• Hallo Ihr Lieben,

    mit meinem Posting bin ich schon länger schwanger.....

    Ehrlich gesagt, breche ich hiermit meine Lanze für AnniB. Im Gegensatz zu den meisten von uns, ist Ihre einseitige Taubheit erworben. Das ist ein wirklich schmerzlicher Prozess, sich mit diesem Verlust auseinanderzusetzen. Wir alle wissen, wie sehr die Hörbehinderung uns von den Menschen trennen kann. Der Hörverlust ist ja nicht nur das Nichthören, sondern durchzieht sich wie ein roter Faden durch alle Lebensbereiche (Familie, Freunde Beruf etc.). Wir leben in einer Gesellschaft, die so wahnsinnig lösungsorientiert ist. Und dabei wird vergessen, dass allenfalls die Hörbehinderung nur verbessert und nicht behoben werden kann. Das Urvertrauen zu seinem eigenem Körper leidet, und hinterlässt einfach Unsicherheit und auch Angst vor etwas Neuem. Jeder von uns geht anders damit, ein Patentrezept gibt es nicht. Da ja die Hörreise so individuell ist, neigen wir dazu alle Neulinge in ihrer Erwartung einzubremsen. Es ist richtig, dass eine zu hohe Erwartungshaltung die persönliche Hörreise beschwerlich machen kann. Aber jemand, der kurz vor der OP steht wünscht sich verständlicherweise auch Sicherheit, richtig entschieden zu haben. Jetzt muss sich AnniB noch mit dem Baha auseinandersetzen, obwohl sie schon längst die Bewilligung für ein CI hat. Ich finde das ehrlich gesagt, ein ziemliches Unding von der Klinik, die Geschichte mit BAHA noch durchziehen zu wollen. Wie soll AnniB, das alles beurteilen können, wo sie sich erst seit kurzem damit auseinandersetzt. Schon alleine deswegen stellen sich neue Fragen für sie, die sie gerne an uns weiterreicht. Bis ich wirklich meine Hörbehinderung annehmen konnte, sind Jahre vergangen. Diese Zeit darf auch AnniB haben.

    Auch die Frage nach der Schnittführung finde ich sehr legitim. Ich habe ja noch den wirklich großen Schnitt durch meinen Gehörgang und bestimmt 20 cm halbmondförmig an der Seite. Der Schnitt hat mich wirklich sehr lange gestört, da ich bestimmt ein dreiviertel Jahr meine rechte Kopfseite nicht gespürt habe, und mir wirklich sehr oft den Kopf angehauen habe. Während bei meiner linken Seite der Schnitt nur ca. 4 cm lang ist und in der Falte von der Ohrmuschel sitzt und wirklich überhaupt keine Probleme machte. Aber es gibt immer noch Operateure, die nicht die Kunst für diesen minimal invasiven Schnitt beherrschen. Woher soll AnniB wissen, was heute Standard ist, deswegen macht es mehr Sinn vorher hier in diesem Forum nachzufragen, um so herauszufinden, ob ihr Operateur hier verziert ist.

    Ich gehöre auch zu den Menschen, die vorher alle etwaige Problemen und Gegebenheiten recherchiert. Das hat mir immer die nötige Sicherheit gegeben und ich konnte so viel besser eine Entscheidung treffen, hinter der ich auch stehen konnte und auch anderen Menschen damit unterstützen konnte. Beispielsweise als bei den ungeborenen Zwillingen meiner Schwester sich herausstellt, dass beide einen schweren angeboren Herzfehler haben werden, habe ich mich tagelang im Internet und den unterschiedlichen Foren bewegt. Meine Schwester ist eher der Typ, der alles auf sich zu kommen lässt. Und so konnte ich ihr auch den wertvollen Tipp geben, die Kinder nach der Geburt innerhalb der ersten 7 Lebenstage privat zusatzversichern zu lassen. Danach ist es nur noch mit Gesundheitsprüfung möglich und dann wäre der Herzfehler ausgeklammert worden. Gerade in der Kinderkardiologie kann ein Familienzimmer sehr wohltuend sein. Jetzt bin ich vom Thema abgekommen..... Ich kann die Vorgehensweise von AnniB vollkommen nachvollziehen. Wenn es Euch stört, dann antwortet eben nicht darauf. Viel störender finde ich Neumitglieder, die vor einer OP die "Weisheit" gebucht haben, und nur ausschließlich diese als wahr verkaufen.

    Liebe Anni, ich wünsche Dir für Deinen Weg alles Gute und hoffe sehr, dass Du Dich trotzdem bei uns gut aufgehoben fühlst.

    Ganz liebe Grüße

    Karin

    rechts: von Kindheit an mittel- bis hochgradig schwerhörig, letzter Hörsturz mit 22 Jahren verursachte totale Taubheit.

    Juli 1990: in Hannover CI-Operation, aktuell Nucleus 6, CP920


    links: geburtstaub, Juli 2017: in München-Großhadern CI-Operation, EA: 07.08.17, aktuell Nucleus 6, CP920

  • AnniB,

    nach meiner über 20jähhrigen Erfahrung im "Internetz" werden in Foren - egal zu welchen Themen auch immer - leider die negativen Erfahrungen zu sehr reflektiert. Das sollte man immer dabei beachten und sich keinesfalls sich davon leiten lassen!

    Auch ich habe erst mal 12 Jahre gebraucht nach dem ersten Angebot der Charité im Jahr 2000, um zu erkennen, dass es zu den CI´s keine wirkliche Alternative gibt. Aufgrund meine neurologischen Grunderkrankung wollte kein Arzt überhaupt eine positive Aussage wagen. Lediglich mein sehr sympathischer und menschlich integerer CI-Chirurg und meine Cousine - wie eine gute Freundin und Kinderärztin in Rente - konnten mich letztendlich überzeugen, den Sprung ins eiskalte Wasser zu wagen. Zu verlieren hatte ich ohnehin nichts mehr, weil ich von nahezu allen Aktivitäten zurückzog; weil mich das akustisch und körperlich zu sehr anstrengte...

    Und heute bin ich nach 7 und 5 Jahren wieder der glückliche Mensch, der wieder am Leben teilnehmen kann, dank viel Geduld und fleißigen Trainings mit Höhen und leider auch unvermeidbaren Tiefen... :) Inzwischen teste ich derzeit neue Soundprozessoren und hoffe auf ein Doppel-Upgrade bei der nun anstehenden ersten Wiederversorgung.

    Und Du machst Dir Sorgen wegen den Narben...? Mensch, laß Dich doch nicht von asbach-uralten Fotos oder Videos beeindrucken... Die Implantation-Methoden sind seither weiter entwickelt worden. Ich wurde beide Male schon minimal-invasiv implantiert und mein sympathischer "Handwerker" hat das super gemacht: Ein sehr kleiner Schnitt hinter den Ohren und mit Fibrinkleber verschlossen. Den überschüssigen Fibrinkleber konnte ich jeweils nach gut 12 Tagen selber abrubbeln. Und meine Cousine kann bestätigen, dass man die Narben heute nicht mehr sieht.

  • Hallo ich will mich auch noch mal melden

    Mir ist bewusst welche Reaktionen mein voriger Beitrag ausgelöst hat. Trotzdem stehe ich zu dem was ich geschrieben habe. AnniB empfehle ich neben dem Forum dringend den persönlichen Kontakt zu anderen Betroffenen, idealer Weise in einer Selbsthilfegruppe zu suchen. Auch wenn der Weg etwas weiter ist. Ich bin auch erst 9 Monate nach der EA zu einer Selbsthilfegruppe gefahren. Der Anfahrtsweg ist über 1 Stunde. Bereut habe ich nur, nicht schon eher den Kontakt aufgenommen zu haben. Der direkte Austausch hat doch eine andere Qualität als ein Forum

  • AnniB,

    Und Du machst Dir Sorgen wegen den Narben...? Mensch, laß Dich doch nicht von asbach-uralten Fotos oder Videos beeindrucken...

    Um ehrlich zu sein: ich bin sehr froh darüber, dass AnniB mit all ihren Fragen nachbohrt. Ich nehme das meiste zwar einfach hin, weil die Alternative für mich schlechter wäre (akustisch nichts zu verstehen). Aber interessant sind die Fragen allemal. Und woher sollen wir Unbedarfte wissen, dass z.B. die Bilder veraltet sind oder nur selten so zutrifft, wenn man nichts gegenteiliges liest oder sieht?

    Links: Advanced Bionade 16:12:20 Ersatz von 15:01:21

    Rechts: Cocktail Mix 20:02:20 Ersatz von 11:03:20

    Genesung Op 2

    Die kognitive Potenz hat eine extraordinäre Relevanz für die Dialektik

    Oder anders ausgedrückt

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis besteht darin, dass man durch Praxis einen außerordentlichen Musikgenuss erleben kann, der in der Theorie mancher Technikfanatiker überhaupt nicht möglich ist

    Lachs i. 2 fel

    Ein Leben ohne Musik ist wie ein wasserscheuer Fisch

  • Hallo Dominik,

    ich bin halt nun mal aus anderem Holz geschnitzt.... :) Ja woher sollt ihr das auch wissen... wohl wahr...!

    Aber muss nicht alles glauben oder zu eigen machen, was im "Internetz" so steht und/oder gezeigt wird - oder ?

  • Hallo,

    ich glaube es ist auch die Art wie man was bei jeden noch so kleinste Details hinterfragen tut. Das mit BAHA kann sie nichts zu, da nach meinem Eindruck die Klinik nicht vernünftig kommuniziert hatte.

    Brillenproblem.... hm....bin ich damals nie auf die Idee gekommen....vielleicht lag daran, dass ich bereits Hörgeräte trug

    Auffälligkeit..... bis ende der 80er Jahren trugen viele Hörgeräteträger in entsprechende Haarfarbe....als dann bemerkt wurde, dass nicht auffiel oder erst bei der Kommunikation aufgrund der „unverständliche Sprachebetonung“ wurden die damaligen Jugend mutiger warum nicht farbige HG. Klar spricht keiner trotz auffällige HG/CI an, aber manchmal wird bewusst entsprechend kommuniziert weil Gesprächspartner doch sah ohne zu fragen und wir brauchen weniger erklären.

    Was Narbe anbelangt, es liegt an jeweiligen operateure.....je kleiner der schnitt desto weniger sieht man es, aber es wird mikroskop genutzt.... es kommt. Auch auf anatomie des ohres an. Oftmals wird von vielen Kliniken nur ein kleiner schnitt hinter ohr gemacht, dass man kaum sieht. Haare werde so gut wie nicht rasiert.

    Wenn man mit Entscheidungwahl sei es mit Klinikwahl, Fabrikat usw schwer tut, dann gibt es noch sogenannte Entscheidungsfindungssseminare. Zu meiner Zeit vor 20 Jahren wäre ich froh gewesen wenn solche Seminar bereits gegeben hätte. Dies wird in Bad Nauheom/bad Salzufeln (Da es Schwesternkliniken sind wechseln die beiden sich ab) und in St wendel wird dies ebenso angeboten.

    Kontakt zu CI Gruppen kann auch sehr Hilfreich sein, da man eigenes Bild machen kann wie unterschiedlich verlaufen kann.

    Wünsche Neulinge alles gute für die Entscheidungen und dass am Ende damit vereinbaren kann.

    Gruss

    Wallaby

  • Noch zum Thema schlecht machen oder warnen:

    Je tiefer man seine Erwartungen setzt nach der OP desto eher erreicht man sie.

    Man darf nie vergessen ein CI ersetzt kein gesundes Ohr und wird nie an ein normales, gesundes Ohr herankommen. Vor allem für SSD Leute welche das Gehör erst vor kurzem verloren haben ist dies ganz wichtig und man darf das Ci Ohr nicht am gesunden Ohr messen, es wird eine anderes Qualität hören sein, welche man aber mach ein paar Monaten in seinen Alltag integriert, aber dies nur durch wirklich regelmässiges tägliches und selbständiges Üben.


    Darum wenn man von Anfang an zu viel erwartet und möchte, dass man weder die Narbe, noch den SP noch sonst was sieht, ist man im falschen Boot, man merkt klar dass man besser hört als vorher, aber es nie wieder an das Gehör herankommt welches man wohl mal vorher hatte (kann ich schwer beurteilen, ich war über 30 Jahre SSD und kann mich nicht an die Zeit erinnern als ich noch gut hörte). Man hört viel besser als vorher einohrig, aber eben nicht ganz normal und deshalb darf man dies auch sehen, ist eh dann einfacher im Umfeld wenn man sieht, dass man was mit den Ohren hat und mit mehr Rücksicht rechnen kann als wenn man es nicht sieht und versteckt und verschweigt.

    Klar, auch nicht ständig allen in den Ohren liegen wie schlecht es einem geht, aber man kann sein Umfeld darauf aufmerksam machen wenn es schwierig wird und man Ruhe braucht oder eben nicht alles verstehen kann.

    Ich hatte gar keine grossen Erwartungen an das CI und die OP, da zu lange taub und es unsicher war wie gut das Resultat je sein würde, allerdings hat schon der Test während der OP gezeigt, dass mein Hörnerv noch mitmacht und es wohl nicht so schwierig werden wird wie zuerst gedacht.

    Danach ging es dann rasant aufwärts, ich kämpfte aber Immer noch damit das CI verstecken zu wollen und ja kein grosses Aufheben darum zu machen, schliesslich sei es mit nur einem Ohr jahrzehntelang auch gegangen. Ich habe alles unter den Haaren versteckt und noch monatelang vor mich hingelitten, bis ich mir dann die Haare geschnitten habe und offener mit meiner Beeinträchtigung umgehen konnte. Von dem Moment an hatte ich auch mehr Verständnis in meinem Umfeld erlebt und mir ging es allgemein besser. Dahinter stand aber ein mehrmonatiger Prozess in dem ich meinen Hörverlust endlich eingestehen konnte und mich aktiv damit auseinandergesetzt habe. Sehr hilfreich war der direkt Kontakt, Face to Face mit anderen Betroffenen.

    li normal hörend

    re taub nach chronischen MOE im Kindesalter, Cochlear N6/N8 OP 8.2.18 EA am 8.3.18

  • Liebe Nikita und alle Leser,

    mittlerweile gehe ich mit der Aussage, die Erwartungshaltung an das CI möglichst gering zu halten, kritischer um. Keiner von uns würde sich implantieren lassen, wenn er keine Verbesserung erwarten würde. Klar das Hören mit dem CI entspricht keinem normalem Hören, sondern schon alleine wegen der technischen Verarbeitung nur begrenzt sein. Wir alle wissen, dass der Erfolg mit dem CI von verschiedenen Faktoren abhängig ist:

    1. die Lage des CIs

    2. Zustand d. Cochlea (liegt eine Verknöcherung vor ? Eine anatomische anormale Anlage etc.)

    3. letztendlich die Fähigkeit vom Sprach- und Hörzentrum, die fehlenden Informationen zu kompensieren.

    4. die Zuversicht, dass das Hören mit dem CI erlernbar ist.

    Wenn ich mich in die Gefühlswelt eines Nichtimplantierten hineinversetzen möchte, dann empfinde ich mittlerweile die Aussage, dass die eigene Erwartungshaltung möglichst niedrig anzusetzen ist, eine Bevormundung. Wir können die Gefühlswelt des noch nicht Implantierten nur ansatzweise erahnen. Auch wir gehen immer von den eigenen Erfahrungen von unserer Hörreise aus, und versuchen diese dann zu übertragen. Das kann nicht sein, denn das Hören ist etwas Individuelles, und nicht Vorhersagbares. Manchmal habe ich das Gefühl, dass der Satz, die eigene Erwartungshaltung niedrig anzusetzen, eher ein Stolperstein sein kann. Wir haben diesen Satz so oft gelesen, dass wir ihn so ungeprüft übernehmen. Wenn die Hörreise schwierig ist, dann können wir doch nicht die Erwartungshaltung als hauptsächlichen Grund nennen. Jemand der wirklich frustriert ist, für den ist der Satz mit der Erwartungshaltung keine Hilfestellung, sondern ein zusätzlicher Knüppel in seiner schon sowieso angespannten Situation. Auch ich habe in vergangenen Postings immer wieder auf die Notwendigkeit der niedrigen Erwartungshaltung hingewiesen. Erst als ich die Kommentare bei AnniB gelesen habe, bin ich in mich gegangen, und habe versucht mir vorzustellen, was dieser Satz bei mir auslösen würde. Ich finde, wir sollten es anders formulieren. Das Hören mit dem CI bedarf einen unterschiedlich langen Lernprozess, der stellenweise recht beschwerlich sein kann, da das Hören von neu gelernt werden muss und sich von dem normalen Hören unterscheidet. Mit Geduld und auch Zuversicht sich auf die veränderte Situation einlassen zu können ist eine große Hilfestellung in dem Lernprozess über Monate, ja auch oft Jahren.

    Darum wenn man von Anfang an zu viel erwartet und möchte, dass man weder die Narbe, noch den SP noch sonst was sieht, ist man im falschen Boot,

    Entschuldigung Nikita, das ist für mich anmaßend. Du kannst doch nicht sagen, dass jemand, der sich über die Narbe oder der Farbe vom Sprachprozessor Gedanken macht, im falschen Boot sitzt. AnniB und der eine oder andere noch nicht Implantierte machen sich nun mal Gedanken darüber, das ist für mich vollkommen legitim und ein Prozeß, der zur individuellen Hörreise dazugehört. Es kann sein, dass die Hörreise beschwerlicher wird und auch Umwege einschlägt. Aber man sitzt doch deswegen nicht im falschen Boot. Du hast Deinen Weg für Dich gefunden, Deine Hörbehinderung anzunehmen. Und ich freue mich für Dich, dass Du es geschafft hast. Aber es ist nicht der Weg von Anderen. Jeder muss seinen Weg finden, die Hörbehinderung annehmen zu können, das dauert. Was man theoretisch weiß, muss nicht unbedingt auch praktisch in der aktuellen Lage umsetzbar sein.

    Was will ich damit sagen. Ich finde, wir sollen offenen Ohren für die Sorgen und Bedenken der Nichtimplantierten haben und sie auf ihrer Hörreise positiv unterstützen. Die Erfahrungen müssen von jedem selbst gemacht werden, um die richtigen Rückschlüsse bilden zu können. Um es zu verdeutlichen, was ich meine: Kinder gewähren wir auch das Recht Erfahrungen und die daraus entstehenden Fehler selbst zu sammeln und sie dann zu revidieren, zu korrigieren. Nur selbst erlebte Erfahrungen und Fehler bringen das Kind weiter. Die Erfahrungen von anderen können eine Hilfestellung sein. Aber den Weg muss jeder für sich gehen!

    Lieber Gruß

    Karin

    rechts: von Kindheit an mittel- bis hochgradig schwerhörig, letzter Hörsturz mit 22 Jahren verursachte totale Taubheit.

    Juli 1990: in Hannover CI-Operation, aktuell Nucleus 6, CP920


    links: geburtstaub, Juli 2017: in München-Großhadern CI-Operation, EA: 07.08.17, aktuell Nucleus 6, CP920

  • Hallo,

    ich denke, dass man unterscheiden muss zwischen der Erwartungshaltung und dem, was man sich erhofft.

    Für mich ist die Erwartungshaltung das, was ich mindestens erreichen will... das was ich mir innerlich als Ziel setze, um glücklich zu werden / zu sein. Sozusagen der für mich definierte "wort case".

    Hoffung ist entgegen das, was ich mir wünsche. Das, was ich mir erhoffe. Der so genannte "best case".

    Daher wird geraten, dass man die Erwartungshaltung niedrig halten soll. Man soll halt zunächst davon ausgehen, dass man nur ein Minimum erreichen kann.. z.B. dass man nur Geräusche hört, aber keine Stimmen erkennt oder gar versteht.
    Natürlich geht jeder von uns mit deutlich mehr Hoffnung in die OP und wünscht für sich, dass es perfekt läuft und letztendlich der "best case" erreicht wird. Wenn man jedoch den best case ERWARTET, dann kann es sehr schnell passieren, dass man frustriert ist und in Folge dessen die OP bereut.
    ERWARTET man jedoch erst mal nichts und HOFFT, dass es gut wird und begibt sich mit diesen Gedanken in die OP, dann kann man sich über die kleinen Fortschritte freuen und auch Verschlechterungen besser "verdauen".

    Kurzum: Wünschen und hoffen darf man alles und viele Beispiele zeigen ja auch, dass die Wünsche durchaus berechtigt sind. Aber erwarten sollte man zunächst nur ganz wenig.... und sich dann umso mehr erfreuen, wenn diese Erwartungen erfüllt werden und die Hörreise noch weitergeht!

  • Zum einen möchte ich mich bei KarinLa für ihre zwei Beiträge sehr herzlich bedanken und sie gar nicht weiter kommentieren, denn sie hat zu hundert Prozent das geschrieben, was mir durch den Kopf geht.

    Ich habe übrigens auch eine niedrige Erwartungshaltung und natürlich einige Hoffnungen. Sonst bräuchte ich es alles gar nicht erst zu machen. Und ich mache mir trotz meiner niedrigen Erwartungen Gedanken über Narbe und Farben. Einfach weil ich vor etwas Unbekanntem stehe und das Äußere wie das Innere zu mir gehören. Wem das Äußere komplett egal ist: Dann sind wir da unterschiedlich.

    Ich lasse mir meine positive Haltung nicht kaputt machen und mich nicht einbremsen, traurige Moment und Gedanken hatte ich in den letzten Monaten genug; ich gehe positiv ran und lasse mich dann von der Realität überraschen.

    Und ich hoffe, dass alle Neulinge wie ich tapfer weiter ihre Fragen stellen, auch wenn sie aus der Sicht anderer (vielleicht auch irgendwann meiner) unwichtig sind.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

    Edited 3 times, last by AnniB (September 2, 2019 at 5:40 PM).

  • muggel: Deine Beschreibung bzw. Differenzierung von worst case und best case-Erwartungshaltung gefällt mir ausgesprochen gut. Diese Denkweise ist für mich sehr wertvoll.

    Trotzdem ist es oft leichter gesagt, als getan. Nicht jeder ist in der Lage, das umzusetzen. Deswegen finde ich es auch wichtig, Menschen, die mit ihrer Enttäuschung kämpfen, zu unterstützen statt mit Worten in eine Ecke zu stellen. Achtsamkeit nicht nur gegen sich selbst zu sein, sondern dem Anderen es ebenso gewähren ist mir ein wichtiges Anliegen.

    AnniB Danke für Deine Worte.

    Lieber Gruß

    Karin

    rechts: von Kindheit an mittel- bis hochgradig schwerhörig, letzter Hörsturz mit 22 Jahren verursachte totale Taubheit.

    Juli 1990: in Hannover CI-Operation, aktuell Nucleus 6, CP920


    links: geburtstaub, Juli 2017: in München-Großhadern CI-Operation, EA: 07.08.17, aktuell Nucleus 6, CP920

  • Hallo Karin,

    ich weiss jetzt nicht, wie du darauf kommst, dass ich Menschen, die mit Enttäuschung kämpfe, nicht zu unterstützen oder Unachtsam bin.

    AnniB fragte nach der Länge der Narben.. dies habe ich ohne Wertung beantwortet und auch begründet, warum ich so lange Narben habe.

    AnniB schrieb, dass sie es besorgniserregend findet, wenn man so lange Narben bekommt ... und meine Antwort dazu war einfach, dass es mir damals vollkommen egal war, da mir das "Hören wollen" einfach soviel wichtiger war. Ganz sachlich. Ich habe auch nirgends geschrieben, dass solche Fragen ein Ausdruck von "nicht bereit fürs CI sein" ist.

    Man sollte aber nicht vergessen, dass die Grundsituation von beidseitig Ertaubten, die kaum noch verbal kommunizieren können aufgrund des nicht vorhandenen Sprachverstehens, anders ist als bei jemand, der ein Ohr hat, was absolut normal hört. Während bei mir damals nur der Wunsch, überhaupt wieder mit meiner Familie verbal zu kommunizieren absolut vordergründig war und alles andere egal wurde (ich hätte sogar ne Schubkarre mit Batterie vor mich geschoben, nur um wieder hören zu können), ist der Leidensdruck bei einseitig Ertaubten doch deutlich geringer (wie halt bei mir als ich das zweite CI bekommen habe).

    Dies soll nicht implizieren, dass es bei einseitig Ertaubten keinen Leidensdruck gibt -- der ist definitiv vorhanden -- nur einfach anders als bei beidseitig Ertaubten.

    Dies merkt man einfach auch an den Fragen und entsprechend auch an den Antworten von denjenigen, die beidseitig ertaubt sind: solche Fragen haben sich, wenn überhaupt, die beidseitig Ertaubten vor der Implantation des zweiten CIs gestellt, um abzuwägen, ob sie das OP Risiko (erneut) eingehen oder nicht und obwohl sie schon wissen, wie das mit dem CI funktioniert.

    Auch darf man nicht vergessen, dass früher deutlich später operiert wurde als heute (teilsweise erst, als gar kein Hörempfinden mehr da war oder die Hörkurve bei deutlich mehr als 120 dB lag etc) und auch oft nur dann, wenn die Erwartungshaltung niedrig war. Dies ist halt bei vielen einfach noch "drin". Denn leider ist es schon zu oft vorgekommen, dass Personen erwartet haben, dass sie nach der Erstanpassung direkt Musik hören und Telefonieren können usw mit dem Resultat, dass das CI generell schlecht gemacht worden ist und Ärzten vorgeworfen wurde, dass sie mutwillige Körperverletzungen begehen etc. Auch ist heute die Aufklärung noch nicht überall richtig gut... wie oft liest man bei Facebook Fragen wie "wann kann ich nach der EA telefonieren?", "wann erreicht man 80% Sprachverstehen oder mehr". Hier geht es einfach nur darum, sich selbst nicht auch unter Druck zu setzen ("ich hatte die EA vor 2 Wochen, warum verstehe ich immer noch so wenig?") und sich nicht einfach wegen übertriebener Erwartungshaltung ("direkt nach der EA kann ich mit dem SP telefonieren") enttäuscht zu werden. Da ist es doch viel schöner wenn man mit dem Wissen "nach der EA höre ich nur Piepsen und höre dieses auch noch mehrere Wochen" in die OP bzw. die EA geht und vielleicht dann doch schon mal ne Silbe richtig versteht.

  • muggel, mit dem Satz habe ich Dich doch gar nicht gemeint. Fälschlicherweise bin ich davon ausgegangen, wenn ich einen neuen Absatz schreibe, dann ist es klar, dass ich allgemein an alle formuliere. Ich kann mir gar nicht das Recht dafür herausnehmen, da ich Dich persönlich nicht kenne.

    rechts: von Kindheit an mittel- bis hochgradig schwerhörig, letzter Hörsturz mit 22 Jahren verursachte totale Taubheit.

    Juli 1990: in Hannover CI-Operation, aktuell Nucleus 6, CP920


    links: geburtstaub, Juli 2017: in München-Großhadern CI-Operation, EA: 07.08.17, aktuell Nucleus 6, CP920

  • muggel Da ich den Leidensdruck bei beidseitig Ertaubten nicht kenne, kann ich nicht beurteilen, wie er ist. Aber wie du schreibst, auch die einseitig Ertaubten haben einen ziemlichen Leidensdruck, auch wenn sie glücklicherweise nicht von allem abgeschnitten sind.

    Es ist wahrscheinlich auch alles oder vieles hier gesagt, ich würde mich sonst nur wiederholen.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

  • Zum Thema Erwartungen: In meiner Reha vor der OP, im CI Zentrum und in der Klinik haben mir ausnahmslos ALLE bescheinigt, dass ich innerhalb kürzester Zeit mit einem CI tolle Erfolge haben werde. Ich war nämlich nur 1,5 Jahre lang einseitig ertaubt. Meine Erwartungen waren deshalb ziemlich groß. Ich habe mich tierisch auf mein CI gefreut.

    Ich habe das CI seit 8 Monaten und bin keinen Schritt weiter als bei der Erstanpassung. So kann es nunmal auch kommen.

    Hörsturz in 2017, seit dem SSD, sonst normalhörend, Cochlear Kanso seit 2019

  • Zur Form meiner Narbe:

    Sie läuft ca. 2 cm hinter dem Oh in einer ohrförmigen Biegung und ungefähr so lang wie mein Ohr, evtl. noch etwas länger.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

  • So habe ich es auch und ich kann die Narbe noch nicht mal mehr ertasten, so gut ist sie genäht und verheilt.

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017 Uni Köln, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear