenommen, um damit zu üben. Manchmal ist die Technik ein Segen. Mit dem Aufnehmen der mich interessierenden Sendungen hatte ich eigentlich nur angefangen, um dann zu schauen, wenn ich ungestört bin bzw. bei Störungen anschließend nahtlos weiter zu sehen. Und mein TV ist so nett, dabei auch die Untertitel aufzunehmen, ohne die ich auch mit HG's einfach aufgeschmissen war. Nun kann ich das super für das CI verwenden.


    Gestern habe ich mich auch bei ABRehab registriert und dort geübt. Allein mit Unterstützung durch das Mundbild konnte ich problemlos die Sätze verstehen! Natürlich im "leichten" Bereich, mit Übungen im Störschall fange ich noch gar nicht an. Aber es ist doch schön, dass ich nicht nur höre, verstehe, sondern auch den Inhalt des Berichtes aufnehme - noch vor 10 Tagen erst war doch nur ein PlingPling zu hören! Ich finde es übrigens super, dass man bei ABRehab wahlweise das Video auch weglassen kann und sich so schrittweise weiter vortastet auf seiner Hörreise.


    Ich mache mir immer wieder selbst deutlich, dass ich erst am Anfang meiner Hörreise stehe, wenn ich z.B. bei "Eule - Beule" (von der OLCIT-Software) überhaupt keine Ahnung habe, was ich da höre. Auch Konsonanten am Wortanfang bei ähnlich klingenden Wörten, die Unterscheidung "o - u" und einiges mehr gelingt (noch! - ich übe!) nicht. Aber ist es nicht erstaunlich, wie unser Gehirn funktioniert? Wenn das Themengebiet bekannt ist, erkennt es viel schneller, was für ein Wort es hört.


    Im Gespräch mit anderen ist mir das CI noch keine Hilfe bzw. ich merke nicht, ob es das ist. Dazu höre/verstehe ich mit dem linken Ohr vermutlich noch zu viel selbst mit einem festgestellten Hörverlust von 78%. Aber das linke Ohr war schon immer das stärkere, damit telefoniere ich (ohne HG), das ist permanentem Training durch den Alltag ausgesetzt. Ich bin gespannt, ob und wann das CI dieses Ohr ein- und überholen wird, wie es schon viele hier im Forum berichtet hatten.


    So, das war es für heute erst einmal. Ist etwas länger geworden, aber es passiert auch gerade sehr viel. Ich hoffe, ich habe euch nicht gelangweilt und einen kleinen Eindruck von den Hochs und Tiefs in der dieser ersten Zeit zwischen OP und Erstanpassung (EA) vermitteln können.


    In diesem Sinne liebe Grüße

    Terry

    Hochtonschwerhörigkeit/Hochtontaubheit von Kindheit an.

    Rechts: CI622 seit 12/2019, Nucleus 7

    Links: 65% Sprachverstehen mit HG (seit 2020 Oticon Exceed)

  • Ich hoffe, ich habe euch nicht gelangweilt und einen kleinen Eindruck von den Hochs und Tiefs in der dieser ersten Zeit zwischen OP und Erstanpassung (EA) vermitteln können.

    Haha, der Spaß war gut! Mich hast du keineswegs gelangweilt, ganz im Gegenteil sauge ich die Information nur so auf.

    Eine Frage hab ich aber noch:

    Ich dachte, den SP bekommt man mit der EA, bei dir am 13.1. Ist das nicht so?

    Euer Dominik.

    rechts OP 20.02.2020 LMU München, EA 11.03.2020 Sonnet 2

    links OP 16.12.2020 LMU München, EA 15.01.2021 Rondo 3

    aktuell links seit 05/2018 HG Phonak Naida B70 SP oder Resound Enzo² 998

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  • Ich dachte, den SP bekommt man mit der EA, bei dir am 13.1. Ist das nicht so?

    In der MHH bekommt man den SP eigentlich schon am Tag nach der OP, wenn man zum DHZ hinübergeht für den Probeton. Da jemand vergessen hatte, meinen SP vor der OP zu bestellen, durfte ich ihn dann eine Woche nach der OP abholen. Mich hatte das auch überrascht, weil ich wie du davon ausgegangen war, den SP erst mit der EA zu erhalten.


    13. Tag mit SP

    Zwei Nachträge habe ich noch zum aktuellen Sachstand und etwas Neues, was mir gestern aufgefallen ist:


    Der Tinnitus hat sich verändert. Seit ca. 2013/2014 habe ich links einen Tinnitus, der ziemlich laut werden kann, ein hoher Ton im Bereich von etwa 3,4 KHz. Der ist leise und tiefer geworden, mehr ein undefinierbares Rauschen (wie wenn man in einiger Entfernung von einer stark befahrenen Straße steht oder sich eine Muschel ans Ohr hält). Finde ich super! Mit etwas Glück geht mein Tinnitus auch ganz weg, wer weiß? Meine Theorie (die durch nichts belegt ist) geht dahin, dass der Tinnitus vielleicht so eine Art Ersatzbefriedigung des Gehirns war für Frequenzen, auf denen auf natürliche Weise nichts mehr im Gehirn ankommt. Und jetzt, wo Mr. SP für Unterhaltung sorgt, benötigen meine grauen Zellen das nicht mehr...


    Außerdem bin ich sozusagen im Stimmbruch. Also mein Gehirn. Das fiel mir gestern beim Fernsehen auf. Klingt zwar immer noch ziemlich blechern, aber zwischendurch erkenne ich tatsächlich die echten Stimmen der Schauspieler. Vor allem dann, wenn er/sie mehr als einen Satz sagt. Ist irgendwie ganz lustig. Ich wäre ja schon damit zufrieden, überhaupt wieder Sprachverständnis auf dem linken Ohr zu haben, aber dass Sprache offenbar irgendwann tatsächlich klingen könnte wie mit "natürlichem" Gehör samt Tonlage, Modulation - einfach nur wow! Ich halte euch auf dem Laufenden.
    Ich glaube Ralle (?) hat das Gehirn sehr anschaulich mit einem alten Schreibtisch verglichen, der nun so peu a peu entmottet und wieder genutzt wird und halt seine Zeit braucht, bis blind die richtige Schublade geöffnet wird. Bei mir quietscht es noch, aber so langsam erkenne ich offenbar schon einmal die Schubladen wieder.


    Was mich dies Wochenende immer wieder gedanklich beschäftigt hat, war eine Bemerkung einer meiner Vorgesetzten. Am Freitag war mein erster Arbeitstag, und ich dachte, ich melde mich mal persönlich zurück. Wie fast alle in meinem Bekanntenkreis wollte auch sie wissen, wie es war, was ich höre usw.. Sooo verbreitet sind CI's ja noch nicht, da freue ich mich (noch) über die Gelegenheit zur Aufklärung. Was mir jetzt vermutlich einen Vortrag zum Thema Schwerhörigkeit beim nächsten workshop eingebracht hat:/

    Jedenfalls sagte sie zum Schluss, dass ich sehr mutig gewesen wäre. Ich entgegnete da nur auf die Schnelle, dass ich lieber offensiv mit Problemen umgehe (vor allem, wenn sie nicht von allein verschwinden), aber ihr Satz hat mich doch ins grübeln gebracht.


    Ich finde mich nicht mutig, weil ich mich zur OP entschieden habe - höchstens Mut der Verzweiflung hat da eine Rolle gespielt. Als ich in 2012 erstmals HG's bekam, die mir auch etwas genutzt haben, empfahl mir bereits damals der HNO das CI. Für mich war das aber nur etwas für Gehörlose/Ertaubte, ich habe das gar nicht weiter verfolgt. Erst nachdem ich in den letzten zwei bis drei Jahren immer mehr Probleme (Stichwort: Erschöpfungszustand, eingeschränkte Lebensqualität, kaum noch Sozialkontakte) bekam, vor ziemlich genau einem Jahr dann endlich feststand und mir auch bewusst wurde, dass diese Probleme durch den Hörverlust bedingt sind, tat ich.....erst einmal nichts. Ich war schon so in meinem Elend gefangen, dass ich keine Idee hatte, wie ich mich daraus befreien sollte. Und der Ausblick auf mein weiteres Leben - war entsprechend deprimierend. Immerhin fragte ich den HNO im Frühjahr, ob es inzwischen nennenswerte Fortschritte bei HG's gäbe, er verwies wieder auf's CI - und diesmal war mein Leidensdruck so groß, dass ich tatsächlich zur Voruntersuchung ging.


    Also nix Mut. Ich habe doch gar nichts zu verlieren. Höchstens zu gewinnen. Und abgesehen von den üblichen OP-Risiken ist heute eine CI-OP an den größeren Kliniken doch schon fast so 0/8/15 wie eine Blinddarm-OP. Sobald frau sich von der Vorstellung "Hilfe, Loch im Kopf, hoffentlich rutscht der Bohrer nicht ins Hirn" frei macht, eifrig ein gewisses Forum auf der Suche nach Informationen durchforstet (ich glaube, ich habe inzwischen alle Beiträge der letzten fünf Jahre gelesen, bei den Erfahrungsberichten auch noch ältere), ist auch die Angst weg. Was bleibt, ist die Chance, vielleicht wieder/besser hören zu können. Meine größte Sorge vor der OP war, dass das falsche Ohr erwischt werden könnte, und selbst da habt ihr mich beruhigt.;)


    Aber mutig finde ich die Entscheidung derer, die sich vor 20 oder 30 Jahren für die OP entschieden, quasi für uns Pionierarbeit leisteten. Da war weder was mit "welcher Hersteller darf es sein" oder "wie schnell bekomme ich das Upgrade auf den neuen SP" noch technisches Zubehör wie Streamer, Minimic usw. für alle möglichen Gelegenheiten. Die CI's trug man/frau eher in der Tasche, die OP-Zahlen pro Jahr waren für ganz Deutschland vermutlich ein- bis zweistellig. Information via Internet dürfte es auch kaum gegeben haben. Und sich dann ohne Informationen auf dieses ungewisse Abenteuer einzulassen....puh.


    Deshalb an dieser Stelle einmal ein ganz dickes Danke! an die Pioniere, die am und auf dem OP-Tisch die Vorarbeit dafür geleistet haben, dass wir heute ohne große Risiken so eine große Chance auf ein hörendes Leben haben dürfen.


    In diesem Sinne liebe Grüße

    Terry

    Hochtonschwerhörigkeit/Hochtontaubheit von Kindheit an.

    Rechts: CI622 seit 12/2019, Nucleus 7

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  • Ich glaube Ralle (?) hat das Gehirn sehr anschaulich mit einem alten Schreibtisch verglichen, der nun so peu a peu entmottet und wieder genutzt wird und halt seine Zeit braucht, bis blind die richtige Schublade geöffnet wird. Bei mir quietscht es noch, aber so langsam erkenne ich offenbar schon einmal die Schubladen wieder.

    ....

    Hallo Terry,

    es war eher ein Apothekerschrank ;)

    Es freut mich, dass du viel Spass mit deinem CI hast und anfängst die Stimmen zu erkennen. Es wird noch besser und du verstehst auch was gesprochen wird :) Es wird immer wieder Stimmen, Frequenzen, Stimmlagen, Dialekte und auch Sprachtempis geben, die dir Probleme bereiten und man verzweifeln kann - aber das würden "Flotthörende" dann auch.

    Mein Tipp: Um nicht zu vergessen, was du mit deinem CI erlebst und was du für Fortschritte bzw. Rückschläge hast ... aufschreiben!! Man vergisst mit der Zeit vieles oder es verblasst und das ist schade. Deshalb hab ich vor über einem Jahr mit meinem Blog über das CI angefangen und führe es solang, bis ich es leid bin ( ... hm, kann also noch dauern :D )

  • Hi Ralle,

    die Analogie war immerhin da;)

    Im Moment schreibe ich nur hier (und kopiere mir die Beiträge anschließend in ein word-Dokument). Ist ja fast ein Hörtagebuch oder? Außerdem passiert im Moment hörmäßig so viel, dass ich einfach alles so auf mich zukommen lasse. Später, wenn die Sprünge kleiner werden oder mir bestimmte Sachen/Situationen auffallen, an denen die Techniker etwas drehen können, werde ich allerdings auch eine Kladde anfangen.


    14. Tag mit SP

    Dieser Tag war einfach nur doof. Angefangen damit, dass ich gestern schon um 18 Uhr ins Bett fiel, weil ich einfach nicht wach bleiben konnte. Zuviel gehört? Eigentlich habe ich nichts Ungewöhnliches getan/gehört, der Arbeitstag war ruhig und störungsfrei, kein Telefon klingelte (kein Wunder, zwischen den Jahren ist fast nie Hektik angesagt in Behörden). Oder steckt mir die OP doch noch irgendwo in den Knochen?

    Auch kein Wunder, dass ich bereits um 2 Uhr wieder wach war und damit mein Biorhythmus für heute für den Allerwertesten ist... ;(


    Der Tinnitus ist leider wieder zurück, d.h. ich habe jetzt den Ton UND das Rauschen im Ohr. Und ich höre Stimmen. Im ersten Moment dachte ich "Oh bitte sag jetzt nicht, dass der SP auf irgendeiner Frequenz etwas von den Nachbargesprächen aufnimmt" (flüsterleise zwar, aber menschliche Stimmen). Dann fiel mir auf, dass ich den SP noch gar nicht angelegt hatte. Toll, jetzt höre ich also schon Stimmen:(
    Gibt es Tinnitus auch als Gesprächsvariante? Oder ist das eine unbewusste Bewältigungsstrategie meiner grauen Zellen, mit dem ungewohnten Informationsfluss umzugehen? Die naheliegende Vermutung, dass Stimmen zu hören auch Symptom psychischer Erkrankungen sein kann, möchte ich jedenfalls (noch) nicht auf mich anwenden...:whistling:


    Was mich auch fertig macht: die Narbe juckt wie verrückt (am liebsten würde ich mich da kratzen), das Auge tränt weiterhin. Alles kleine Baustellen, aber zusammen mit Schlafstörungen, Müdigkeit und Tinnitusvariationen kratzt das an den Nerven.


    Da man nachts wenig machen kann, habe ich mich durch weitere Hörbuch-Kapitel gequält, verstand dabei aber wesentlich weniger als noch am Tag vorher. Und bei der App "Schallquelle" konnte ich außer dem "a" nicht einen einzigen Vokal verlässlich hören. Frust...ist das einer der Rückschritte, von denen ich gelesen habe?

    Irgendwann nach Stunden kam ich dann mal auf die Idee, die Einstellungen des SP auf dem Smartphone zu überprüfen: der SP war noch auf dem allerersten, "falschen" Programm der MHH, dass ich ja sonst nie nutze. Und siehe da: mit dem normalen Programm lief es dann natürlich viel besser. Ich habe sogar ein halbstündiges Interview im TV ohne Untertitel nur über Minimic inhaltlich verfolgen können, fast jedes Wort verstanden.


    Und heute nachmittag kam dann ein Schlüsselerlebnis: ich unterhielt mich beim Gassigehen mit anderen Hundebesitzern. Und eine Dame, die ich sonst immer sehr schlecht verstanden habe (hohe, leise Stimme) konnte ich mit dem SP auf dem rechten Ohr schon gut verstehen! Das erste Mal, dass der SP mir im realen Gespräch etwas gebracht hat! Eigentlich ein Grund zur Freude - vielleicht wenn ich nicht mehr so kaputt bin....


    Euch allen einen guten Rutsch und viele schöne Hörerlebnisse in 2020!

    In diesem Sinne

    Terry

    Hochtonschwerhörigkeit/Hochtontaubheit von Kindheit an.

    Rechts: CI622 seit 12/2019, Nucleus 7

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  • Manchmal braucht es halt eine kleine Pause! ;)



    Bisher hast Du ein supergutes, quasi riesiges Erfolgserlebnis!

    Dann kannst Du auch schon mal kurz pausieren, damit sich Dein Gehirn etwas erholen und weiter "einsortieren" kann.


    Du fängst schon richtig früh mit Hörbüchern an :D

    Ich genieße das richtig, und das, obwohl ich so eine Leseratte bin.

    Ich denke mir mal, der Rest muß auch richtig passen, total stimmig sein.

    Wenn alles paßt, dann kann man auch Hörbuch genießen.




    Und das mit dem "mutig sein", nur weil man die OP auf sich genommen hat, kommt mir in der Tat bekannt vor.

    Mein Chef hatte mir auch so was mal gesacht und ich stand so :/:huh:?( da.

    Ist wohl Ansichtssache.

    Klar, eine OP, und dann noch am Kopf und als freiwillige Entscheidung klingt immer mutig.

    Doch, nur diejenigen, die wieder unbedingt hören wollen, empfinden das etwas anders, weil die andere Alternative, fast taub durchs Leben zu latschen, doch erdrückender ist, als die OP auf sich zu nehmen.




    Ich wünsche Dir weiterhin einen tollen Hörerfolg! :thumbup:

    Nur EA im Januar klingt irgendwie nicht mehr so passend, da Du Dein SP ja schon trägst und damit nicht gerade wenig hörst 8o



    Schönen Gruß

    Sheltie

  • Hi Sheltie,


    vielen Dank für deine Worte.
    Nach den Höhenflügen und Riesenschritten der ersten Tage hatte ich wohl ganz selbstverständlich erwartet, dass es so weitergeht - und dann ist es gut, wenn einem ein anderer wieder bewusst macht, dass das eben nicht ganz selbstverständlich ist.:/


    Wahrscheinlich habe ich durch das Programm, das mir meine Akustikerin zusätzlich zum Programm der Klinik aufgespielt hat, tatsächlich eine Art vorweggenommene EA. Mit dem Programm der Klinik ist jedenfalls noch immer nur eine Andeutung von Sprache möglich. Die Einstellung der Akustikerin kommt mir seit ca. 2 Tagen auch immer leiser vor. Die Lautstärke habe ich von anfangs 1 inzwischen auf mindestens 5, bei Übungen auch auf bis zu 10 gesteigert. Mal sehen, was die MHH am 13. dazu sagt;)


    Mein Tinnitus hat gestern abend nach Ablegen des SP beschlossen, E-Gitarre zu lernen. Immer dieselben 2 Takte mit ungefähr 5 unterschiedlichen Tönen, über Stunden. Irgendwer hat dazu im Hintergrund seinen Senf dazu gegeben. Auch wenn das nicht sehr laut war, habe ich plötzlich extremes Verständnis für die Nachbarn, die sich früher bei meiner Mutter darüber beschwerten, dass wir Kinder in der Mittagszeit am musizieren und üben waren......:whistling:

    Heute ist mein "normaler" Tinnitus in relativ leiser Lautstärke zurück - damit das so bleibt, lasse ich es auch lieber ruhiger angehen und achte darauf, nicht länger als eine Stunde am Stück zu üben. Die Verlockung, die ganzen arbeitsfreien Tage auszunutzen, war wohl zu groß.


    In diesem Sinne liebe Grüße

    Terry

    Hochtonschwerhörigkeit/Hochtontaubheit von Kindheit an.

    Rechts: CI622 seit 12/2019, Nucleus 7

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  • 19. Tag mit CI


    Das Auf und Ab geht munter weiter. Mein Tinnitus hat sich wieder eingekriegt, es ist im Moment der altbekannte hohe Ton, aber leiser als früher. Die Lähmungserscheinungen sind mehr oder weniger Geschichte. Habe ich schon gesagt, wie froh ich über dieses Forum bin? Ohne eure Erfahrungen wäre ich vermutlich in Panik geraten und hätte geglaubt, die Lähmung sei von Dauer. So wusste ich, dass es vorübergehen wird und konnte es einfach aussitzen.

    Außerdem habe ich es wohl übertrieben mit dem Üben, jedenfalls hatte ich gestern öfters stechende Schmerzen, wenn ich mit dem CI bewusst hören wollte. Also eine Stufe zurück, das CI zwischendurch auch mal abnehmen und warten, bis sich der Hörnerv wieder beruhigt. Auch das nehme ich ganz locker, kenne es ja aus euren Erzählungen.

    Ist schon irgendwie witzig: erst liest man die Erfahrungen anderer im Forum, sagt sich "das wird mir nicht passieren" und dann passiert es natürlich doch. Erdet aber ungemein zu wissen, dass Rückschritte zum Alltag dazugehören.


    Vorgestern war ich bei meiner Akustikerin wegen eines neuen HG für das linke Ohr. Als sie das HG mit dem CI koppelte und ich sozusagen nackt hörte, verstand ich nur Bahnhof. Sobald das CI wieder am Ohr war, konnte ich sie - auch ohne HG - verstehen. Das war für mich ein echtes Schlüsselerlebnis. Offenbar unterstützt das CI bereits im Unterbewusstsein mein Sprachverstehen, selbst wenn ich bewusst ein eher Gebimmel im Gespräch mit anderen höre. Aber das Gebimmel wird auch immer leiser/unauffälliger. Entweder ich habe gelernt, es zu überhören, oder es wird tatsächlich leiser bzw. mein Gehirn lernt langsam, statt Gebimmel echte Hörinformationen aus den elektrischen Impulsen wahrzunehmen. Und das ist einfach eine schöne Erfahrung!


    Morgen beginnt nach den ganzen Feiertagen meine erste reguläre Arbeitswoche nach der OP. Ich bin gespannt, wie sich mein CI dabei schlägt - im Büro werden es viel mehr Gespräche sein als zuhause, das übt das CI auf eine ganz andere Art. Wobei ich bei Dienstbesprechungen das HG einsetzen werde, ohne HG konnte ich meinen Chef noch nie verstehen (und selbst mit HG hab ich da meine Schwierigkeiten).


    In diesem Sinne liebe Grüße

    Terry

    Hochtonschwerhörigkeit/Hochtontaubheit von Kindheit an.

    Rechts: CI622 seit 12/2019, Nucleus 7

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  • Hallo Terry,


    das liest sich sehr gut! Du merkst jetzt, wie im übertragenen Sinne Dein Gehirn noch "plastisch formbar" ist - ein gutes Zeichen! :)


    Zum Gespann "CI/SP & HG" kann ich auch nur von mir berichten. Einige Monate nach der EA bekam ich vom SG im Vergleich mit der KK ein SIEMENS Nitro fürs rechte Ohr nach mehreren Tests zugesprochen, weil "mein" Richter bat, es mit einem zuzahlungsfreien Gerät doch mindestens im Guten zuprobieren. Was natürlich nicht funktionierte und vov HG-Akustiker und Klinik akribisch dokumentiert wurde....


    Ein Jahr lang ging das Gespann "CI/SP & HG" recht gut: Anfangs unterstützte das HG das Sprachverstehen als quasi "Lernhilfe" fürs CI/SP . Nachdem nach diesem Jahr das immer offener werdende Sprachverstehen beim CI/SP "zündete", entwickelte sich das HG zum echten Problembären und ich legte es erleichtert dauerhaft ab, weil ich nur noch mit dem CI auch im Störlärm einfach besser verstand! Einige Monate später folgte die Implantation eines CI auch am rechten Ohr.

  • Mein Fernziel ist es auch, weitgehend ohne HG auszukommen. Aber ich bin beruflich darauf angewiesen gut zu hören. Und ob bei Besprechungen, Seminaren oder vor Gericht - da brauche ich beide Ohren in möglicher Bestform. Sonst bliebe mir nur, meinen jetzigen, interessanten Arbeitsplatz aufzugeben und auf einen anderen zu wechseln, bei dem das Hören nur minimal gefordert ist. Dazu habe ich keine Lust, ich fühle mich in meinem Bereich sehr wohl.

    Es weiß doch niemand, ob es mit dem CI-Ohr weiter so steil bergauf geht wie bisher, wann es mein gutes Ohr überflügelt. Und mit 65% Sprachverstehen wird mir kein Arzt dort ein CI einsetzen. Also möchte ich das linke Ohr zu so es geht unterstützen und die Zeit genießen, in der ich damit noch wie gewohnt Musik hören kann;)

    Hochtonschwerhörigkeit/Hochtontaubheit von Kindheit an.

    Rechts: CI622 seit 12/2019, Nucleus 7

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  • 22. Tag mit SP


    Ich musste in den letzten Tagen leider die Erfahrung machen, dass das CI real (noch) eher Störfaktor ist denn Hilfe. Konzentriertes Arbeiten im Büro, wenn das rechte Ohr ständig am bimmeln ist....brrr. Mit offener Tür ist da immer irgendetwas zu hören, ich muss mich wohl daran gewöhnen, die Tür zu schließen. Die Tastatur klappert, beim Telefonieren kann ich mich nicht konzentrieren, weil das CI ständig seinen Senf dazu gibt (obwohl ich nur mit dem linken Ohr telefoniere). In meiner Not habe ich immer, wenn ich etwas schreiben wollte oder das Telefon klingelte, das CI stummgeschaltet. Lernt man als CI-Träger eigentlich irgendwann, Nebengeräusche auszublenden?


    Das Programm meiner Akustikerin kann ich im Moment fast überhaupt nicht nutzen, es fängt sofort an im Kopf zu stechen. Das Programm der Klinik geht, aber da sind die Stimmen sehr leise und blechern (und es bimmelt nebenher). Vermutlich liegt meine Komfortzone irgendwo zwischen den beiden Programmen. Ein Grund mehr, sich auf die EA nächste Woche zu freuen. Der Techniker wird mir dann hoffentlich einiges abstellen/einstellen können.


    Für den schreibe ich mir jetzt eine laaaannge Liste auf an Auffälligkeiten - hoffentlich kann er schnell die Ursache(n) finden.


    In diesem Sinne liebe Grüße

    Terry

    Hochtonschwerhörigkeit/Hochtontaubheit von Kindheit an.

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  • Nein, die Arbeit macht mir Spaß. Ich bin froh, dass die Feiertage endlich vorbei sind, nach 3 Wochen zuhause fiel mir doch langsam die Decke auf den Kopf. Und im Moment ist es eine ruhige Phase im Büro, in der ich auch mal etwas aufarbeiten kann.

    Mich stört einfach das CI beim denken bzw. in der Konzentration, weil ich an den input von rechts noch nicht gewöhnt bin. Das wird schon werden.

    Nächste Woche wird es ja weiter eingestellt, bis dahin schalte ich es stumm (über die Telefonspule), wenn es nervt.

    Hochtonschwerhörigkeit/Hochtontaubheit von Kindheit an.

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  • Lernt man als CI-Träger eigentlich irgendwann, Nebengeräusche auszublenden?

    Kommt so ein bißchen darauf an.

    Also, eigentlich kann man das ja lernen, manches passiert auch unbewußt.

    Anderes wird dagegen wohl nicht so gut klappen. Warum auch immer? Eventuell, wenn man sich unbewußt doch zu sehr darauf konzentriert, weil es nervt, damit es weiter nervt. :/

    Wenn man dazu noch etwas Geräuschempfindlich ist, kann es sein, daß so manches nicht so ganz "verschwinden" wird. X/

    Kann es sein, dass du einfach doch "zu früh" wieder arbeitest?

    Ich war 15 Tage nach meiner erste OP schon wieder arbeiten. Meine HNO Ärztin sah keinen Grund, mich noch länger krank zu schreiben. Deshalb war meine EA und die Zeiten danach auch immer live im Arbeitsleben gewesen, neben dem normalen Alltag. Ich hatte auch Glück, daß ich einen verständnisvollen Chef habe. Wenn was gewesen wäre, hätte ich auch früher Feierabend machen können und einfach nur Überstunden abbauen, oder halt auch mal mein SP ablegen dürfen.

    Zu meinem eigenen Erstaunen ging es ziemlich gut, so daß ich die Zeiten immer voll durchgearbeitet, und echt nur ganz selten mein SP wirklich komplett abgelegt hatte.


    Klar, ich hatte gerade am Anfang ja dieses Gedudel gehabt. Bei jedem "neuen Geräusch", war das Gedudel wieder kurzzeitig zu hören gewesen. Da wußte ich, da kam gerade was neu in mein Gehirn an, und es muß arbeiten.

    Da war ich wohl eher positiv gestimmt gewesen, auch wenn das Gedudel schon mal nerven konnte. Ich hatte mich nur gefreut, daß schon wieder "ein neues Geräusch" erkannt und registriert wurde ^^

    Mich stört einfach das CI beim denken bzw. in der Konzentration, weil ich an den input von rechts noch nicht gewöhnt bin. Das wird schon werden.

    Das kommt in der Tat mit der Zeit. Erst einmal wirst Du ja "neu" hören lernen müssen. Wenn es nicht mehr so neu ist, fängt das Gehirn an, so manches auszufiltern. Nur, um überhaupt filtern zu können, muß es ja erst einmal registrieren können.

    Deshalb habe ich damals immer so ein MischMasch-"Training" gemacht. Wo ich nicht genau hinhören mußte, habe ich einfach alles laufen lassen, und darauf gehofft, daß mein Gehirn das aufnimmt, sortiert und filtern lernt. Wo ich wirklich mal genau zuhören mußte, habe ich schon mal die Spule kurzzeitig abgemacht, wenn das Gedudel zu sehr störte.


    Gerade beim Telefonieren war das schon extrem gewesen, auf der anderen Seite noch alles hören zu können. Und ich mußte damals auf der Arbeit nur mit Kollegen Rücksprache halten. Auf meiner linken, ohnehin schon schwachen Seite, mit HG, da störte die CI Seite, im Neu-Lernen-Modus schon. Auch jetzt noch! Bei wichtigen Gesprächen stört die jeweils andere CI Seite die "Telefonseite".

    Deshalb lege ich auch jetzt noch lieber bei wichtigen Gesprächen die Spule vom anderen Gerät ab. Bei unwichtigen Dingen versuche ich schon zu üben, auch damit beim Telefonieren klar zu kommen.

    Nächste Woche wird es ja weiter eingestellt, bis dahin schalte ich es stumm (über die Telefonspule), wenn es nervt.

    Echt? Du schaltest nur auf T?

    Das würde mich auch nerven, weil das Ganze ja dann zu Brummen anfängt. Und Brummen ist neben Klappern und total laute Stimmen ein total nerviger Störlärm für mich.

    Ich weiß nicht, was Du bei T für eine Einstellung hast. Ich kann ja immer noch 20% Umgebung hören, neben dem Gebrumme.

    Ich pappe mir einfach die Spule ans Batteriefach, und fertig :D




    Schönen Gruß

    Sheltie

  • Wenn ich auf Telefonspule stelle, höre ich gar nichts mehr, auch kein Brummen. Kann auch gerne so bleiben;)

    Die Sendespule in der Zeit zu entfernen, traue ich mich (noch) nicht, da ich den SP noch nicht spüre am Ohr und Angst hätte, dass er mir runterfällt. Mit der Zeit werde ich sicherlich gelassener bei dem Thema werden, noch ist alles neu und der Umgang gewöhnungsbedürftig.

    Hochtonschwerhörigkeit/Hochtontaubheit von Kindheit an.

    Rechts: CI622 seit 12/2019, Nucleus 7

    Links: 65% Sprachverstehen mit HG (seit 2020 Oticon Exceed)

  • 27. Tag mit SP


    Es geht weiter voran! Vorhin beim Gassigehen habe ich plötzlich einen Vogel (keine Krähe!) singen gehört und wenig später das Geräusch meiner Schritte auf dem Kiesweg. Ohne dass ich da bewusst darauf geachtet habe, fiel es mir plötzlich auf. Als ich dann etwas genauer hingehört habe, merkte ich auch, dass das liebe Gebimmel gar nicht mehr da ist. Ich liebe mein Gehirn!^^


    Das Üben nur mit CI habe ich in der letzten Woche stark eingeschränkt bzw. einschränken müssen, denn das Programm meiner Akustikerin verursacht selbst mit kleinster Lautstärke ein Stechen im Kopf. Mit dem Klinikprogramm aber höre ich die Stimmen nur blechern. Also habe ich das CI einfach nur mit Klinikprogramm mitlaufen lassen. Dass das Gehirn auch damit arbeitet, sieht man ja am 1. Absatz.


    Am Freitag habe ich meinen Vorgesetzten gebeten, mir etwas vorzulesen, damit ich das zur Probe ausgeliehene HG mit meinem alten vergleichen kann. Mein Vorgesetzter soll angeblich sehr deutlich sprechen, nur ich verstehe immer nur Bahnhof - ist also ein ideales Versuchskaninchen. Und weil wir schon dabei waren, habe ich die Varianten ohne alles, nur mit CI, nur mit HG und mit CI/HG durchprobiert - das CI allein bringt mir doch schon eine Menge mehr Sprachverständnis, auch wenn es natürlich noch nicht mit dem HG mithalten kann.;)


    Morgen geht es ins DHZ zur offiziellen EA - ich bin schon sehr gespannt auf die Woche:)


    In diesem Sinne liebe Grüße

    Terry

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  • Hallo Terry,


    Das klingt super! Vor allem im Status vor der EA! Vertraue lieber auf dein Klinikprogramm, die Audiologen der MHH verstehen mehr davon als Akustiker. Auch wenn es viele Unterschiede bei den Profis im DHZ gibt, sind sie trotzdem alle versiert und auf dem neuesten Stand der Technik. Ich gehe dort seit 16 Jahren hin...

    Viel Erfolg und Input ab morgen ist dir gewiss!


    Greetz

    Martina

  • 28.Tag mit SP /1. Tag EA


    Der erste Tag der EA bestand nur aus einer ca. einstündigen Sitzung bei einer sehr netten und geduldigen Ingenieurin zur Anpassung der Elektroden und einer kurzen ärztlichen Untersuchung.

    Anpassung:

    Jetzt habe ich noch ein drittes Programm auf dem SP, bei dem die meisten Elektroden lauter gestellt wurden als das Progamm der Akustikerin.

    Jede Elektrode wurde einzeln darauf getestet, ab wann ich etwas höre, wann der Klang laut aber nicht unangenehm ist und wann es anfängt zu stechen. Zwei Elektroden (die bei 8 kHz) wurden abgestellt, da ich auf denen zwar noch nichts hörte, aber schon das Stechen im Kopf da war. Die werden evt. irgendwann wieder reaktiviert oder auch nicht. Heute abend werde ich mal via minimic und TV probieren, wie ich damit höre, jetzt ist zur Erholung schreiben angesagt.;)

    Ich erkundigte mich auch danach, warum die MHH den SP schon vor der Erstanpassung ausgibt: Damit der Hörnerv/das Gehirn sich bereits auf einem niedrigen Level an die neuen Eindrücke gewöhnt. Dann hat man bei der EA gleich etwas, worauf man aufbauen kann.

    Ansonsten war sie wegen meiner Eigeninitiative (2. Programm der Akustikerin) nicht sauer sondern freute sich über meine Fortschritte (offenbar bin ich wirklich Streber^^) und fand auch meine Gestaltung (Üben mit Akustiker-Programm, im realen Leben das Klinikprogramm einfach von morgens bis abends mitlaufen lassen) sehr gut. Wichtig sei auch, bei Beschwerden wie z.B. das Stechen im Kopf ernst zu nehmen und dann einen Gang runter zu schalten.


    Ärztliche Untersuchung:

    Alles ok soweit, alles gut verheilt - und einen Anschiss gab es, weil ich Heiligabend nicht in der Notaufnahme gestanden hätte, als die Lähmung auftrat. Sollte nochmal eine Lähmung auftauchen - ab in die Klinik.


    Morgen geht es dann weiter mit Hörtraining, nochmal Anpassung und Vorstellung einer Selbsthilfegruppe.


    Bis dahin liebe Grüße

    Terry

    Hochtonschwerhörigkeit/Hochtontaubheit von Kindheit an.

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  • 29. Tag (morgens)


    Gestern abend dann der große Schock: ich höre nichts mit dem neuen Programm, allenfalls ein Flüstern. Die beiden alten Programme liefen normal, also liegt es wirklich am Programm. Nach einer halben Stunde entnervt aufgegeben, SP abgelegt. Vielleicht war die Anpassung zu reizend für meinen Hörnerv?

    Kein Wunder, dass heute schon gegen 4 Uhr morgens die Nacht vorbei war - Panik ist kein gutes Schlafmittel.

    Heute morgen neu probiert. Erst ging es noch, aber immer noch einfach zu leise. Da heute das Hörtraining vor der nächsten Anpassungsrunde auf dem Programm steht, war ich am überlegen, mit welchem der drei Programme ich denn am sinnvollsten übe. Zwischendurch fasse ich mir mal an die Sendespule (ob der SP überhaupt dran ist). Da merke ich, dass die Stimmen lauter werden, wenn ich etwas drücke. Hmmm, da war gestern doch etwas mit Wechsel des Magneten von Stärke 4 auf 3? Ich also noch einmal den alten Magneten befestigt - voila! Plötzlich (wenn auch immer noch relativ leise trotz maximal möglicher Lautstärke) war wieder alles zu verstehen. Irgendwann habe ich dann noch die Haare über die Sendespule gelegt (was bei Kurzhaar etwas dämlich aussieht), dann wurde es noch etwas besser.

    Ich kann mich ums Verrecken nicht erinnern, ob wir gestern erst den Magneten gewechselt oder erst die Anpassung vorgenommen haben - aber immerhin weiß ich jetzt, was ich nachher der Ingenieurin sagen kann.

    Jetzt geht es erst einmal in die Klinik:)


    In diesem Sinne

    Terry


    Nachtrag mittags: Es lag am Magneten - aber anders als gedacht. Meine Ingenieurin schaute ziemlich dumm, hatte derartiges noch nie gehört. Also bin ich mal zur Cochlear-Lounge (das DHZ ist wirklich ein Ort der kurzen Wege), bestellte mir meinen TV-Streamer als Willkommensgeschenk der Cochlear-Family und fragte nach. Auch dort Unglauben, ergo vorgeführt mittels Magnetwechsel. Da hat sich der Angestellte den Magneten mal genauer angeschaut: Ich hatte den "falschen" 3er Magneten. Offenbar war das in der Erstausstattung falsch bestellt worden; so wie ich das verstanden habe, gibt es eine neue Reihe Magneten für die MRT-tauglichen Implantate. Er tauschte also meinen 3er gegen den richtigen 3er und siehe da: Übertragung war in normaler Lautstärke.

    Außerdem habe ich heute (endlich) gelernt, wie man mit der Fernbedienung das Umschalten auf Minimic hinbekommt und mir zeigen lassen, wie der Wechsel des Mikrofonschutzes funktioniert. Bevor ich ich den SP wegen falscher Behandlung schrotte, lasse ich mir so etwas lieber einmal vorführen;)

    Hörtraining lief auch gut. Nach 5 min durfte ich zu den fortschrittlicheren Übungen wechseln. Bei der Unterscheidung P/T habe ich noch meine Probleme, das freie Hören (ohne Vorlage) von Wörter mit O geht auch regelmäßig schief. Zum Schluss gab es ein Tablet mit Übungssoftware + passenden Papieren geliehen für diese Woche. Wer einen USB-Stick mitbringt, bekommt die Übungen auch darauf kopiert und kann dann ohne Zeitnot bzw. öfter einmal die Übungen machen. Da auch Musikinstrumente usw. dabei sind, mal etwas anderes;)

    In der Anpassungssitzung wurden wieder alle Elektroden einzeln auf angenehme Lautstärke getestet und das Level insgesamt etwas erhöht.

    Mal sehen, wie gut ich damit TV schauen kann.

    Für später am Tag ist noch eine Hörprüfung in der Audiometrie vorgesehen, ansonsten habe ich heute frei.


    Gut gelaunt eure

    Terry

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  • 30. Tag (abends)


    Na, da war ich gestern wohl etwas übereifrig und habe mir die hohen Frequenzen zu laut einstellen lassen. Die Quittung kam prompt, heute mit Schmerzen auf der implantierten Kopfseite aufgewacht und beim Einschalten des SP auch gleich ein Puckern gespürt. Und selbstverständlich auch gleich wieder Panik, denn für heute stand nur Hörtraining und die Vorstellung der HCIG auf dem Programm, aber keine Anpassung.

    Glücklicherweise habe ich noch vor der Anmeldung meine Ingenieurin erwischt, die mit mir auf die Schnelle in 20 min eine Anpassung durchführte. Diesmal bin ich auf "Nr. sicher" gegangen und habe nur auf ein etwaiges puckern geachtet bei den Elektroden. Das führt jetzt leider dazu, dass alle Elektroden über 3 kHz mehr oder weniger unhörbar sind, aber ich stehe ja auch erst am Anfang. Soll sich der Hörnerv doch bitte schön erst einmal daran gewöhnen, dass er nach - Jahren? Jahrzehnten? - auch in den hohen Frequenzen doch bitte sehr gerne tätig werden darf, dann kann man die Lautstärke auch da weiter erhöhen.;)

    Dafür habe ich mir das Programm auch ohne Scan auf den SP laden lassen und bekomme unterschiedlicheren Input an Geräuschen. Läuft super, habe bislang keine Probleme und höre auch mit schönem, natürlichen Klangbild.

    Morgen ist die letzte Anpassung vorgesehen, viel ändern werden wir da sicher nicht mehr. Die Ingenieurin schlug mir heute vor, bereits in zwei statt in drei Monaten wieder anzupassen, um dann ggf. den Input für die Elektroden der hohen Frequenzen zu erhöhen.

    Insgesamt stellt es sich jetzt ähnlich dar wie die Hörkurve vor der OP: Je geringer mein Hörverlust für die jeweilige Frequenz war, desto normaler der Input (in den tiefen Frequenzen), im mittleren Bereich dann etwas zurückgenommen und bei den hohen Frequenzen eben minimaler Input.


    Beim Hörtraining war dann erst Städte hören (Berlin und München hörte ich als Dreisilber, ansonsten ging es gut) und dann ganze Sätze und Fragen nachsprechen angesagt. Da ich einen USB-Stick mitbrachte, hat mir die Logopädin das gesamte Übungsmaterial überspielt, so dass ich auch Zuhause weiter damit üben kann. Außerdem bekam ich einen Zettel mit Fundstellen für Trainingssoftware, allerdings (überprüfe ich noch) sind die hier im Forum schon benannt im entsprechenden Thread.


    Nachmittags stand dann eine Studienteilnahme an. Wenn wir damit anderen in vergleichbarer Situation künftig helfen können -why not? Wir stünden auch nicht da, wo wir stehen, wenn wir nicht auf den Erfahrungen anderer hätten aufbauen können.


    In diesem Sinne liebe Grüße

    Terry

    Hochtonschwerhörigkeit/Hochtontaubheit von Kindheit an.

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